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	<title>SvB-Blog &#187; Geschichte</title>
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	<description>Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)</description>
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		<title>Fahr lieber mit der Bundesbahn</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Aug 2009 13:49:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bundesbahn! Verheißungsvolles Tor zur Welt. Der Münchener Hauptbahnhof mit seinem typischen Geruch nach Rauch, Öl und Metall. Ja, Rauch, eine Dampflok pro Tag reichte für den Geruch. Als Kinder waren wir grundsätzlich mit der Bahn in den Urlaub gefahren, typischerweise an die Nordsee: Ein ganzes Abteil, nur für unsere Familie, grundsätzlich ging es abends los. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-1717 alignright" title="800px-Deutsche_Bundesbahn.svg" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/08/800px-Deutsche_Bundesbahn.svg-300x215.png" alt="800px-Deutsche_Bundesbahn.svg" width="300" height="215" />Bundesbahn! Verheißungsvolles Tor zur Welt. Der Münchener Hauptbahnhof mit seinem typischen Geruch nach Rauch, Öl und Metall. Ja, Rauch, eine Dampflok pro Tag reichte für den Geruch. Als Kinder waren wir grundsätzlich mit der Bahn in den Urlaub gefahren, typischerweise an die Nordsee: Ein ganzes Abteil, nur für unsere Familie, grundsätzlich ging es abends los. Im Schlafwagen konnte man herrlich schlafen, und morgens waren wir dann schon fast da. Diese Art zu Reisen wollten wir wiederholen.</p>
<p>Ach, die Bahn ist nicht mehr das, was sie mal war, zumindest in Deutschland. <span id="more-1712"></span>Das beginnt damit, daß es die meisten Ziele meiner Jugend nicht mehr gibt. Das heißt, es gibt sie schon, aber die Bahn fährt nicht mehr hin. Aber was soll&#8217;s, dafür kann man jetzt mit der Bahn ohne Visum ganz neue Ziele ansteuern: Ahlbeck auf Usedom sollte es sein. Das mit der Fahrkarte ist ebenfalls nicht so einfach wie früher. Früher sagte man Ahlbeck bitte, hin und zurück, zwei Erwachsene, drei Kinder. Man mußte sich nur noch entscheiden, ob 1. oder 2. Klasse, Schlaf- oder Liegewagen. Allfällige Zuschläge konnte der Schalterbeamte selbst noch ausrechnen, fertig.</p>
<p>Heute ist das alles nicht so einfach. Nicht &#8220;Karte kaufen und los geht&#8217;s&#8221;. Wer den Listenpreis bezahlt, ist inzwischen bekanntlich ein bißchen lebensuntüchtig. Echte Preisfüchse fahren beinahe umsonst. Gewußt wie, diese Welt gehört den Schlauen. Der Mann am Schalter kennt sich auch nicht mehr aus, aber er nimmt die Herausforderung an. Die schüchterne Frage nach rosarotem Wochenende wird mit einem mitleidigen Blick beschieden &#8211; offensichtlich haben wir uns als Menschen geoutet, die im letzten Jahrhundert schon erwachsen waren. Dieses Produkt gibt es schon lang nicht mehr.</p>
<p>Nach einigem Stirnrunzeln gab es dann doch ein maßgeschneidertes Angebot &#8211; etwa so komplex wie ein Angebot für ein neues Auto. Lustige Tricks hatte er drauf, der Schalterbeamte, oder inzwischen &#8220;Angehörige des Servicepersonals&#8221;. Zum Beispiel mußten wir eine Bahncard kaufen, obwohl wir nur dieses eine Mal fahren wollten. Aber die wirklich lohnende Kinderermäßigung gibt es nur für Stammkunden &#8211; und nur Bahncardbesitzer sind Stammkunden. Auch wenn sie nur einmal fahren? Na gut, machen wir, wo ist der Haken? Es gab einen Haken, dazu später mehr.</p>
<p>Verschiedene Bahngesellschaften betreiben die Strecke von München nach Usedom, was bedeutet, daß man hinter Berlin nicht mehr reservieren kann. Schlafwagen gibt es noch, Kurswagen scheinen aus der Mode gekommen zu sein, also Umsteigen, Umsteigen, Umsteigen.</p>
<p>Trotzdem, Bahnfahren. Urlaub wie früher. Nun gut, das Gepäck muß man heute selbst mitschleppen, früher konnte man das am Vorabend aufgeben. Oder sogar holen lassen. Am Zielort wurde es ins Hotel gebracht, manchmal erst einige Stunden später. Über sowas hat man sich früher aufgeregt. Heute kommt der ganze Zug typischerweise später.</p>
<p>Aber nichts konnte unseren festen Entschluß ins Wanken bringen, diese Reise zu genießen. Wir vermieden stundenlanges Stehen im Stau. Na gut, dafür hatten wir stundenlanges Herumsitzen im Berliner Bahnhof. Wo der Anschlußzug auch nicht da abging, wo er sollte. Hätte man den Infoscreens entnehmen können, aber es sollte doch ein Retrourlaub sein, keiner hatte diese Screens gelesen. Was ist aus den guten alten unverständlichen Ansagen per Lautsprecher geworden&#8230;</p>
<p>Apropos Lautsprecher. Früher hieß es  ja auch noch &#8220;Bitte einsteigen und die Türen schließen!&#8221; Heute schließen sich die Türen von selbst, aber es heißt &#8220;Zurückbleiben!!!&#8221; Ja, drei Ausrufezeichen, ich höre das ganz deutlich.</p>
<p>Früher war also alles besser? Oh mein Gott, ich höre mich an wie mein Großvater. Doch halt. Es gibt einen Beweis. Ein &#8220;Dokumentarfilm&#8221; über die Bundesbahn, wobei ich das Lied noch auf einer Schallplatte von daheim kenne. Daß es dazu einen Film gibt, war für mich überraschend. Heute gibt es es das Internet und so können alle dran teilhaben. Voilá, fahr&#8217; lieber mit der Bundesbahn:</p>
<p><object style="width: 470px; height: 406px;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="470" height="406" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="AllowFullscreen" value="true" /><param name="AllowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.myvideo.de/movie/269987" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed style="width: 470px; height: 406px;" type="application/x-shockwave-flash" width="470" height="406" src="http://www.myvideo.de/movie/269987" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<title>Demjanjuk</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Jul 2009 12:30:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Demjanjuk]]></category>
		<category><![CDATA[KZ]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verjährung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein schwieriges Thema. Da hat jemand möglicherweise Verbrechen begangen zu einer Zeit, zu der all die, die über ihn zu Gericht sitzen werden, noch lange nicht geboren waren. Mit lebensversicherungsmathematischer Kälte könnte man nun ohne viel Widerspruch formulieren, daß er als 89-jähriger das Ende seines Prozesses vermutlich nicht erleben wird. Dennoch gibt es Leute, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-1547" title="demjanjuk" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/07/demjanjuk.png" alt="demjanjuk" width="291" height="231" />Ein schwieriges Thema. Da hat jemand möglicherweise Verbrechen begangen zu einer Zeit, zu der all die, die über ihn zu Gericht sitzen werden, noch lange nicht geboren waren. Mit lebensversicherungsmathematischer Kälte könnte man nun ohne viel Widerspruch formulieren, daß er als 89-jähriger das Ende seines Prozesses vermutlich nicht erleben wird. Dennoch gibt es Leute, die für ihn durchaus noch die Zuständigkeit bei der irdischen Gerichtsbarkeit sehen.</p>
