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	<title>SvB-Blog &#187; Kultur</title>
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	<description>Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)</description>
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		<title>Über den Verbleib allfälliger Sakralbauten im urbanen Kontext</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 16:12:49 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Heute ist Sankt Martin. Heute ziehen bei anbrechender Dunkelheit die kleinen Kinder mit Laternen durch ihre Viertel und singen dazu. &#8220;Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir&#8221;. Schon als kleinem Buben ist es mir merkwürdig vorgekommen, daß meine Laterne mit mir geht. &#8220;Entweder oder&#8221;, nicht &#8220;und&#8221;. Egal. Aber heute ist etwas anders [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/11/lieder_zu_st_martin.gif"><img class="size-full wp-image-2955 alignright" title="lieder_zu_st_martin" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/11/lieder_zu_st_martin.gif" alt="" width="209" height="170" /></a>Heute ist Sankt Martin. Heute ziehen bei anbrechender Dunkelheit die kleinen Kinder mit Laternen durch ihre Viertel und singen dazu. &#8220;Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir&#8221;. Schon als kleinem Buben ist es mir merkwürdig vorgekommen, daß meine Laterne mit mir geht. &#8220;Entweder oder&#8221;, nicht &#8220;und&#8221;. Egal. Aber heute ist etwas anders als sonst: Will man den Medien Glauben schenken, so gibt es heute einen Schweigemarsch, weil die Kinder nicht singen dürfen, solange sie nicht Unsummen an die GEMA bezahlen.</p>
<p>So tönt es jedenfalls schon den ganzen Tag aus dem Radio, die Twitterati kramen Worte wie &#8220;infam&#8221;  aus und manche Blogartikel übertrumpfen sich gegenseitig in Angriffen auf die GEMA. <a href="http://www.svb.bayern.net/2008/07/15/kollektive-erregung/" target="_blank">Kollektive Erregung allerorten</a>, kein Wunder bei dem Thema. Die armen Kinder! Nicht singen. Lautlos, gespenstisch, werden sie in Zweierreihen mit gesenktem Kopf hintereinanderhertrotten. Blühender Blödsinn, so etwas macht misstrauisch.</p>
<p>Zunächst einmal: Man darf, zumindest im Sinne von GEMA-Freiheit, singen, was man will. <span id="more-2943"></span>Die GEMA wäre zuständig, wenn Konserven gespielt würden. Es ist also genau umgekehrt: Wenn die Kinder nicht selber singen, sondern die Musik aus einem mitgeführten Lautsprecherwagen kommt, dann ist die Fälligkeit von GEMA-Gebühren zu prüfen.</p>
<p>Bei genauerem Hinsehen fällt auf, daß der eine oder andere korrekter berichtet, daß es nicht um das Singen geht, sondern um das Kopieren von Notenblättern. Das ist aber nicht mehr die Zuständigkeit der GEMA. Die hier zuständige Organisation heißt VG Musikedition und ist damit verwandt mit der von mir durchaus als segensreich empfundenen VG Wort.</p>
<p>VG steht für Verwertungsgesellschaft. Sinn dieser Organisationen ist die Vereinfachung der Vergütung von Urhebern und Verlegern. Will man verhindern, daß Kultur nur noch ehrenamtlich stattfindet oder nur prekär finanziert wird, wie im achtzehnten Jahrhundert, muß man von vielen Konsumenten möglichst geringe Beträge einsammeln &#8211; die Menge machts &#8211; und dann möglichst gerecht an die Richtigen wieder ausschütten. Das Kopieren zu verbieten ist keine Alternative. Gleichzeitig wäre es nicht ökonomisch, für jede einzelne Kopie mit dem betroffenen Verlag individuell abzurechnen. So kam es zu den relativ pauschalen Modellen.</p>
