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	<description>Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)</description>
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		<title>Humor und Kultur</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 20:21:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eine der schönsten Traditionen in Bayern ist die alljährlich wiederkehrende sogenannte &#8220;Predigt&#8221; des Bruder Barnabas auf dem Nockherberg anläßlich des Starkbieranstichs. Das Starkbier soll uns die Fastenzeit erleichtern, und daß das auch noch schmeckt, das haben wir dem Bruder Barnabas zu verdanken. Dem Original. Dieser hat vor 230 Jahren angeblich als Braumeister dem bereits bekannten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/nockherberg-fastenrede-video-ID1267529048296.xml"><img class="alignleft size-medium wp-image-2162" title="Bruder Barnabas" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/Bild-4-300x168.png" alt="" width="300" height="168" /></a>Eine der schönsten Traditionen in Bayern ist die alljährlich wiederkehrende sogenannte &#8220;Predigt&#8221; des Bruder Barnabas auf dem Nockherberg anläßlich des Starkbieranstichs. Das Starkbier soll uns die Fastenzeit erleichtern, und daß das auch noch schmeckt, das haben wir dem Bruder Barnabas zu verdanken. Dem Original. Dieser hat vor 230 Jahren angeblich als Braumeister dem bereits bekannten Starkbier auch noch seinen guten Geschmack besorgt. Die erste Maß auf dem ersten offiziellen Anstich hat der Kurfürst Karl-Theodor bekommen. In dieser Tradition bekam beim diesjährigen Anstich die erste Maß der Ministerpräsident, Herr Seehofer.</p>
<p>Politikerprivilegien gibt es nicht umsonst. Seit langem schon ist es gute Tradition, daß die Politiker in Scharen zum Nockherberg ziehen, um sich beim Anstich &#8220;dablecken&#8221; zu lassen. <span id="more-2156"></span>Für Nordlichter: Dablecken = Frozzeln, ausrichten, drüber herziehen, hochnehmen. Eigentlich schreibt man das ja &#8220;derblecken&#8221;, aber der Norddeutsche könnte &#8220;derb lecken&#8221; lesen und das wäre ein Missverständnis.</p>
<p>Zurück zu den Politikern: Wer von denen zum Nockherberg nicht eingeladen wird, für den schaut es trüb aus. Alteisen. Jedes Jahr dasselbe Bild, hey, tuschel tuschel, der Soundso ist ja gar ned do, tuschel tuschel, den ham&#8217;s am End entmachtet, mei, dem sei Rede zum Aschermittwoch war ja scho so schlecht, tuschel tuschel. Und dasselbe Ritual um die Rede des Kabarettisten, der die Rolle des Bruder Barnabas übernommen hat und nun den Politikern die Leviten lesen soll, aber eben lustig. Was diese Rede sehr oft nicht ist. Oder nicht ganz. Oder an den falschen Stellen. Oder nur für einen Teil der Leute lustig. Das ist vermutlich das häufigste Ereignis. Während der derbleckte Politiker noch darüber nachdenkt, ob seine Leibwächter den Kabarettisten vielleicht verhauen könnten, lacht der ganze Saal und die Kameras richten sich auf den Politiker. Der darauf tapfer schallend zu lachen anfängt oder sich auf die Schenkel haut, aber innerlich sicher zitternd vor Wut. Bis der nächste dran ist. Schlimmer wäre höchstens, in der Rede nicht vorzukommen.</p>
<p>So weit, so gut. Dieses Jahr sei die Rede mal wieder grenzwertig gewesen. Nicht, dass sie das nicht jedes Jahr wäre, sonst ist sie langweilig und schlecht,  aber vielleicht war sie dieses Jahr <em>grenzwertiger</em> (aua) als sonst. Hier ist die Rede <a href="http://www.abendzeitung.de/muenchen/170133" target="_blank">komplett abgedruckt in der Abendzeitung</a>, aber man kann sich die Rede <a href="http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/nockherberg-fastenrede-video-ID1267529048296.xml" target="_blank">auch im Fernsehen beim BR anschauen</a>.</p>
<p>Die ersten zwanzig Minuten sind durchaus lustig. Genauer die ersten neunzehn, aber dann misrieten ein paar die Pointen. Manch einem war die ganze Rede nicht hinterfotzig genug (= subtil). Ja, mei, ein paar Sachen waren nicht wirklich lustig, schon. Auch im Saal schwand das gelegentlich das Lachen und machte betretenem Schweigen Platz. Eine Passage aber gab es, etwa nach 20 Minuten, die zu einem kollektiven Aufstöhnen geführt hat, im Saal und etwas zeitversetzt im ganzen Land. Für Lerchenberg war es das letzte Jahr als Barnabas, er hat seinen Rücktritt schon erklärt. Vermutlich denkt er immer noch vergeblich drüber nach, was er wirklich falsch gemacht hat. Und irgendwie verstehe ich ihn. Hier die Passage:</p>
<blockquote><p>Zehn Jahre will er regieren, der Herr Westerwelle, wenn Ihr alle miteinander so weitermachts<br />
mit Eurem Saustall g’langt’s net amal für 365 Tag. Und darum dreht er jetzt durch, der Herr Guido,<br />
und schwingt seine sozialpolitische Abrissbirne: Alle Hartz IV-Empfänger sammelt er in den<br />
leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein Stacheldraht.<br />
Haben wir schon mal gehabt. Und dann gibt&#8217;s jeden Tag a Wassersuppn und einen Kanten Brot.<br />
Statt Heizkostenzuschuss gibt’s von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang steht,<br />
bewacht von neoliberalen Ichlingen im Gelbhemd, in eisernen Lettern: „Leistung muss sich wieder lohnen.</p></blockquote>
