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	<title>SvB-Blog &#187; Geschichte</title>
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	<description>Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)</description>
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		<title>Wort des Jahres: App</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Feb 2011 16:26:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ja ist denn schon wieder April? Wie ein verfrühter Aprilscherz liest sich jedenfalls die Meldung, daß es eine iPhone-Applikation gebe, die einem die Beichte abnimmt. Im Namen des Vaters: Kirche genehmigt Beicht-App iPhone-Anwendung hilft Sündern mit dem Sakrament South Bend (pte/09.02.2011/11:28) &#8211; Katholische User von Apple-Geräten können ihre Sünden in Zukunft ihrem iPhone, iPad oder iPod [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-3381" title="1297247330050l7123" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/02/1297247330050l7123.jpg" alt="" width="237" height="300" />Ja ist denn schon wieder April? Wie ein verfrühter Aprilscherz liest sich jedenfalls die <a href="http://www.pressetext.de/news/110209015/im-namen-des-vaters-kirche-genehmigt-beicht-app/" target="_blank">Meldung</a>, daß es eine iPhone-Applikation gebe, die einem die Beichte abnimmt.</p>
<blockquote>
<h3>Im Namen des Vaters: Kirche genehmigt Beicht-App</h3>
<h5>iPhone-Anwendung hilft Sündern mit dem Sakrament</h5>
<p>South Bend (pte/09.02.2011/11:28) &#8211; Katholische User von Apple-Geräten können ihre Sünden in Zukunft ihrem iPhone, iPad oder iPod Touch beichten. So hat die Kirche offiziell eine im App-Store erhältliche Anwendung abgesegnet, die Gläubigen mit dem Sakrament helfen soll.</p></blockquote>
<p>Das ist natürlich ausgemachter Schmarrn, und das wird bei näherer Betrachtung des Artikels auch klar. Nach kurzer Überlegung weiß man ja, daß zu einer Beichte immer einer gehört, der die Beichte abnimmt und Absolution erteilen kann. Was keiner hört, ist wie nicht gesagt.</p>
<p>Natürlich denken wir da sofort an König Midas, <span id="more-3380"></span>jenen legendären phrygischen König, der es schaffte, bei Dionysos einen Wunsch freizuhaben und sich wünschte, daß alles, was er berührte, zu Gold würde. Ein dummer Wunsch, aber er hatte ja Glück und dieser Fluch wurde von ihm genommen. Weniger bekannt ist die Geschichte, daß er als Unpartteiischer in einem Wettstreit zwischen Apoll und Pan dem letzteren den Sieg zuerkannte. Apoll fand das nicht lustig und zog ihm die Ohren so lang, bis sie aussahen wie die des Pan, oder eindeutiger: Wie Eselsohren.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-3383" title="430px-Bust_Attis_CdM" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/02/430px-Bust_Attis_CdM-215x300.jpg" alt="" width="215" height="300" />Darauf traf man  Midas nur noch mit Mütze. Als König von Phrygien trug er natürlich eine <em>phrygische Mütze,</em> wie man sie von den Jakobinern kennt, oder weniger heroisch, von den Schlümpfen oder den Mainzelmännchen. Einen aber gab es, der sah Midas regelmäßig ohne Mütze: Sein Barbier. Dem war es unter Androhung der Todesstrafe verboten, sein Wissen weiterzugeben. Eine Folter, nicht nur für gemeinhin als gesprächig geltende Friseure. Erwartungsgemäß hielt es der Ärmste irgendwann nicht mehr aus. In Ermangelung einer geeigneten App grub er am Seeufer ein tiefes Loch. Dort hinein rief er</p>
<p style="text-align: center;"><strong><em>König Midas hat ESELSOHREN</em></strong></p>
<p style="text-align: left;">und schaufelte das Loch hastig wieder zu. Leider jedoch wuchsen dort die für Gewässerränder nicht untypischen Schilfgräser, auch bekannt unter ihrem Namen &#8220;Binsen&#8221;. Wenn der Wind durch das Schilf fuhr, konnte man es deutlich hören, <em>König Midas hat ESELSOHREN</em> &#8230;</p>
<p style="text-align: left;">Was aus dem armen Barbier daraufhin wurde, ist nicht überliefert, man kann vom Schlimmsten ausgehen. Aber das Flüstern und Raunen der Binsen sorgte für zwei Dinge: Alle wußten vom Mißgeschick des Königs und das Wort von der <em>Binsenweisheit</em> war geboren, das wir ja heute noch verwenden.</p>
<p style="text-align: left;">Das hätte man vermeiden können, wenn man dem guten Barbier die Confession-App gegeben hätte, aber damals gab es ja eben noch nicht &#8220;für alles eine App&#8221;. Das ist erst jetzt so, wieso das Wort &#8220;App&#8221; auch zum Wort des Jahres wurde. 28 Punkte von mir &#8211; nicht mehr, denn Apps waren auch schon 2009 der Renner. Wort des Jahres? Ja, nicht bei uns, sondern in den USA. Wie ich vielleicht später noch beleuchten kann</p>
<p class="finish">hat bei uns so ein Wort keine Chance auf den Sieg.</p>
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		<title>Zwischen den Jahren</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 18:47:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Jahr 2010 ist noch nicht vorbei &#8211; aber das hat das Fernsehen nicht daran gehindert, bereits jede Menge Jahresrückblicke zu senden. Was passiert eigentlich, wenn noch was passiert? Fällt das dann in die Zuständigkeit des Rückblicks 2011? Oder ist das wie im Alten Rom, wo nach dem Januar die Consuln die Arbeit einstellten, damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-3097" title="Grenzstein" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/12/Grenzstein-225x300.png" alt="" width="225" height="300" />Das Jahr 2010 ist noch nicht vorbei &#8211; aber das hat das Fernsehen nicht daran gehindert, bereits jede Menge Jahresrückblicke zu senden. Was passiert eigentlich, wenn noch was passiert? Fällt das dann in die Zuständigkeit des Rückblicks 2011? Oder ist das wie im Alten Rom, wo nach dem Januar die Consuln die Arbeit einstellten, damit zu Jahresbeginn, also damals am 1. März, das neue Team sofort loslegen konnte und sie sich nicht mit Altlasten ihrer Vorgänger herumschlagen mußten. Daher stammt übrigens auch der Name Ianuarius: Der römsiche Gott Janus hatte vorne und hinten ein Gesicht und konnte gleichzeit nach hinten sehen, ins Amtsjahr des scheidenden Consuls, und nach vorne,  ins Amtsjahr des kommenden. Mögliche wichtige Ereignisse zwischen Januar und März wurden so auch von der Geschichtsschreibung ignoriert. Passiert ist vermutlich tatsächlich nicht viel, die Römer feierten ausgelassen und recht alkoholreich das kommende Jahr. Ab März war alles anders. Da der März der erste Monat war, ist auch klar, wie die Monate September bis Dezember zu ihren Namen kamen, es waren wirklich die Monate sieben bis zehn.</p>
<p><span id="more-3043"></span>Das römische Jahr ging übrigens in der Republik nach dem Mond &#8211; ein Ausdruck für Rückständigkeit, den wir über 2000 Jahre später noch verwenden. Das Mondjahr hat rund 355 Tage und die römischen Monate waren jeweils gute vier Wochen, also meist 29 Tage lang. Am 23. Februar war das Jahr zuende. Danach kam der Monat &#8220;zwischen den Jahren&#8221;, <em>mensis interkalaris</em> und er kann seine griechisch-etruskische Herkunft nicht verleugnen, da er wie die <em>Kalendae</em> ein &#8220;k&#8221; enthält. Die Schreibweise <em>intercalaris</em> ist erst im Kirchenlatein aufgekommen und <em>Calendar</em> gibt es nur auf Englisch. Bis heute hat es sich erhalten, die Zeit vor Neujahr als &#8220;zwischen den Jahren&#8221; zu bezeichnen, was aber heute einer anschaulichen Vorstellung entbehrt.</p>
<h3>Götter &#8230;</h3>
