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	<title>SvB-Blog &#187; Kultur</title>
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	<description>Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)</description>
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		<title>Cowboys und Aliens</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Aug 2011 17:46:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer sich den Film Cowboys und Aliens ansehen will, sollte sich beeilen. Ich hatte ein ungutes Gefühl, das Kino war recht leer und irgendwie wirkten die Besucher durch durch die Bank unzufrieden. Nur einem einzigen Menschen im ganzen Kino hat dieser Film vielleicht gefallen: Mir. Im Gegensatz zu meiner Frau. Beim Abspann sprang sie auf, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-3733" title="Bild 9" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/08/Bild-9.png" alt="" width="564" height="352" />Wer sich den Film Cowboys und Aliens ansehen will, sollte sich beeilen. Ich hatte ein ungutes Gefühl, das Kino war recht leer und irgendwie wirkten die Besucher durch durch die Bank unzufrieden. Nur einem einzigen Menschen im ganzen Kino hat dieser Film vielleicht gefallen: Mir.</p>
<p>Im Gegensatz zu meiner Frau. Beim Abspann sprang sie auf, zischte zuerst: &#8220;Beim nächsten Mal such ich den Film wieder aus!&#8221; und dann &#8220;los, komm, raus hier, ich möchte nicht der letzte sein, der nach diesem Film den Raum verläßt!&#8221;. Das hat mich verblüfft. Wieso hat ihr dieser wunderbare Film nicht gefallen?</p>
<p>Zum einen kann es am Genre liegen. Was ist überhaupt das Genre? Es kommen Cowboys vor, aber es ist nicht wirklich ein Western. Aliens kommen vor und sind auch recht gruselig, aber ein Space-Horrorschocker ist es nicht. Für ordentliche Sciencefiction fehlt Technik, na gut, ein bisschen Fluggerät schwirrt herum und eine Waffe, die im Wilden Westen jeder gerne gehabt hätte. Ganz klar: <span id="more-3729"></span>Das muss Satire sein. Aber so gut verpackt, daß nur Liebhaber von SciFi und Western eine Chance haben, die vielen kleinen Zitate und Anspielungen zu sehen, wenn nicht grad mal wieder jemand gequält, geschlachtet oder ermordet wird. Trash? Splatter? Nein, dafür ist der Film zu hochkarätig besetzt.</p>
<p>Die Schauspielerliste kann sich nämlich sehen lassen: Harrison Ford ist für den eigentlichen Helden zu alt geworden, also spielt er den brutalen Rinderzüchter mit Warlordattitüde. Merkt man gleich bei seinem ersten Auftritt, man sieht ihn nur von hinten, aber als er sich umdreht, ist es nicht Charles Bronson, sondern unser guter alter Freund Indiana Jones. Daniel Craig ist der Mann fürs Grobe &#8211; er ist der Held. Um ihn zu überwältigen, bedarf es einer halben Kompanie, oder einer Frau. Die gibt es natürlich auch, es ist Olivia Wilde. Woher kenne ich die bloß?? Klar, es ist &#8220;Dreizehn&#8221;, eine der Ärzte bei Dr. House. Die mit dem Huntigton Syndrom. Das hat sie hier natürlich nicht, aber ihre hübschen Katzenaugen darf sie haben.</p>
<p>Ein ganzer Haufen Indianer spielt auch mit. Gottseidank, Speere sind gegen Aliens viel wirkungsvoller als Kugeln. Ganz am Schluß ist die Welt gerettet &#8211; von einer Handvoll Westerntypen und einem Mädel. Amerikanische Wimpel hängen überall und man feiert im Saloon, bis der einsame Reiter wieder seinen Weg gehen muss. Das ist natürlich das einzig mögliche Ende, nicht erst seit dem &#8220;schwarzen Falken&#8221; (1956, Regie John Ford, mit John Wayne).</p>
<p>Viel Blut spritzt, rotes von den Menschen und grünes von den Aliens, bis der wackere Sheriff wieder vor seinem Büro auf einem knarzenden Holzstuhl sitzen kann. Dass die Aliens nebenbei auch noch eine Goldader entdeckt haben, wird der Stadt nützlich sein, aber der Film ist leider vorbei. Spannend, teilweise recht lustig, auf jeden Fall eine witzige Idee, amüsant umgesetzt.</p>
<p class="finish">Meine Frau sieht das anders, wie gesagt.</p>
<p><em>Bildquelle: Screenshot aus dem Originalfilmtrailer auf <a href="http://www.cowboysundaliens.de/" target="_blank">http://www.cowboysundaliens.de/</a></em></p>
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		<title>Wort des Jahres: Digitaler Radiergummi</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Feb 2011 20:18:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[App war also das Wort des Jahres in den Vereinigten Staaten. Apps gab es zwar schon früher, aber inzwischen ist der Spruch &#8220;There&#8217;s an App for that&#8221; dort ein geflügeltes Wort. Wenn es einen Himmel für Marketingspezialisten gibt, so hat der Erfinder des Wortes seine Apotheose schon hinter sich. &#8220;Apple&#8221; und &#8220;Application&#8221; in einem wirklich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/02/radiergummi.png"><img class="alignleft size-medium wp-image-3403" title="radiergummi" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/02/radiergummi-300x240.png" alt="" width="300" height="240" /></a>App war also das Wort des Jahres in den Vereinigten Staaten. Apps gab es zwar schon früher, aber inzwischen ist der Spruch &#8220;There&#8217;s an App for that&#8221; dort ein geflügeltes Wort. Wenn es einen Himmel für Marketingspezialisten gibt, so hat der Erfinder des Wortes seine Apotheose schon hinter sich. &#8220;Apple&#8221; und &#8220;Application&#8221; in einem wirklich kurzen Wort zusammenzufassen und dann, wenige Marketingmilliarden später, ein Wort zu haben, das mehr Leute kennen als es Leute gibt, die es nicht kennen.</p>