<p>Das ist nach meinem Dafürhalten durchaus <em>auch</em> lustig. Die <em>verblühten Landschaften</em> sind wunderbar, aber die haben ja auch keinen gestört. Kniffliger ist die Stelle, wo man erkennt, daß offensichtlich etwas, das mit Stacheldraht eingezäunt ist und von Menschen in gleichfarbigen Hemden bewacht wird und über deren Eingangstor etwas in eisernen Lettern steht, sofort als etwas erkannt wird, über das man keine Witze macht: Ein KZ! Ist nicht lustig! Hat aber auch niemand behauptet. Aber es handelt sich doch hier nicht um Kabarett, sondern um ein ganz anderes Genre: Das der Narrenrede. Nicht die manchmal arg läppischen Büttenreden in der &#8220;närrischen Zeit&#8221; weit nordwestlich von München, nein, die Rede, die der Hofnarr hält, dem der König zuhört, weil er immer wieder dabei lachen kann. Aber dazwischen sind dann diese Stellen. Für die der König gelegentlich einen Narren hinrichten läßt, trotz der Narrenfreiheit. Solche Stellen wie hier. Nicht lustig, sogar richtig ernst. Und der Ernst ist angebracht: Wer mit Worten wie &#8220;Sozialschmarotzer&#8221; oder &#8220;Asoziale&#8221; um sich wirft, der muß auch konsequenterweise das Wort &#8220;Volksschädling&#8221; verwenden und vom Ausmerzen reden. Von der Schneeschaufelpflicht für Sozialhilfeempfänger zum Arbeitslager kommt man auch recht schnell. Herr Westerwelle hat da einfach kein Fingerspitzengefühl. Daher das Wort von der sozialpolitischen Abrissbirne. So kommt man nie dazu, tatsächlich einmal über die soziale Situation in Deutschland nachzudenken, jeder schaut doch nur, dass er möglichst weit weg von Westerwelle ist. Der hat ja sogar unrecht, wenn er mal was richtiges sagt. Weil es schon eine Rolle spielt, wer etwas sagt und wie er es sagt.</p>
<p>Also, das war die Nachricht von Bruder Barnabas an Herrn Westerwelle: So klingt das, wenn Sie reden. Das sind die Assoziationen, die man da haben kann. Westerwelle hat sich sehr echauffiert. Er will nie wieder eingeladen werden, sagt er. Aber vermutlich verträgt er wenig Kritik.</p>
<p class="finish">Und hat wenig Humor, mangels Herz.</p>
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		<title>Der Kaktus</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 16:31:53 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Dinge, die vergißt man nie. Vor einigen Jahren hatte ein sadistischer brutaler Entführer einen kleinen Buben entführt. Er wollte von den Eltern, einer Bankiers­familie in Frankfurt, Geld erpressen, wurde geschnappt und weigerte sich, das Versteck des Buben zu offenbaren. Was gab es nun für Möglichkeiten, das Leben des Buben zu retten? Opferte man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/Kaktus_RZ_Plakatscreen.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2149" title="Kaktus_RZ_Plakatscreen" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/Kaktus_RZ_Plakatscreen-238x300.jpg" alt="" width="238" height="300" /></a>Es gibt Dinge, die vergißt man nie. Vor einigen Jahren hatte ein sadistischer brutaler Entführer einen kleinen Buben entführt. Er wollte von den Eltern, einer Bankiers­familie in Frankfurt, Geld erpressen, wurde geschnappt und weigerte sich, das Versteck des Buben zu offenbaren. Was gab es nun für Möglichkeiten, das Leben des Buben zu retten? Opferte man das Kind oder opferte man die rechts­staatlichen Prinzipien? Folterte man den Entführer in der Hoffnung, doch noch Aufschluß über das Versteck zu bekommen oder ließ man zu, daß immer mehr Zeit verstrich, Zeit, die die Über­lebens­wahr­schein­lich­keit des Kindes ständig reduzierte?</p>
<p>Eine klare Lösung gab es nicht. Was man auch entschied, es mußte falsch sein. Das ist der Grund, wieso mir diese schlimme Geschichte so im Gedächtnis geblieben ist. Wie ging es damals aus? Ein Opfer wurde gebracht, der Polizei­vize­präsi­dent Daschner wies einen untergebenen Haupt­kommissar an, dem Entführer mit Folter zu drohen. Der Haupt­kommissar gehorchte. Beiden ist hoch anzurechnen, daß sie von Anfang an die Ver­ant­wortung über­nommen haben und die Sache nicht von irgend­einem namen­losen Polizei­ober­meister ausführen ließen. Besonders tragisch war natürlich, daß das Opfer umsonst war &#8211; der Bub war längst tot.</p>
<p>Das ist der Stoff, aus dem die alten Griechen ihre Tragödien schufen. <span id="more-2144"></span>Stücke, in denen der tragische Held von den Göttern zu einer Entscheidung gezwungen wird, die in jedem Fall falsch sein muß. Das Urteil im Fall Daschner fiel milde aus, im Namen des Volkes, wobei &#8220;das Volk&#8221; vermutlich einen Freispruch vorgezogen hätte. Was wiederum für Herrn Daschner wünschens­wert gewesen wäre, nicht jedoch für den Rechtsstaat. Wobei wir am Ende des Bogens angekommen sind, bei einer Empfehlung für ein Theaterstück:</p>
<p>Wollten Sie sich einmal grundsätzliche Gedanken über Folterung machen, über das Auf­ein­ander­treffen von Ethik und Ratio, über den Miß­brauch von Befehls­strukturen und die dünne Struktur des Eises, auf dem sich unser aller rechts­staatliches Empfinden bewegt, wenn es denn mal konkret auf die Probe gestellt wird? Und sich, das ist das besondere daran, dabei gleich­zeitig königlich amüsieren, ja, wollen Sie dabei lauthals lachen? Auch wenn einem dieses Lachen manch­mal im Hals stecken bleibt &#8211; es ist möglich. Es geht wirklich. Die groß­artige Juli Zeh hat ein Theater­stück geschrieben, das derzeit im Münchener Volks­theater zu sehen ist, auf der kleinen Bühne, ganz intim. Es heißt &#8220;<a href="http://www.muenchner-volkstheater.de/?we_objectID=2033" target="_blank">Der Kaktus</a>&#8220;, auch wenn unbegreiflicherweise auf dem Plakat eine Ananas zu sehen ist. Vielleicht gab es kein frei verwendbares Bild von einem Kaktus in der Bilddatenbank der Agentur?</p>
<p>Egal, das Stück ist ausgezeichnet inszeniert, ausgezeichnet gespielt, angeregte Gespräche danach sind garantiert. Schauen Sie es sich an und wenn Sie es nicht anschauen können,</p>
<p class="finish">lesen Sie es vielleicht&#8230;</p>
<p><em>Bildquelle: Münchener Volkstheater</em></p>