<p>Bis heute gerettet hat sich auch ein Gott aus dieser Zeit. Ein kleiner unscheinbarer Gott, dem der 23. Februar gewidmet war. Es war der Gott Terminus, der Gott der Grenzen, der auch für die Jahresendgrenze zuständig war, der also das reguläre Jahr <em>terminierte</em>, vielleicht sanfter als Arnold Schwarzenegger als Terminator. Die Götterbilder des Terminus dienten als Grenzsteine. Der Brauch war, jedes Jahr an den Terminalien alle Grenzsteine des eigenen Grundes aufzusuchen und dort Blumen abzulegen und etwas Wein auf den Stein zu schütten als Opfer. Den Rest des Weins trank man, am besten mit den Nachbarn, die ja auch irgendwann vorbeikamen am Grenzstein. Ein gemeinsam an der Grenze getrunkenes Glas Wein verringert die Gefahr von Grenzstreitigkeiten sicher enorm &#8211; ein schöner Brauch. Den Zeitpunkt der Terminalien hatte jeder im Kopf, jeder kannte also diesen einen Termin &#8211; und dass wir heute &#8220;ein Meeting terminieren&#8221; im Sinne vom Festlegen eines gemeinsamen Zeitpunkts für ein Treffen ist eine sprachliche Grausamkeit der besonderen Art.</p>
<p>Zurück zur Zeit &#8220;zwischen den Jahren&#8221;: Nach den Terminalien arbeitete niemand mehr, im Gegenteil, jeder anständige Römer feierte ausgelassen und war vermutlich betrunken. Bis zum ersten März, ad Kalendas Martii. Ein Fest von ungewisser oder besser willkürlicher Dauer, denn letzlich war es ein Politikum. Auch wenn die Consuln nicht mehr arbeiteten, die Steuerpächter, Volkstribunen und sonstigen Politiker wollten gewöhnlich ihre Amtszeit so lang wie möglich hinauszögern und so soll es vorgekommen sein, daß der für den Kalender zuständige Mann unter Druck geriet. Es handelte sich dabei um niemand geringeren als den Pontifex Maximus, den Obersten Priester Roms.</p>
<h3>&#8230; und Priester</h3>
<p>Einer der bekanntesten Pontifexe war Gaius Iulius Caesar. Er entrümpelte das Kalendersystem, inspiriert von den Ägyptern oder vielleicht auch nur von einer einzelnen Ägypterin namens Kleopatra, wer weiß. Jedenfalls geht auf ihn das System zurück, daß die Monate alternierend 31 bzw. 30 Tage haben (Martius 31, Aprilius 30, Maius 31, Iunius 30, Quintilis 31, Sextilis 30, Septembrius 31  usw.). Der September war immer noch der siebte Monat, der Dezember der 10. und der Quintilis der fünfte. Quintilis? Ja, dieser Monat war der Geburtsmonat des Juliers Gaius Iulius Caesar und so entstand, ihm zu Ehren, der Monatsnamen Juli. Wenig bekannt ist die Tatsache, daß Caesar das System zwar richtig eingeführt hat in einem kalendarisch etwas verworrenen Jahr 45 v.Chr., für Caesar natürlich das Jahr 708 a.u.c., aber niemand hatte richtig zugehört. Die Römer feierten den Schalttag alle drei Jahre. Augustus erkannte schon, dass das schnell aus dem Ruder lief und ließ drei Schaltjahre ausfallen und reparierte das System. Deshalb und wegen der großen Verehrung, die das römische Volk seinem ersten Imperator entgegenbrachte, wurde der Sextilis ebenfalls umgenannt und hieß ab dem Jahr 745 a.u.c (8 v. Chr.) Augustus.</p>
<h3>&#8230; und Altlasten</h3>
<p>Daher rührt auch diese Merkwürdigkeit, daß wir zum Abzählen der Monate mit 31 Tagen unsere Handknöchel brauchen. Der Sextilis hatte ja nur 30 Tage. Das ging gar nicht, daß der Julius den Augustus um einen ganzen Tag ausstach. Daher kehrte sich die alternierende Reihe im August um, nun hatte dieser 31 Tage, der Sempter dafür nur noch 30 usw. Die Programmierer hassen diese imperialen römischen Speichellecker dafür heute noch, denn außer</p>
<p style="text-align: left; padding-left: 60px;"><code>int days[] = { 31, 28, 31, 30, 31, 30, 31, 31, 30, 31, 30, 31 };<br />
if(schaltjahr()) { ++days[1]; }</code></p>
<p>gibt es kaum eine elegante programmiererische Lösung für das Abzählen von Tagen für irgendwelche langweiligen Fälligkeitsberechnungen etc. Aber andererseits wissen alle Anglophonen, daß Programmierer ohnehin mit Kalendern ihre Schwierigkeiten haben und Halloween und Weihnachten nicht auseinanderhalten können. Jeder Programmierer weiß schließlich:</p>
<p class="finish">25 DEC == 31 OCT</p>
<p>Übersetzt: Dezimal 25 ist Oktal 31, also 31 zur Basis 8 (3 x 8 + 1 = 25).</p>
<p><em>Bildquelle: Schöner altrömischer Grenzstein, aber leider gefälscht. Überführen Sie den Fälscher? Einsendeschluß sind die Iden des Ianuarius, 2763 a.u.c. Zu gewinnen gibt es nichts.</em></p>
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		<title>Fremde</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 22:15:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zur Zeit läuft eine verlogene und völlig hysterische Diskussion zum Thema &#8220;Ausländer, Zuwanderung, Kultur und Islam&#8221;, die auf allen Ebenen geführt wird. Ich wäre daran verzweifelt, hätte ich nicht hie und da besonnene Analysen gelesen, Aufrufe zur Mäßigung oder schlicht Richtigstellungen der öffentlichen Äußerungen. Dieser Auseinandersetzung Stammtischniveau zu unterstellen, beleidigt manchen Stammtisch. Zunächst: Was genau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/General_Mustafa_Kemal.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-2803" title="General_Mustafa_Kemal" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/General_Mustafa_Kemal-215x300.jpg" alt="" width="215" height="300" /></a>Zur Zeit läuft eine verlogene und völlig hysterische Diskussion zum Thema &#8220;Ausländer, Zuwanderung, Kultur und Islam&#8221;, die auf allen Ebenen geführt wird. Ich wäre daran verzweifelt, hätte ich nicht hie und da besonnene Analysen gelesen, Aufrufe zur Mäßigung oder schlicht Richtigstellungen der öffentlichen Äußerungen. Dieser Auseinandersetzung Stammtischniveau zu unterstellen, beleidigt manchen Stammtisch.</p>
<p>Zunächst: Was genau ist das Problem? <span id="more-2790"></span>Vieles geht auf Xenophobie zurück.</p>
<h3>Xenophobie</h3>
<p>Ξένος (Xenos) war für die alten Griechen das Wort für &#8220;Gast&#8221; und für &#8220;Fremder&#8221;. Das findet man auch in touristisch erschlossenen Gegenden in Deutschland, wo es Fremdenzimmer gibt und &#8220;Fremde&#8221; gleichbedeutend sind mit &#8220;Kunden&#8221;. Auf andere bei uns wirkt Fremdheit allerdings bedrohlich.</p>
<p>Interessant ist es auf Lateinisch: Die Römer hatten noch eindeutige Feinde: <em>Hostis</em> nannten sie so einen. Da die Römer nach der beeindruckenden Entfaltung ihrer Macht außerhalb Roms nur noch Feinde sehen konnten, die &#8220;pazifiziert&#8221; werden mußten, also &#8220;befriedet&#8221;, war <em>hostis</em> auch das Wort für &#8220;Fremder&#8221;. Und ein Fremder war kein Gast, der hieß, fein differenziert, <em>hospes</em>.</p>
<p>Aber das galt nur für die alten Römer. SpaceNet, die Firma, für die ich arbeite, ist ein Spezialist für <em>Hosting</em>. Darunter versteht man im Computerneusprech die Beherbergung von Daten oder Servern, sogenannten <em>hosts</em>. Also doch Beherbergung. Aus dem <em>hospes</em> wurde das Hospital. Aber <em>hostis</em> gibt es noch, zum Beispiel im Wort &#8220;Hotel&#8221;. Und darunter verstand man noch nie ein Kriegsgefangenenlager.</p>
<h3>Phobien sind Ängste</h3>
<p>Es ist also eine abendländische Tradition, in Fremdem auch immer etwas bedrohliches zu sehen. Das ist keineswegs selbstverständlich. Auf türkisch ist das, zumindest sprachlich, nicht zu bestätigen. Fremd ist yabancı. Gast ist misafir. Oder müşteri, aber das ist eher ein Kunde. Düşman ist der Feind. Oder hasım, was lustig ist, denn das ist eng verwandt mit hısım, so heißt &#8220;der Verwandte&#8221;. Wie man sieht, eine völlig fremde Kultur, denn ich mag meine Verwandten. Die meisten jedenfalls. Leider kann ich kein Arabisch, aber ich vermute sehr stark, daß die sprachlich nachzuweisende Xenophobie dort auch nicht verbreitet ist. Und um vollendet in Klischees zu schwelgen, denke ich an Beduinen, die in ihren Zelten sitzen, es ist ihnen fad, und sie freuen sich total, daß ein Fremder des Wegs kommt, der ihnen schöne Geschichten erzählen kann.</p>
<p>Bei uns ist das anders. Die christliche Tradition hat bei uns das Problem, daß sie beinahe nur noch das ist: Eine Tradition. Eine starke Glaubensgemeinschaft ist das Christentum in Deutschland nicht mehr. Kirchen stehen leer, Kinder werden nicht mehr getauft, und Mystik ist zwar en vogue, aber dann bitte in irgendwelchen exotischen Varianten. Leute treten wegen des Verhaltens von Priestern &#8211; also Menschen &#8211; aus der Kirche aus. Wer das kann, war vorher schon nicht mehr wirklich <em>in</em> der Kirche.</p>