<p>Ist das Leben für Verleger schon schwer, so ist es für Musikverleger traditionell richtig rauh. Noten ansprechend und spielbar zu setzen ist eine Kunst, die einem auch heute noch nicht wirklich von Laien mit geeigneter Software abgenommen werden kann. Entsprechend teuer sind Noten. Liederbücher sind schon etwas billiger in der Produktion, aber hier greift auch die Pauschalregelung: Photokopierte Noten müssen bezahlt werden, auch wenn die Lieder längst gemeinfrei sind. Die Alternative: Liedtext aus dem Internet laden (legal) und Noten abschreiben, von Hand oder mit Software. Das schaut nicht so gut aus wie das, was ein Profi macht, aber man kann damit arbeiten. Oder aber man kopiert doch, 500 Kopien kosten den Kindergarten 56 Euro, pauschale Editionsabgabe.</p>
<p>Mit 500 Kopien kommt man weit. Aber selbst hier gibt es noch Verdruß: Das sei viel zu viel Geld. Wer soll das bezahlen? Wiebitte? Der Kopierer wurde ja angeschafft und erzeugt, vorsichtig geschätzt, bei der niedrigen Kopienanzahl Kosten pro Kopie von 25 ct. Rund 11 ct. kommen für den hinzu, der sich die Arbeit mit dem Notensatz gemacht hat bzw. diesen ursprünglich finanziert, das ist ein Drittel. Und der Vorwurf, die GEMA solle in dem Fall die Gebühren einfach erlassen, ist kindisch. Die GEMA macht lediglich <em>das Inkasso</em> für die VG Musikedition. Sie kann das nicht erlassen, das müsste die VG. Die VG wiederum kann es auch nicht erlassen. Es ist weder das Geld der GEMA, noch der VG, und was einem nicht gehört, darf man auch nicht verschenken.</p>
<p>Bleibt die Frage, ob wir wirklich wollen, daß ein Kindergarten so etwas bezahlt. Nun, so hart es klingt, der Kindergarten kann auch nicht zum Bäcker marschieren und kostenlose Semmeln verlangen. Andauernd wird von den Eltern Geld eingesammelt, für überflüssige Nikolausgeschenke (die sollten die Kinder daheim bekommen und nirgendwo sonst), für irgendwelchen Bastelkram, für Ausflüge. Für manches werden auch Spenden eingesammelt &#8211; und genau so kann man es doch auch hier machen. Irgendein Vater hat vielleicht irgendeine Firma, die auf die Kopien für den Kindergarten ein bisserl Werbung drucken mag, und schon sind die 56 Euro wieder herinnen.</p>
<p>Was? Werbung? Auf Kopien für die Lieder für die Kinder? Na klar. Eiskalt. Die Kinder werden da unempfindlich sein. Ist denn wirklich noch niemand aufgefallen, daß Kindergartenkinder nicht lesen können? Die Kopien sind also für die Eltern(!). Viel Lärm um nichts.</p>
<p>Ich bin der Meinung, daß man einiges hier anders regeln könnte, manche Pauschalen auch einfach aus dem Steueraufkommen finanzieren könnte und daß manche Auswüchse unerwünscht sind. So spielt einer meiner Ärzte überall in der Praxis Musik, die aber immer wieder für ein paar Sekunden abbricht &#8211; so muß er keine GEMA-Gebühren zahlen. Und auf einem Photokopierer sind VG Wort-Abgaben, nicht jedoch auf einem Faxgerät. das ja heutzutage auch jederzeit zum Kopieren eingesetzt werden kann.</p>
<p>Aber das sind Details. Kultur muß irgendwie finanziert werden, und bei allen Pauschalen kommt es zu Merkwürdigkeiten. Die man ja einzeln auch beseitigen kann. Ansonsten sollten wir uns immer rechtzeitig Gedanken machen über den Verbleib allfälliger Sakralbauten im urbanen Kontext, oder auf Deutsch öfter mal</p>
<p class="finish">die Kirche im Dorf lassen.</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://www.labbe.de/zzzebra/index.asp?themaid=237&amp;titelid=1210"><em>zzzebra</em></a><em>, dort findet man u.a. Liedertexte zu Sankt Martin.</em></p>