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		<title>Systemrelevanz</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 22:14:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Über die Griechen hört man derzeit Unerfreuliches. Sie sollen pleite sein, und nicht bereit, jetzt wenigstens zu sparen, damit die EU das Land vor dem Staatsbankrott retten kann. Das darf die EU zwar nicht, auch nicht einzelne Mitgliedsländer, aber das ist ja eigentlich egal: Wo kein Kläger, da kein Richter. Wer sollte auch klagen? Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-2133" title="800px-Flag_of_Greece.svg" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/800px-Flag_of_Greece.svg_-300x199.png" alt="" width="300" height="199" />Über die Griechen hört man derzeit Unerfreuliches. Sie sollen pleite sein, und nicht bereit, jetzt wenigstens zu sparen, damit die EU das Land vor dem Staatsbankrott retten kann. Das darf die EU zwar nicht, auch nicht einzelne Mitgliedsländer, aber das ist ja eigentlich egal: Wo kein Kläger, da kein Richter. Wer sollte auch klagen? Die Geberländer? Sich selbst verklagen? Und alle anderen denken derzeit höchstens darüber nach, wie sie auch in den Genuß ausländischer Füllhörner kommen könnte.</p>
<p>Wieso aber sollten wir den Griechen Geld geben? <span id="more-2127"></span>Sie haben sich, wie man hört, mit Tricksereien und Bilanzbeschönigungen in den Euroraum gemogelt. Wegen ihnen mußten auf allen Euroscheinen auch griechische Buchstaben stehen &#8211; und nun sind sie pleite. Aber wieso lassen wir sie nicht einfach fallen? Den Isländern haben wir auch nicht einfach Geld gegeben. Gut, denen hätten wir Geld geben dürfen, sind ja nicht im Euroraum, aber da wollten wir nicht. Und die Griechen sind nun noch nicht mal einsichtig, wilde Streitereien um Gehaltserhöhungen und öffentliche Gelder aus eigentlich leeren Kassen erschüttern das Land und die potentiellen Geberländer gleichermaßen.</p>
<p>Wieso also drehen wir den Griechen nicht einfach den Geldhahn zu, rette sich wer kann, sollen sie wie in der Vergangenheit irgendwelche aberwitzigen Inflationsraten bemühen und die Drachme wieder einführen. Aber das geht nicht &#8211; die Griechen sind anzusehen wie eine große Bank, sie sind <em>systemrelevant</em>. Das ist jetzt kein Sprachspiel, um darauf hinzuweisen, daß wir ohne die Kultur der Antike immer noch geistig auf den Bäumen sitzen würden. In dem Wort &#8220;systemrelevant&#8221; geben sich, wie man sieht, Latein und Griechisch virtuell die Hand. Nein, es ist so direkt wie unerfreulich zu verstehen.</p>
<p>Wie man in der letzten Zeit immer wieder hörte, sind viele Banken wieder mal voll ins Risiko gegangen. Die griechischen Staatsanleihen wurden trotz schlechter Bonität recht gut verkauft. Für kleines Geld gab es ja die Ausfallversicherungen &#8211; und um diese geht es jetzt. Bricht Griechenland zusammen, werden jede Menge Anleihen nicht mehr zurückgezahlt, die Versicherung wird fällig und &#8211; oh Wunder &#8211; kann nicht zahlen, die Ausgabebanken gehen pleite und müssen gestützt werden. Und da es dem Volk auf keinen Fall mehr zu vermitteln ist, wenn wieder Banken gerettet werden, retten wir lieber die Griechen. Die uns dafür vermutlich für blöd halten, und das</p>
<p class="finish">auch noch zu recht.</p>
<p><em>Bild</em>: Σημαία της Ελλάδας (die griechische Flagge). <em>Quelle</em>: Public Domain.</p>
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		<title>So schlägt ein Diplomat</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 23:02:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Bei manchen Meldungen bleibt einem die Spucke weg. So erging es mir heute. Es geht natürlich um das unselige Zu­gangs­er­schwer­nis­ge­setz, den Zugang zu Kinder­porno­graphie. Der ist zwar verboten, aber er sollte seit etwas über einem Jahr ja auch noch erschwert werden. Die Roten wollten das Gesetz nie (das ist gelogen, erst seit sie Oppo­sition sind, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/209px-Horst_Kohler_Signature.svg_.png"><img class="size-full wp-image-2121 alignleft" title="209px-Horst_Kohler_Signature.svg" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/209px-Horst_Kohler_Signature.svg_.png" alt="" width="209" height="44" /></a>Bei manchen Meldungen bleibt einem die Spucke weg. So erging es mir heute. Es geht natürlich um das unselige Zu­gangs­er­schwer­nis­ge­setz, den Zugang zu Kinder­porno­graphie. Der ist zwar verboten, aber er sollte seit etwas über einem Jahr ja auch noch <em>erschwert</em> werden. Die Roten wollten das Gesetz nie (das ist gelogen, erst seit sie Oppo­sition sind, sind sie dagegen). Die Schwarzen wollten es eigent­lich nicht (was macht denn die Ursula da? Ach egal. Es ist ja für die Kinder, da darf es keine Bedenken geben). Alle anderen waren Oppo­sition. Aber da redet man viel, so un­be­schwert, ohne Regie­rungs­ver­ant­wortung. Und allen ist heute klar: Das alles war eine von vorne bis hinten ver­un­glückte Aktion, deren Spät­folgen noch nicht wirk­lich ab­ge­sehen werden können.<span id="more-2108"></span></p>
<h3>So entstehen Piraten &#8230;</h3>
<p>Nicht nur, dass ein ver­meid­barer Genera­tionen­konflikt eskaliert ist, was in der Gründung einer neuen Partei gipfelte, den Piraten. Die Politik­ver­drossen­heit mancher jüngerer Bürger geht so weit, daß sie sich aus reinem Verdruß nun doch ein­mischen. Ich will nicht unken, aber das ist klassi­scher Nähr­boden für Extrem­is­mus. Nein, ich will den Piraten nichts unter­stellen. Ich finde sie gut und sogar wähl­bar, auch wenn sie noch keine Meinung zum Struktur­aus­gleichs­fond haben. Nicht einmal eine ein­heit­liche Meinung zu Europa. Oder Af­gha­ni­stan. Aber sie wissen eines: Wer seine Ignoranz zu eigentlich einfachen Themen wie Internet so deutlich zeigt, läßt auch Zweifel an seinen son­stigen Kom­pe­tenzen entstehen. Und so ging ein Riss durch Volk und Parla­ment. Nicht rot gegen schwarz, sondern jung gegen alt. Wobei es Leute gibt, die mit 70 jünger sind als manche mit 30. Aber das nur nebenbei.</p>
<h3>&#8230; und so entsteht Politikverdrossenheit</h3>