<p>Wie ist das denn nun mit der Türkei? Kemal Atatürk, der Staatsgründer, ist nicht unumstritten, aber eines hat er sicher geleistet: Er hat aus der Türkei ein westliches Land gemacht. Dafür hat er einiges an Tradition geopfert, aber das ignorieren wir im Westen beharrlich. So hat er die lateinische Schrift eingeführt (vorher wurde Türkisch in arabischer Schrift notiert), er hat den Männern westliche Hüte aufgesetzt und ihnen Fes, Turban und Pluderhose weggenommen, und das ist wörtlich zu verstehen. Er hat auch Dinge zu verantworten, über die zu richten uns nicht zusteht, denn während er sich mühte, einen modernen, demokratischen Staat zu gründen, brach bei uns gerade die Barbarei aus.</p>
<h3>Fremde Kulturen</h3>
<p>Somit sollte man vielleicht einmal innehalten und fragen, ob wir überhaupt die Türken meinen, wenn wir von fremder Kultur reden. Für Horst Seehofer sind Araber und Türken irgendwie dasselbe, wenn er den Zuzug von &#8220;dort&#8221; begrenzt sehen will. Aber den sollte man hier nicht zu ernst nehmen, das ist kein Rechtspopulist, wie man hörte, sondern ein Opportunist. Der gleiche Mann ist für die Frauenquote, für und gegen die Gesundheitsreform, gegen die Rente mit 67 und gegen Moslems (und da dies politisch nicht korrekt ist, dann eben gegen &#8220;fremde Kulturen&#8221;, womit er aber deutlich sichtbar nicht Buddhisten, Shintoisten oder gar amerikanische Fundamentalisten meint).</p>
<p>Auch Thilo Sarrazin hat sich auf Araber und Türken spezialisiert, wenngleich mit weit höherem intellektuellen Anspruch. Doch auch er liegt falsch, viele &#8220;Türken&#8221; sind längst Deutsche in zweiter Generation. Und die Araber, die ich sehe, sind nicht nur seine Kopftuchmädchen produzierenden Gemüsehändler, sondern es sind die Leute, ohne die die Münchener Maximilianstrasse zugemacht hätte (womit ich die neuen russischen Verdienste nicht schmälern will). Vural Öger hat es auf den Punkt gebracht. Er sagt, es gehe nicht um ein Islamproblem, sondern um ein Unterschichtenproblem. Dem wäre nichts hinzuzufügen. Oder doch?</p>
<h3>Integration</h3>
<p>Vielleicht wäre das mit der Integration auch nicht so schwierig, wenn wir uns selbst als etwas präsentieren würden, in das man sich integrieren kann. Was ist denn nun unsere christlich-abendländische Kultur? Im Fernsehen werden wir kulturell nicht fündig. Es gibt RTL und Co., das ist nicht unsere Kultur, hoffentlich, und es gibt Arte, aber das ist auch nicht unsere Kultur, sonst gäbe es da mehr Zuseher. In der Kirche kommen wir auch nicht weiter. Auch wenn wir Weihnachten feiern: spätestens an Ostern blättert der kulturelle Lack, wenn diskutiert wird, daß Diskotheken an Karfreitag aufhaben sollen. Tradition? Anstatt auch Symbole anderer Religionen zuzulassen, hängen wir in den Klassenzimmern sicherheitshalber die Kruzifixe ab.</p>
<p>Sind wir denn wenigstens stolz auf unsere Demokratie? Die haben die Türken auch. Pressefreiheit? Das BKA macht Pressekonferenzen, bei denen nur handverlesene Journalisten informiert werden &#8211; kein Anlaß, auf die Türkei herabzuschauen. Immerhin haben wir es dieses Jahr bei der Pressefreiheit glatt auf Platz 17 geschafft &#8211; vom Platz 1 sind wir weit entfernt. In der Türkei werden Kurden heute diskriminiert. Nun ja, bei uns auch, wenn wir ehrlich sind.</p>
<h3>Islamophobie</h3>
<p>Nach all dem ist klar geworden: Es geht nicht um fremde Kulturen. Oder fühlt sich jemand von den zahlreichen Chinesen hier bedroht? Es geht um den Islam, eine Religion, die mit Feuer und Schwert verbreitet werden soll, in deren Namen getötet wird und die angeblich Frauen diskriminiert. Doch halt! Das ist vom Christentum nicht so weit weg. Alles auf 9/11 zu schieben ist auch nicht rational &#8211; die Islamophobie ist älter. Vermutlich führen wir alle im Hinterkopf eine lange Liste: Die Befreiung Spaniens von den Mauren. Die Kreuzzüge, die das gelobte Land unter christliche Gewalt bringen sollten (und da nehmen wir den Moslems vermutlich übel, dass sie nicht alles gleich freiwillig hergegeben haben). Aber dann, ha! die Türkenkriege. Der Gegenbesuch, sozusagen. Saladin der Prächtige &#8211; es hätte beinahe geklappt, und da wäre die fremde Kultur tatsächlich was bedrohliches gewesen. Was davon blieb, wissen wir: Die Kaffeehauskultur, die es immerhin ein Vierteljahrtausend gegeben hat, bis sie von der Starbuckisierung dahingerafft wurde &#8211; noch ein schönes Beispiel für bedrohliche  fremde Kulturen.</p>
<p>Zurück zu der Aussage von Herrn Öger: Es gibt kein Islamproblem, es gibt ein Unterschichtenproblem. So haben, nach Angaben unserer derzeitigen Familienministerin, Frau Schröder, türkische Jugendliche zur ihr gesagt, sie sei eine deutsche Schlampe. So drückt sich die Unterschicht heute aus &#8211; unterirdisches Benehmen. Aber Frau Schröder sieht nicht die gesamte Aussage, ihr reicht ein Stichwort: Sie sieht, wie einem Zeitungsinterview zu entnehmen war, eindeutig den Tatbestand des Rassismus erfüllt. Rassismus? Weil die Knaben <em>deutsche</em> Schlampe gesagt haben? Wäre Frau Schröder denn wieder versöhnt, wenn man sie einfach nur neutral als Schlampe bezeichnet hätte? So etwas als Rassismus zu bezeichnen ist eine ziemliche Verharmlosung des Rassismus. Darüber könnten wir hier trefflich wieder monatelang diskutieren. Und die Frage stellt sich nach wie vor: Diese Jugendlichen mit dem unsäglichen Migrationshintergrund an den Berliner Messerstecherschulen,</p>
<p class="finish">wo hinein genau sollen sich die denn nun integrieren?</p>
<p><em>Bild: Mustafa Kemal Atatürk</em></p>
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		<title>Advantage Gilgamesch</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/06/24/advantage-gilgamesch/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 16:31:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Tennis macht Spaß, wenn man es spielt und nicht zu oft danebenhaut. Spitzentennis hingegen läßt mich meistens kalt, wenn ich nur Zuschauer sein darf. Über Wimbledon jedoch weht eine gewisse Magie. Es ist, wenn man so will, das Stonehenge der Tenniswelt. Jetzt scheine ich ein Match verpaßt zu haben, das man vielleicht gesehen haben hätte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/06/gilgamesh_gilgameshseal.jpg"><img class="size-medium wp-image-2454 alignright" title="gilgamesh_gilgameshseal" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/06/gilgamesh_gilgameshseal-300x293.jpg" alt="" width="300" height="293" /></a>Tennis macht Spaß, wenn man es spielt und nicht zu oft danebenhaut. Spitzentennis hingegen läßt mich meistens kalt, wenn ich nur Zuschauer sein darf. Über Wimbledon jedoch weht eine gewisse Magie. Es ist, wenn man so will, das Stonehenge der Tenniswelt.</p>
<p>Jetzt scheine ich ein Match verpaßt zu haben, das man vielleicht gesehen haben hätte sollen. Während wir alle mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana fieberten (und davor und danach noch weiter), spielten der Franzose Nicolas Mahut und der Amerikaner John Isner das längste Match in der Tennisgeschichte. <span id="more-2447"></span>Allein der fünfte Satz war mit über sieben Stunden mehr als eine halbe Stunde länger als das bisher längste Spiel. Noch findet man das unter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tennisrekorde" target="_blank">&#8220;Tennisrekorde&#8221; bei Wikipedia</a>, aber nicht mehr lange vermutlich, und daher kopiere ich das schnell zusätzlich hierher. Noch ist das neue Match nicht zuende. Beim Stand von 2:2 in Sätzen und beim Stand von 59:59 im fünften Satz wurde ein zweites Mal unterbrochen. Zu diesem Zeitpunkt war die Anzeigetafel bereits ausgefallen, die kann nur bis 48 anzeigen. Hier also der alte Rekord:</p>
<blockquote>
<h3>Längstes Match in der Grand-Slam-Geschichte</h3>