<p>Das Verbrechen: Beihilfe zum Mord in 27.900 Fällen. <span id="more-1540"></span>Mord verjährt nicht mehr in Deutschland und das gilt wohl auch für Beihilfe. Damals war Demjanjuk Anfang 20. Ein junger Mann, dem aber schon einiges widerfahren war. Heute ist er ein alter Mann, der noch viel mehr durchgemacht hat. Rund ein Viertel seines Lebens fand vor der fraglichen Tatzeit statt, drei Viertel danach.</p>
<p>Wie sein Leben verlaufen ist, wünscht man niemandem, unabhängig davon, ob die ihm zur Last gelegten Verbrechen nun tatsächlich von ihm begangen wurden oder nicht. Er hat inzwischen geraume Zeit in einer israelischen Todeszelle zugebracht, war mit dem Vorwurf konfrontiert, ein psychopathischer Killer zu sein (&#8220;Iwan der Schreckliche&#8221;), wurde freigesprochen &#8211; das war definitiv eine Verwechslung, verlor dennoch die amerikanische Staatsbürgerschaft und wird nun als Greis erneut angeklagt.</p>
<p>Ist das christlich? Sicher nicht. Ist es gerecht? Das weiß ich nicht und zu glauben, das sicher beantworten zu können, wäre recht anmaßend. Aber eine Frage stelle ich mir, seit ich den Fall Demjanjuk verfolge: Ein Kriegsgefangener, vor die Wahl gestellt, mitzumachen oder die Konsequenzen zu tragen, der dann eventuell wirklich mitmacht&#8230; so einem vorzuwerfen, er habe ja nicht wissen können, ob die Konsequenzen wirklich ernsthaft gewesen wären, dazu gehört eine seelische Kälte, die mich schaudern läßt.</p>
<p>Es waren Deutsche, die ihn gezwungen haben, auf ihre Seite zu wechseln. Es waren unsere Vorfahren &#8211; und die Vorfahren des Staatsanwalts, der sich zur Aufgabe gemacht hat, einen alten Mann zur Strecke zu bringen. Mögen die Opfer über die Täter richten, in Deutschland sehe ich keine Legitimation für diesen Prozeß.</p>
<p>Ein <a href="http://www.svb.bayern.net/2008/11/25/schuld-und-suhne/" target="_blank">früher hier zu lesender Artikel</a> weist bei näherer Betrachtung Parallelen auf. Wenn es noch eines weiteren Argumentes bedurft hätte für die Wiedereinführung einer Verjährungsfrist für Mord,</p>
<p class="finish">hier wäre ein gewichtiges.</p>
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		<title>Luxus und Dekadenz</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 14:18:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Kennen Sie Santa Barbara? Auf der ganzen Welt gibt es vermutlich über fünfzig davon, allein neun in Mexico. Aber hier ist die Rede von dem Santa Barbara in Kalifornien. Wo die Reichen und Schönen wohnen. D.h., zur Zeit wohnen. Oder zumindest einen Wohnsitz unterhalten, das trifft es vermutlich am besten. Früher waren das eher Städte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1494" title="lu_Nymphe" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_Nymphe.jpg" alt="lu_Nymphe" width="100" height="100" /><img class="alignright size-full wp-image-1495" title="lu_tischfuss" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_tischfuss.jpg" alt="lu_tischfuss" width="100" height="100" />Kennen Sie Santa Barbara? Auf der ganzen Welt gibt es vermutlich über fünfzig davon, allein neun in Mexico. Aber hier ist die Rede von <em>dem</em> Santa Barbara in Kalifornien. Wo die Reichen und Schönen wohnen. D.h., zur Zeit wohnen. Oder zumindest einen Wohnsitz unterhalten, das trifft es vermutlich am besten. Früher waren das eher Städte wie Antibes oder Cannes. Und noch früher war es Baiae, am Golf von Neapel, oder Herkulaneum, Bauli oder Pompeii. Dort, in der Umgebung von Neapel, versammelte sich früher die Elite aus Herkunft, Macht und Geld.</p>
<p><span id="more-1486"></span>In Baiae hatte die Prominenz aus Rom ihre Villen, und wenn man sagt &#8220;Prominenz&#8221;, dann darf man sich darunter wirklich die Prominenten vorstellen, nicht die &#8220;Promis&#8221;. Caesar und Brutus, Cicero und Verres, Seneca und Nero, alle hatten hier Villen. Cicero sogar gleich mehrere davon, nicht nur in Baiae, sondern eigentlich in fast jedem Ort der Gegend eine. Klingt protzig und war auch so gedacht. Als <em>homo novus</em>, also nicht aus einer adeligen Familie stammend, hatte dieser große Mann eine ausgesprochene Achillesferse in gesellschaftlichen Fragen. Heute hieße man so einen &#8220;Selfmademan&#8221;. Das hat den Neureichen abgelöst, oder den Parvenü. Alles dasselbe, seit tausenden Jahren belächelt man den Aufsteiger, nicht den Erben.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-1496" title="lu_orestpylades" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_orestpylades.jpg" alt="lu_orestpylades" width="100" height="100" /></strong><img class="alignright size-full wp-image-1497" title="bild1" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/bild1.jpg" alt="bild1" width="100" height="100" />Aber wie ging es weiter damals? Wissen wir. Pompeii ging unter im Aschenregen des Vesuvs elf Tage nach den Iden des Sextember, der seit ein paar Dezennien August genannt wurde, im Jahre 832 a.u.c., mittags. Heute würde man sagen 24.8.79 nach Christus, 13 Uhr. Fast zeitgleich kam die Lava nach Herculaneum &#8211; die beiden Städte sollten sich nie wieder erholen. Baiae ereilte ebenfalls ein Schicksal, wenngleich nicht so heftig für die Bewohner: Es ging unter, im wahrsten Sinn des Wortes, und liegt heute zum größten Teil unter Wasser. Der Untergang ausgerechnet solcher Städte hat nicht nur heutige Archäologen beeindruckt. Bereits in der Antike kritzelte jemand einen Vergleich mit Sodom und Gomorrha an eine Wand in Pompeii. Die Archäologen sind uneins, war das eine Warnung oder eine Quittung? Vermutlich letzteres. Jedenfalls gab es 79 nach Christus bzw. ein halbes Jahrhundert nach seiner Hinrichtung schon Leute auf der italischen Halbinsel, die die biblischen Geschichten zitieren konnten.</p>
<p>Dem ganzen Thema kann man sich derzeit in München nähern, es gibt eine fabelhafte <a href="http://www.lwl.org/ausstellung-herculaneum/cms/front_content.php?idcatart=39" target="_blank">Ausstellung: Luxus und Dekadenz</a>, in der archäologischen Staatssammlung am Englischen Garten, hinter dem Nationalmuseum. Dort lohnt es sich den Fragen nachzuspüren: Was ist gleich wie damals? Und was ist anders? Bankiers, die mit Hilfe von Spekulationen ein Vermögen verdienten. Ein Mann, der sich vom Sklaven hocharbeitete und als Freigelassener bei seinem Tod gut 4000 Sklaven hinterließ und 16 Millionen Sesterzen, die eine Million Sesterzen nicht mitgerechnet, die er für sein Begräbnis auf die Seite gelegt hatte. Zum Vergleich: Der Stundenlohn damals betrug typischerweise ein As, fünf Asse waren zwei Sesterzen. Der Freigelassene gab also für sein Begräbnis mehr aus, als ein normaler Arbeiter oder ein Soldat in eintausend Jahren mit täglich 10 Stunden Arbeit verdienen konnte. Dann war da noch die Statue eines Mannes, der als Steuerpächter das heutige Libyen so ausplünderte, daß selbst seine Landsleute eine Augenbraue hoben. Darauf spendierte er seiner Stadt eine neue Stadtmauer und entging einer Untersuchung.</p>