<p>Selten war die Arroganz der Macht so deutlich zu spüren, als 130.000 Menschen in sehr kurzer Zeit alle gemeinsam eine Petition unter­zeichnet hatten, die Damen und Herren Ab­ge­ord­ne­ten mögen dieses Gesetz bitte nicht unter­zeich­nen. Es sei sinnlos und schädlich, keinem Kind werde damit geholfen. Die größte Petition, an die ich mich erinnere. Vielleicht die größte Petition seit der Ein­führung der Petitionen. Ein Minister hatte nichts besseres zu tun, als alle Unter­zeichner als Sym­pathi­santen der Kinder­porno­graphie­pro­du­zen­ten und -kon­su­men­ten hin­zu­stel­len. Es war widerlich. Aber noch widerlicher war, wie diese Petition einfach aus­ge­bremst wurde. Es sei keine Zeit, auf die Petition ein­zu­gehen, bevor das Gesetz durch das Parla­ment geht. Am 22. Februar dieses Jahres wäre es so weit gewesen &#8211; dann hätte sich der Petitions­aus­schuß end­lich zu diesem Thema be­quemt. In der Zwischen­zeit haben wir sogar eine neue Regierung. Und auf einmal war es sehr praktisch, dass Herr Köhler sich geweigert hatte, das Gesetz gleich zu unter­schreiben. Niemand, den ich kenne, hat hier noch mit einem Inkrafttreten gerechnet. Falsch gedacht.</p>
<h3>Die Lawine läßt sich nicht aufhalten</h3>
<p>Ursprünglich sollte das alles doch nur Wahl­kampf­akti­vis­mus der Frau Ex-Familien­minister von der Leyen sein. Das BKA hatte eine Chance gewittert, seine Zu­ständig­keiten zu er­weitern. Daß sich das Ganze anhörte wie ein Polizei­er­mäch­ti­gungs­ge­setz zur Einführung einer Polizei­zensur unter Aus­schal­tung der Gerichte war ein Kol­lateral­schaden. Niemand mit Verstand unter­stellt dem BKA un­demo­krati­sche Gelüste. Aber auch nie­mand mit Ver­stand ent­wirft solche Gesetze.</p>
<p>Daß das alles nie funktioniert hätte &#8211; geschenkt. Wurde hier und andernorts oft genug erklärt. Wer auf verbotene Inhalte stößt, wird mit einem Stoppschild konfrontiert. Das bedeutet: Anhalten, schauen ob jemand kommt, weiter­fahren. Im Straßen­ver­kehr ebenso wie hier. Straftäter werden nicht wirklich behindert, die polizeiliche Arbeit hin­gegen sehr wohl und der Normal­bürger wird unnötig ver­un­sichert. Eine Be­droh­ungs­lage wurde konstruiert, die es so nicht gibt, und einigen Prota­gonisten darf ruhig Un­red­lich­keit auf dem Rücken der Opfer vor­ge­worfen werden.</p>
<h3>Köhler, der Held</h3>
<p>Dann der Auftritt des Bundes­präsi­den­ten. Herr Köhler in schimmernder Rüstung unter­schreibt das Gesetz nicht, er hat noch Fragen. Das Ende der schwarz-roten Koalition ist nahe, und es ist klar, keiner will das Gesetz mehr. In der Zwischen­zeit haben wir eine neue Regierung, die das Gesetz auch nicht mehr will. Steht zu­min­dest so im Koalitions­vertrag, und die einzige Sorge der schwarzen Politiker war viel­leicht gerade noch, dass sie Frau von der Leyen nicht all­zu­sehr be­schädi­gen wollten. Dazu wird es nicht mehr kommen.</p>
<p>Nun ist das Gesetz unter­schrieben und damit gültig. Die aktuelle Regierung wird es nicht an­wen­den wollen und ver­mut­lich bald auf­heben, er­setzen. Das hätte sie aller­dings lieber in anderer Reihen­folge gemacht: Erst das Löschungs­gesetz ein­führen, dann das Zugangs­er­schwer­nis­ge­setz möglichst laut­los be­erdi­gen. Wobei das Löschungs­gesetz durch­aus eben­falls zu Dis­kus­sio­nen Anlaß gibt: Wenn es heute schon möglich ist, illegale Inhalte schlimm­sten­falls über unsere Justiz löschen zu lassen, was sollte sich dann ändern? Sollten nun auch legale Inhalte gelöscht werden oder sollte nur doch eben mal schnell die Justiz über­gangen werden?</p>
<h3>Alles kam anders</h3>
<p>Aber es kam alles anders. Auf einmal ist das Gesetz da. Huch! mögen sich da einige gedacht haben. Viele Netz­aktivisten fallen nun über unseren Bundes­prä­sidenten her. Das halte ich für falsch. Herr Köhler hat in der Ver­gan­gen­heit oft schon ein bis an die Apo­the­ose rei­chen­des Geschick in solchen Dingen bewiesen. Er ist viel mehr Diplomat als Politiker, und das ist unser Glück.</p>
<p>Und das Gesetz? Angewandt wird es nicht. Die Provider, die mit dem BKA irgend­welche vor­aus­eilen­de Ge­horsams­ver­träge unter­schrieben haben, sind selber schuld und müssen damit leben. Immer­hin wurden sie ja bereits zum Dank von Frau von der Leyen ständig nament­lich aufgezählt &#8211; deren Marketing­abtei­lun­gen haben ver­mut­lich zu­nächst tat­säch­lich ge­jubelt.</p>
<p>Die Regierung muss jetzt schnell handeln, und vielleicht ist jetzt erst durch die Unter­zeich­nung des Ge­setzes eine Be­schleu­ni­gung zu seiner Ent­sor­gung ein­ge­tre­ten. Aber egal, was nun die Motiv­lage des Herrn Bundes­prä­si­den­ten wirk­lich war, wie auch immer es zu diesem über­raschen­den Ereignis kam, ich habe da einen Verdacht. Vielleicht hat ja der Herr Bundes­prä­sident einfach nur der Ver­suchung nicht wider­stehen können. So eine Gelegen­heit ergibt sich nicht oft. Wann schon kann man mit einer Unter­schrift gleich zwei Re­gie­rungen so richtig vorführen?</p>
<p class="finish">Recht geschieht es ihnen.</p>
<p><em>Bildquelle</em>: Public domain, Wikipedia</p>
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		<title>Abofalle (4)</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 06:17:52 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gestern stellte sich noch die Frage, ob die Bahn jemals börsenfähig würde. Heute weiß ich einen weiteren Grund, wieso ich mir das gar nicht wünsche. Wo sind die korrekten Beamten geblieben? Klar, mit denen gab es durchaus auch mal Ärger (&#8220;Wir machen jetzt Mittag&#8221;, nachdem man geschlagene 30 Minuten an einem Sonderschalter ansteht. Ist mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/DBbraun.png"><img class="alignright size-full wp-image-2093" title="DBbraun" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/DBbraun.png" alt="" width="300" height="215" /></a><a href="http://www.svb.bayern.net/2010/02/15/verstaatlicht-die-bahn/">Gestern</a> stellte sich noch die Frage, ob die Bahn jemals börsenfähig würde. Heute weiß ich einen weiteren Grund, wieso ich mir das gar nicht wünsche. Wo sind die korrekten Beamten geblieben? Klar, mit denen gab es durchaus auch mal Ärger (&#8220;Wir machen jetzt Mittag&#8221;, nachdem man geschlagene 30 Minuten an einem Sonderschalter ansteht. Ist mir passiert, etwa 1982). Aber ein Verhalten wie in der <a href="http://www.svb.bayern.net/?s=bahncard&amp;order=asc" target="_blank">Posse, die ich wegen der unseligen Bahncard erlebt habe</a>, ist bei einer Behörde schon schwerer vorstellbar. Man ahnt, die Geschichte hat eine Fortsetzung genommen.</p>