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		<title>Das Informationsgewitter</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Nov 2010 21:28:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Gleich mehrere meiner Quellen stolperten über einen Leitartikel von Michael Naumann, Chefredakteur von Cicero, in dem dieser unter anderem sagt: Im globalen Informationsgewitter ziehen die Datenmengen zur empirischen Erklärung der Welt und ihrer Ordnungsprobleme wie hastig vorüberfliegende, gewaltige Kumuluswolken durchs Internet. Es ist zugleich auch zum Rückzugsraum des Privaten geworden. Facebook, Twitter und die Fülle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/11/n1289119386.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-2916" title="n1289119386" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/11/n1289119386.jpg" alt="" width="168" height="192" /></a>Gleich mehrere meiner Quellen stolperten über einen <a href="http://cicero.de/97.php?ress_id=4&amp;item=5376" target="_blank">Leitartikel</a> von Michael Naumann, Chefredakteur von Cicero, in dem dieser unter anderem sagt:</p>
<blockquote><p>Im globalen Informationsgewitter ziehen die Datenmengen zur empirischen Erklärung der Welt und ihrer Ordnungsprobleme wie hastig vorüberfliegende, gewaltige Kumuluswolken durchs Internet. Es ist zugleich auch zum Rückzugsraum des Privaten geworden. Facebook, Twitter und die Fülle der Weblogs sind das Gegenteil von Öffentlichkeit, sondern allenfalls deren massenhafte Parzellierung – nicht selten missbraucht von der unsichtbaren Hand kommerzieller Interessen.</p></blockquote>
<p>Facebook, Twitter und die Fülle der Weblogs &#8211; hier schreibt jemand, für den das alles offensichtlich &#8220;irgendwie eins&#8221; ist. <span id="more-2915"></span>Nun, er hat es ja geschafft. In Twitter wurde ich auf den Artikel aufmerksam, einen Blogartikel schreibe ich gerade, und wenn der geschrieben ist, twittere ich, daß er fertig ist. Und alles, was ich twittere, wird auch in Facebook angezeigt. So gesehen hängt das alles ja doch irgendwie zusammen.</p>
<p>Anders verhält es sich aber mit seiner Definition von &#8220;Öffentlichkeit&#8221;. Wenn er schreibt, Weblogs und Twitter seien das &#8220;Gegenteil von Öffentlichkeit&#8221;, stockt man doch. Was meint er da wohl? Der Schlüssel dürfte die &#8220;massenhafte Parzellierung&#8221; sein, von der er spricht. Ja, so ist das halt nun. Es steht nicht mehr nur in der Zeitung, was die Öffentlichkeit unisono denkt, meint und fühlt. Unisono? Wann wäre das denn richtig gewesen? &#8220;Die Öffentlichkeit&#8221;&#8230; solange die öffentliche Meinung noch die veröffentlichte Meinung war, also im letztem Jahrhundert bis fast zum Schluß, bestand die Pluralität eben darin, daß einige Verleger die Richtungen vorgaben, auch wenn dann doch in der einen oder anderen Publikation eine beinahe bunte Pluralität beobachtet werden konnte.</p>
<p>Heute nehmen viele Menschen Informationen über öffentliche Themen nicht mehr als Download wahr, sondern nutzen die Möglichkeit, überall mitzureden. Hier darf man nicht voreilig falsche Schlüsse ziehen, das ist auch im Kern nicht neu. Neu ist lediglich, daß man Unterhaltungen, die früher im Freundeskreis geführt wurden, heute einem ungleich größeren Kreis von Menschen zugänglich machen kann. Daß damit auch eher einfach strukturierte Stammtischgespräche mehr &#8220;Öffentlichkeit&#8221; finden als früher, ist ein Nebeneffekt. Aber was ist denn daran so falsch? Internetausdrucker verwechseln all die durcheinanderschwirrenden Meinungen gerne mit Politikverdrossenheit. Ein fataler Fehler, wie Stuttgart 21 zeigt. </p>