<p>Und schon damals hatten die Menschen Sinn für Kunst und Handwerk, für Dinge, die sie oft selbst nicht herstellen konnten. Die besten Statuen kamen aus Griechenland, Eisen und Stahlkonstruktionen von den Kelten und den Iberern, Glas aus Germanien oder aus Asia minor. Der Goldnachschub versiegte nicht, in Hispanien wurden ganze Flüsse umgeleitet, um die reichen Goldvorkommen aus den Gebirgen freizuwaschen. In den Manufakturen werkelten die Sklaven, das steuerte seinen Teil bei, aber das beste war immer noch die Steuerpacht: Wer sich in der Politik verdient gemacht hatte, durfte ein paar Jahre irgendeine Provinz ausplündern. Das lohnte sich, das geplünderte Geld reichte oft mehrere Generationen. Die Oberklasse war also reich. Sozusagen stinkreich, auch wenn <em>pecunia non olet</em>.</p>
<p>Gleichzeitig steckte Rom in den 70ern und frühen 80ern in einer heftigen Wirtschaftskrise, die allerding weniger mit dem Vulkanausbruch zu tun hatte, mehr mit Aufständen in den Provinzen, deren Niederschlagung immer kostspieliger geworden war, bei gleichzeitig schwindender Opferbereitschaft der römischen Bürger und immens angestiegenen Staatsausgaben und einer sich immer weiter aufblähenden Bürokratie. Neros Regierungszeit war 68 zuende gegangen. Wie auch immer man zu ihm steht, ob er nun ein großer Künstler war oder ein bluttriefender Despot, in jedem Fall war der Römische Staat von ihm ruiniert worden, oder er hatte den Ruin nicht verhindert. Nicht nur mit der Erfindung der Inflation, angeblich hatte er ja das Gold in den Münzen mit minderwertigen Metallen gestreckt, um den Staatsbankrott abzuwenden. Damit ruiniert man den Staat nicht, das ist ja heute ein anerkanntes Mittel zur Staatsfinanzierung.</p>
<p>Aber zurück: Wie hätte damals die Oberschicht dieses Verhängnis erkennen können? In einem Hausstand, in dem rationaler Einsatz von Arbeitskräften keine Rolle spielte? Wo es für den Status nur darauf ankam, möglichst viele Sklaven zu haben? Was für Jobs gibt es denn in einem Haus für ein paar hundert Leute? So entstanden die erstaunlichsten &#8220;Berufe&#8221;, Perlenkästchenbewahrer, Speisenabräumer, Zeitansager, Terminplaner, so langweilten sich die Sklaven wenigstens nicht gar zu sehr. Am nützlichsten war sicher der Einflüsterer. Wenn einem jemand auf der Strasse entgegenkam, den man kennen sollte, flüsterte dieser Sklave den Namen des Betreffenden in das Ohr seines Herrn. Wundervoll!</p>
<p>Trotzdem, die Anzeichen von Dekadenz sind nicht zu übersehen. Aber die vorläufige Rettung für das Römische Reich nahte in Gestalt des gütigen und vernünftigen Vespasianus, der seine Ohren gegenüber den nach Gold schreienden Hofschranzen verschloß und dem ganzen Staat eine Schlankheitskur verpaßte, die ihresgleichen suchte. Das ging so weit, dass die öffentlichen Bedürfnisanstalten Eintritt verlangten, was sogar seinem Sohn Titus, dem späteren Kaiser Titus, peinlich war. Vespasian sagte aber eben nur sein berühmtes: Geld stinkt nicht, <em>pecunia non olet</em>.</p>
<p>Zurück zur Ausstellung: Was es damals nicht gab, waren Computer und ihre ganz besonderen Möglichkeiten. Ausgesprochen faszinierend anzusehen sind die virtuellen Rundgänge durch römische Villen, die man auf den vielen Monitoren erleben kann. Marmor, viel Wasser, und bronzene Treppengeländer, wie man sie heute hauptsächlich in Amerika antrifft. Eine Badewanne mit Heizung &#8211; wichtig, wenn man nicht heisses Wasser nachlaufen lassen kann, weil man ja in Eselsmilch badet wie Poppaea, die Frau des Nero, die damit der Alterung vorbeugen wollte. Ihr Mann Nero hat ihrer Alterung allerdings noch nachhaltiger vorgebeugt. Und last but not least Alltagsgegenstände, die in keiner Küche fehlen dürfen, zum Beispiel ein Tonkrug zum Mästen von Siebenschläfern. Und gefüllte Siebenschläfer mit Honig und Mohn sind doch einfach zu köstlich, viel besser als gebackene Otternasen (&#8220;Leben des Brian&#8221;) oder eingelegte Nachtigallzungen (&#8220;Asterix&#8221;).</p>
<p>Zwei Stunden benötigt man für einen konzentrierten Rundgang, das ist nicht schlecht für</p>
<p class="finish">eine Zeitreise über 2000 Jahre.</p>
<p><em>Bildquelle: Alle Abbildungen habe ich </em><a href="http://www.lwl.org/ausstellung-herculaneum/cms/front_content.php?idcatart=39" target="_blank"><em>im Museum</em></a><em> geklaut</em>. Hoffentlich durfte ich das.</p>
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		<title>Die Ethik der Gottlosen</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 17:23:34 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am 26. April müssen sich die Berliner entscheiden. Sie hatten die Religion abgeschafft, aber sie könnten sie wieder einführen. Nun, ganz abgeschafft hatten sie sie nicht. Sie hatten nur den Begriff Religionsfreiheit anders verstanden. Nicht frei in der Wahl der Religion sollte der Berliner sein, nein, frei von Religion. Und so verschwand das Schulfach Religion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-945" title="noodledoodle1024_768" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/04/noodledoodle1024_768-300x225.jpg" alt="noodledoodle1024_768" width="300" height="225" />Am 26. April müssen sich die Berliner entscheiden. Sie hatten die Religion abgeschafft, aber sie könnten sie wieder einführen.</p>
<p>Nun, ganz abgeschafft hatten sie sie nicht. Sie hatten nur den Begriff <em>Religionsfreiheit</em> anders verstanden. Nicht frei <em>in der Wahl</em> der Religion sollte der Berliner sein, nein, frei <em>von</em> Religion. Und so verschwand das Schulfach Religion und wurde ersetzt durch ein verpflichtendes Schulfach Ethik. Religion wiederum wurde ein freiwilliges Fach. Also so etwas wie Chinesisch. Oder Schulorchester.</p>
<p><span id="more-941"></span>Jetzt wird darüber gestritten, was es bedeutet, das Fach wieder als echte Alternative zu Ethik einzuführen. Die Argumente der Befürworter liegen auf der Hand: Für die meisten Menschen bedeutet Religion noch etwas. Ein verpflichtendes Schulfach sorgt eher für eine breitere Bildung als ein freiwilliges Wahlfach. Der Verein dazu: ProReli. Nun ja, das Fach hieß schon zu meiner Schulzeit &#8220;Reli&#8221;. Und im Lehrplan standen durchaus auch andere Religionen, jedenfalls zu meiner Schulzeit in Bayern.</p>
<p>Wie heißen die Gegner, ContraReli? Nein. Sie heißen ProEthik. Der Name ist etwas verfehlt, denn Religion und Ethik schließen sich nur in der Schule aus. Das gilt nicht nur für den christlich-moralischen Wertekanon, sondern auch für den des Islam. Der aber ist für einige der proEthik-Vertreter der Grund  für ihren Kampf: Die Schulkinder in Berlin könnten ja nach Abschaffung des allgemeinverbindlichen Ethikunterrichts scharenweise in den muslimischen Unterricht gehen und dort vermutlich im Gebrauch von Panzerfäusten unterwiesen werden. Oder zumindest im Unterdrücken von Frauen, zwei Wochenstunden mit Übung. Für Berliner Regierungsangehörige ist das vermutlich noch schlimmer als Panzerfäuste.</p>