<p>Wir erinnern uns, kurz zusammengefaßt: <span id="more-2086"></span>Die Bahn rät meiner Frau und mir zum Kauf einer Bahncard, obwohl wir betonen, dass es nur um eine einzige Fahrt geht. An unserem Ort gibt es nicht mal einen Bahnhof. Nach einem Jahr stellt sich raus, der Schalterbeamte (die heißen heute sicher anders) hat uns ein &#8220;Abo&#8221; verkauft. Nach einem Jahr also kommt die Bahn daher und will für eine Verlängerung kassieren. Die wir abnehmen müssen. Schließlich haben wir das unterschrieben. Das bestreitet keiner, selbst schuld. Man unterschreibt auch nichts, ohne es zu lesen. Eine Ausnahme fiele mir allerdings ein: Geschäfte mit Leuten, denen man traut. Nachdem alles besprochen ist.</p>
<p>Nun, für Mißverständnisse gibt es die Kulanz, und nachdem der Streit schon losging, <em>bevor</em> die Verlängerungs-Bahncard überhaupt geliefert wurde, hätte man die Kündigung sicher annehmen können. Das Gegenargument: Wir müssen nicht, also tun wir es nicht.</p>
<p>Nun denn. So verhält sich heute durchaus auch immer wieder der Staat, vielleicht hilft die Verstaatlichung hier nicht. Aber bleiben wir bei der Geschichte. Sie ging noch äußerst kurios weiter. Ich sage seit einem Dreivierteljahr, dass ich die Rechnung bezahle, wenn ich sie bekomme. Ich kriege aber keine. Stattdessen versucht die Bahn, bei meinem Arbeitgeber abzubuchen. Sie hat die Daten, weil ich mal eine Firmenkarte hatte. Meine Firma bekommt auf Nachfrage nicht mal mitgeteilt, um was es bei der Abbuchung geht, und läßt so folgerichtig die Abbuchung zurückgehen. Die Bahn verlangt die Kosten für diese Aktion ungerührt von mir, und bezeichnet es als Kulanz, dass sie nun wenigstens eine Rechnung ausstellt. Auf meine Firma. Diese schickt die Rechnung zurück, da unbegründet. Parallel und unabgesprochen fordere ich die Bahn auf, alle Daten offenzulegen, die sie über mich gespeichert hat. Der Vorfall hatte schließlich meinen Verdacht genährt, die Bahn nimmt es mit dem Schutz von Daten nicht so genau, wenn sie nach Abschluß alter Firmenverträge noch Jahre später auf damals registrierte Konten zugreift. Keine Antwort von der Bahn, wen wundert&#8217;s.</p>
<p>Dafür ein Brief von einem Inkassounternehmen. Bahncards, Abbuchungskosten, Inkassokosten. Kommt nicht in Frage, keine Rechnung, keine Zahlung. Aus den Mahnungen entnehme ich zwar den Betrag für eine Bahncard, aber ich bin im Recht, wenn ich auf eine ordentliche Rechnung bestehe. Mit Mehrwertsteuer. Selbst einfache Handwerkerrechnungen müssen heute enormen formalen Ansprüchen genügen. Die Haftung liegt bei dem Bezahler der Rechnung, der notfalls die Mehrwertsteuer nachentrichtet oder Sozialabgaben für Handwerker bezahlt, wenn die Rechnung nicht ausreichend formuliert ist.</p>
<p>Ich schreibe also dem Inkassounternehmen, dass die Forderung bestritten wird. Und nun geschieht ein Wunder. Ich bekomme nach knapp zwei Monaten ein langes Schreiben. Von einem richtigen Menschen. Jemandem, der den Vorgang gelesen hat. Jemand, der auf meine Schreiben eingeht. Es ist nicht alles richtig, was da drin steht, so wird zum Beispiel behauptet, ich hätte eine Rechnung bekommen. Jetzt kommen die daher. Nach einem Dreivierteljahr. Was sie schreiben, klingt noch nicht mal unplausibel, sie behaupten, die Rechnung sei mit der Bahncard zusammen geliefert worden. Nachprüfen kann ich das nicht, jetzt nicht mehr. Und glauben kann ich aus auch nicht, ich habe ja alle Schreiben noch. Aber dennoch &#8211; da gibt es jemanden, der meinen Akt gelesen hat. Ich bin beinahe gerührt.</p>
<p>Beherzt greife ich zum Telephon und versuche, diese Posse zu beenden. Ich spreche mit einer Dame, der Stimme nach kein junges Mädel mehr, und erkläre zum wiederholten Male, dass ich bereit bin, die Bahncard zu bezahlen. Nur eben, dass ich eine Rechnung dafür will. Sie sagt mir das zu. So macht man das unter Erwachsenen. Dachte ich.</p>
<p>Nun habe ich einen Brief bekommen, von diesem Inkassounternehmen:</p>
<blockquote><p>&#8220;In vorbezeichneter Angelegenheit haben wir uns nochmal mit der DB Vertrieb GmbH in Verbindung gesetzt und teilen Ihnen nunmehr mit, das (<em>sic!</em>) eine Rechnung erst nach Zahlung der Forderung neu erstellt werden kann.&#8221;</p></blockquote>
<p>Vermutlich sollte ich nun pragmatisch sein und zahlen. Es lohnt sich nicht. Aber andererseits&#8230; vielleicht lohnt es sich doch? Mündlich versuche ich jedenfalls nicht mehr, etwas zu vereinbaren. So etwas geht nur mit Gentlemen und mit von Gentlemen beauftragten Unternehmen.</p>
<p class="finish">Das habe ich verstanden.</p>
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		<title>Verstaatlicht die Bahn!</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 14:27:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Parteien]]></category>
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		<category><![CDATA[Verstaatlichung]]></category>

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		<description><![CDATA[Endlich ein Politiker, der Mumm hat. Viele denken es, viele spüren es, und Herr Ramsauer spricht es aus: Ein Börsen&#173;gang der Deutschen Bahn kommt für ihn derzeit nicht in Frage. Er sagt, er sei nicht bereit, volks&#173;wirt&#173;schaft&#173;liches Vermögen zu ver&#173;schleudern. Gleich&#173;zeitig macht er die Privati&#173;sierungs&#173;pläne auch für die Qualitäts&#173;mängel ver&#173;ant&#173;wortlich.