<p>Aber das ist ein Missverständnis. Wenn einer in den Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts fand, daß alle Politiker Gauner seien, Lügenpack, Versager, was auch immer, so wurde es vielleicht eher gesagt, seltener geschrieben. Aber Herr Naumann denkt vermutlich so: Wenn etwas geschrieben wird, am besten noch gedruckt, am besten bei irgendeinem namhaften Verlag, dann ist es &#8220;was richtiges&#8221;. Sonst nicht. Was ja nicht unsympathisch ist, die Welt sah früher ordentlicher aus. Heute ist es schwieriger, und auch zugegebenerweise verwirrender. Nicht nur für Herrn Naumann, der ja darauf hinweist, das Internet werde &#8220;nicht selten missbraucht von der unsichtbaren Hand kommerzieller Interessen&#8221;. Ich würde weiter gehen. Wieso nur kommerzielle Interessen? Da gibt es noch viel mehr Gründe, diversen Quellen zu misstrauen. Das wissen die Netizens schon seit Jahren:</p>
<p align="center"><img class="size-medium wp-image-2918" title="nobody-knows-you-are-a-dog" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/11/nobody-knows-you-are-a-dog-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /><br /><strong>On the Internet, nobody knows, you are a dog</strong><em></em></p>
<p>Zurück zu Herrn Naumann und seinen Glauben an raschelndes Papier. Er schreibt ja auch noch:</p>
<blockquote><p>Einmal mehr wird die Buchmesse in Frankfurt ihre Besucher mit mehr als 80.000 deutschen Erstauflagen überwältigen – die meisten davon sind Sachbücher. Theoretisch könnten wir alles wissen. Aber wer genau ist dieses „wir“? Die sogenannten Bildungsbürger, die im Durchschnitt, wenn es hochkommt, zehn Bücher im Jahr lesen? Studenten, die im Eilverfahren durch die einzigen Lebensjahre gehetzt werden, in denen sie jenseits beruflicher Verpflichtungen zur Lektüre der Klassiker greifen könnten – wollten die universitären Curricula sie nur dazu verpflichten? Politiker etwa, die keine Zeit mehr finden, geistige Anregungen oder gar seelischen Trost in einem Roman, einer Biografie oder in einem Gedichtband zu suchen? „Bildungsfern“ sind nicht nur die Einwandererfamilien, sondern auch wir, die alteingesessenen Bürger.</p></blockquote>
<p>Ich bin auch ein großer Bücherfreund. Aber es gibt keinen Grund mehr, heute anzunehmen,</p>
<p class="finish">daß man Bildung nur aus Büchern bekommen kann.</p>
<p><em>Bild: Michael Naumann, Quelle: Cicero.de</em></p>
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		<title>Fremde</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 22:15:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zur Zeit läuft eine verlogene und völlig hysterische Diskussion zum Thema &#8220;Ausländer, Zuwanderung, Kultur und Islam&#8221;, die auf allen Ebenen geführt wird. Ich wäre daran verzweifelt, hätte ich nicht hie und da besonnene Analysen gelesen, Aufrufe zur Mäßigung oder schlicht Richtigstellungen der öffentlichen Äußerungen. Dieser Auseinandersetzung Stammtischniveau zu unterstellen, beleidigt manchen Stammtisch. Zunächst: Was genau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/General_Mustafa_Kemal.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-2803" title="General_Mustafa_Kemal" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/General_Mustafa_Kemal-215x300.jpg" alt="" width="215" height="300" /></a>Zur Zeit läuft eine verlogene und völlig hysterische Diskussion zum Thema &#8220;Ausländer, Zuwanderung, Kultur und Islam&#8221;, die auf allen Ebenen geführt wird. Ich wäre daran verzweifelt, hätte ich nicht hie und da besonnene Analysen gelesen, Aufrufe zur Mäßigung oder schlicht Richtigstellungen der öffentlichen Äußerungen. Dieser Auseinandersetzung Stammtischniveau zu unterstellen, beleidigt manchen Stammtisch.</p>