<p>&#8220;App&#8221; kam bei uns nicht einmal in die engere Wahl. Ein weiterer Kandidat hätte &#8220;Facebook&#8221; sein können. Traumaktienkurse wie zu den besten Börsenblasenzeiten, und gleichzeitig kommt ein Film heraus über den Firmengründer. Hollywood! Mark Zuckerberg ist 26 Jahre alt und sein Leben wird verfilmt. Howard Hughes war 29 Jahre <em>tot</em>, als sein Leben verfilmt wurde. Allerdings bekam er Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle und Zuckerberg mußte sich mit Jesse Eisenberg begnügen. Wort des Jahres also? Nichts zu machen. Bei uns wurde Facebook hauptsächlich von Ministerin Aigner erwähnt, die sich mit großem Medientamtam in Facebook gelöscht hat. Eine Art digitale Selbstverbrennung, um die Konsumenten aufzurütteln. Es wäre ein wenig glaubwürdiger gewesen, wenn sie den Account nicht extra für diesen Zweck angelegt hätte.</p>
<p><span id="more-3395"></span>Bei uns gibt es chancenreichere Wörter. Sie müssen etwas Negatives ausdrücken und unser allgemeines Unbehagen über die Entwicklung der Welt thematisieren. Wie wäre es mit dem &#8220;digitalen Radiergummi&#8221;? Ein theoretisierender Unsinn, mit großer Geste propagiert, wieder von Ministerin Aigner. Was daraus wurde? Eine gigantische Werbekampagne auf Kosten des Steuerzahlers für ein zweifelhaftes Produkt, das von einer privaten Firma vermarket wird. Öffentliche Mittel sollten in offene Software investiert werden &#8211; daß man darauf im 21. Jahrhundert noch hinweisen muß! Zumal das Produkt niemals das leisten kann, für was es gefördert wurde. Gibt man einem Dokument ein Verfallsdatum mit, zu dem es sich quasi in digitalen Rauch auflösen soll, muß das auch für alle Kopien gelten. Da jeder Art von &#8220;Sebstvernichtungscode&#8221; einfach elimierbar wäre, funktionieren die Dokumente nur in Verbindung mit einem Schlüsselserver, also online. Das ist auch deshalb notwendig, damit jeder auch <em>nachträglich</em> noch das Verfallsdatum verändern kann.</p>
<p>Das ist in mehrerlei Hinsicht Humbug. Gerade hat man sich durchgerungen, ein elektronisches Dokument als Dokument zu sehen, mit Archivierungspflichten und mit Beweiskraft. Und nun verschwindet ein Dokument doch auf einmal, nur weil sein Schöpfer es so will? Oder weil der Keyserver gestorben ist? Wie verträgt sich das denn mit den GDPdU, den &#8220;<em>Grundsätzen zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen&#8221;? </em>Diesem bürokratischen Monster<em>,</em> nach dem Dokumente für die Ewigkeit (i.e. typischerweise 10 Jahre) nicht mehr ausgedruckt werden dürfen, sondern elektronisch lesbar vorgehalten werden müssen, und zwar nachweislich unverändert.</p>
<p>Gut, derzeit wird der digitale Radiergummi auf Bilder reduziert. Vielleicht auch noch auf Töne und Videos, nicht jedoch auf das geschriebene Wort. Nicht ganz einzusehen, denn auch das Wort, das bei Homer dem Gehege der Zähne entkommt, kann einen recht reuen und man wünscht sich, es wenigstens unsichtbar zu machen, wenn man es schon nicht ungesagt machen kann.</p>
<p>Aber sei&#8217;s drum &#8211; wenigstens kann man Bilder löschen. Wirklich? Unsinn. Man kann Bilder nur löschen, wenn sie nicht vorher von jemand anderem gesichert wurden. Aber gerade das ist doch im Internet eine sehr typische Handlung. Auf dem Mac tippt man ⇧-⌘-4, ein Mausklick, und fertig ist das Bildschirmphoto. Dito unter Windows oder Linux, nur mit anderen Tasten. Das macht man doch jetzt schon, um zu verhindern, daß lustige oder peinliche oder spektakuläre Netzseiten verschwinden, bevor man sie all seinen Freunden zeigen konnte. Und das wäre bei kompromittierenden Photos anders?</p>
<p>Dennoch: 25 Punkte wegen des Nervfaktors &#8211; immerhin wurde dauernd über diesen Unsinn berichtet. Dabei wäre es einfach gewesen, man erkennt die Totgeburt doch sofort am Wort. Ein <em>Radiergummi</em> ist wohl das analoge Löschmittel par excellence. Es zeichnet den Radiergummi doch gerade aus, daß er nicht alles verschwinden läßt, sondern je nach verwendeten Medien Geschriebenes und Gezeichnetes nur mehr oder weniger unkenntlich macht, also eher verwischt, wobei Glanzpapier mit leichten Bleistiftstrich eher radierbar ist als Löschpapier mit Tinte.</p>
<p class="finish">Und besser wird ein digitaler Gummi das auch nie können.</p>
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		<title>Wort des Jahres: App</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Feb 2011 16:26:25 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ja ist denn schon wieder April? Wie ein verfrühter Aprilscherz liest sich jedenfalls die Meldung, daß es eine iPhone-Applikation gebe, die einem die Beichte abnimmt. Im Namen des Vaters: Kirche genehmigt Beicht-App iPhone-Anwendung hilft Sündern mit dem Sakrament South Bend (pte/09.02.2011/11:28) &#8211; Katholische User von Apple-Geräten können ihre Sünden in Zukunft ihrem iPhone, iPad oder iPod [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-3381" title="1297247330050l7123" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/02/1297247330050l7123.jpg" alt="" width="237" height="300" />Ja ist denn schon wieder April? Wie ein verfrühter Aprilscherz liest sich jedenfalls die <a href="http://www.pressetext.de/news/110209015/im-namen-des-vaters-kirche-genehmigt-beicht-app/" target="_blank">Meldung</a>, daß es eine iPhone-Applikation gebe, die einem die Beichte abnimmt.</p>
<blockquote>
<h3>Im Namen des Vaters: Kirche genehmigt Beicht-App</h3>
<h5>iPhone-Anwendung hilft Sündern mit dem Sakrament</h5>
<p>South Bend (pte/09.02.2011/11:28) &#8211; Katholische User von Apple-Geräten können ihre Sünden in Zukunft ihrem iPhone, iPad oder iPod Touch beichten. So hat die Kirche offiziell eine im App-Store erhältliche Anwendung abgesegnet, die Gläubigen mit dem Sakrament helfen soll.</p></blockquote>
<p>Das ist natürlich ausgemachter Schmarrn, und das wird bei näherer Betrachtung des Artikels auch klar. Nach kurzer Überlegung weiß man ja, daß zu einer Beichte immer einer gehört, der die Beichte abnimmt und Absolution erteilen kann. Was keiner hört, ist wie nicht gesagt.</p>