<p>Das bislang längste Spiel in einem Grand-Slam-Turnier bestritten Fabrice Santoro und Arnaud Clément (beide FRA) bei den French Open 2004. Die Spieldauer bis zum Sieg (6:4, 6:3, 6:7 (5:7), 3:6, und 16:14) von Santoro betrug, über zwei Tage (24./25. Mai) verteilt, 6 Stunden und 33 Minuten. Allein der entscheidende fünfte Satz dauerte 172 Minuten.</p></blockquote>
<p>Und dieser beeindruckende Rekord wurde jetzt gebrochen. Kein Wunder, daß sich für die Fortsetzung bereits die Queen angesagt hat: Auch sie will nicht verpassen, wie das ausgeht.</p>
<p>Zwei Personen, die miteinander um den Sieg ringen, und die offensichtlich genau gleich stark sind. Ein starkes Motiv. Wo gab es das schon einmal? Richtig: Im Gilgamesch-Epos, einem der interessantesten Bücher, die die Menschheit je zuwegegebracht hat.</p>
<p>Gilgamesch ist der König von Uruk. Als solcher ist er auch zuständig, gelegentlich gegen Ungeheuer, Riesen und sonstige reichsbedrohende Wesen zu Felde zu ziehen. Im Gegensatz zur Neuzeit, wo alte Männer junge Männer in den Krieg schicken, war das damals noch persönliche Chefsache. Es hauste ein Wesen von ungeheurer Kraft in der Steppe. Sein Name war Enkidu. Gilgamesch war herausgefordert, ihn zu besiegen. Auch er war nicht gerade schwächlich. Der Kampf dauerte einen ganzen Tag und eine ganze Nacht (oder länger, je nach Quelle) und keiner konnte den anderen besiegen (jedenfalls sehr lange nicht, auch je nach Quelle). Daher legten sie sich schlafen und kämpften nach einer gewissen Pause weiter. Als sich abzeichnete, daß es wieder genauso laufen würde wie am Vortag und keiner den anderen wirklich besiegen könnte, sprach Gilgamesch zu Enkidu, dann bliebe ihnen ja gar nichts anderes übrig, als Freunde zu werden. Was sie dann auch wurden. Die besten Freunde, die man sich vorstellen kann.</p>
<p>Das alles kann man auf der zweiten Tafel nachlesen. Wie es weiterging, auf den restlichen. Nun, und als sie Freunde geworden waren, zogen sie zu zweit aus, um das Ungeheuer Chumbaba zu töten, was ihnen selbstredend mit links gelang. Mich hat diese Geschichte unbeschreiblich bewegt. Der Text ist viertausend Jahre alt, da steht so viel Kluges drin, das Geheimnis der Menschheit, die Hintergründe der Sintflut, sogar der Sinn des Lebens wird enthüllt. Das einzige, was wir an Erkenntnis dazugewonnen haben, ist das Internet.</p>
<p>Nicolas Mahut und John Isner sollten sich die Geschichte zu Herzen nehmen und in Zukunft zusammenarbeiten.</p>
<p class="finish">Möge Ishtars Segen auf ihnen ruhen.</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://academic.shu.edu/honors/1101.html" target="_blank"><em>Seton Hall University</em></a></p>
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		<title>Männer, die auf Ziegen starren</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 19:23:44 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Was für ein abstruser Titel. Klingt irgendwie nach usbekischem Nach­wuchs­film­preis. Beinahe wäre es mir entgangen: Männer, die auf Ziegen starren. Ein Genre hat dieser Film nicht: Für einen Dokumentar­film ist er zu abstrus, für eine Kommödie zu viel­schichtig (und nicht immer lustig genug), für eine Satire zu unspezifisch. Kurz, dieser Film hat von allem etwas. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/ziegen_starren_article.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2220" title="ziegen_starren_article" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/ziegen_starren_article-212x300.jpg" alt="" width="212" height="300" /></a>Was für ein abstruser Titel. Klingt irgendwie nach usbekischem Nach­wuchs­film­preis. Beinahe wäre es mir entgangen: Männer, die auf Ziegen starren. Ein Genre hat dieser Film nicht: Für einen Dokumentar­film ist er zu abstrus, für eine Kommödie zu viel­schichtig (und nicht immer lustig genug), für eine Satire zu unspezifisch. Kurz, dieser Film hat von allem etwas.</p>
<p>Fangen wir an mit dem Dokumentar­film: Was dem Streifen den ganz besonderen Charme gibt, ist die Tatsache, dass es sich um die Verfilmung eines <em>Sachbuchs</em> handelt. Das Buch ist von Jon Ronson und heißt auf Englisch schon &#8220;<em>The Men Who Stare At Goats&#8221;.</em> <span id="more-2219"></span>Die deutsche Version wurde bis zum Filmstart noch unter dem Titel &#8220;<em>Durch die Wand: Die US-Armee, absurde Experimente und der Krieg gegen den Terror</em>&#8221; verkauft.</p>
<p>Und das ist vielleicht schon das Sensationellste: Das hat es alles wirklich gegeben. Vielleicht nicht genau so, vielleicht hießen alle anders, aber es gab eine Truppe Anfang der Achtziger bei den Amerikanern, die sich als paranormale Kampfmönche verstanden. Und da Ronald Reagan ein erklärter Fan von Starwars war, nannte man sich der Einfachheit halber &#8220;Jedi&#8221;. Da mußte man weniger erklären. Was für Zeiten. Stark war sie geworden, die dunkle Seite der Macht. Irgendjemand hatte behauptet, die USA hätten eine para­psycho­logische Einheit gegründet. Die Russen glaubten das und gründeten auch eine und starteten abstruse Experimente. Worauf die Amerikaner nach­ziehen mussten und selbst eine solche Abteilung gründen. Ja, und die gab es dann. Und das war alles in der Wirk­lich­keit so. Oder so ähnlich.</p>
<p>Heute glaubt niemand mehr an Parapsychologie. Oder nicht mehr so wie in den Achtzigern. Uri Geller ist nur noch eine Witzfigur im Privatfernsehen, seine Tricks sind längst entlarvt. Was sich geändert hat: Außer mir findet das heute kaum noch jemand schade. New Age ist aus der Mode und LSD nimmt auch kaum einer mehr. Und nun das ganze Thema also als Film mit einer Handlung (nicht aus dem Buch) und Schauspielern, bei denen man fast sicher sein kann, dass man nicht enttäuscht wird. Und genau so kommt es auch.</p>
<p>George Clooney. Mit Schnauzer als &#8220;Lyn Cassady&#8221; und zeitweilig auch mit langen Haaren, aber immer George Clooney. Am stärksten ist er, wenn er selbst­ironisch sein darf. Nicht als gut­aus­sehender Arzt im Emergency Room und auch nicht als Ocean&#8217;s 11, 12 oder 13, obwohl er da schon wirklich gut ist. Aber richtig zur Hochform läuft er auf in Filmen wie &#8220;<a href="http://www.svb.bayern.net/2008/10/18/burn-after-reading/" target="_blank">Burn after Reading</a>&#8220;. Oder eben hier.</p>
<p>Und dann der Dude. Er ist wieder da. Älter vielleicht, aber wieder da. Wie haben wir ihn vermißt, den Dude, der die Frage, wer nun eigentlich The Big Lebowski wirklich ist, eindeutig geklärt hat, auch wenn er nicht so genannt werden will. Der geniale Jeff Bridges. Jetzt heißt er Bill Django, hat in Vietnam ein ein­schnei­den­des Erlebnis und kommt so zur Spiritualität und letztlich zu seinem New-Age-Kommando &#8220;New Earth Army&#8221;. Ein Hippie als Offizier und das auch noch glaubwürdig.</p>
<p>Ewan McGregor spielt den jungen Reporter. Dem die Frau wegläuft (die einzige Frau im ganzen Film, übrigens). Der darauf beschließt, ein Held zu werden und in den Irak gehen will in den Krieg als Bericht­erstatter. Vom Wollen allein wird man kein Held. Was für ein Glück, daß er Lyn Cassady trifft und über ihn die Reste der versprengten und längst aufgelösten New Earth Army. Hier lernt er, was es heißt, ein Jedi zu sein. Pikant: Ewan McGregor war doch der Obi-Wan in Star Wars. Wie, und ausgerechnet der weiß nicht mehr, was ein Jedi ist? Aber vielleicht trennen wir nur nicht genug zwischen Fiktion und Realität und so sind wir wieder bei diesem Film.</p>
<p>Kevin Spacey hat so viele Gesichtsausdrücke wie Buster Keaton, ist dennoch ein ganz grosser Schauspieler, wenn es sein muss allein mit den Augen, und er spielt über­zeugend den Fiesling. Fehlt noch Stephen Lang, woher kennen wir den gleich wieder? Ach ja, als bösen General in Avatar. Jetzt ist er eindeutig einer der Guten. Hier gleich­be­deu­tend auch mit den irgendwie Bescheuerten.</p>