<p>Aber vielleicht irren sich beide: Die ganze Sache birgt eine einmalige Chance. Es gibt eine wirkliche Alternative: Abschaffen. Ethik weg. Reli weg. Die Schulen mischen sich ohnehin im Rahmen des staatlichen Weltanschauungsmonopols viel zu sehr in diese Dinge ein. Stattdessen sollten sich alle, deren Schulzeit schon zurückliegt, die Frage stellen, worauf sich denn ihre Ethik gründe. Und schon merkt man, daß in Deutsch, Latein und Geschichte vermutlich mehr über Ethik gelernt wurde als in all den Jahren &#8220;Reli&#8221;. Oder &#8220;Ethik&#8221;. Dafür könnte man ein konfessionsübergreifendes Fach &#8220;Religion&#8221; einführen. Da soll das vermittelt werden, was jeder über jede Religion wissen sollte. Das ist aber ein Bildungsauftrag, kein Auftrag zum Vermitteln von staatlich festgelegten Werten. So ein Fach neutral einzuführen ist eine echte Herausforderung für Kultuspolitiker. Aber eine, die sich lohnen würde.</p>
<p>Daß &#8220;Die Linke&#8221; gegen Religionsunterricht ist, wundert niemanden. Das war schon zu DDR-Zeiten so. Daß die Multikultiberliner das Thema stärker wahrnehmen als beispielsweise Passauer oder Paderborner überrascht ebenfalls nicht. Daß die Gewerkschaft GEW gegen Religionsunterricht ist, ist bereits auffälliger. Vermutlich spiegelt das den gewerkschaftlichen Organisiertheitsgrad der Religionslehrer wider. Was tatsächlich auffällt, ist die Vehemenz, mit der sich Leute gegen den Religionsunterricht aussprechen. Von missionarischem Eifer kann man ja nicht wirklich sprechen, das wäre paradox.</p>
<p>Aber es gibt Leute, die sich dafür engagieren, andere vom Atheismus zu überzeugen. Zum Beispiel den &#8220;Humanistischen Verband Deutschlands&#8221;, den HVD. Wie bitte? Ja, die gibt es. Sie kämpfen gegen die Kirche. Glauben hat viel mit Gemeinschaft zu tun. Nichtglauben also offensichtlich auch, sonst müssten sich die Atheisten nicht in Vereinen organisieren. Die Okkupation des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus#Humanismus_und_Religion" target="_blank">Humanismus</a> ist dabei natürlich so frech wie geschichtsfern, die Wurzeln des HVD sind wohl in der DDR zu suchen. Vermutlich wäre es das beste, endlich den Atheismus als Religion anzuerkennen. Für irgendwas muss man sich dann entscheiden. Und sobald man für Atheismus auch Kirchensteuer bezahlen müsste, hätten auch kostengünstigere Religionen eine Chance, abseits des Mainstream. Meine Empfehlung, wenn man denn partout nicht Christ sein mag:</p>
<p class="finish"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster" target="_blank">Pastafari</a> werden.</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://piratenpartei-hamburg.de/?q=artikel/2009-04-01/piratenpartei-erfolgreich-im-kampf-gegen-klima-erwärmung" target="_blank"><em>Piratenpartei Hamburg</em></a></p>
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		<title>Mehr Wert</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Dec 2008 13:00:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Briten sind der Vorreiter &#8211; sie haben die Mehr­wert­steuer gesenkt, um schnell den Leuten mehr Geld in die Hand zu geben. Bei uns ist alles anders. Wir diskutieren noch. Kein Wunder, für Geld­ge­schenke ist kein An­laß, es wird ja nicht mehr gewählt in nächster Zeit. Nun, bei den Briten waren es auch nur lustige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-286" style="float: right;" title="verkehrszeichen" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/12/verkehrszeichen.jpg" alt="" width="250" height="212" />Die Briten sind der Vorreiter &#8211; sie haben die Mehr­wert­steuer gesenkt, um schnell den Leuten mehr Geld in die Hand zu geben. Bei uns ist alles anders. Wir diskutieren noch. Kein Wunder, für Geld­ge­schenke ist kein An­laß, es wird ja nicht mehr gewählt in nächster Zeit. Nun, bei den Briten waren es auch nur lustige 2,5%. Ob das was ausmacht? </p>
<p><span id="more-284"></span>Unser Mehrwertsteuersystem ist noch nicht sehr alt. Ich bin älter. Unser System wurde zum 1.1.1968 ein­ge­führt, da das alte System un­er­wünschte Aus­wir­kungen hatte. Die Schweiz ließ sich gar bis 1995 Zeit, Öster­reich war immerhin 1973 so weit. Was gab es vorher?</p>
<p>Bereits in Rom unter Kaiser Augustus gab es eine vergleichbare Steuer: Von allen (Waren-)Umsätzen, die getätigt wurden, mußte ein Prozent an den Kaiser abgeführt werden. Das war in den folgenden Jahr­hun­der­ten mal mehr, mal weniger, und geriet auch mal hunderte Jahre in Ver­ges­sen­heit. 1916, als die deutsche Staats­kasse wegen der kost­spieligen Kriegs­hand­lungen eine ge­fähr­liche Leere aufwies, holte der Kaiser dieses In­stru­ment wieder hervor. Mit dem Waren­umsatz­stempel­gesetz wurde am 26. Juni 1916 die Um­satz­steuer wieder bei uns ein­ge­führt. Harm­los war sie. Gerade mal 0,1% von allen Ent­gelten für Waren­lieferungen waren ab­zu­geben. Das ist im Ver­gleich zu heute so wenig, daß das Bundes­finanz­mini­sterium hier lieber von 0,5% spricht:</p>
<blockquote><p>Der ursprüngliche Steuersatz von 0,5 Prozent stieg nach wiederholten Änderungen 1935 auf 2 Prozent, 1946 auf 3 Prozent und 1951 auf 4 Prozent an.</p></blockquote>
<p>(Quelle: <a href="http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_90/DE/BMF__Startseite/Service/Glossar/M/001__Mehrwertsteuer.html" target="_blank">Bundesfinanzministerium</a>). Die 0,5 kamen aber erst Mitte 1918, als auch die Leistungen der Selb­stän­digen mit ein­be­zogen wurden. Am 24.12.1919 kamen die Frei­berufler hinzu, und der Steuer­satz wurde auf 1,5% erhöht. Nach einem alten Gesetz werden Steuern, wenn sich ihr Ein­führungs­grund erledigt hat, nicht einfach wieder ab­ge­schafft. Im Gegen­teil, einmal in der Welt steigt beinahe jede Steuer un­auf­halt­sam weiter. Nach dem Krieg waren es also 4 Prozent. Hört sich himmlisch an, hatte aber einen Haken: Es gab noch keinen Vor­steuer­abzug. Je kürzer die Glieder der Wert­schöpfungs­kette, desto höher die Kosten des End­produkts. Dies ver­hinderte einer­seits die Speziali­sierung, ein Weg, auf dem Deutsch­land so er­folg­reich war, und be­günstigte an­derer­seits die Ent­stehung riesiger Konzerne, die idealer­weise sogar ihre Roh­stoffe selbst pro­du­zierten und somit ihre Pro­dukte nur einmal mit vier Prozent be­lasten mußten, nämlich beim Ver­kauf des fertigen Pro­dukts.</p>
<p>Das war politisch nicht gewünscht und volks­wirt­schaft­lich auch recht be­denk­lich. Dennoch kam es zum großen Lamento, als das neue Steuer­system ein­ge­führt wurde. &#8220;Wieso müssen Unter­nehmen diese Steuern nicht zahlen und einfache Bürger schon?&#8221; hieß es. Waren die Leute damals wirklich so naiv? Es gibt nichts, was Unter­nehmer be­zahlen müssen, was nicht letzt­lich an die Kon­sumenten weiter­ge­reicht würde. Wieso? Unter­nehmen <em>kalkulieren</em> ihre Preise:</p>
<p style="text-align: center; "><em>Verkaufserlös &#8211; Kosten = Gewinn.</em></p>