<p>Natürlich denken wir da sofort an König Midas, <span id="more-3380"></span>jenen legendären phrygischen König, der es schaffte, bei Dionysos einen Wunsch freizuhaben und sich wünschte, daß alles, was er berührte, zu Gold würde. Ein dummer Wunsch, aber er hatte ja Glück und dieser Fluch wurde von ihm genommen. Weniger bekannt ist die Geschichte, daß er als Unpartteiischer in einem Wettstreit zwischen Apoll und Pan dem letzteren den Sieg zuerkannte. Apoll fand das nicht lustig und zog ihm die Ohren so lang, bis sie aussahen wie die des Pan, oder eindeutiger: Wie Eselsohren.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-3383" title="430px-Bust_Attis_CdM" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/02/430px-Bust_Attis_CdM-215x300.jpg" alt="" width="215" height="300" />Darauf traf man  Midas nur noch mit Mütze. Als König von Phrygien trug er natürlich eine <em>phrygische Mütze,</em> wie man sie von den Jakobinern kennt, oder weniger heroisch, von den Schlümpfen oder den Mainzelmännchen. Einen aber gab es, der sah Midas regelmäßig ohne Mütze: Sein Barbier. Dem war es unter Androhung der Todesstrafe verboten, sein Wissen weiterzugeben. Eine Folter, nicht nur für gemeinhin als gesprächig geltende Friseure. Erwartungsgemäß hielt es der Ärmste irgendwann nicht mehr aus. In Ermangelung einer geeigneten App grub er am Seeufer ein tiefes Loch. Dort hinein rief er</p>
<p style="text-align: center;"><strong><em>König Midas hat ESELSOHREN</em></strong></p>
<p style="text-align: left;">und schaufelte das Loch hastig wieder zu. Leider jedoch wuchsen dort die für Gewässerränder nicht untypischen Schilfgräser, auch bekannt unter ihrem Namen &#8220;Binsen&#8221;. Wenn der Wind durch das Schilf fuhr, konnte man es deutlich hören, <em>König Midas hat ESELSOHREN</em> &#8230;</p>
<p style="text-align: left;">Was aus dem armen Barbier daraufhin wurde, ist nicht überliefert, man kann vom Schlimmsten ausgehen. Aber das Flüstern und Raunen der Binsen sorgte für zwei Dinge: Alle wußten vom Mißgeschick des Königs und das Wort von der <em>Binsenweisheit</em> war geboren, das wir ja heute noch verwenden.</p>
<p style="text-align: left;">Das hätte man vermeiden können, wenn man dem guten Barbier die Confession-App gegeben hätte, aber damals gab es ja eben noch nicht &#8220;für alles eine App&#8221;. Das ist erst jetzt so, wieso das Wort &#8220;App&#8221; auch zum Wort des Jahres wurde. 28 Punkte von mir &#8211; nicht mehr, denn Apps waren auch schon 2009 der Renner. Wort des Jahres? Ja, nicht bei uns, sondern in den USA. Wie ich vielleicht später noch beleuchten kann</p>
<p class="finish">hat bei uns so ein Wort keine Chance auf den Sieg.</p>
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		<title>Wort des Jahres: Bildungskarte</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2011/01/30/wort-des-jahres-bildungskarte/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 Jan 2011 16:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Frau von der Leyen kann man viel lernen. Sie verwendet Sprache als Waffe. Propaganda aus ihren jeweiligen Ministerien ist jedesmal nahezu perfekt. Da gibt es keine Zweifel, kein Abwägen, keinen Interessenausgleich. Was Frau von der Leyen in die Welt setzt, ist &#8220;alternativlos&#8221;. Sie setzt sich nicht ein für eine Zensurplattform oder ein BKA-Ermächtigungsgesetz, nein, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/03/vdl.png"><img class="alignleft size-medium wp-image-590" title="vdl" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/03/vdl-233x300.png" alt="" width="233" height="300" /></a>Von Frau von der Leyen kann man viel lernen. Sie verwendet Sprache als Waffe. Propaganda aus ihren jeweiligen Ministerien ist jedesmal nahezu perfekt. Da gibt es keine Zweifel, kein Abwägen, keinen Interessenausgleich. Was Frau von der Leyen in die Welt setzt, ist &#8220;alternativlos&#8221;. Sie setzt sich nicht ein für eine Zensurplattform oder ein BKA-Ermächtigungsgesetz, nein, sie ruft auf zum Schutz unserer Kinder. Sie fordert Kinder auf, Testkäufe zu tätigen und unkorrekte Ladenbesitzer auszuliefern, und spricht man sie darauf an und unterstellt man ihr Stasi-Methoden, so reagiert sie fassungslos, man selbst sei wohl dafür, daß Kindern Alkohol und andere Drogen verkauft würden! Das sei ja wohl viel schlimmer.</p>
<p>Jetzt stand sie vor einer weiteren Aufgabe: <span id="more-3271"></span>Es galt, ein Urteil des Verfassungsgerichts in einen politischen Erfolg umzumünzen. Eigentlich sollte nur die Regelsätze für Hartz-IV-empfangende Kinder besser begründet werden. Die Boulevardpresse machte draus, das Verfassungsgericht habe eine Steigerung der Sätze gefordert. Daß das Blödsinn war, interessiert niemand, schon gar nicht die Opposition, die die &#8220;neue soziale Kälte&#8221; für verfassungsrechtlich beendet erklärte. Wo wir gerade dabei sind: Soziale Kälte: 20 Punkte. Im Gegensatz zu asozialer Kälte vielleicht? Oder im Gegensatz zur sozialen Kuscheligkeit des 19. Jahrhunderts?</p>