<p>Zunächst: Was genau ist das Problem? <span id="more-2790"></span>Vieles geht auf Xenophobie zurück.</p>
<h3>Xenophobie</h3>
<p>Ξένος (Xenos) war für die alten Griechen das Wort für &#8220;Gast&#8221; und für &#8220;Fremder&#8221;. Das findet man auch in touristisch erschlossenen Gegenden in Deutschland, wo es Fremdenzimmer gibt und &#8220;Fremde&#8221; gleichbedeutend sind mit &#8220;Kunden&#8221;. Auf andere bei uns wirkt Fremdheit allerdings bedrohlich.</p>
<p>Interessant ist es auf Lateinisch: Die Römer hatten noch eindeutige Feinde: <em>Hostis</em> nannten sie so einen. Da die Römer nach der beeindruckenden Entfaltung ihrer Macht außerhalb Roms nur noch Feinde sehen konnten, die &#8220;pazifiziert&#8221; werden mußten, also &#8220;befriedet&#8221;, war <em>hostis</em> auch das Wort für &#8220;Fremder&#8221;. Und ein Fremder war kein Gast, der hieß, fein differenziert, <em>hospes</em>.</p>
<p>Aber das galt nur für die alten Römer. SpaceNet, die Firma, für die ich arbeite, ist ein Spezialist für <em>Hosting</em>. Darunter versteht man im Computerneusprech die Beherbergung von Daten oder Servern, sogenannten <em>hosts</em>. Also doch Beherbergung. Aus dem <em>hospes</em> wurde das Hospital. Aber <em>hostis</em> gibt es noch, zum Beispiel im Wort &#8220;Hotel&#8221;. Und darunter verstand man noch nie ein Kriegsgefangenenlager.</p>
<h3>Phobien sind Ängste</h3>
<p>Es ist also eine abendländische Tradition, in Fremdem auch immer etwas bedrohliches zu sehen. Das ist keineswegs selbstverständlich. Auf türkisch ist das, zumindest sprachlich, nicht zu bestätigen. Fremd ist yabancı. Gast ist misafir. Oder müşteri, aber das ist eher ein Kunde. Düşman ist der Feind. Oder hasım, was lustig ist, denn das ist eng verwandt mit hısım, so heißt &#8220;der Verwandte&#8221;. Wie man sieht, eine völlig fremde Kultur, denn ich mag meine Verwandten. Die meisten jedenfalls. Leider kann ich kein Arabisch, aber ich vermute sehr stark, daß die sprachlich nachzuweisende Xenophobie dort auch nicht verbreitet ist. Und um vollendet in Klischees zu schwelgen, denke ich an Beduinen, die in ihren Zelten sitzen, es ist ihnen fad, und sie freuen sich total, daß ein Fremder des Wegs kommt, der ihnen schöne Geschichten erzählen kann.</p>
<p>Bei uns ist das anders. Die christliche Tradition hat bei uns das Problem, daß sie beinahe nur noch das ist: Eine Tradition. Eine starke Glaubensgemeinschaft ist das Christentum in Deutschland nicht mehr. Kirchen stehen leer, Kinder werden nicht mehr getauft, und Mystik ist zwar en vogue, aber dann bitte in irgendwelchen exotischen Varianten. Leute treten wegen des Verhaltens von Priestern &#8211; also Menschen &#8211; aus der Kirche aus. Wer das kann, war vorher schon nicht mehr wirklich <em>in</em> der Kirche.</p>
<p>Wie ist das denn nun mit der Türkei? Kemal Atatürk, der Staatsgründer, ist nicht unumstritten, aber eines hat er sicher geleistet: Er hat aus der Türkei ein westliches Land gemacht. Dafür hat er einiges an Tradition geopfert, aber das ignorieren wir im Westen beharrlich. So hat er die lateinische Schrift eingeführt (vorher wurde Türkisch in arabischer Schrift notiert), er hat den Männern westliche Hüte aufgesetzt und ihnen Fes, Turban und Pluderhose weggenommen, und das ist wörtlich zu verstehen. Er hat auch Dinge zu verantworten, über die zu richten uns nicht zusteht, denn während er sich mühte, einen modernen, demokratischen Staat zu gründen, brach bei uns gerade die Barbarei aus.</p>
<h3>Fremde Kulturen</h3>