<p>Generell wird ein Unter­nehmen niemals etwas länger an­bieten, bei dem diese Formel ein nega­tives Er­geb­nis liefert, also einen Ver­lust. Im einen oder anderen Fall handelt sich ein Unter­nehmer sogar richtig Ärger ein, wenn er dies tut. (Quer­sub­ventio­nierung? Preis­dumping? Beides un­er­laubter Wett­bewerb. Oder Ver­letzung der Treue­pflicht gegen­über den Eigen­tümern? Mög­licher­weise Schadens­ersatz­grund?)  Wobei die Formel korrekter­weise heißen muß</p>
<p style="text-align: center; "><em>Verkaufserlös + Subventionen &#8211; Kosten = Gewinn.</em></p>
<p>Aber das ändert nichts am Ergebnis. So gesehen führte die neue Steuer für die Bürger in großen Teilen zunächst sicher zu einer Ersparnis. Aber man hörte auch, die Regelung sei nicht sozial, da sie Reiche und Arme gleich belaste. Das war ja schon wieder falsch. Arme bezahlen sehr wenig Mehr­wert­steuer. Der Löwen­anteil der Aus­gaben einer armen Familie entfällt auf Miete (mehr­wert­steuer­frei) und Lebens­mittel (er­mäßigte Steuer, bei Einführung nur 5 Prozent). Nur Konsum­güter unter­liegen im Waren­korb einer Familie der regulären Steuer, also Auto, Kleidung, Schmuck, Urlaubs­reisen, aber auch aus­wärts Essen an­statt daheim Kochen. Und je mehr einer verdient, desto mehr gibt er ja für Konsum aus. Und genau das macht diese Steuer so inter­essant in der aktuellen Dis­kussion &#8211; sie ist direkt mit dem Konsum verknüpft. Der­artige Gesetz­mäßig­keiten sind derzeit</p>
<p class="finish">äußerst spannend.</p>
<p>Fortsetzung folgt</p>
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		<title>Opel fahn is wie wenze fliechs</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Dec 2008 13:49:58 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Firma Opel ist in Bedrängnis und bittet den Staat, ihr zu helfen. Das letzte Mal, als die Öffentlichkeit rettend für eine Automobilfabrik einspringen wollte, ist es schrecklich schiefgegangen. Daher kennt heute kaum noch jemand die Automarke Borgward. Bei wikipedia steht es genauer: Am 4. Februar 1961 kam es so zu einer der spektakulärsten Insolvenzen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-268" style="float: left;" title="opel_kadett_a" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/12/opel_kadett_a-300x201.jpg" alt="Kadett A" width="300" height="201" />Die Firma Opel ist in Bedrängnis und bittet den Staat, ihr zu helfen. Das letzte Mal, als die Öffentlichkeit rettend für eine Automobilfabrik einspringen wollte, ist es schrecklich schiefgegangen. Daher kennt heute kaum noch jemand die Automarke Borgward. Bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Borgward" target="_blank">wikipedia</a> steht es genauer:</p>
<blockquote><p>Am 4. Februar 1961 kam es so zu einer der spektakulärsten Insolvenzen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Das Land Bremen sperrte Borgward einen bereits zugesagten Kredit und überführte die Borgward-Werke in eine Aktiengesellschaft. <span id="more-267"></span>Diese AG gehörte zu 100 % dem Land Bremen, Carl Borgward wurde fortan der Zugang zu den Werksanlagen verwehrt. Der bestellte Wirtschaftsprüfer, <a title="Johannes Semler (CSU)" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Semler_(CSU)">Johannes Semler</a>, wurde kurzzeitig von der Konkurrenzfirma <a title="BMW" href="http://de.wikipedia.org/wiki/BMW">BMW</a> beurlaubt, um die Sache für den Bremer Senat abzuwickeln. Die Neutralität des Wirtschaftsprüfers wurde im Nachhinein vielfach angezweifelt. Da im Zuge der Abwicklung des Unternehmens <em>alle Gläubigeransprüche aus der Unternehmensmasse befriedigt</em> werden konnten, wird das Vorliegen der Konkursreife von seinen Kritikern bis heute nicht anerkannt. Nur Carl Borgward selbst wurde nicht entschädigt.</p></blockquote>
<p>Und das ist noch neutral formuliert (Hervorhebung durch mich). Hoffentlich passiert Opel das nicht, und hoffentlich kennt Opel diese Geschichte.</p>
<p>Zumindest ist die derzeitige Bedrängnis von Opel eine gute Gelegenheit, sich mit dieser Firma zu beschäftigen. Immer wieder liest man, Opel sei der ewige Verlierer gewesen, jeder Popel fährt nen Opel, im Gegensatz zu Volkswagen hat Opel nie ein Auto herausgebracht, das einer Generation einen Namen gegeben hat, usw. usf.</p>
<p>Ist das so? Daß die &#8220;Generation Golf&#8221; sich nicht &#8220;Generation Kadett&#8221; nennen mag, liegt vielleicht daran, dass es Kadetts viel länger gab als Golf. Und diese Kadetts waren äußerst unterschiedlich. Der erste Kadett wurde 1939 gebaut, und auch nach dem Krieg gab es unerschiedlichste Modelle. Zwischen A-Kadett und E-Kadett liegen gefühlt mindestens zwei weitere Generationen. Und der erste Astra hiess nicht opeltypisch &#8220;A&#8221;, sondern &#8220;F&#8221;. Der Kadett lebt weiter, unter neuem Namen.</p>
<p>Und das war nur der Kadett. An Kultmarken ist Opel nicht arm. Opel Kapitän, untrennbar mit dem Wirtschaftswunder verbunden. Der Admiral: ein Auto, das ich unbedingt haben wollte, wenn ich dann groß wäre. Oder noch besser den Diplomat. Der Senator war dann zu brav, nicht amerikanisch riesig, sondern eher recht hiesig, aber sehr bequem. Opel Olympia, Opel Rekord, Opel Commodore. Jeder für sich ein Stück Automobilgeschichte.</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-269" style="float: right;" title="opel_manta_b" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/12/opel_manta_b-300x206.jpg" alt="Manta B" width="300" height="206" />Fehlt einer? Na klar: der Manta! Ob A-Manta oder B-Manta, das waren Autos, die Emotionen geweckt haben, ganz im Gegensatz zum Golf. Jahre nachdem der letzte Manta vom Band gerollt ist, verblasst die Erinnerung an dieses Auto nur langsam, jedenfalls langsamer als die Erinnerung an den Golf, der immer noch gebaut wird.</p>
<p>Und vor dem Krieg? Opel ist irgendwie ein sehr deutsches Auto, auch wenn die Familie Opel die Firma bereits 1929/1931 verkauften, für die damals sagenhafte Summe von 33 Millionen US-Dollar. Auf dieses Vermögen gründet sich der Reichtum der heutigen Opels. Opel ist also keineswegs als Kriegsbeute 1945 an GM gefallen, sondern umgekehrt, lange lieferte GM in Deutschland via Opel sogar Rüstungsgüter, bis es enteignet wurde. An der &#8220;Rückerstattung&#8221; nach dem Zweiten Weltkrieg ist nichts auszusetzen.</p>
<p>Vor dem Verkauf war Opel eine rein deutsche Firma. Lange, bevor Hitler seine Volksautos fertigbekommen sollte, gab es den P4 von Opel, ein Wagen, der mit 1.280 RM nur knapp über den vom Führer als Grenze festgelegten 1.000 RM lag. Also eigentlich der richtige &#8220;Volkswagen&#8221;. Und einer der Vorgänger des P4 war der berühmte <img class="alignleft size-medium wp-image-270" style="float: left;" title="opel_laubfrosch" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/12/opel_laubfrosch-300x254.jpg" alt="Opel Laubfrosch" width="300" height="254" />Opel Laubfrosch, 1924, das erste Großserienauto in Deutschland. Diese Idee war allerdings geklaut. Indirekt von Henry Ford, dessen berühmter Ford T nach 1908 bereits in Serienproduktion ging und daher alle Farben möglich waren, solange es schwarz war. Aber viel direkter noch von Citroën. Dessen erfolgreichstes Modell damals war der Citroën 5CV, der, man ahnt es, auch nur in einer Farbe erhältlich war, nämlich in (zitronen-)gelb. Passend zum Namen der Marke. Und genau der wurde kopiert. Und als Farbe nahm man grün, nicht das British Racing Green des Jaguar, nein, Froschgrün. Die Käufer waren zu Beginn recht zögerlich und wollten lieber das Original. Und da entstand ein neuer Ausdruck, hätten Sie es gewusst? Die Verkäufer sagten, &#8220;Nehmen Sie ruhig den Opel, der ist wie der Citroën,</p>