<p>Zurück zum Urteil: Die Regierungspartei, nicht faul, reagierte sofort. Frau Merkel erklärte noch schnell, das Urteil sei gerecht und sinnvoll, dann ging sie auf Tauchstation. Lediglich Herr Westerwelle versuchte, mit der spätrömischen Dekadenz einen kläglich Hinweis darauf zu geben, daß es neben Brot und Spielen bei uns vielleicht einfach auch noch andere Themen geben sollte. Das exakte Zitat war: &#8221;Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.&#8221; Was war daran eigentlich auszusetzen? Der Satz ist richtig, das heißt, er wäre es, wenn es so etwas wie &#8220;spätrömische Dekadenz&#8221; gegeben hätte. Dekadent waren die Römer in der späten Republik und der frühen Kaiserzeit. Wann war der bluttriefende Cinna? Wieso kam ein Julius Cäsar an die Macht? Und war es das wehr- und tugendhafte Bauernvolk der Römer, denen Nero die Stadt anzündete? Nein, die Dekadenz war in der Zeit 100 Jahre vor bis 100 Jahre nach Christus besonders ausgeprägt. Aber das war ja auch die Zeit des anstrengungslosen Wohlstands &#8230; was also genau wollte Westerwelle nicht? Es blühten die Künste, das Volk überbot sich im Ersinnen immer ausgefallener Lüste und Belustigungen, Rom hatte seine prachtvollsten Zeiten. Nach dieser Zeit ging erst noch weiter aufwärts &#8211; unter Trajan sollte das Reich die größte Ausdehnung haben, aber auch weitere hundert Jahre lang noch war Rom der Nabel der Welt. Das änderte nicht die Dekadenz: Spätrom sollte am Christentum untergehen. Also von Anstrengung, Buße und Opferbereitschaft. Spätrömische Dekadenz: 19 Punkte.</p>
<p>Was hat dies alles mit Frau von der Leyen zu tun? Sie bemerkte die thematischen Tretminen, das Terrain war verseucht, nur dummerweise fiel es in ihr Ressort. Mehr Geld für die prekären Schichten kostet konservative Wähler und stärkt die FDP. Weniger Geld für Bedürftige spielt der Linken die Hände, selbst wenn die SPD wieder mal zu selbstbeschäftigt ist, die Chance zu ergreifen. Nichts tun geht auch nicht, das Verfassungsgericht darf man nicht ignorieren, will man der Opposition nicht ein großes Ass in den Ärmel stecken. Hier steckt die große Begabung dieser Frau: Sie investiert das Geld in Bildung. Bildung ist gut, das enthält Zukunft und Kinder und Aufstiegschancen und die Gelegenheit, noch einmal zu betonen, daß eigentlich jeder seines Glückes Schmied sei: Solange jeder sich weiterbildet, geht es uns allen immer besser.</p>
<p>Das war natürlich alles nur Fassade. Für Bildung ist die Gute ja nicht zuständig, es geht doch um die Höhe der Sozialhilfe. Mit der &#8220;Bildungskarte&#8221; können sozial schwache Kinder aber ins Schwimmbad, sagt die Ministerin. Oder in die Musikschule. Oder auf den Bolzplatz. Oder in die Bibliothek. Das alles bildet sicher ungemein. Das Schwimmbad? Das ist Gemeindesache &#8211; wenn eine Gemeinde will, kann sie doch einen Nachmittag in der Woche allen Kindern den Eintritt für einen Groschen geben. Das ist sozial und sinnvoll, aber dazu bedarf es dieser &#8220;Bildungskarte&#8221; nicht.</p>
<p>Musikschule? Nicht das Ressort von Frau v.d.L. Zu meiner Schulzeit war der Instrumentalunterricht zumindest an bayerischen Schulen kostenlos. Nicht jedes Instrument und kein Einzelunterricht, aber immerhin kostenlos, incl. Leihinstrument, falls erforderlich. Unterricht ist aber aus gutem Grund Ländersache und untersteht nicht dem Bundessozialminister. Außerdem: sehr weit wird man bei Musikschulen mit dem Betrag, um den es bei der &#8220;Bildungskarte&#8221; geht, eh nicht kommen. Bolzplatz? Einer, der Eintritt kostet? Kenne ich nicht. Sollen die Kinder halt im Park kicken. Bibliothek? Seit wann kostet die denn Eintritt? Ansonsten: Siehe Schwimmbad. Ich glaube nie und nimmer, daß Kinder aus prekärem Umfeld nur deshalb nicht in die Bibliothek gehen, weil sie es sich nicht leisten können, und daß nun die paar Euro von der Bildungskarte irgendetwas ändern. Statt dessen fehlen den Bibliotheken die dringend benötigten Zuschüsse, für Öffnungszeiten und Ankäufe, um attraktiv im Wortsinn zu sein. Aber hier würde Frau v.d.L. vermutlich feinsinnig bemerken, es fiele nicht in ihre Zuständigkeit. Sag ich doch gerade!</p>
<p>Die ganze Aktion ist eine häßliche Mischung aus Aktionismus und Dirigismus, ein ärgerlicher Versuch, selbst aus einem unerwünschten Urteil noch propagandistisch politisches Kapital zu schlagen. Und mit Bildung hat sie nichts zu tun.</p>
<p class="finish">30 Punkte für diesen Zynismus</p>
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		<title>Auftragslover</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Jan 2011 15:00:24 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Titel des Films &#8220;Der Auftragslover&#8221; setzt eine verhängnisvolle Tradition der deutschen Kinowelt fort. Was man nicht übersetzen kann oder will, dem gibt man einen nichtssagenden Titel. Die Aufgabe war dieses mal allerdings wirklich herausfordernd, im Original heißt der Film nämlich L&#8217;arnacœur. Das ist eine Mischung aus arnaqueur (Betrüger) und cœur (Herz). So gesehen ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Titel des Films &#8220;Der Auftragslover&#8221; setzt eine verhängnisvolle Tradition der deutschen Kinowelt fort. Was man nicht übersetzen kann oder will, dem gibt man einen nichtssagenden Titel. Die Aufgabe war dieses mal allerdings wirklich herausfordernd, im Original heißt der Film nämlich L&#8217;arnacœur. Das ist eine Mischung aus arnaqueur (Betrüger) und cœur (Herz). So gesehen ist es fast erleichternd, daß niemand &#8220;Herzbube&#8221; draus gemacht hat. Dann wäre ich sicher nicht in den Film gegangen und ich hätte sicher was verpaßt.</p>
<p>Worum geht es?  <span id="more-3308"></span><img class="alignleft size-medium wp-image-3309" title="Bild 6" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/Bild-6-279x300.png" alt="" width="195" height="210" /> Abgefahrene Geschäftsideen gibt es zu Hauf, aber Alex (Romain Duris) hat wirklich eine ungewöhnliche Profession: Er bringt Paare auseinander, bei denen die Frau im Grunde ihres Herzens unglücklich ist. Engagiert wird er, ohne das Wissen seiner Klientinnen, von liebenden Geschwistern, Freunden, Eltern der zur Vernunft zu bringenden Frau. Seinen Job macht er, indem er sich einfach zunächst mal gut vorbereitet: Er kennt die Vorlieben und Vorstellungen seiner &#8220;Opfer&#8221; so gut, daß er sich nicht auf sein gutes Aussehen (soweit ich das beurteilen kann) verlassen muß. Für die perfekte Inszenierung hat er ein Team, bestehend aus seiner Schwester Mélanie (Julie Ferrier) und seinem Schwager Marc (François Damiens), die ihm bei Bedarf auch ein ganzes Beduinendorf hinstellen, nur weil eine Klientin von einem selbstlosen Arzt beeindruckt werden soll, der arme kirschäugige Kinder heilt und ganz nebenbei kostenlos zwei siamesische Zwillinge trennt. Ambulant.