Bravo. So etwas hört sich nach Opposition [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-2075" title="peter_ramsauer" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/peter_ramsauer-214x300.jpg" alt="" width="214" height="300" />Endlich ein Politiker, der Mumm hat. Viele denken es, viele spüren es, und Herr Ramsauer spricht es aus: Ein Börsen&shy;gang der Deutschen Bahn kommt für ihn derzeit nicht in Frage. Er sagt, er sei nicht bereit, volks&shy;wirt&shy;schaft&shy;liches Vermögen zu ver&shy;schleudern. Gleich&shy;zeitig macht er die Privati&shy;sierungs&shy;pläne auch für die Qualitäts&shy;mängel ver&shy;ant&shy;wortlich.</p>
<p>Bravo. So etwas hört sich nach Opposition an, aber es kommt von der Regierung, ge&shy;nauer von der CSU, vom derzeit amtie&shy;ren&shy;den Bundes&shy;ver&shy;kehrs&shy;minister. Wobei die CSU in Bayern ja früher traditionell, wie Spötter sagen, neben der Regierung auch die einzige ernst&shy;zu&shy;nehmende Oppo&shy;sition gestellt hat. Aber bleiben wir bei der Bahn. Sie ist nicht reif für die Börse und wird es vermutlich nie werden. Eine mutige Ansicht zu Zeiten, wo sich das Ver&shy;scherbeln von Staats&shy;eigentum zum kurz&shy;fristigen Stopfen von Löchern im Staats&shy;haus&shy;halt zur Standardmethode gewandelt hat. Also: Schluß mit der Privati&shy;sierung der Bahn?<span id="more-2072"></span></p>
<p>Eine Rückbesinnung auf einen &#8220;Staatsauftrag&#8221; hätte viele Vorteile. Keine Gewinn&shy;maxi&shy;mie&shy;rung für Aktio&shy;näre, sondern ein öko&shy;logisch sinn&shy;volles Vekehrs&shy;mittel für die Massen, notfalls eben mit passenden Zuschüssen, vielleicht aus dem Indi&shy;vidual&shy;verkehr. Keine rendite&shy;bedingten Strecken&shy;stillegungen mehr, kein Tarif&shy;dschungel, und wenn Qualitäts&shy;probleme auf&shy;treten, dann bitte, weil jemand geschlampt hat und nicht, weil zugunsten einer Dividende gespart werden mußte.</p>
<p>Man darf überzeugt sein, daß solche Ansichten heute noch nicht einmal nur die Minder&shy;meinung repräsentieren, auch bei den Damen und Herren Politikern. Der ein&shy;geschla&shy;gene Weg hatte einst so verheißungs&shy;voll gewirkt: Durch Privati&shy;sierung und Wett&shy;bewerb sänken die Kosten und stiege die Qualität. Schwund und Schlamperei seien in einem Wirtschafts&shy;unter&shy;nehmen leichter zu bekämpfen als in einem kon&shy;kurrenz&shy;losen Staats&shy;betrieb. So hieß es mal.</p>
<p>Das hat nicht wirklich funktioniert. In vielen Bereichen ist die Bahn sogar aus&shy;ge&shy;sprochen un&shy;attraktiv ge&shy;wor&shy;den. Das kann man ihr auch nicht wirk&shy;lich vor&shy;werfen &#8211; es kommt auf die Ziele an, die man den Strategen eines Unter&shy;nehmens setzt. Daher ist es auch weiter&shy;hin un&shy;an&shy;gebracht, auf Herrn Mehdorn herum&shy;zuhacken, hat er doch nur umgesetzt, was seine Vorgaben waren. Es bleibt zu hoffen, daß ange&shy;sichts der geänderten Ziele mit seinem Nach&shy;folger fairer um&shy;gegangen wird. Wenn das auch noch passiert, hat sich gezeigt, daß der Herr Bundes&shy;minister Ramsauer unseren Respekt wirklich verdient.</p>
<p>Es gibt einen jüdischen Witz, der das Dilemma illustriert: Max Kohn, frisch angekommen in New York, bekommt eine Stellung als Busfahrer. Er fährt den 46er in Queens, zwischen Kew Gardes und dem Jewish Hospital in Glen Oaks. Ein paar Tage geht das gut, aber er wird von Tag zu Tag mürrischer. Eines Tages aber kommt er vier geschlagene Stunden später zum Busdepot zurück und strahlt über das ganze Gesicht. Befragt, was los sei, antwortet er: &#8220;Die alte Route war Mist. Heute wollt ich es wissen, bin nach Man&shy;hatten gefahren, immer die Lexington Avenue rauf und runter. Ich sag&#8217;s Euch: Ich hatte mittags schon mehr ein&shy;ge&shy;nommen als auf der alten Route den ganzen Tag über&#8230; a Goldgrube!&#8221;</p>
<p>Und damit meinte er nicht den Ort mit der</p>
<p class="finish">Postleitzahl 56073!</p>
<p><em>Bildquelle</em>: <a href="http://www.peter-ramsauer.de/" target="_blank">www.peter-ramsauer.de</a></p>
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		<title>The Grand Insolvency Show</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/02/12/the-grand-insolvency-show/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 17:37:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Haidhausen]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Lothringer 13]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Titel ist etwas irreführend. Nicht Griechenland ist das Thema, sondern die Statistik als Kunst. Statistiken begleiten uns von früh bis spät: Die Sitzeverteilung im Deutschen Bundestag, die 10 meistgekauften Bücher diese Woche, die Veränderung des Alkoholkonsums in Deutschland in den letzten 30 Jahren, die Ausbruchwahrscheinlichkeit bestimmter isländischer Geysire, Waffenexporte der Ukraine, Rohstoffvorkommen in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/insolvency_180.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2063" title="insolvency_180" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/insolvency_180.jpg" alt="" width="180" height="118" /></a>Der Titel ist etwas irreführend. Nicht Griechenland ist das Thema, sondern die Statistik als Kunst. Statistiken begleiten uns von früh bis spät: Die Sitzeverteilung im Deutschen Bundestag, die 10 meistgekauften Bücher diese Woche, die Veränderung des Alkoholkonsums in Deutschland in den letzten 30 Jahren, die Ausbruchwahrscheinlichkeit bestimmter isländischer Geysire, Waffenexporte der Ukraine, Rohstoffvorkommen in der Nordsee, das Verhältnis zwischen Nisthäufigkeit von Störchen am Neusiedler See und der dortigen Geburtenrate.</p>
<p>Letzteres war übrigens real, falls ich nicht doch einer urbanen Legende aufgesessen bin: <span id="more-2061"></span>Während meines Studiums munkelte man, jemand habe einen Universitätsrecher solange Korrelationen rechnen lassen, bis sich lustige Erkenntnisse manifestiert hatten. Zum Beispiel eben die enge Koppelung zwischen Störchen und Babies, statistisch bewiesen. Während der Normalbürger kurzt grinst, ist der positivistische Wissenschaftler entsetzt &#8211; was heißt das eigentlich, daß etwas <em>statistisch bewiesen</em> sei, im Licht dieser Geschichte? So gesehen war jene Statistik in den 80ern des vergangenen Jahrhunderts ein sehr interessanter Beitrag zur Wissenschaftskritik. Oder war das schon Kunst?</p>