<p>Wundervoll behutsam gemacht. Niemand ist der Versuchung erlegen, einen Knaller oder Schenkel­klopfer zu machen. Gelacht habe ich dennoch viel. Auch wenn es nicht wirklich eine Kommödie war. Aber das sagte ich schon.</p>
<p class="finish">Meine Empfehlung: Anschauen.</p>
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		<title>Wikinger!</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 18:02:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wikileaks wird in der Öffentlichkeit immer gerne als &#8220;Whistle­blower Platt­form&#8221; bezeichnet. Was auch immer man sich darunter vor­stellen mag: Im modernen Manager­sprech ist ein Whistle­blower ein In­sider, der aus Ge­wissens­grün­den an die Öffent­lich­keit geht und Ge­heim­nisse verrät, die ihm an­ver­traut wurden oder auf die er als Teil des Sy­stems Zu­griff hatte. Dabei nimmt er in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/03/wikileaks.png"><img class="size-full wp-image-617 alignleft" title="wikileaks" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/03/wikileaks.png" alt="" width="121" height="270" /></a>Wikileaks wird in der Öffentlichkeit immer gerne als &#8220;Whistle­blower Platt­form&#8221; bezeichnet. Was auch immer man sich darunter vor­stellen mag: Im modernen Manager­sprech ist ein Whistle­blower ein In­sider, der aus Ge­wissens­grün­den an die Öffent­lich­keit geht und Ge­heim­nisse verrät, die ihm an­ver­traut wurden oder auf die er als Teil des Sy­stems Zu­griff hatte. Dabei nimmt er in Kauf, zum Ver­räter an Kollegen, Partnern oder Freunden zu werden. Für die antiken Griechen handelt es sich hier ganz klar um ein moralisches Di­lemma, und die Götter haben ihre un­barm­herzige Hand im Spiel. Wir Deutschen sehen hier eher Luther vor uns, wie er sagt &#8220;hier stehe ich und kann nicht anders&#8221;.</p>
<p>Das entspricht aber nun ganz und gar nicht dem Bild, das ich von Wiki­leaks habe. <span id="more-1928"></span>Die Leute hinter Wiki­leaks sind selbst keine Insider, oder nicht not­wendiger­weise. Dokumente, die hier ver­öffent­licht werden, kommen auch nicht jedes Mal von In­sidern, sondern oft wurden sie einfach digital &#8220;ab­ge­griffen&#8221;. Sie ver­raten keine Ge­heim­nisse, die ihnen an­ver­traut wurden, sie zerren Dinge ans Licht, die sie ent­hüllen. Und sie sind keine reinen Plattformbetreiber, also Megaphon-Halter, sondern sie recherchieren. Nicht alles, wo nur &#8220;Skandal&#8221; darübersteht, wird bedenkenlos veröffentlicht. Damit sind sie die modernen Ent­hüllungs­jour­na­li­sten, in bester Tradition von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Woodward" target="_blank">Bob Woodward</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Bernstein" target="_blank">Carl Bernstein</a>, die ver­hin­dern konnten, dass Nixons <a href="http://www.washingtonpost.com/wp-srv/politics/special/watergate/index.html" target="_blank">Watergateaffäre</a> ver­tuscht wurde. Die Quellen dazu blieben ge­schützt, die Identität von &#8220;Deep Throat&#8221; wurde dreißig Jahre lang geheim­ge­halten. In­zwischen wissen wir, es war Mark Felt, damals Nummer 2 des FBI. Heute hätte sich Deep Throat vielleicht nicht an die Washington Post gewendet, sondern eher an Wikileaks.</p>
<h3>Kenia</h3>
<p>Bei Herrn <a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4921535,00.html" target="_blank">Githongo</a> war das so. Ein Fall, der in Deutsch­land weniger für Schlag­zeilen gesorgt hat: Githongo war in Kenia zu­ständig für die Be­kämpfung der Kor­rup­tion, was gefühlt das­selbe ist wie ein Eis­ver­hinderer­job am Nord­pol. Nachdem er seine Auf­gabe ernst­ge­nom­men hat, muss­te er fliehen, und er wandte sich in London nicht an die BBC, sondern gleich an Wiki­leaks. Später wurde durch die Ver­öffent­lichung die Wahl in Kenia stark beeinflußt.</p>
<p>Enthüllungsjournalismus gab es auch in Deutsch­land, und auch hier versuchte der Staat, oder besser seine Re­prä­sentan­ten, zunächst re­flex­haft, die Wahr­heit zu unter­drücken. Die Ant­wort auf öffent­liche Skandale ist höchst selten &#8220;wie konnte so eine Sauerei passieren&#8221; sondern fast immer zuerst &#8220;wer hat hier ge­plaudert&#8221;, ver­bunden mit der An­drohung von Re­pressa­lien und sogar Straf­verfolgung. Lücken­los, soweit ich zurück­denken kann, also etwa bis zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel-Affäre" target="_blank">Spiegel­affäre</a>, und wenn ich weiter zurück­denken könnte, würde es nicht besser. Damals war ich noch <em>sehr </em>jung, und so erinnere ich mich viel besser an all die Dinge, die wir Wiki­leaks ver­danken:</p>
<ul>
<li>Wir kennen nun die geheimen Verträge zwischen <a href="http://futurezone.orf.at/stories/1632790/" target="_blank">Toll Collect</a> und der Bundesregierung. Vielleicht immer noch nicht vollständig, aber was man sehen konnte, war brisant.</li>
<li>Nachdem die damalige Bundesfamilienministerin von der Leyen behauptet hatte, wie gut ihre Sperrlistenidee in den skandinavischen Ländern funktioniere, war es äußerst spannend, bei Wikileaks zu <a href="http://en.wikinews.org/wiki/Wikileaks_tells_Wikinews_why_they_published_Danish_child_porn_censorship_list" target="_blank">lesen</a>, was da alles als angebliche Kinderpornographie gesperrt werden sollte. Zuerst kam die dänische Liste, dann die australische, woraufhin Australien nicht etwa den Skandal aufklärte, sondern versuchte, Wikileaks zu zensieren.</li>
<li>Aktuell: Der <a href="http://www.gulli.com/news/kundus-wikileaks-ver-ffentlicht-untersuchungsbericht-2009-12-14" target="_blank">Kundus-Report</a>. Genauer: Der berüchtigte Feldjägerbericht, von dem in den Medien so oft die Rede war.</li>
</ul>
<p>Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wikileaks sorgt dafür, daß Mauscheleien nie sicher vor Aufdeckung sein können und dass Quellen geschützt werden müssen, damit sie sprudeln. Das natürlich bei aller Gefahr, die von nicht überprüfbaren Quellen ausgehen, aber diese Konstellation ist nicht neu: Auch heute schon müssen Journalisten ihre geschützten Quellen überprüfen oder ihren Ruf aufs Spiel setzen. Wie Wikileaks.</p>
<h3>Ein sicherer Ort für Server</h3>
<p>Auf dem 26. Computer Communication Congress, kurz: <a href="http://events.ccc.de/congress/2009/wiki/Welcome" target="_blank">26C3</a>, traten nun zwei der Macher von Wikileaks auf: Julian Assange und Daniel Schmitt. Sie hatten einen über­raschen­den Vor­schlag: Island sollte die Schweiz der Bits und Bytes werden. Genauer: Island ist der vielleicht flexibelste Staat unter allen zivilisierten Ländern der Welt. In Island hätte man die Chance, die liberalsten Gesetze zum Schutz von Presse- und Ver­öffent­lichungs­frei­heit zu schaffen. Dort wäre damit der ideale Ort, Rechen­zentren zu er­öffnen, nach­dem auch im Hin­blick auf Nach­haltig­keit die Vor­aus­setzungen günstig wären, Kühlung und Energie­er­zeugung sind in Island einfacher als bei uns. Und wie die Schweiz und andere so­ge­nannte Steuer­oasen daraus Gewinn ziehen konnten, dass sich bei ihnen die Menschen bzw. ihr Geld wohler fühlte als in der jeweiligen Heimat, so könnte Island brisanten Servern einen sicheren Hafen bieten. Deutschland kommt hier nicht in Frage. Wir sind nicht bereit, wirklich liberal und frei zu sein, wenn es um In­halte geht. Nicht nur diverse Innen­minister und ehe­malige Familien­mini­sterin­nen zeigten in der Ver­gangen­heit eine er­schreckende Ein­stellung zu diesem Thema. Hier wird &#8220;nicht lang gefackelt&#8221; und Server werden durch­aus be­schlag­nahmt &#8211; zu­min­dest wird ihnen damit gedroht.</p>
<p>Servern wie dem von Wikileaks. Also, auf nach Island! Und dann wäre klar, woher ab sofort der Name &#8220;Wikileaks&#8221; kommt: Nicht etwa von &#8220;Wiki-Wiki&#8221;, wie man es in Wikipedia und allen verwandten Portalen sieht und was hawaiianisch ist für &#8220;schnell&#8221; (eine Verballhornung des englischen &#8220;<em>quick</em>&#8220;), sondern von den Gründern der isländischen Nation,</p>