</p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-3310" title="vanessa+paradis" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/vanessa+paradis-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" />Unglaubwürdig? Merkwürdigerweise nicht. Dafür äußerst amüsant. Klar, daß auch einmal etwas schiefgeht. Jonathan (Andrew Lincoln) sieht gut aus, ist reich, gebildet und liebenswürdig, trägt seine Braut Juliette (Vanessa Paradis) auf Händen. Es ist wirklich nichts gegen ihn zu sagen, und auch die Aussage, er sei etwas langweilig führt höchstens zu einem ungläubigen Aufseufzen der weiblichen Kinogängerinnen. Und doch, Juliettes Mafia-Vater (Jacques Frantz) ist der Meinung, dieser ideale Schwiegersohn sei unpassend für seine Tochter. Unlogisch? Nicht wirklich. Irgendwas stimmt nicht mit Juliette &#8211; mit ihrem Vater natürlich auch. Vielleicht darf die Welt nicht zu heil sein, um perfekt zu sein. Auf jeden Fall ist der Auftrag schwierig. Juliette und ihr Mr. Perfect treten auf wie ein Herz und eine Seele.</p>
<p>Der Rest ist vorhersehbar und dennoch spannend, rührend, komisch und sehr französisch. Vanessa Paradis ist eine Offenbarung. Ein Glück, daß sie keine Amerikanerin ist, sonst hätte sie sicher irgend etwas gegen ihre charakteristische Zahnlücke unternommen und auch sonst viel von ihrer Authentizität eingebüßt. Und genau die braucht sie, um in der ersten Hälfte des Films die glaubwürdige megacoole Superzicke hinzulegen, an der aber auch einfach alles abprallt, was der Profi auffährt, und bei diesem dennoch eher Begehren auslöst als Rachegelüste. Nun ja, französisch, wie gesagt.</p>
<p class="finish">Kurz: Anschauen lohnt sich!</p>
<p>Bilder von <a href="http://www.derauftragslover.de/" target="_blank">www.derauftragslover.de</a></p>
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		<title>Fidelio auf der Großbaustelle</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 21:12:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eine abstruse Geschichte, wie sie nur in der Oper passiert. Ein Mann, Don Florestan, wird von seinem Feind, Don Pizarro, unrechtmäßig in den Kerker geworfen. Die Ehefrau des Gefangenen, Leonore, eilt zur Befreiung ihres Mannes. Dafür nennt sie sich Fidelio, verkleidet sich als Mann und keiner merkt es. Klappt in der Oper regelmäßig, im wirklichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-3297" title="Bild 3" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/Bild-31-300x263.png" alt="" width="300" height="263" />Eine abstruse Geschichte, wie sie nur in der Oper passiert. Ein Mann, Don Florestan, wird von seinem Feind, Don Pizarro, unrechtmäßig in den Kerker geworfen. Die Ehefrau des Gefangenen, Leonore, eilt zur Befreiung ihres Mannes. Dafür nennt sie sich Fidelio, verkleidet sich als Mann und keiner merkt es. Klappt in der Oper regelmäßig, im wirklichen Leben eher selten. Sie verdingt sich als Gehilfe des Kerkermeisters Rocco und kundschaftet die Lage aus.</p>
<p>Für Don Pizarro spitzen sich die Ereignisse zu, als der Minister seinen Besuch ankündigt: Alles würde auffliegen, der Minister ist ein Freund des Don Florestan. Er versucht Rocco zu überreden, den Gefangenen zu töten, und als der sich weigert, muss er wenigstens ein Grab schaufeln. Für eine Oper ungewöhnlich: Alles geht gut aus. <span id="more-3289"></span>Gerade als Don Pizarro Don Florestan ermorden will, kommt der Minister und die treue Leonore kann die Tat in letzter Sekunde vereiteln. Ende gut, alles gut.</p>
<p>Beethoven hat nur diese einzige Oper geschrieben, die dafür immer wieder und wieder. Das Publikum war lange nicht zufrieden. Auch moderne Aufführungen haben wenig Hemmungen, selbst in die Musik einzugreifen und Dinge wegzulassen oder hineinzubringen, die Beethoven da nicht so gesehen hätte. Auch am Libretto wurde laufend gefeilt. Da diese Oper aber von einem der größten Genies der Musikgeschichte stammt und gleichzeitig das Thema &#8220;Freiheit&#8221; thematisiert, wird sie immer wieder aufgeführt &#8211; heute ist sie sakrosankt und über ihre Qualität wird nicht diskutiert.</p>
<p>Meine Lieblingsoper ist sie nicht, aber das ist kein Grund, sie so zu behandeln, wie es ihr derzeit in München angetan wird. Verantwortlich für die Inszenierung ist Calixto Bieito. Wikipedia ist recht kurz angebunden:</p>
<blockquote><p>Calixto Bieito, geb. 1963, Direktor des „Teatre Romea“ in Barcelona, ist ein spanischer Regisseur, der sich als „Skandalregisseur“ mit modernen, meist gewalttätigen oder bewusst sexualisierten Inszenierungen von Opern einen Ruf geschaffen hat.</p></blockquote>
<p>Nun, ich gebe zu, ich war nicht ganz vorurteilsfrei in der Oper. Ich mag es nicht, wenn jemand die Kunst eines anderen missbraucht, um sich selbst zu inszenieren. Ich mag es nicht, wenn jemand irgendeinen winzigen, völlig unbedeutenden Aspekt der Handlung zur Hauptsache macht, nur um jedem zu demonstrieren, dass ihm da was aufgefallen ist. So bekommen die Eunuchen in der ansonsten so fröhlichen Oper &#8220;Entführung aus dem Serail&#8221; blutige Windeln angezogen. Hat mit der Handlung nichts zu tun, aber vielleicht weiß irgendjemand im Publikum gerade nicht, wie aus einem Mann ein Eunuch wird. In Dvoraks Oper Rusalka spielt die Rehjagd eine Rolle. Eine kleine Rolle, so klein, dass sie in Opernführern nicht einmal erwähnt wird. Für den Regisseur der aktuellen Münchener Aufführung, Martin Kušej, ist eine Rehjagd erst authentisch, wenn dabei tote Rehe auf der Bühne zu sehen sind. Gehäutete Rehe. Da hat das Publikum Glück gehabt, denn in Rusalka geht es auch um Wassermänner, ohne daß das Publikum naß gemacht wird.</p>