<p>Kunst! Diese war nun wieder ein Auslöser, in einer aktuellen Ausstellung in München: <a href="http://www.muenchen.de/Rathaus/kult/museen/lothringer13/insolvency/392829/index.html" target="_blank">The Grand Insolvency Show</a>. Jens Semjan und Bernhard Lermann stellen 300 unterschiedliche Statistiken aus und nennen das eine &#8220;Ausstellungspolemik&#8221;. Wunderbare Schöpfung. Man betritt die alte Fabrikhalle im Münchener Stadtteil Haidhausen (kein Eintritt, danke!) und wird von mehreren Diaprojektoren mit Statistiken überschüttet. Klack &#8211; ein neues Dia. Skurriles, Erschreckendes &#8211; klack &#8211; Uninteressantes, Verblüffendes, Unbegreifliches. Klack &#8211; und schon wieder neue Dias. Nach wenigen Minuten schwirrt einem der Kopf. Man nimmt sich einen Stuhl und konzentriert sich auf <em>einen</em> Strom von Statistiken. Klack. Anschauen. Klack. Das nächste. Und sieheda: Man wird davongetragen. Das Welträtsel entwirrt sich. Der Kakaokonsum in Deutschland, Bildungsausgaben der Welt (wie? Wir geben weniger aus die USA? VIEL weniger??). Klack &#8211; alles hängt zusammen, die Welt als Spreadsheet und Vorstellung. Es sind nicht die Zahlen, eher die Bilder. Säulen, Kurven, Torten. Alles völlig verexcelt. Klack. Eine Stunde reicht locker.</p>
<p>Dann:  Zurück in die Realität, hinaus ins gastliche Haidhausen &#8211; an Gesprächsstoff mangelt es beim anschließenden Barbesuch sicher nicht.</p>
<blockquote><p>Dauer: 2.2. bis 29.2.2010<br />
Öffnungszeiten: Di-So, 14.00-20.00 Uhr, Eintritt frei</p>
<p>LOTHRINGER 13 &#8211; Städtische Kunsthalle München<br />
<a href="http://www.lothringer-dreizehn.com/" target="_blank"> www.lothringer-dreizehn.com</a></p></blockquote>
<p>Und für alle die, die nicht kommen können, gibt es das ganze ohne den &#8220;Nächstes Dia-Klack&#8221;-Effekt auf YouTube. Immerhin &#8211; aber das Original lohnt sich mehr!</p>
<p style="text-align: center;"><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="660" height="525" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/drPP6KVIKsY&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;hd=1&amp;border=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="660" height="525" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/drPP6KVIKsY&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;rel=0&amp;hd=1&amp;border=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<title>Die Kunst des Fugu</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/02/04/die-kunst-des-fugu/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 21:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Spass]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Fugu]]></category>
		<category><![CDATA[Kugelfisch]]></category>
		<category><![CDATA[Logik]]></category>
		<category><![CDATA[Pleoasmus]]></category>

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		<description><![CDATA[Helden der Logik: Befindet man sich im Weißen Rößl am Wolfgangssee und spaziert man den Kreuzweg hinauf auf das Bergerl hinter dem Ort zu der Kapelle und kehrt dann Richtung Zahnradbahn in den Ort zurück, so kommt man an einer malerischen Manifestation eines Pleonasmus vorbei:

Ignorieren wir mal die Bemerkung &#8220;auf eigene Gefahr&#8221;,  das obere Schild [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Helden der Logik: Befindet man sich im Weißen Rößl am Wolfgangssee und spaziert man den Kreuzweg hinauf auf das Bergerl hinter dem Ort zu der Kapelle und kehrt dann Richtung Zahnradbahn in den Ort zurück, so kommt man an einer malerischen Manifestation eines Pleonasmus vorbei:</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-large wp-image-2040 aligncenter" title="IMG_0994" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/IMG_0994-1024x682.jpg" alt="" width="655" height="437" /></p>
<p>Ignorieren wir mal die Bemerkung &#8220;auf eigene Gefahr&#8221;,  das obere Schild reicht schon. Eine der häufigsten Pleonasmen ist die Feststellung, daß ein Berechtigter etwas darf, was ein Unberechtigter nicht darf. Bei einem <em>Unbefugten</em> verhält es sich anders, das darf man nicht verwechseln. <span id="more-2039"></span>Befugnis berechtigt noch nicht und ein Mangel an Befugnis schließt keine Berechtigung aus.</p>
<p>Nun, wenn jemand nicht be<em>fug</em>t ist, wird man ihm mit <em>Fug und Recht</em> die Berechtigung mit einem Schild verwehren. Auch das Schild oben <em>fügt </em>sich ein in die Landschaft, und der Unberechtigte wird sich, wenn es die <em>Fügung</em> will, ebenfalls fügen, nur nicht in die Landschaft sondern dem Schild. Wer, <em>Unfug</em> im Sinn, dazu die <em>Kunst der Fuge</em> pfeift, flüchtet sich aus der Wortverwandtschaft: Die Fuge in der Musik kommt aus dem lateinischen, <em>fuga</em> ist die Flucht. Die erste Stimme (<em>dux</em>) &#8220;flüchtet&#8221; mit dem Thema und wird, ähnlich wie in einem Kanon, von ihren ähnlichen Begleitern verfolgt (<em>comes</em>).</p>
<p>Alles andere kommt aus dem Mittelhochdeutschen. &#8220;vüegen&#8221; hieß &#8220;passend zusammensetzen&#8221;, &#8220;sich anpassen&#8221;. Daher die Schreinerfuge, das Zusammenfügen zweier Bretter. Schon damals bildete sich darauf das Hauptwort &#8220;vuoc&#8221;, und das stand für  Kunstfertigkeit, Schicklichkeit und Angemessenheit, und da ist es nicht mehr weit zum Recht. So gesehen ist &#8220;Fug und Recht&#8221; doppelt gemoppelt. Interessant, dass Schicklichkeit und Schicksal aufeinandertreffen in der <em>Fügung</em>.</p>
<p>Nicht mit alledem zu tun hat der japanische Kugelfisch, der<a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/fugu_fish.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-2055" title="fugu_fish" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/fugu_fish-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p class="finish">Fugu&#8230;</p>
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		<title>Gutes Geschäft?</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/02/02/gutes-geschaft/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 14:39:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>

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		<description><![CDATA[Manche Dinge wiederholen sich immer und immer wieder, aber jedesmal kommt eine neue Facette hinzu. Unser Staat betätigt sich gerne mal als Hehler, das ist nichts Neues und wurde hier auch schon ausreichend besprochen. Es ist noch nicht mal zwei Jahre her.
Halali – die Treibjagd ist eröffnet, vom 16.2.2008. oder
Ein Anruf aus Liechtenstein, vom 26.2.2008, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/uelimaurer.png"><img class="alignright size-medium wp-image-2033" title="uelimaurer" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/uelimaurer-300x216.png" alt="" width="300" height="216" /></a>Manche Dinge wiederholen sich immer und immer wieder, aber jedesmal kommt eine neue Facette hinzu. Unser Staat betätigt sich gerne mal als Hehler, das ist nichts Neues und wurde hier auch schon ausreichend besprochen. Es ist noch nicht mal zwei Jahre her.</p>
<blockquote><p><a title="Permanenter Link zu Halali – die Treibjagd ist eröffnet" rel="bookmark" href="http://www.svb.bayern.net/2008/02/16/halali/">Halali – die Treibjagd ist eröffnet</a>, vom 16.2.2008. oder<br />
<a title="Permanenter Link zu Ein Anruf aus Liechtenstein" rel="bookmark" href="http://www.svb.bayern.net/2008/02/26/ein-anruf-aus-liechtenstein/">Ein Anruf aus Liechtenstein</a>, vom 26.2.2008, oder<br />
<a title="Permanenter Link zu Liechtenstein reloaded" rel="bookmark" href="http://www.svb.bayern.net/2008/03/09/liechtenstein-reloaded/">Liechtenstein reloaded</a>, vom 9.3.2008</p></blockquote>