<p>Somit sollte man vielleicht einmal innehalten und fragen, ob wir überhaupt die Türken meinen, wenn wir von fremder Kultur reden. Für Horst Seehofer sind Araber und Türken irgendwie dasselbe, wenn er den Zuzug von &#8220;dort&#8221; begrenzt sehen will. Aber den sollte man hier nicht zu ernst nehmen, das ist kein Rechtspopulist, wie man hörte, sondern ein Opportunist. Der gleiche Mann ist für die Frauenquote, für und gegen die Gesundheitsreform, gegen die Rente mit 67 und gegen Moslems (und da dies politisch nicht korrekt ist, dann eben gegen &#8220;fremde Kulturen&#8221;, womit er aber deutlich sichtbar nicht Buddhisten, Shintoisten oder gar amerikanische Fundamentalisten meint).</p>
<p>Auch Thilo Sarrazin hat sich auf Araber und Türken spezialisiert, wenngleich mit weit höherem intellektuellen Anspruch. Doch auch er liegt falsch, viele &#8220;Türken&#8221; sind längst Deutsche in zweiter Generation. Und die Araber, die ich sehe, sind nicht nur seine Kopftuchmädchen produzierenden Gemüsehändler, sondern es sind die Leute, ohne die die Münchener Maximilianstrasse zugemacht hätte (womit ich die neuen russischen Verdienste nicht schmälern will). Vural Öger hat es auf den Punkt gebracht. Er sagt, es gehe nicht um ein Islamproblem, sondern um ein Unterschichtenproblem. Dem wäre nichts hinzuzufügen. Oder doch?</p>
<h3>Integration</h3>
<p>Vielleicht wäre das mit der Integration auch nicht so schwierig, wenn wir uns selbst als etwas präsentieren würden, in das man sich integrieren kann. Was ist denn nun unsere christlich-abendländische Kultur? Im Fernsehen werden wir kulturell nicht fündig. Es gibt RTL und Co., das ist nicht unsere Kultur, hoffentlich, und es gibt Arte, aber das ist auch nicht unsere Kultur, sonst gäbe es da mehr Zuseher. In der Kirche kommen wir auch nicht weiter. Auch wenn wir Weihnachten feiern: spätestens an Ostern blättert der kulturelle Lack, wenn diskutiert wird, daß Diskotheken an Karfreitag aufhaben sollen. Tradition? Anstatt auch Symbole anderer Religionen zuzulassen, hängen wir in den Klassenzimmern sicherheitshalber die Kruzifixe ab.</p>
<p>Sind wir denn wenigstens stolz auf unsere Demokratie? Die haben die Türken auch. Pressefreiheit? Das BKA macht Pressekonferenzen, bei denen nur handverlesene Journalisten informiert werden &#8211; kein Anlaß, auf die Türkei herabzuschauen. Immerhin haben wir es dieses Jahr bei der Pressefreiheit glatt auf Platz 17 geschafft &#8211; vom Platz 1 sind wir weit entfernt. In der Türkei werden Kurden heute diskriminiert. Nun ja, bei uns auch, wenn wir ehrlich sind.</p>
<h3>Islamophobie</h3>
<p>Nach all dem ist klar geworden: Es geht nicht um fremde Kulturen. Oder fühlt sich jemand von den zahlreichen Chinesen hier bedroht? Es geht um den Islam, eine Religion, die mit Feuer und Schwert verbreitet werden soll, in deren Namen getötet wird und die angeblich Frauen diskriminiert. Doch halt! Das ist vom Christentum nicht so weit weg. Alles auf 9/11 zu schieben ist auch nicht rational &#8211; die Islamophobie ist älter. Vermutlich führen wir alle im Hinterkopf eine lange Liste: Die Befreiung Spaniens von den Mauren. Die Kreuzzüge, die das gelobte Land unter christliche Gewalt bringen sollten (und da nehmen wir den Moslems vermutlich übel, dass sie nicht alles gleich freiwillig hergegeben haben). Aber dann, ha! die Türkenkriege. Der Gegenbesuch, sozusagen. Saladin der Prächtige &#8211; es hätte beinahe geklappt, und da wäre die fremde Kultur tatsächlich was bedrohliches gewesen. Was davon blieb, wissen wir: Die Kaffeehauskultur, die es immerhin ein Vierteljahrtausend gegeben hat, bis sie von der Starbuckisierung dahingerafft wurde &#8211; noch ein schönes Beispiel für bedrohliche  fremde Kulturen.</p>