<p>Und nun also Fidelio. Spielt im Kerker. Alles klar, da sind die Leute unfrei. Das weiß keiner, das muß dem Publikum klar gemacht werden. Aus dem tiefen Verlies wird eine Art Baugerüst, an dem beständig herauf- und heruntergeklettert wird. Und damit niemand Höhe mit Freiheit verwechselt, sind alle Protagonisten mit Drahtseilen angebunden. Oder sie baumeln von der Decke an Schnüren. Nicht wie Marionetten, eher wie Nichtschwimmer. Lustiger Nebenaspekt: In der Pause allerorten Diskussionen, ob die Drahtseile ein weiteres Mätzchen der Regie sind oder Vorschrift des deutschen TÜV. Der TÜV erschien vielen wahrscheinlicher.</p>
<p>Für Erläuterungen in der Oper ist normalerweise das Libretto zuständig. Calixto Bieito kann damit weniger anfangen &#8211; all diese altmodischen Texte von Joseph Sonnleithner bzw. Georg Friedrich Treitschke, lästig. Da nimmt man besser Sachen, die man selber kennt. Cormac McCarthy bietet sich an, Jorge Luis Borges sowieso. Hat zwar nichts mit der Oper zu tun, passt aber irgendwie, das muß reichen. Also raus mit den deutschen Texten. Gesungen wird noch deutsch, aber Bieito kann das vielleicht nicht. Und so kommt es, daß in der ergreifenden Schlußszene, da, wo das wieder vereinte Ehepaar von der Lust singt, wieder zusammen zu sein, und zwar Brust an Brust, des Reimes willen, daß eben da das Ehepaar, auf dem Bauch auf der Bühne herumkriecht, jeder für sich. Sie singen dennoch von &#8220;Brust an Brust&#8221;. Unfreiwillige Komik.</p>
<p>Was aber um alles in der Welt hat Batman mit Beethoven zu tun? Der Minister tritt zwar auf, aber er sieht nicht aus wie ein Minister. Es handelt sich eindeutig um den <em>Joker</em>, den ewigen Gegenspieler von Batman. Reichlich unmotiviert. Das gilt auch für Beethovens Streichquartett op. 132 a-Moll. Hat nichts mit Fidelio zu tun, aber man kann es ja kürzen(!), die Musiker in Käfige sperren (ja, ja, ja, die Unfreiheit), und einfach so mitten in der Oper aufführen. Beethoven ist selbst nicht auf die Idee gekommen, ein Glück, daß sich wahre Künstler dieser Oper annehmen.</p>
<p>Im ersten Akt war der Kerker irgendwie eine Art Baugerüst. Nach der Pause kippt das Baugerüst nach hinten. Langsam und von Kerkergeräuschen begeleitet. Die sich übrigens ziemlich nach Großbaustelle anhören. Calixto Bieito erinnert damit sicher daran, daß Hochtief von der Grupo ACS geschluckt wird. Die spanische ACS wird eine ziemlich deutsche Einrichtung opfern. Sie werden selbstsüchtig Hochtief das Blut aussaugen und sie bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln. Doch zurück zu Fidelio:</p>
<p class="finish">Diese Symbolik habe ich sofort verstanden.</p>
<p><em>Bildquelle: www.bayerische.staatsoper.de (Ausschnitt)</em></p>
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		<title>Wort des Jahres: Unter den Eurorettungsschirm schlüpfen</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Jan 2011 16:00:54 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nicht gleich die Augen verdrehen: Da war durchaus etwas Besonderes im vergangenen Jahr. Nicht mehr Banken wurden als systemrelevant angesehen, nun stellte sich schon die Frage, ob ganze Länder pleite gehen können. Pleite gehen ist dabei der falsche Ausdruck, den pleite sind heutzutage alle Staaten. Auch wir, wenn man unter Pleite versteht, daß man zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/118px-Schwarzer_Einser.jpg"><img class="size-full wp-image-3218 alignleft" title="118px-Schwarzer_Einser" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/118px-Schwarzer_Einser.jpg" alt="" width="118" height="120" /></a>Nicht gleich die Augen verdrehen: Da war durchaus etwas Besonderes im vergangenen Jahr. Nicht mehr Banken wurden als systemrelevant angesehen, nun stellte sich schon die Frage, ob ganze Länder pleite gehen können. Pleite gehen ist dabei der falsche Ausdruck, den pleite sind heutzutage alle Staaten. Auch wir, wenn man unter Pleite versteht, daß man zu Lebzeiten einen Kredit nie abzahlen können wird. Aber der Ausdruck ist andererseits wieder so kraftlos. PIIGS war frecher. <span id="more-3216"></span>Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Alle pleite, und nun kommen die Schweiine und wollen unser Geld, und damit niemand beleidigt ist, schreiben wir es mit zwei &#8220;i&#8221;. Ist natürlich Quatsch.</p>
<p>Die haben &#8220;unser&#8221; Geld schon. Das haben sie gekriegt zur Ankurbelung ihrer Wirtschaft, manchmal vornehm getarnt als &#8220;Europäisierungsmaßnahme&#8221;. Wer in Spanien jemals die prachtvollen Avenuen gesehen hat, palmengesäumt mit einladenden Parkbänken alle paar Meter&#8230; Jede Bank hübsch anzusehen, mit eisernen Gestellen und edlem Holz. Dann immer wieder die designpreisverdächtigen Straßenlaternen und die geschmackvollen Inseln inmitten der regelmäßigen Kreisverkehre, wer all das gesehen hat und wem gleichzeitig aufgefallen ist, daß diese Straßen nirgendwohin führen und die Kreisverkehre spätere Kreuzungen mangels Querstraßen höchstes vorbereiten, und daß die Bänke leer bleiben werden mangels Fußgängern, der weiß, daß so etwas nach EU-Geldern riecht.</p>
<p>Derselbe Geruch in Griechenland, wo aberwitzige Straßenbauprojekte die &#8220;Europäisierung&#8221; vorantreiben sollen, inklusive Tunnelbauten, die sich an den Treffpunkten nicht um Meter, sondern meilenweit verfehlen. Oder das Jobwunder in Irland, das doch letztlich nur eine Blase war und wieder wandern Iren in Massen aus. Und immer wieder die Frage, wessen Taschen nun voll sind und wieso die Rettung aus unseren Taschen kommen soll. Weil &#8220;wir&#8221; ja Exportweltmeister sind? Nun, &#8220;wir&#8221; sind ja auch Papst.</p>