<p class="finish">den Wikingern!</p>
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		<title>Fahr lieber mit der Bundesbahn</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Aug 2009 13:49:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Bundesbahn! Verheißungsvolles Tor zur Welt. Der Münchener Hauptbahnhof mit seinem typischen Geruch nach Rauch, Öl und Metall. Ja, Rauch, eine Dampflok pro Tag reichte für den Geruch. Als Kinder waren wir grundsätzlich mit der Bahn in den Urlaub gefahren, typischerweise an die Nordsee: Ein ganzes Abteil, nur für unsere Familie, grundsätzlich ging es abends los. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-1717 alignright" title="800px-Deutsche_Bundesbahn.svg" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/08/800px-Deutsche_Bundesbahn.svg-300x215.png" alt="800px-Deutsche_Bundesbahn.svg" width="300" height="215" />Bundesbahn! Verheißungsvolles Tor zur Welt. Der Münchener Hauptbahnhof mit seinem typischen Geruch nach Rauch, Öl und Metall. Ja, Rauch, eine Dampflok pro Tag reichte für den Geruch. Als Kinder waren wir grundsätzlich mit der Bahn in den Urlaub gefahren, typischerweise an die Nordsee: Ein ganzes Abteil, nur für unsere Familie, grundsätzlich ging es abends los. Im Schlafwagen konnte man herrlich schlafen, und morgens waren wir dann schon fast da. Diese Art zu Reisen wollten wir wiederholen.</p>
<p>Ach, die Bahn ist nicht mehr das, was sie mal war, zumindest in Deutschland. <span id="more-1712"></span>Das beginnt damit, daß es die meisten Ziele meiner Jugend nicht mehr gibt. Das heißt, es gibt sie schon, aber die Bahn fährt nicht mehr hin. Aber was soll&#8217;s, dafür kann man jetzt mit der Bahn ohne Visum ganz neue Ziele ansteuern: Ahlbeck auf Usedom sollte es sein. Das mit der Fahrkarte ist ebenfalls nicht so einfach wie früher. Früher sagte man Ahlbeck bitte, hin und zurück, zwei Erwachsene, drei Kinder. Man mußte sich nur noch entscheiden, ob 1. oder 2. Klasse, Schlaf- oder Liegewagen. Allfällige Zuschläge konnte der Schalterbeamte selbst noch ausrechnen, fertig.</p>
<p>Heute ist das alles nicht so einfach. Nicht &#8220;Karte kaufen und los geht&#8217;s&#8221;. Wer den Listenpreis bezahlt, ist inzwischen bekanntlich ein bißchen lebensuntüchtig. Echte Preisfüchse fahren beinahe umsonst. Gewußt wie, diese Welt gehört den Schlauen. Der Mann am Schalter kennt sich auch nicht mehr aus, aber er nimmt die Herausforderung an. Die schüchterne Frage nach rosarotem Wochenende wird mit einem mitleidigen Blick beschieden &#8211; offensichtlich haben wir uns als Menschen geoutet, die im letzten Jahrhundert schon erwachsen waren. Dieses Produkt gibt es schon lang nicht mehr.</p>
<p>Nach einigem Stirnrunzeln gab es dann doch ein maßgeschneidertes Angebot &#8211; etwa so komplex wie ein Angebot für ein neues Auto. Lustige Tricks hatte er drauf, der Schalterbeamte, oder inzwischen &#8220;Angehörige des Servicepersonals&#8221;. Zum Beispiel mußten wir eine Bahncard kaufen, obwohl wir nur dieses eine Mal fahren wollten. Aber die wirklich lohnende Kinderermäßigung gibt es nur für Stammkunden &#8211; und nur Bahncardbesitzer sind Stammkunden. Auch wenn sie nur einmal fahren? Na gut, machen wir, wo ist der Haken? Es gab einen Haken, dazu später mehr.</p>
<p>Verschiedene Bahngesellschaften betreiben die Strecke von München nach Usedom, was bedeutet, daß man hinter Berlin nicht mehr reservieren kann. Schlafwagen gibt es noch, Kurswagen scheinen aus der Mode gekommen zu sein, also Umsteigen, Umsteigen, Umsteigen.</p>
<p>Trotzdem, Bahnfahren. Urlaub wie früher. Nun gut, das Gepäck muß man heute selbst mitschleppen, früher konnte man das am Vorabend aufgeben. Oder sogar holen lassen. Am Zielort wurde es ins Hotel gebracht, manchmal erst einige Stunden später. Über sowas hat man sich früher aufgeregt. Heute kommt der ganze Zug typischerweise später.</p>
<p>Aber nichts konnte unseren festen Entschluß ins Wanken bringen, diese Reise zu genießen. Wir vermieden stundenlanges Stehen im Stau. Na gut, dafür hatten wir stundenlanges Herumsitzen im Berliner Bahnhof. Wo der Anschlußzug auch nicht da abging, wo er sollte. Hätte man den Infoscreens entnehmen können, aber es sollte doch ein Retrourlaub sein, keiner hatte diese Screens gelesen. Was ist aus den guten alten unverständlichen Ansagen per Lautsprecher geworden&#8230;</p>
<p>Apropos Lautsprecher. Früher hieß es  ja auch noch &#8220;Bitte einsteigen und die Türen schließen!&#8221; Heute schließen sich die Türen von selbst, aber es heißt &#8220;Zurückbleiben!!!&#8221; Ja, drei Ausrufezeichen, ich höre das ganz deutlich.</p>
<p>Früher war also alles besser? Oh mein Gott, ich höre mich an wie mein Großvater. Doch halt. Es gibt einen Beweis. Ein &#8220;Dokumentarfilm&#8221; über die Bundesbahn, wobei ich das Lied noch auf einer Schallplatte von daheim kenne. Daß es dazu einen Film gibt, war für mich überraschend. Heute gibt es es das Internet und so können alle dran teilhaben. Voilá, fahr&#8217; lieber mit der Bundesbahn:</p>
<p><object style="width: 470px; height: 406px;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="470" height="406" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="AllowFullscreen" value="true" /><param name="AllowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.myvideo.de/movie/269987" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed style="width: 470px; height: 406px;" type="application/x-shockwave-flash" width="470" height="406" src="http://www.myvideo.de/movie/269987" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<title>Demjanjuk</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2009/07/16/demjanjuk/</link>
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		<pubDate>Thu, 16 Jul 2009 12:30:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein schwieriges Thema. Da hat jemand möglicherweise Verbrechen begangen zu einer Zeit, zu der all die, die über ihn zu Gericht sitzen werden, noch lange nicht geboren waren. Mit lebensversicherungsmathematischer Kälte könnte man nun ohne viel Widerspruch formulieren, daß er als 89-jähriger das Ende seines Prozesses vermutlich nicht erleben wird. Dennoch gibt es Leute, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-1547" title="demjanjuk" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/07/demjanjuk.png" alt="demjanjuk" width="291" height="231" />Ein schwieriges Thema. Da hat jemand möglicherweise Verbrechen begangen zu einer Zeit, zu der all die, die über ihn zu Gericht sitzen werden, noch lange nicht geboren waren. Mit lebensversicherungsmathematischer Kälte könnte man nun ohne viel Widerspruch formulieren, daß er als 89-jähriger das Ende seines Prozesses vermutlich nicht erleben wird. Dennoch gibt es Leute, die für ihn durchaus noch die Zuständigkeit bei der irdischen Gerichtsbarkeit sehen.</p>
<p>Das Verbrechen: Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen. <span id="more-1540"></span>Mord verjährt nicht mehr in Deutschland und das gilt wohl auch für Beihilfe. Damals war Demjanjuk Anfang 20. Ein junger Mann, dem aber schon einiges widerfahren war. Heute ist er ein alter Mann, der noch viel mehr durchgemacht hat. Rund ein Viertel seines Lebens fand vor der fraglichen Tatzeit statt, drei Viertel danach.</p>
<p>Wie sein Leben verlaufen ist, wünscht man niemandem, unabhängig davon, ob die ihm zur Last gelegten Verbrechen nun tatsächlich von ihm begangen wurden oder nicht. Er hat inzwischen geraume Zeit in einer israelischen Todeszelle zugebracht, war mit dem Vorwurf konfrontiert, ein psychopathischer Killer zu sein (&#8220;Iwan der Schreckliche&#8221;), wurde freigesprochen &#8211; das war definitiv eine Verwechslung, verlor dennoch die amerikanische Staatsbürgerschaft und wird nun als Greis erneut angeklagt.</p>