<p>Zurück zu der Aussage von Herrn Öger: Es gibt kein Islamproblem, es gibt ein Unterschichtenproblem. So haben, nach Angaben unserer derzeitigen Familienministerin, Frau Schröder, türkische Jugendliche zur ihr gesagt, sie sei eine deutsche Schlampe. So drückt sich die Unterschicht heute aus &#8211; unterirdisches Benehmen. Aber Frau Schröder sieht nicht die gesamte Aussage, ihr reicht ein Stichwort: Sie sieht, wie einem Zeitungsinterview zu entnehmen war, eindeutig den Tatbestand des Rassismus erfüllt. Rassismus? Weil die Knaben <em>deutsche</em> Schlampe gesagt haben? Wäre Frau Schröder denn wieder versöhnt, wenn man sie einfach nur neutral als Schlampe bezeichnet hätte? So etwas als Rassismus zu bezeichnen ist eine ziemliche Verharmlosung des Rassismus. Darüber könnten wir hier trefflich wieder monatelang diskutieren. Und die Frage stellt sich nach wie vor: Diese Jugendlichen mit dem unsäglichen Migrationshintergrund an den Berliner Messerstecherschulen,</p>
<p class="finish">wo hinein genau sollen sich die denn nun integrieren?</p>
<p><em>Bild: Mustafa Kemal Atatürk</em></p>
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		<title>Kasperltheater</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 14:47:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das heutige Thema ist keine Anspielung auf unsere Politiker. Ausnahmsweise richtet sich der Blick schreckgeweitet ins Ausland, genauer gesagt nach Großbritannien, noch genauer nach Portsmouth. Dem immer wieder lesenswerten Blog von Aranita (Verbotswahn.de) entnehme ich folgende unglaubliche Geschichte: In Deutschland sind es Kasperl und Gretel, in England Punch und Judy, die in Kasperletheatern die Kinder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/08/Pocci_Ritter_Lustige_Gesellschaft.jpg"><img class="size-medium wp-image-2666 alignright" title="Pocci_Ritter,_Lustige_Gesellschaft" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/08/Pocci_Ritter_Lustige_Gesellschaft-300x207.jpg" alt="" width="240" height="166" /></a>Das heutige Thema ist keine Anspielung auf unsere Politiker. Ausnahmsweise richtet sich der Blick schreckgeweitet ins Ausland, genauer gesagt nach Großbritannien, noch genauer nach Portsmouth. Dem immer wieder lesenswerten Blog von Aranita (<a href="http://www.verbotswahn.de/wp/2010/07/politisch-korrektes-kasperltheater/" target="_blank">Verbotswahn.de</a>) entnehme ich folgende unglaubliche Geschichte:<span id="more-2665"></span></p>
<blockquote><p>In Deutschland sind es Kasperl und Gretel, in England Punch und Judy, die in Kasperletheatern die Kinder erheitern. Während in Deutschland Kasperl meistens das Krokodil verhaut, geht in England Punch (übersetzt »Schlag«) mit seinem Stock, der traditionell so groß ist wie er selbst, auf Judy und andere Charaktere los.</p>
<p>Bereits im Jahre 1999 haben die Behörden darüber nachgedacht, diese »Verherrlichung der häuslichen Gewalt« der heutigen Zeit anzupassen – passiert ist damals allerdings noch nichts. Jetzt scheinen die Engländer reif zu sein, dass eine 300 Jahre alte Tradition abgeschafft wird. Die Behörden der Touristen- und Hafenstadt Portsmouth haben nun den Betreiber eines Kasperltheaters aufgefordert, sein Programm zu ändern. Man könne Kindern diese »Gewalt« nicht zumuten.