<p>Wer ist eigentlich jemals auf die dämliche Idee gekommen, daß wir in ein gemeinsames Währungssystem passen? Kulturell, wirtschaftlich, überhaupt? Und wer stoppt die, die nun lautstark aus dieser Situation ableiten, daß die Währungsunion eine politische Union benötige? Das heißt doch nichts anderes, als daß alle Europäer bestimmen sollen, was mit allem in Europa erwirtschafteten Geld passieren soll?</p>
<p>Bleiben wir doch bitte Föderalisten. Reicht es denn noch nicht, daß Preußen über bayerisches Geld abstimmen dürfen? Das Gefühl leichten Juckreizes, das die Eurokrise bei vielen auslöst, wurde vom Volksmund &#8220;Eurodermitis&#8221; getauft. Als Wort des Jahres 20 Punkte wert. Aber wenn es darum geht, zur D-Mark zurückzukehren, sollten wir Bayern die Idee prüfen, den Kreuzer wieder einzuführen.</p>
<p class="finish">1 Kreuzer = 60 Pfennige = 240 Heller.</p>
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		<title>Wort des Jahres: Alternativlos</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Jan 2011 16:57:42 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Plural von Komma ist Kommata? Aber Kommas darf man auch sagen. Eine Olympiade ist lediglich der Zeitraum zwischen zwei olympischen Spielen? Das war vor zweitausend Jahren zweifelsohne der Fall, kein Grieche hätte an &#8220;einer Olympiade&#8221; teilgenommen. Heute die Nase zu rümpfen über ungebildete Menschen, die es fertigbringen von einer Winterolympiade zu sprechen, kann ins [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/picture.aspx_.jpeg"><img class="alignleft size-medium wp-image-3259" title="picture.aspx" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/picture.aspx_-300x213.jpg" alt="" width="300" height="213" /></a>Der Plural von Komma ist Kommata? Aber Kommas darf man auch sagen. Eine Olympiade ist lediglich der Zeitraum zwischen zwei olympischen Spielen? Das war vor zweitausend Jahren zweifelsohne der Fall, kein Grieche hätte an &#8220;einer Olympiade&#8221; teilgenommen. Heute die Nase zu rümpfen über ungebildete Menschen, die es fertigbringen von einer Winterolympiade zu sprechen, kann ins Auge gehen. Manchmal leisten sich auch gebildete Menschen diese kleine Ungenauigkeit. Wohl dem, dessen Zehennägel sich dann nicht aufrollen. Ein kleiner Trost vielleicht ist, daß wir heute auch ohne Turnbeutel ins Gymnasium gehen können und nach einem Symposion noch Auto fahren können.</p>
<p>Der Pfad zwischen unerträglicher Besserwisserei einerseits und andererseits verdienstvollem Eintreten für Sprache, Sprachgefühl und damit für unsere Kultur ist schmal. <span id="more-3250"></span>Ich kann Worte wie &#8220;Eurokopter&#8221; nicht lesen, ohne Pickel zu kriegen. Was soll auch ein &#8220;Eurox&#8221; sein? <em>Europter</em> wäre denkbar. Aber wer denkt noch daran, daß ein <em>Helikopter</em> aus den Teilen Helix (helix, helikos) und Pteron besteht, im griechischen Sinn des Wortes also ein <em>Schraubflügler</em> ist? In Frank Schätzings aktuellem Roman &#8220;Limit&#8221; ist es auch einem &#8220;Gyrokopter&#8221; gelungen, sich in den Text zu mogeln. Das hat nichts mit Kopten tun. Letztere übrigens, das weiß kaum jemand, sind auch eine Verballhornung. Das Wort kommt aus dem Arabischen zu uns: قبطي‎ <em>qibtī, qubtī,</em> und die Araber wiederum haben es aus dem Griechischen, für die die αἰγύπτιοι schlicht die Ägypter waren. Die übrigens nicht auf Flügeln die Ägäis überquerten, auch wenn wir den Stamm Pteron so schön zu sehen glauben. An dieser Stelle des Romans, bei den unsäglichen Gyrokoptern, brauchte ich also den Brandy, den Schätzings Lektor vielleicht zu viel hatte, als er ihm das Wort durchgehen ließ.</p>
<p>Was hat das alles mit dem Thema zu tun? Nichts. Mir fiel nur auf, daß ich eher zur Kaste der Bärte-Raufer gehöre, wenn der Sprache Gewalt angetan wird. Und doch bringe ich es fertig, zu einer Sache mehrere Alternativen zu sehen. Röchelt da der eine oder andere Leser? Natürlich weiß ich, was lat. <em>alter</em> bedeutet: Der Zweite von Zweien. Der Zweite von mehreren hieße ja <em>secundus</em>. Ich denke, ich halte das aus, weil ich das sehe wie ein Programmierer. Zu jedem Punkt, an dem eine Entscheidung getroffen werden muß, heißt es entweder &#8211; oder.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><code>if   ( kaufpreis &lt; 10)<br />
then print "zzgl. Versandkosten"<br />
else print "Versandkosten inclusive"<br />
end if</code></p>
<p>Es kann aber auch drei Varianten des Briefs geben. Ein guter Kunde bekommt noch eine nette Bemerkung. Weniger nett ist, dass man auf Softwarenettigkeiten eigentlich verzichten kann, aber das ist hier jetzt nicht das Thema.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><code>if   ( kaufpreis &lt; 10)<br />
then print "zzgl. Versandkosten"<br />
else if (kaufpreis &lt; 100)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;then print "Versandkosten inclusive"<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;else print "Versandkosten inclusive, bitte beehren Sie uns bald wieder"<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;end if<br />
end if</code></p>
<p>So einfach ist das zu erklären &#8211; es gibt doch immer nur eine Alternative, aber die halt manchmal mehrfach. <em>Keine</em> Alternative hingegen gibt es nie. Solange man sich entscheiden kann, gibt es eine Alternative, sonst gäbe es nichts zu entscheiden. Sind beide Möglichkeiten gleich gut oder schlecht, steckt man in einer Zwickmühle, oder auch, wie es bereits die Alten Griechen nannten, in einem Dilemma. Ist nach reiflicher Überlegung immer noch keinem Weg der Vorzug zu geben, wird man nicht umhin können, eine Münze zu werfen und damit zu dokumentieren, daß auch Willensfreiheit beliebig sinnlos sein kann. Oder man entscheidet <em>irgendwie</em>. Einfach so. Oder man entscheidet <em>nicht</em>. Auch das geht, denn etwas zu lassen ist die Alternative zu etwas zu machen.</p>