<p class="finish">dasselbe in Grün!&#8221;</p>
<p><em>Bildquellen: Alle Bilder von Wikipedia.de</em></p>
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		<title>Heute vor zwanzig Jahren</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Nov 2008 22:51:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Vor zwanzig Jahren war Robert T. Morris vermutlich sehr ärgerlich auf Robert T. Morris jr., seinen Sohn. Er selbst, ein bedeutender Wissenschaftler, arbeitete am National Computer Security Center (NCSC), einer Abteilung des NSA. Sein Sohn war noch Student an der Cornell University, aber heute vor zwanzig Jahren sollte er bekannter werden als sein Vater. Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-246" style="float: right;" title="wurm" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/11/wurm.jpg" alt="" width="150" height="230" />Vor zwanzig Jahren war Robert T. Morris vermutlich sehr ärgerlich auf Robert T. Morris jr., seinen Sohn. Er selbst, ein bedeutender Wissenschaftler, arbeitete am National Computer Security Center (NCSC), einer Abteilung des NSA. Sein Sohn war noch Student an der Cornell University, aber heute vor zwanzig Jahren sollte er bekannter werden als sein Vater. Und das mit einer Aktion, die sein Vater nur als Affront begreifen konnte. Robert T. Morris jr. setzte heute vor zwanzig Jahren den ersten Internetwurm frei, den berüchtigten <em>Morriswurm</em>.</p>
<p><span id="more-245"></span>Was da genau passiert ist, ist <a href="http://www.kossakowski.de/kap222.htm" target="_blank">hier gut dargestellt</a>. Festzuhalten ist:</p>
<ul class="gold">
<li>Der Wurm konnte sich deshalb gut ausbreiten, weil es im Internet eine ziemliche Monokultur gab: Sun und DEC hiessen die Hersteller, von denen mit wenigen Ausnahmen alle Rechner im Netz waren. Jahre später wiederholte sich das mit Windows: Nur die grosse Verbreitung dieses vergleichsweise auch schlecht gesicherten Betriebssystems ließ Unzahlen von Viren entstehen.</li>
<li>Der Wurm wurde dadurch unschädlich gemacht, dass das komplette Internet abgeschaltet wurde. Die betroffenen Systemadministratoren sprachen sich telephonisch ab, bevor das Netz Knoten für Knoten gesäubert und wieder hochgefahren wurde. Man sieht, wie übersichtlich damals das Internet war.</li>
<li>Die Strafe war knackig, gemessen an dem vergleichsweise kleinen Schaden. Vor allem die Verfahrenskosten, 150000 Dollar, dürften das studentische Budget überstrapaziert haben.</li>
<li>Der Autor des Wurms war gut. Immerhin ist er heute Professor am renommierten MIT. Heutige Würmer-Programmierer sind entweder Unterweltler oder Scriptkiddies, die die Würmer und Viren nicht selbst entwickeln, sondern aus den entsprechenden Quellen einfach nur Baukästen herunterladen.</li>
<li>Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Tappan_Morris" target="_blank">Eintrag bei Wikipedia</a> ist irgendwie eisig.</li>
</ul>
<p class="finish">Morris hat ja schließlich die Büchse der Pandora geöffnet.</p>
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		<title>Die Post geht ab&#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Oct 2008 22:49:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Markenrecht ist schon lustig. Man kann nur Begriffe schützen lassen, die nicht längst Allgemeingut sind. Leberkäse geht nicht. Rasierwasser. Briefmarke. Müsli. Oh, stop, Müsli ist eine eingetragene Marke von Nestlé. Das, was man nicht schützen kann, heißt Müesli. Das wissen aber gefühlt nur 10% der Bundesbürger. Und weil es so gut klappt, einen Schreibfehler in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-242" style="float: right;" title="post" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/10/post.png" alt="" width="213" height="126" />Markenrecht ist schon lustig. Man kann nur Begriffe schützen lassen, die nicht längst Allgemeingut sind. Leberkäse geht nicht. Rasierwasser. Briefmarke. Müsli. Oh, stop, Müsli ist eine eingetragene Marke von Nestlé. Das, was man nicht schützen kann, heißt Müesli. Das wissen aber gefühlt nur 10% der Bundesbürger. Und weil es so gut klappt, einen Schreibfehler in ein Wort zu mogeln, um es dann schützen zu können, hat Nestlé auch gleich noch Aquarel belegt.</p>
<p>Es gab einmal in Deutschland eine große Behörde, die hieß Deutsche Post. <span id="more-241"></span>Zeitweilig auch Bundespost. Sie hat das Postmonopol verwaltet. Mit der Privatisierung der Post, ihrer Zerschlagung in drei mehr oder weniger unabhängige Firmen, fiel natürlich auch das Postmonopol, wenngleich etwas zögerlich. Nun dürfen also miteinandere konkurrierende Firmen Postdienste anbieten. Aber, und das erstaunt doch sehr, sich nicht einfach so nennen, denn &#8220;Post&#8221; ist seit 2003 als Marke eingetragen und darf nicht gelöscht werden, wie der BGH meint, <a href="http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,586256,00.html" target="_blank">nachzulesen im Managermagazin</a>:</p>
<blockquote><p>Die Deutsche Post behält zunächst das exklusive Recht auf die Verwendung des Begriffs &#8220;Post&#8221;. Der erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs gab am Freitag der Rechtsbeschwerde der Post gegen die Löschung der seit 2003 geschützten Marke statt. Nun muss das Bundespatentgericht erneut über den Fall entscheiden.</p></blockquote>
<p>Dabei scheint es dieser Firma mit dem Begriff nicht einmal so ernst zu sein. Gibt man ein &#8220;www.deutschepost.de&#8221; und klickt auf News, zum Beispiel auf die Meldung <a href="http://www.deutschepost.de/servlet/exittracking?target=http%3A%2F%2Fwww.dpwn.de%2Fdpwn%3Flang%3Dde_DE%26xmlFile%3D2010425&amp;xmlFile=828&amp;lang=de_DE" target="_blank">Bundesgerichtshof bestätigt Schutz der Marke &#8220;Post&#8221;</a>, dann landet man bei &#8220;www.dpwn.de&#8221;. Deutsche Post World Net heisst das. International werden Briefdienste nun unter der Marke &#8220;DHL Global Mail&#8221; angeboten. Das denke ich mir nicht aus, das <a href="http://www.dpwn.de/dpwn?tab=1&amp;skin=hi&amp;check=yes&amp;lang=de_DE&amp;xmlFile=2001321" target="_blank">schreiben die selbst</a>. Warum kämpfen sie so verbissen um einen Namen, der ihnen nicht wichtig scheint?</p>
<p>Vielleicht, weil wir in der Post etwas vor uns sehen, das seine Wurzeln in Zeiten hat, die tausende von Jahren vor unserer Zeit sind. Woher kommt der Name &#8220;Post&#8221;? Manch einer antwortet sofort, sich dabei an alte Amtszeiten erinnernd, &#8220;Personen ohne sinnvolle Tätigkeit&#8221;.</p>