<p>Ist das christlich? Sicher nicht. Ist es gerecht? Das weiß ich nicht und zu glauben, das sicher beantworten zu können, wäre recht anmaßend. Aber eine Frage stelle ich mir, seit ich den Fall Demjanjuk verfolge: Ein Kriegsgefangener, vor die Wahl gestellt, mitzumachen oder die Konsequenzen zu tragen, der dann eventuell wirklich mitmacht&#8230; so einem vorzuwerfen, er habe ja nicht wissen können, ob die Konsequenzen wirklich ernsthaft gewesen wären, dazu gehört eine seelische Kälte, die mich schaudern läßt.</p>
<p>Es waren Deutsche, die ihn gezwungen haben, auf ihre Seite zu wechseln. Es waren unsere Vorfahren &#8211; und die Vorfahren des Staatsanwalts, der sich zur Aufgabe gemacht hat, einen alten Mann zur Strecke zu bringen. Mögen die Opfer über die Täter richten, in Deutschland sehe ich keine Legitimation für diesen Prozeß.</p>
<p>Ein <a href="http://www.svb.bayern.net/2008/11/25/schuld-und-suhne/" target="_blank">früher hier zu lesender Artikel</a> weist bei näherer Betrachtung Parallelen auf. Wenn es noch eines weiteren Argumentes bedurft hätte für die Wiedereinführung einer Verjährungsfrist für Mord,</p>
<p class="finish">hier wäre ein gewichtiges.</p>
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		<title>Luxus und Dekadenz</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 14:18:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kennen Sie Santa Barbara? Auf der ganzen Welt gibt es vermutlich über fünfzig davon, allein neun in Mexico. Aber hier ist die Rede von dem Santa Barbara in Kalifornien. Wo die Reichen und Schönen wohnen. D.h., zur Zeit wohnen. Oder zumindest einen Wohnsitz unterhalten, das trifft es vermutlich am besten. Früher waren das eher Städte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1494" title="lu_Nymphe" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_Nymphe.jpg" alt="lu_Nymphe" width="100" height="100" /><img class="alignright size-full wp-image-1495" title="lu_tischfuss" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_tischfuss.jpg" alt="lu_tischfuss" width="100" height="100" />Kennen Sie Santa Barbara? Auf der ganzen Welt gibt es vermutlich über fünfzig davon, allein neun in Mexico. Aber hier ist die Rede von <em>dem</em> Santa Barbara in Kalifornien. Wo die Reichen und Schönen wohnen. D.h., zur Zeit wohnen. Oder zumindest einen Wohnsitz unterhalten, das trifft es vermutlich am besten. Früher waren das eher Städte wie Antibes oder Cannes. Und noch früher war es Baiae, am Golf von Neapel, oder Herkulaneum, Bauli oder Pompeii. Dort, in der Umgebung von Neapel, versammelte sich früher die Elite aus Herkunft, Macht und Geld.</p>
<p><span id="more-1486"></span>In Baiae hatte die Prominenz aus Rom ihre Villen, und wenn man sagt &#8220;Prominenz&#8221;, dann darf man sich darunter wirklich die Prominenten vorstellen, nicht die &#8220;Promis&#8221;. Caesar und Brutus, Cicero und Verres, Seneca und Nero, alle hatten hier Villen. Cicero sogar gleich mehrere davon, nicht nur in Baiae, sondern eigentlich in fast jedem Ort der Gegend eine. Klingt protzig und war auch so gedacht. Als <em>homo novus</em>, also nicht aus einer adeligen Familie stammend, hatte dieser große Mann eine ausgesprochene Achillesferse in gesellschaftlichen Fragen. Heute hieße man so einen &#8220;Selfmademan&#8221;. Das hat den Neureichen abgelöst, oder den Parvenü. Alles dasselbe, seit tausenden Jahren belächelt man den Aufsteiger, nicht den Erben.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-1496" title="lu_orestpylades" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_orestpylades.jpg" alt="lu_orestpylades" width="100" height="100" /></strong><img class="alignright size-full wp-image-1497" title="bild1" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/bild1.jpg" alt="bild1" width="100" height="100" />Aber wie ging es weiter damals? Wissen wir. Pompeii ging unter im Aschenregen des Vesuvs elf Tage nach den Iden des Sextember, der seit ein paar Dezennien August genannt wurde, im Jahre 832 a.u.c., mittags. Heute würde man sagen 24.8.79 nach Christus, 13 Uhr. Fast zeitgleich kam die Lava nach Herculaneum &#8211; die beiden Städte sollten sich nie wieder erholen. Baiae ereilte ebenfalls ein Schicksal, wenngleich nicht so heftig für die Bewohner: Es ging unter, im wahrsten Sinn des Wortes, und liegt heute zum größten Teil unter Wasser. Der Untergang ausgerechnet solcher Städte hat nicht nur heutige Archäologen beeindruckt. Bereits in der Antike kritzelte jemand einen Vergleich mit Sodom und Gomorrha an eine Wand in Pompeii. Die Archäologen sind uneins, war das eine Warnung oder eine Quittung? Vermutlich letzteres. Jedenfalls gab es 79 nach Christus bzw. ein halbes Jahrhundert nach seiner Hinrichtung schon Leute auf der italischen Halbinsel, die die biblischen Geschichten zitieren konnten.</p>
<p>Dem ganzen Thema kann man sich derzeit in München nähern, es gibt eine fabelhafte <a href="http://www.lwl.org/ausstellung-herculaneum/cms/front_content.php?idcatart=39" target="_blank">Ausstellung: Luxus und Dekadenz</a>, in der archäologischen Staatssammlung am Englischen Garten, hinter dem Nationalmuseum. Dort lohnt es sich den Fragen nachzuspüren: Was ist gleich wie damals? Und was ist anders? Bankiers, die mit Hilfe von Spekulationen ein Vermögen verdienten. Ein Mann, der sich vom Sklaven hocharbeitete und als Freigelassener bei seinem Tod gut 4000 Sklaven hinterließ und 16 Millionen Sesterzen, die eine Million Sesterzen nicht mitgerechnet, die er für sein Begräbnis auf die Seite gelegt hatte. Zum Vergleich: Der Stundenlohn damals betrug typischerweise ein As, fünf Asse waren zwei Sesterzen. Der Freigelassene gab also für sein Begräbnis mehr aus, als ein normaler Arbeiter oder ein Soldat in eintausend Jahren mit täglich 10 Stunden Arbeit verdienen konnte. Dann war da noch die Statue eines Mannes, der als Steuerpächter das heutige Libyen so ausplünderte, daß selbst seine Landsleute eine Augenbraue hoben. Darauf spendierte er seiner Stadt eine neue Stadtmauer und entging einer Untersuchung.</p>
<p>Und schon damals hatten die Menschen Sinn für Kunst und Handwerk, für Dinge, die sie oft selbst nicht herstellen konnten. Die besten Statuen kamen aus Griechenland, Eisen und Stahlkonstruktionen von den Kelten und den Iberern, Glas aus Germanien oder aus Asia minor. Der Goldnachschub versiegte nicht, in Hispanien wurden ganze Flüsse umgeleitet, um die reichen Goldvorkommen aus den Gebirgen freizuwaschen. In den Manufakturen werkelten die Sklaven, das steuerte seinen Teil bei, aber das beste war immer noch die Steuerpacht: Wer sich in der Politik verdient gemacht hatte, durfte ein paar Jahre irgendeine Provinz ausplündern. Das lohnte sich, das geplünderte Geld reichte oft mehrere Generationen. Die Oberklasse war also reich. Sozusagen stinkreich, auch wenn <em>pecunia non olet</em>.</p>
<p>Gleichzeitig steckte Rom in den 70ern und frühen 80ern in einer heftigen Wirtschaftskrise, die allerding weniger mit dem Vulkanausbruch zu tun hatte, mehr mit Aufständen in den Provinzen, deren Niederschlagung immer kostspieliger geworden war, bei gleichzeitig schwindender Opferbereitschaft der römischen Bürger und immens angestiegenen Staatsausgaben und einer sich immer weiter aufblähenden Bürokratie. Neros Regierungszeit war 68 zuende gegangen. Wie auch immer man zu ihm steht, ob er nun ein großer Künstler war oder ein bluttriefender Despot, in jedem Fall war der Römische Staat von ihm ruiniert worden, oder er hatte den Ruin nicht verhindert. Nicht nur mit der Erfindung der Inflation, angeblich hatte er ja das Gold in den Münzen mit minderwertigen Metallen gestreckt, um den Staatsbankrott abzuwenden. Damit ruiniert man den Staat nicht, das ist ja heute ein anerkanntes Mittel zur Staatsfinanzierung.</p>