<p>Letztes Jahr war es große Mode unter den Angehörigen der politischen Kaste, ihre eigenen Entscheidungen besonders klug und gewichtig aussehen lassen zu wollen, insbesondere aber unangreifbar. So kam das Wort, eine Entscheidung sei <em>alternativlos,</em> in die Welt. Das ging allerdings nach hinten los. Fast jeder hatte das unangenehme Gefühl, hier würde nur von Verantwortung abgelenkt. Wer nichts entscheiden kann, ist aber nicht deshalb klug. Eher ohnmächtig. Und wer behauptet, er habe keine Wahl gehabt, war vermutlich entweder phantasielos oder überfordert. Oder beides.</p>
<p>Fassen wir zusammen: Eine Entscheidung treffen zu können heißt immer, eine Alternative zu haben. Keine Alternative, keine Entscheidung. Keine Entscheidung, kein Entscheidungsträger. Ob die Damen und Herren Politiker das bedacht haben? Gestern wurde &#8220;alternativlos&#8221; zum &#8220;Unwort des Jahres&#8221; gekürt. Als Wort des Jahres hätte es von mir 2 Punkte bekommen. Als Unwort sähe ich 20 Punkte, aber dann müßte ich die Existenz des Wortes &#8220;Unwort&#8221; anerkennen, was mir schwerfällt. Das eigentliche Problem sind doch ohnehin eher</p>
<p class="finish">die Leute, die diese Wörter verwenden.</p>
<p><em>Bild: Adamo Ghisi, Herakles am Scheideweg. </em>Er mußte sich auch schon entscheiden, zwischen virtus und voluptas, zwischen Tugend und Vergnügen.</p>
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		<title>Wort des Jahres: Femitainment</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 16:00:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Noch so ein Wort, das mir im vergangenen Jahr nicht bewußt untergekommen ist. Was mag das wohl heißen? Tenere, lateinisch &#8220;halten&#8221;, femina, lat. Frauen, ah, vielleicht die Kunst, sich Frauen zu halten, eine kleine Hommage an Silvio Berlusconi? Aber so etwas hätte in Deutsch­land keine Chance auf Prämierung, das passiert halt. Oder ist es ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/Bild-4.png"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-3205" title="Bild 4" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/Bild-4-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/Bild-5.png"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-3206" title="Bild 5" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/Bild-5-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Noch so ein Wort, das mir im vergangenen Jahr nicht bewußt untergekommen ist. Was mag das wohl heißen? Tenere, lateinisch &#8220;halten&#8221;, femina, lat. Frauen, ah, vielleicht die Kunst, sich Frauen zu halten, eine kleine Hommage an Silvio Berlusconi? Aber so etwas hätte in Deutsch­land keine Chance auf Prämierung, das passiert halt. Oder ist es ein Kunst­wort aus Femina und Enter­tain­ment? Also Unter­haltung speziell für Frauen? Was mag das sein &#8211; disparate Haus­weiber 24 Stunden am Tag, nur unter­brochen von Robert Redford, George Clooney, Brad Pitt oder Justin Biber, also etwas für alle Alters­gruppen?</p>
<p>Wikipedia ist mein Freund: <span id="more-3202"></span>Knapp vorbei war auch daneben, das Wort setzt sich zwar aus dem Entertainment zusammen, aber an der Spitze steht der Feminismus. Dahinter stand der Streit zwischen der Altfeministin Schwarzer und der Jungministerin (nicht: Feministerin) Schröder. Ich bin kein Experte für Feminismus, aber ich kann mir gut vorstellen, dass die ganze Sache nicht nur mir völlig egal war. Das Ganze ist doch so postmodern, daß es fast schon wieder präretro ist. Männer nennen so etwas Zickenkrieg. Ich habe eine Expertin zu Rate gezogen &#8211; die klügste Frau der Welt &#8211; wie Frauen so etwas nennen, und sie meinte: Streit. Wort des Jahres?</p>
<p class="finish">Kaum &#8211; 1 Punkt ist das Maximum.</p>
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		<title>Wort des Jahres: Vuvuzela</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Jan 2011 16:00:03 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Wort des Jahres]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-3189" title="800px-Vals06" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/01/800px-Vals06-300x225.jpg" alt="" width="240" height="180" />Uwe Seeler hat es nicht erfunden, auch wenn es den Anschein haben mag: Die Plastiktröte, die ad hoc zum nationalen Kulturgut Südafrikas ernannt wurde. Vor der letzten WM kannte das Ding keiner. Heute ist es bereits wieder in der Versenkung verschwunden. Und doch, es war der Klang des vergangenen Sommers. Klang? Naja, Geräusch. Irgendwas zwischen Angriff eines wütenden Hornissenschwarms und durchgeknallten Soundfiltern bei der Tonaufnahme aus dem Stadion. Fußball weckt Emotionen und da kommt so ein Ding gerade recht. <span id="more-3186"></span></p>
<p><!--more-->Man fordert das Verbot, man räsoniert über die Legitimität dieses speziellen Geräuschs, bei dem sich Fußballer nicht konzentrieren können, angeblich, dabei können sie es doch wunderbar in unseren Stadien, also bei 7-Klang-Hupen und Trötsprays, die einem normalen Sprengmeister die Rührungstränen in die Augen treiben.</p>
<p>Gleichzeitig all dies ein Anlaß für Glanzleistungen deutscher Tontechnik. Schnell war ein Filter gebaut, der wenigstens die heimischen Fernsehzuschauer vor dem Lärm schützte. Oder sollten es gar südafrikanische Ingeniere gewesen sein? Egal, eines ist ganz klar: Die WuWu-Seeler ist das typische Musikinstrument für den Wutbürger.</p>
<p class="finish">8 Punkte.</p>
<p><em>Bild: Schweizer Vuvuzela-Variante (Quelle: </em><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Vals06.JPG&amp;filetimestamp=20051002123622" target="_blank"><em>Wikipedia</em></a><em>)</em></p>
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