<p>Erfinder sind vermutlich die alten Perser gewesen. Persien war eine Hochkultur. Das Reich hatte eine ungeheure Ausdehnung. Nachrichtenübermittlung war ein wichtiges Hilfsmittel, für Verwaltung und militärische Zwecke. Kaum zu glauben, dass die Perser bereits damals in der Lage waren, Briefe in nur wenigen Tagen quer durch das ganze Reich zuzustellen. Hierzu gab es ein dichtgeknüpftes Netz von Relaisstationen, an denen immer frische, ausgeruhte Pferde und Reiter warteten, die Briefe wie Stafetten aufnahmen und weitertransportierten. Von den Amerikanern im 19. Jahrhundert kennt man noch den Ponyexpress, aber das war, wie man sieht, nichts neues. Wie die Perser ihren Ponyexpress genau nannten, ist mir nicht bekannt, aber für die Griechen hörte sich der Name der Boten an wie &#8220;αγγελοι&#8221; &#8211; Angeloi. Als <em>Engel</em> bezeichnet man heute nur noch die Boten des Himmels, der Name ist aber der selbe. Unserer früherer Paketbote war der lebende Beweis, wieso ein neuer Name gefunden werden musste, denn mit Engeln hatte der nichts mehr zu tun.</p>
<p>Das persische System hat viele Jahrhunderte prima funktioniert. Kein Wunder, dass es von den anderen großen Verwaltungsspezialisten übernommen wurde &#8211; den Römern. Die Römer hatten ebenfalls ein Riesenreich zu beherrschen. Augustus führte ein System von Pferdewechselstationen ein, das dem der Perser nachempfunden war. Die einzelnen Stationen hießen <em>mansiones</em>. Die Relaistation in, beispielsweise, Köln, hiess somit <em>mansio posita in colonia agrippina</em>. Die Italiener machten daraus die Posta.</p>
<p>1490 hatte der spätere deutsche Kaiser Maximilian I. ein Logistikproblem. Er beauftragte Franz von Taxis mit der Gründung der modernen Post, was dieser begeistert und so erfolgreich erledigte, dass nicht Maximilians Name, sondern der seines Beraters seither untrennbar mit der Post verbunden war. Ein Dienst an der Allgemeinheit wurde es erst viel später. Noch im neunzehnten Jahrhundert konnte man lesen &#8220;und das Zimmermädchen nutzte die Gelegenheit, ebenfalls ein Blatt in den Brief einzulegen, da sie sich das Porto für einen eigenen Brief nie hätte leisten können&#8221;. Die englische Post muss im 19. Jahrhundert recht einducksvollen Service abgeliefert haben. &#8220;Nach dem Frühstück setzte er sich mit der Morgenpost sogleich an seinen Schreibtisch, damit er die Antwortbriefe mit der Mittagspost nach London schaffe, um noch am selben Tag die Antwort mit der Abendpost in Händen zu halten&#8221;. Wäre die Post bei uns so gut gewesen, hätte niemand EMail erfinden müssen.</p>
<p>Also, die Post mag heissen wie sie will, sie bleibt die Post. Wie hört sich das denn auch an, nicht Christel von der Post, sondern</p>
<p class="finish">Crystal von der DHL Global Mail</p>
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		<title>Saure Gurken, die Helden und die Bösen</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Jul 2008 11:08:59 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die sogenannte Sauregurkenzeit wird journalistisch unterschätzt. Es passieren gerade während der Parlamentsferien Dinge, die man sonst vielleicht übersehen hätte. Nehmen wir nur die lustige Geschichte, in der nicht nur die legendäre Madame Tussaud, sondern auch der nicht minder legendäre Franz Joseph Strauß eine tragende Rolle spielen. Unter dem Motto &#8220;Helden und Bösewichter&#8221; wurde in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-203" title="marie_tussaud" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/07/marie_tussaud.jpg" alt="Marie Tussaud" width="228" height="288" />Die sogenannte Sauregurkenzeit wird journalistisch unterschätzt. Es passieren gerade während der Parlamentsferien Dinge, die man sonst vielleicht übersehen hätte. Nehmen wir nur die lustige Geschichte, in der nicht nur die legendäre Madame Tussaud, sondern auch der nicht minder legendäre Franz Joseph Strauß eine tragende Rolle spielen.</p>
<p>Unter dem Motto &#8220;Helden und Bösewichter&#8221; wurde in der Berliner Dependance von Madame Tussaud&#8217;s unter anderem eine Statue des mächtigsten Bayern seiner Zeit ausgestellt. Die Rede ist nicht von Ludwig dem Bayern, dem es als deutschem Kaiser nicht egal sein konnte, wer unter ihm Papst war. Auch nicht von Franz Beckenbauer, der auf die Laune des ganzen Landes Einfluß hat. Auf der Liste der mächtigen Bayern steht auch nicht Herr Beckstein, der erfüllt ja bereits zwei Kriterien davon nicht. Nein, wir wissen bereits, um wen es geht: Es war ihm egal, wer unter ihm Bundeskanzler war, das klingt fast so gut wie bei Ludwig IV. Benannt wurde er nach einem Flughafen: FJS. Und nun die Apotheose, die Aufnahme ins Pantheon, die zweitultimativste Ehre, die einem widerfahren kann. &#8220;Zweitultimativst&#8221; darf man übrigens sehr wohl sagen, denn es findet sich auf dem Server des Goethe-Instituts(!) eine <a href="http://www.google.com/search?hl=de&amp;client=safari&amp;rls=de-de&amp;q=%22noch+ultimativer%22+site%3Agoethe.de&amp;btnG=Suche&amp;lr=" target="_blank">Steigerungsform von ultimativ</a>&#8230;</p>
<p><span id="more-202"></span>In Wachs abgebildet beim Mme. Tussaud&#8217;s. Das ist fast so gut wie die Aufnahme in die Walhalla. Wobei natürlich die Walhalla bei Regensburg gemeint ist, die von König Ludwig I., nicht die anderen Walhallas in North Dakota, South Carolina oder gar im Staat Victoria, Australien. Erst recht ist nicht der echte Walhall gemeint, der Saal auf Gladsheim in Asengard, wo Odin herrschend auf <a title="Hlidskialf" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hlidskialf" target="_blank">Hlidskialf</a> sitzt. Das ist schon deshalb unvorstellbar, weil FJS einerseits diesen Hlidskialf für sich beansprucht hätte, andererseits mit Nordlichtern nach Wildbad-Kreuth 1976 schlechte Erfahrungen gemacht hat.</p>
<p>Die Walhalla in Regensburg ist ihm sicher &#8211; die wirkliche Überraschung ist also das Wachsfigurenkabinett. Und dann noch in der Rubrik &#8220;Helden und Bösewichter&#8221;! Merkwürdig nur, daß klar zu sein scheint, welche Unterrubrik gemeint ist. Der <a href="http://www.focus.de/panorama/diverses/wachsfigurenkabinett-madame-tussauds-stellt-strauss-in-berlin-als-boesewicht-dar_aid_320241.html" target="_blank">Focus titelt:</a></p>
<blockquote>
<h3>Madame Tussaud&#8217;s stellt Strauß in Berlin als Bösewicht dar</h3>
<p>Erneut sorgt das kürzlich in Berlin eröffnete Wachsfigurenkabinett Madame Tussaud´s für Aufregung. Auslöser ist die Darstellung des verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß als Bösewicht. CSU-Parteichef Huber beschimpfte die Figur als „Sauerei“..</p></blockquote>
