SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Freitag 11. August 2017

If you call me by name, it is Neeklaws Veert, but if you call me by value, it is Nickle's Worth
Niklaus Wirth

 

Lady Bugs

Marienkäfer

Marienkäfer, engl.: „Lady Bug“

Es gibt kluge Frauen. Es gibt technisch begabte Frauen, ja, sogar Mathematikgenies. Wer das bestreitet, kennt sie nicht. Oder er kennt sie, will aber provozieren. Und das funktioniert. Wer hingegen darauf verweist, daß die meisten guten Programmierer Männer sind, der will nicht provozieren, meistens jedenfalls. Der teilt der Welt lediglich eine Beobachtung mit.

Ich nenne mal schnell einige Pioniere der IT, die ich im Kopf habe:

Es sind zufälligerweise genau zwanzig. Bestimmt ist die Liste alles andere als vollständig, aber es sind zwanzig Menschen, die für mein berufliches Umfeld, aber irgendwie auch für die ganze Welt, von immenser Bedeutung sind. Zwei davon sind Frauen. Ich würde das normalerweise nicht einmal erwähnen, denn in dieser Liste sind Leute, die wichtig sind. Leute, die allein deshalb kein Geschlecht haben, weil sie im Plural aufgezählt werden, wo es bekanntlich im Deutschen kein Geschlecht gibt, alles ist „die“.

Außerdem – das sieht man deutlich – es fehlen die Unternehmer: Kein Steve Jobs, kein Bill Gates. Auch Seymour Cray, Hermann Hollerith und Konrad Zuse sind wegen ihrer technischen Leistung in der Liste, nicht wegen ihrer unternehmerischen. Aber wieso schreibe ich das nun? Ganz einfach: Vorgestern habe ich behauptet, für je 1 „Nerdine“ 9 männliche Nerds aufzählen zu können. Nun ist es nicht zwingend notwendig, ein Nerd zu sein, um in diese Liste zu kommen, aber so ganz zusammenhanglos ist das alles nicht, ging es doch um die Frage, ob die Geschlechter gleich sind, wenn es um IT und Programmierung geht.

Ich bleibe dabei, das mit dem Unterschied ist solange wurst, solange man Menschen individuell würdigt, und augenblicklich trivial, wenn man die Statistik bemüht. Und genau daher ist es doch etwas besonders, wenn in der Liste eine Frau auftaucht. Nehmen wir Grace Hopper, Spitzname „Amazing Grace“. Die ist weitaus weniger bekannt als ihre „Nebenbei“-Erfindung.

Was hat sie als erstes entdeckt und beschrieben? Ein Programm lief und lief nicht. Es durfte nicht wahr sein – alles war hunderte male getestet, gecheckt, kontrolliert worden und doch stürzte die Software immer an derselben Stelle ab, bei einem bestimmten Speicherplatz im Kernspeicher („core“). Der hieß so, weil damals ein Bit ungefähr so viel Speicherplatz brauchte wie ein (großer) Stecknadelkopf. Und billig war es auch nicht, pro Bit(!) rechnete man etwa einen Dollar Kosten. Nimmt man einen Spielfilm, nicht HD natürlich, Spieldauer etwa 2 Stunden, so braucht man dafür etwa 1 GB Speicherplatz. Diesen Film zu speichern hätte damals 1024 x 1024 x 1024 x 8 = 8.589.934.592 Dollar gekostet. Natürlich hätte man das eh nicht gemacht, man konnte damals nämlich noch jedes Bit „klacken“ hören, die Speicherung hätte also vermutlich länger gedauert als der Film.

Und jetzt ahnt man, was passiert ist: Eine Motte („bug“) war in den Kernspeicher geflogen und kurzschließenderweise zwischen zwei Kernen verendet. Frau Hopper entfernte die Motte („debugging“) und das Programm lief. Das hat sie niedergeschrieben, nicht nur, weil es lustig war, sondern weil diese potentielle Fehlerquelle zu kennen weltweit viel Zeit und Arbeit sparen half. Dafür schulden wir ihr Dank.

Hätte es was geändert, wäre sie ein Mann gewesen?

Keine Ahnung. Ist das wichtig?

 

2 Kommentare zu “Lady Bugs”

  1. Jürgen Plate sagt:

    Es ist total unwichtig und hat mit dem Thema eigentlich nichts zu tun:

    Es war kein Kernspeicher, in dem die Mottel klemmte (da hätte sie auch nichts
    Schädliches bewirkt, weil es keine beweglichen Teile gibt), sondern die
    Motte klemmte in einem Relais. Der Originaltext aus dem Labortagebuch lautet:
    „… Relay #70, Panel F (moth) in Relay. First actual case of bug being found…“
    Die Motte ist dann fein säuberlich mit Tesafilm daneben eingeklebt.

    Marginalie 1: In der Liste oben hätte ich noch gerne den Steve Wozniak, der die geniale Hardware des Apple I und II entwickelt hat – und die „Blue Box“, von der die heutigen Kids nicht mehr wissen, wozu sie gut ist.

    Marginalie 2: Manchmal hat es eine Rolle gespielt, ob ein Y-Chromosom mit im
    Spiel war. So hatte Lise Meintner wohl (aus heutiger Sicht) an der Entdeckung
    der Kernspaltung genauso großen Anteil wie Otto Hahn und Fritz Strassmann, nur
    ging sie beim Nobelpreis leer aus (und durfte die Uni lange Zeit durch einen
    Nebeneingang betreten). Hätte es was geändert, wäre sie ein Mann gewesen?

    Viele Grüße,
    Jürgen (Klugscheisser) Plate

  2. svb sagt:

    Hallo Jürgen, danke für Deinen Kommentar! Das mit dem Kernspeicher habe ich vor vielen Jahren so erzählt bekommen, fand die Quelle vertrauenswürdig und habe es übernommen, ohne weiter nachzudenken. Was Du nun sagst, klingt aber noch vertrauenswürdiger 🙂

    Woz hätte gut in die Liste gepasst – auch hier hast Du recht.

    Die (rhetorische) Frage in Deiner Bemerkung zu Lise Meitner würde ich mit „ja“ beantworten. Auch Marie Curie ist ein Beispiel, das man sich immer wieder vor Augen führen muss: Ihre Professur an der Sorbonne hat sie nicht offiziell bekommen, nur als „Interimsvertretung“ für ihren verstorbenen Mann. Dass sie bei der Verleihung ihres zweiten Nobelpreises nicht reden durfte, lag aber weniger an ihrer Eigenschaft als Frau, mehr an ihrem als unmoralisch empfundenen Lebenswandels.

    Kurz: Natürlich gibt es unglaublich begabte Frauen, und sie zu behindern ist so unsinnig wie ungerecht. Heute gibt es Professorinnen, die Gesellschaft ist klüger geworden. Der Googlemitarbeiter wurde, wenn ich es richtig verstehe, von Quotenregelungen zu seinem Schreiben motoviert. Und Quotenregelungen, die fähige Leute behindern, sind keinen Deut besser als Benachteiligungen von Frauen oder Schwarzen oder Ausländern.

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