<p>Aber zurück: Wie hätte damals die Oberschicht dieses Verhängnis erkennen können? In einem Hausstand, in dem rationaler Einsatz von Arbeitskräften keine Rolle spielte? Wo es für den Status nur darauf ankam, möglichst viele Sklaven zu haben? Was für Jobs gibt es denn in einem Haus für ein paar hundert Leute? So entstanden die erstaunlichsten &#8220;Berufe&#8221;, Perlenkästchenbewahrer, Speisenabräumer, Zeitansager, Terminplaner, so langweilten sich die Sklaven wenigstens nicht gar zu sehr. Am nützlichsten war sicher der Einflüsterer. Wenn einem jemand auf der Strasse entgegenkam, den man kennen sollte, flüsterte dieser Sklave den Namen des Betreffenden in das Ohr seines Herrn. Wundervoll!</p>
<p>Trotzdem, die Anzeichen von Dekadenz sind nicht zu übersehen. Aber die vorläufige Rettung für das Römische Reich nahte in Gestalt des gütigen und vernünftigen Vespasianus, der seine Ohren gegenüber den nach Gold schreienden Hofschranzen verschloß und dem ganzen Staat eine Schlankheitskur verpaßte, die ihresgleichen suchte. Das ging so weit, dass die öffentlichen Bedürfnisanstalten Eintritt verlangten, was sogar seinem Sohn Titus, dem späteren Kaiser Titus, peinlich war. Vespasian sagte aber eben nur sein berühmtes: Geld stinkt nicht, <em>pecunia non olet</em>.</p>
<p>Zurück zur Ausstellung: Was es damals nicht gab, waren Computer und ihre ganz besonderen Möglichkeiten. Ausgesprochen faszinierend anzusehen sind die virtuellen Rundgänge durch römische Villen, die man auf den vielen Monitoren erleben kann. Marmor, viel Wasser, und bronzene Treppengeländer, wie man sie heute hauptsächlich in Amerika antrifft. Eine Badewanne mit Heizung &#8211; wichtig, wenn man nicht heisses Wasser nachlaufen lassen kann, weil man ja in Eselsmilch badet wie Poppaea, die Frau des Nero, die damit der Alterung vorbeugen wollte. Ihr Mann Nero hat ihrer Alterung allerdings noch nachhaltiger vorgebeugt. Und last but not least Alltagsgegenstände, die in keiner Küche fehlen dürfen, zum Beispiel ein Tonkrug zum Mästen von Siebenschläfern. Und gefüllte Siebenschläfer mit Honig und Mohn sind doch einfach zu köstlich, viel besser als gebackene Otternasen (&#8220;Leben des Brian&#8221;) oder eingelegte Nachtigallzungen (&#8220;Asterix&#8221;).</p>
<p>Zwei Stunden benötigt man für einen konzentrierten Rundgang, das ist nicht schlecht für</p>
<p class="finish">eine Zeitreise über 2000 Jahre.</p>
<p><em>Bildquelle: Alle Abbildungen habe ich </em><a href="http://www.lwl.org/ausstellung-herculaneum/cms/front_content.php?idcatart=39" target="_blank"><em>im Museum</em></a><em> geklaut</em>. Hoffentlich durfte ich das.</p>
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		<title>Unsere Gaunerkultur</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Feb 2009 22:15:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Was haben Gauner, Sklaven und Schlawiner ge­mein­sam, wenn sie zum Ab­schied leise Servus sagen? Ihre Her­kunft ver­bindet sie, zu­min­dest geo­graphisch. Was das soll? Es geht mal wieder um Sprache. Wo unsere Wörter her­kom­men, ist manch­mal wirk­lich ver­blüf­fend. Und von political correctness keine Spur. Munter werden Vor­urteile in Völker­namen und Völker­namen in Vor­urteile ver­packt. Es gibt einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-321 alignright" title="Riva degli Schiavoni" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/02/12026m-300x228.jpg" alt="Riva degli Schiavoni" width="300" height="228" />Was haben Gauner, Sklaven und Schlawiner ge­mein­sam, wenn sie zum Ab­schied leise Servus sagen? Ihre Her­kunft ver­bindet sie, zu­min­dest geo­graphisch.</p>
<p>Was das soll? Es geht mal wieder um Sprache. Wo unsere Wörter her­kom­men, ist manch­mal wirk­lich ver­blüf­fend. Und von <em>political correctness</em> keine Spur. Munter werden Vor­urteile in Völker­namen und Völker­namen in Vor­urteile ver­packt.</p>
<p><span id="more-277"></span>Es gibt einen uralten slawischen Namen, Slavko, auch Slavo, die weib­liche Form ist Slavka, auch Slava. Der Name bedeutet &#8220;Ruhm&#8221;, auch heute noch in vielen gängigen slawischen Landes­sprachen, vor allem im Süden. Die alten Griechen kannten den Namen bereits. Na gut, nicht die ganz alten Griechen, aber die Byzantiner kannten den Sklabos, der als <em>sclavus</em> in Rom den <em>servus</em> ergänzte oder ersetzte. Der alt­römische <em>servus</em> konnte noch aus Africa, Germania, Gallia oder Asia minor stammen, der <em>sclavus</em> hin­gegen kam zunächst immer aus dem Nord­osten. Prakti­scher­weise nannte er sich selbst so. Und später wurde die Be­zeich­nung auf alle Sklaven angewendet. Viele Jahr­hun­derte durch war aber das Wort <em>sclavus</em> doppel­deutig, für Sklave und Slawe, auf Englisch <em>slave</em> und <em>slav</em>. Die frühen Italiener ver­wen­deten das Wort weiter, aus <em>sclavus</em> wurde <em>schiavo</em>, und man hat es schwer, wenn man ohne Kon­text wissen will, wer in Venedig an der <em>riva degli schiavoni</em> landete, Sklaven oder Schiffe aus dem nahen Dalmatien? Und ist der Schlawiner ein gerissener Diener oder doch einfach nur ein Slovene aus der k.u.k.-Monarchie?</p>
<p>Venedig ist natürlich immer für einen Sprachscherz gut, wie das Bild oben beweist, heißt doch einer der bekanntesten Venedig­maler aus­ge­rechnet <em>Canaletto</em>. Und woher kommt der Name Venedig? Von Venetia. Der ganze Veneto wiederum leitet sich ab von den bereits bei Tacitus erwähnten &#8217;Veneti&#8217;. Bei Plinius heissen sie &#8216;Vendi&#8217;. Wir Deutschen nannten aber <em>alle</em> Slawen auf Mittel­hoch­deutsch Wenden oder Winden. Der Kreis schließt sich an einer ver­blüf­fen­den Stelle, und eine Fahrt von Windisch-Gräz nach Deutsch-Wagram wird selbst­er­klärend.</p>
<p>Die Schiavi waren also Diener. (sono vostro) schiavo, g&#8217;schamster Diener. Daraus wurde in Venedig immer kürzer und kürzer irgend­wann <em>ciau</em>, das später als <em>ciao</em> als <em>der</em> italienische Gruß schlecht­hin in das all­gemeine Bewußt­sein eingehen sollte.</p>
<p>Mit dem gehorsamsten, also den g&#8217;schamsten Diener, sind wir endgültig in Österreich an­ge­kommen und bei dem Gruß &#8220;Servus&#8221;. Der im übrigen kein Abschieds­gruß ist, auch wenn das be­kannte Lied von Peter Kreuder sagt: &#8220;Sag beim Abschied leise &#8216;Servus&#8217;&#8221;, aus dem Film &#8220;Burgtheater&#8221; von Willy Forst. Der Text ist von Hans J. Lengs­felder und Siegfried Tisch. Der eben­falls oft als Librettist benannte Harry Hilm war nur ein Freund der beiden, der (1934!) als Quoten­arier aus­half. Aber wenn man den ganzen Text liest, ist klar, daß es eben kein Abschieds­gruß ist, sonst ist der Text sinnlos:</p>
<blockquote><p>Sag beim Abschied leise &#8220;Servus&#8221; <br />
Nicht &#8220;Lebwohl&#8221; und nicht &#8220;Adieu&#8221; <br />
Diese Worte tun nur weh! <br />
Doch das kleine Wörterl &#8220;Servus&#8221; <br />
Ist ein lieber letzter Gruß, <br />
Wenn man Abschied nehmen muss. </p></blockquote>
<p>Jetzt sind wir wieder bei den Sklaven, aber das ist ja bekannt. <em>servus</em>, der Diener, der Sklave. Aber wenn die Slawen und die Sklaven zu­sammen­hängen, wie verhält es sich dann mit den Serben und dem <em>servus</em>? Stecken da auch die Griechen dahinter, die alten Gauner?</p>
<p>Nun, dazu ist zu bemerken, das Wort &#8220;Griechen&#8221; ist ja auch schon wieder so ein Miss­ver­ständ­nis. Die Griechen kennen sich unter dem Namen nicht. Wenn, dann sind sie Hellenen (Ἕλληνοι). Magna Graecia, &#8220;Groß­griechen­land&#8221;, nannten die Römer das von den Griechen besiedelte Süditalien. Daraus wurden unsere Griechen. Die biblischen Israeliten kannten die Griechen auch, aber weder als Griechen, noch als Hellenen: Sie waren die <em>Ionier</em>, und auch hier wurde, pars pro toto, aus יוון  (jawan) Griechen­land. Und gleichzeitig auch über das Rot­welsche (juonner) entstand das Wort <em>Gauner</em>. Und da wir unsere ganze Kultur von den alten Griechen ableiten, haben wir also</p>
<p class="finish">eine Gaunerkultur.</p>
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