<p> Da hilft es nichts, dass Tussaud´s-Sprecherin Natalie Ruoß sagte, ob Held oder Bösewicht sei allein Interpretationssache des Besuchers. Einen Interpretationsspielraum scheint allerdings niemand zu sehen, und so fordern also Huber und die CSU-Granden, aber auch die Familien Strauß und Hohlmeier, Strauß dort wieder zu entfernen. Deutlich agiert auch einer, den man schon fast vergessen hatte: Markus Söder.</p>
<blockquote><p>Der bayerische Europaminister Markus Söder forderte Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Eingreifen auf: „Es muss in London vorstellig werden, dass ein solches Vorgehen die bayerisch-englischen Beziehungen belastet.“ </p></blockquote>
<p>Aber das ist dann auch wieder unbegreiflich. Hatte doch 1799 Graf Montgelas weise verfügt, daß in Bayern Außen- und Wirtschaftsministerium zusammengehörten &#8211; und das blieb die meiste Zeit auch so. Typischerweise war der Ministerpräsident auch für das Außenministerium zuständig, der letzte war Heinrich Held (BVP), bis 1933. Nach dem Letzten kam <em>das</em> Letzte, Franz Ritter v. Epp (NSDAP) und die Gleichschaltung, und der war auch nicht mehr Ministerpräsident, sondern Reichsstatthalter. Vorbei war es mit der Souveränität.</p>
<p>Wer ist heute zuständig für bayerische Außenpolitik? Die CSU weiß es nicht mehr, denn ihr eigener Europaminister, Söder, meint jedenfalls, in Berlin um Hilfe in bayerischen Angelegenheiten ansuchen zu müssen. Und das Wirtschaftsministerium? Der bayerische Wirtschaftminister Huber.. äh, nein, wie hieß der doch gleich wieder? Ach, sagen wir einfach &#8220;Müller&#8221;, ach ja stimmt, Emilia Müller, hat seine diesbezüglichen Kompetenzen jedenfalls auch nicht wiedererlangt.</p>
<p>Aber ist das wirklich eine Sache der Diplomatie? Oder umgekehrt, wieso bekommen nur die Engländer den Ruhm, Bayern geärgert zu haben, ist Madame Tussaud nicht eigentlich mal Französin gewesen? Stimmt. In <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Madame_Tussauds" target="_blank">Wikipedia</a> lesen wir:</p>
<blockquote><p>Ihr Handwerk erlernte Marie Tussaud in Frankreich während der Revolution. Die Köpfe der Hingerichteten, aufgespießt auf Lanzen, verdarben recht schnell, bevor sie alle gesehen hatten. Deshalb wurden sie durch Wachsköpfe, gegossen in Totenmasken, ersetzt. Dieses Wissen und die Vorlagen der französischen Revolution bildeten den Grundstock der ersten Sammlung, die Madame Tussaud in London ausstellte.</p></blockquote>
<p>Ich werde meinen Wunsch, im Wachsfigurenkabinett ausgestellt zu werden,</p>
<p class="finish">noch einmal überdenken.</p>
<p>Bild: Marie Tussaud.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Die Rettung Europas</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jun 2008 21:55:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Europa ist unbestritten eine bewegende An­ge­le­gen­heit. Die Ge­ne­ra­ti­onen in Deutsch­­land, die zwischen 1930 und 1950 geboren wurden, haben ein besonderes Verhältnis zur EU. Sie waren er­schüt­tert durch die unverschuldete Kriegs- und Nach­kriegs­erfahrung. Sie waren ent­­täuscht und ent­­setzt vom Deutschen Reich und der Idee der Nation. So über­rascht es nicht, dass auch und vielleicht besonders Deutsche als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-full wp-image-126" title="euflagge" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/04/euflagge.gif" alt="EU-Flagge" width="324" height="216" />Europa ist unbestritten eine bewegende An­ge­le­gen­heit. Die Ge­ne­ra­ti­onen in Deutsch­­land, die zwischen 1930 und 1950 geboren wurden, haben ein besonderes Verhältnis zur EU. Sie waren er­schüt­tert durch die unverschuldete Kriegs- und Nach­kriegs­erfahrung. Sie waren ent­­täuscht und ent­­setzt vom Deutschen Reich und der Idee der Nation. So über­rascht es nicht, dass auch und vielleicht besonders Deutsche als Motor für die immer engere Ver­schmelzung der Länder in Europa aktiv waren. Hinter­grund war vor allem der Gedanke an ein nicht nur wirt­schaft­­lich, sondern auch politisch vereintes Europa, in dem qua constructione auch keine Kriege mehr möglich sein würden.</p>
<p><span id="more-178"></span>Wie geschichtslos, kleinlich und uninformiert sind dagegen Menschen, die sich diesem Wunsch nicht anschließen wollen! Haben wir <a title="Irland douze points" href="http://www.svb.bayern.net/2008/06/17/irlande-douze-points/" target="_blank">gestern</a> also zu Unrecht den Iren Respekt versprochen für ihre Entscheidung? Ursprünglich hätte heute an dieser Stelle eine kritische Beleuchtung der Europa­gegner stehen sollen. Ihre Demagogie zu entlarven, ihre selbstsüchtigen Argumente bloß­zu­stellen. Es ist so einfach, mit Gurken und Bananen die grossen Errungen­schaften der EU ins Lächerliche zu ziehen. Aber dann dieses Desaster: Die EU &#8220;schafft die Glühbirnen ab&#8221;. Europaweit.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-179" title="greengimmick" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2008/06/greengimmick.jpg" alt="Green Gimmick" width="144" height="300" />Es soll hier nicht um die Sache gehen. Natürlich kann man überlegen, ob es ökologisch tatsächlich besser ist, queck­sil­ber­haltige Spar­lampen vor­zu­schrei­ben, die nur im Sonder­müll entsorgt werden dürfen. Natürlich ist es frag­würdig, das über Ab­gaben zu regeln &#8211; Glüh­birnen kosten in Zukunft also wohl Steuern. Grenz­wertig ist es auch, in diesem Zu­sam­men­hang an­zu­regen, den Kamin­­kehrern europa­weit Über­wachungs­auf­gaben und die dazu passenden Befugnisse zu übertragen, wenn schon nicht für die Glüh­birnen, so doch darauf, ob jeder Haus­besitzer zwischen Estoril und Dorpat auch ja energie­sparende Heizungen einsetzt.</p>
<p>Selbstverständlich könnte man einwenden, dass man bereits viel einsparen könnte, wenn man aufhören würde, nachts Gebäude anzustrahlen. Man könnte auch die Flutlichtanlagen beim Fussball einsparen &#8211; die Leute sollen tags kicken, da ist es kostenlos hell. Schneekanonen? Laubbläser? Standby-Knöpfe an Elektrogeräten? Es gibt viel zu tun. Aber, und diese Frage drängt sich inzwischen täglich auf, warum muss das gleich wieder für alle Europäer identisch geregelt werden? Um den Glüh­birnen­her­stellern das Leben leichter zu machen? Um zu verhindern, dass deutsche Energie­spar­lampen­ver­weigerer sich im be­nach­barten Aus­land eindecken? Die EU sind nicht die einzigen Vereinigten Staaten der Welt. Der europäische Staaten­bund ist aber sicher erheblich lockerer als der der USA. Und doch schaffen die Amerikaner es, solche Dinge den Bundes­staaten zu überlassen. Kalifornien legt mehr Wert auf Umwelt als andere. Arizona hat liberalere Waffen­gesetze als New York. Alles reine Länder­sache, selbst die Todes­strafe, das vielleicht krasseste Beispiel.</p>
<p>Vielleicht ist es das schon. Europa sollte sich einfach mal Nachhilfe in Föderalismus gönnen. Wenn es dann konkreter wird, würde ich allerdings</p>
<p class="finish">auf deutsche Berater verzichten&#8230;</p>
<p>(<em>Bildquelle: </em><a title="Netzheimer" href="http://www.netzheimer.de/wp/2008/05/13/green-gimmicks/" target="_blank"><em>www.netzheimer.de</em></a>)</p>
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