<p>Was sind die Unterschiede zu damals? <span id="more-2027"></span>Die SPD hat rhetorisch aufgerüstet. Sie ist für den Ankauf, denn alle Steuersünder sind Klientel der CDU. Oder der FDP, egal, jedenfalls an der derzeitigen Regierung. Das ist schon ein bisserl infam, aber strategisch geschickt. Der Ankauf vor zwei Jahren war ein Erfolg, aber das war laut SPD das &#8220;rot&#8221; in &#8220;schwarz-rot&#8221;. Und die CDU? Fällt drauf rein, will vielleicht auch drauf reinfallen und ein paar hundert Millionen einstreichen mit den Worten, es sei eine schwere Entscheidung gewesen, aber man dürfe Straftäter ja nicht ungestraft davonkommen lassen. Meistens wurde in der Diskussion das Wort &#8220;potentiell&#8221; vor &#8220;Straftäter&#8221; weggelassen. Aber das ist in diesem Sumpf ohnehin schon egal, es geht nicht um rechtsstaatliche Prinzipien. Ob aber die Regierung auch so viel Geld für eine CD mit potentiellen Gewaltstraftätern ausgegeben hätte? Kaum.</p>
<p>Daß sich in den Reihen von CDU und FDP sogar Widerstand regt, wenngleich leise und lahm, ist nicht wirklich entlastend. Aber nun ist es vollbracht, Frau Merkel öffnet den Regierungsriesengeldbeutel und blättert ein paar Millionen Euro hin (&#8220;Gutes Geschäft!&#8221;) und denkt sich, sie ist die SPD los, sie hat das Heft wieder selbst in der Hand. Da setzt Frau Nahles ein treuherziges Gesicht auf und tritt im ARD Morgenmagazin auf. Dort forderte sie ein Abkommen zur Informationspflicht zwischen Deutschland und der Schweiz sowie anderer Steueroasen, und sagt, das sei &#8220;der einzige Weg, um auf Dauer solche Merkwürdigkeiten, wie daß wir Daten ankaufen müssen, entsprechend einzudämmen&#8221;. Was für eine Volte! Die Schweizer sind schuld, daß wir zu solchen Deals genötigt werden? Respekt!</p>
<p>Die Schweiz ist auch beeindruckt. Das war sie schon, als Peer Steinbrück auf sie losgegangen war. Und so sehen wir einen gravierenden Unterschied zur liechtensteinischen Variante damals: Es hatte sich dort der Regierungschef und Finanzminister, Herr Otmar Hasler, verärgert über die Wortwahl der aggressiven Deutschen geäußert. Die Reaktion aus der Schweiz ist frostiger. Herr Ueli Maurer riet der Bundesrepublik Deutschland sofort nach Bekanntwerden der Affaire ab, die gestohlene CD zu kaufen und die Diebe zu belohnen. Und was ist Herr Maurer? Finanzminister? Justizminister? Außenminister? Nichts von alledem &#8211; und das geschieht uns recht, für uns zuständig ist offensichtlich inzwischen der schweizerische</p>
<p class="finish">Verteidigungsminister.</p>
<p><em>Bildquelle</em>: <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/ueli_der_agrarpolitiker_1.3389612.html" target="_blank">NZZ</a>. Zu sehen ist, wie sich die Schweiz für eine angemessene Auseinandersetzung mit Deutschland rüstet, auch wenn es in der NZZ ganz anders gedeutet wird.</p>
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		<title>Eine echte ######-Idee!</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Jan 2010 17:17:26 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
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		<category><![CDATA[Prüderie]]></category>
		<category><![CDATA[Schimpfwörter]]></category>
		<category><![CDATA[Tugend]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

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		<description><![CDATA[Google ist immer wieder für eine Überraschung gut. Mit Spannung wurde nun das Google-Handy erwartet. Um cooler zu sein als ein iPhone muß man schon einiges bieten. Eingebautes Navi! Gibt&#8217;s schon. Musik! Gähn. Filme! Ja doch. Haben wir alles schon. Sprachsteuerung, Diktierfunktion? Ja, gibt es. Auch mit Selbstzensur??? Nein. Das ist es &#8211; das kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/01/Fahnenträger.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2015" title="Fahnenträger" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/01/Fahnenträger-264x300.jpg" alt="" width="264" height="300" /></a>Google ist immer wieder für eine Überraschung gut. Mit Spannung wurde nun das Google-Handy erwartet. Um cooler zu sein als ein iPhone muß man schon einiges bieten. Eingebautes Navi! Gibt&#8217;s schon. Musik! Gähn. Filme! Ja doch. Haben wir alles schon. Sprachsteuerung, Diktierfunktion? Ja, gibt es. Auch mit Selbstzensur??? Nein. Das ist es &#8211; das kann das iPhone nicht, damit kommt man in die Presse.</p>
<p>Das Nexus 1 von Google akzeptiert also Sprachdiktate, wandelt diese in Text um und zensiert diese Texte <em>on the fly</em>. Jedes böse Wort wird durch Raute-Zeichen ersetzt. Ja haben die denn den ##### offen? <span id="more-2010"></span>Hat man denen ins Hirn ge########? So muß man sich das vorstellen.</p>
<p>Auf dem <a href="http://blogs.reuters.com/mediafile/2010/01/22/google’s-nexus-one-muzzles-the-foul-mouthed/" target="_blank">Reutersblog wird das</a> bereits sehr amüsant kommentiert:</p>
<blockquote>
<h3>Google’s Nexus One muzzles the foul-mouthed</h3>
<p>One of the most innovative features of <a href="http://www.reuters.com/article/idUSTRE6044E720100106">Google’s new Nexus One</a> is the built-in voice recognition. But there’s one major limitation that Reuters discovered while putting the smartphone through its paces: the phone is a bit of a prig.</p></blockquote>
<p><em>A bit of a prig</em>! Das mußte ich &#8211; ich geb&#8217;s zu &#8211; nachschlagen. <a href="http://dict.leo.org/ende?lang=de&amp;search=prig" target="_blank">Leo</a> nennt als Übersetzung für <em>prig</em> &#8220;Tugendbold&#8221;. Wunderbar. Köstlich. Die prüden Amis halt mal wieder. Und, wie nicht anders zu erwarten, die ganze Blogosphäre denkt so. Das ist schließlich Zensur und das geht nicht. Schon gar nicht bei Google, weil die nicht zensieren dürfen, weil sie das ja in China am eigenen Leib usw. usf.</p>
<p>Hey, das ist natürlich Unsinn! Bull####! Das ist natürlich genau der Schritt in die richtige Richtung! Wir können in aller Gemütsruhe verrohen, bis der Arzt kommt, wir können uns gegenseitig beleidigen, bis uns nichts mehr einfällt &#8211; unsere Kommunikationselektronik wird&#8217;s schon richten.</p>
<p>Google arbeitet, wie Geheimberichten zu entnehmen ist, ja längst an einem eigenen Auto. Man kriegt seine Mails vorgelesen, im Stau bekommt man YouTube-Schnipsel präsentiert, es gibt ein eingebautes Navi, bei dem man nicht mehr &#8220;Prfmselstrasse 41&#8243; eingibt, sondern &#8220;schmerzfreier zahnarzt mit parkplatz&#8221;. Und die Scheiben sind präpariert, man kann die Zunge rausstrecken und den Stinkefinger zeigen, aber von außen sieht man nur</p>
<p class="finish">Lächeln und fröhliches Winken!</p>
<p><em>Bildquelle</em>: <a href="http://de.uncyclopedia.org/index.php?title=Spezial:Outbound&amp;f=Datei%3AFahnenträger.jpg&amp;u=http%3A%2F%2Fwww.flickr.com%2Fphotos%2Fbackofthebuspodcast%2F2713556535%2F" target="_blank">flickr</a></p>
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