</p></blockquote>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Graf_von_Pocci" target="_blank">Graf Pocci</a>, der Vater des legendären Kasperl Larifari, würde sich im Grab rumdrehen. Der Kasperl haut bei uns die Gretel nicht, nur den Räuber oder das Krokodil, aber als gewaltlos würde ich auch unseren Kasperl nicht beschreiben. Man kann ihm durchaus vorwerfen, daß er mit seiner Pritschn schnell bei der Hand ist und nicht einmal ansatzweise bewährte Konfliktvermeidungsstrategien oder Mediation versucht. Aber, Hand auf&#8217;s Herz, wer sollte denn da noch in ein Kasperltheater gehen, wenn man dort ein vergnügliches Stück namens &#8220;Resozialisierung und gewaltlose Schlichtung am Beispiel des im Prekariat aufgewachsenen und sozial benachteiligten H.&#8221; sehen kann, nach Absetzung der Originalversion von &#8220;Kasperl Larifari und der Räuber Hotzenplotz&#8221;.</p>
<p>Es ist einem Außenstehenden vielleicht auch nicht zu vermitteln, wieso es komisch sein soll, wenn der Kasperl die Gretel haut, aber ein Außenstehender sollte sich einer ihm fremden Kultur ja auch eher vorsichtig und behutsam nähern. Die Kasperltheater-Zielgruppe, die Kinder nämlich, sind sehr vergnügt im Kasperltheater, brüllen sich die Seele aus dem Leib (Seid Ihr alle da? JAAAA!) und streiten meßbar <em>weniger</em> nach dem Theaterbesuch.</p>
<p>Also, hinfort Ihr blutleeren Kreaturen, Ihr Pharisäer und gelangweilten Hyperpädagogen, Finger weg vom Kasperl, zurück in Eure Bibliotheken und Elfenbeintürme und die Tempel der politschen Korrektheit. Sonst möge Euch das Krokodil fressen und wenn der Kaperl mit der Pritschn ausholt um Euch zu retten soll sich das Krokodil bitte</p>
<p class="finish">auf das Tierschutzgesetz berufen.</p>
<p><em>Bildquelle: Lustige Gesellschaft von Franz Grf. v. Pocci</em></p>
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		<title>Männer, die auf Ziegen starren</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/03/23/manner-die-auf-ziegen-starren/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 19:23:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was für ein abstruser Titel. Klingt irgendwie nach usbekischem Nach­wuchs­film­preis. Beinahe wäre es mir entgangen: Männer, die auf Ziegen starren. Ein Genre hat dieser Film nicht: Für einen Dokumentar­film ist er zu abstrus, für eine Kommödie zu viel­schichtig (und nicht immer lustig genug), für eine Satire zu unspezifisch. Kurz, dieser Film hat von allem etwas. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/ziegen_starren_article.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2220" title="ziegen_starren_article" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/ziegen_starren_article-212x300.jpg" alt="" width="212" height="300" /></a>Was für ein abstruser Titel. Klingt irgendwie nach usbekischem Nach­wuchs­film­preis. Beinahe wäre es mir entgangen: Männer, die auf Ziegen starren. Ein Genre hat dieser Film nicht: Für einen Dokumentar­film ist er zu abstrus, für eine Kommödie zu viel­schichtig (und nicht immer lustig genug), für eine Satire zu unspezifisch. Kurz, dieser Film hat von allem etwas.</p>
<p>Fangen wir an mit dem Dokumentar­film: Was dem Streifen den ganz besonderen Charme gibt, ist die Tatsache, dass es sich um die Verfilmung eines <em>Sachbuchs</em> handelt. Das Buch ist von Jon Ronson und heißt auf Englisch schon &#8220;<em>The Men Who Stare At Goats&#8221;.</em> <span id="more-2219"></span>Die deutsche Version wurde bis zum Filmstart noch unter dem Titel &#8220;<em>Durch die Wand: Die US-Armee, absurde Experimente und der Krieg gegen den Terror</em>&#8221; verkauft.</p>
<p>Und das ist vielleicht schon das Sensationellste: Das hat es alles wirklich gegeben. Vielleicht nicht genau so, vielleicht hießen alle anders, aber es gab eine Truppe Anfang der Achtziger bei den Amerikanern, die sich als paranormale Kampfmönche verstanden. Und da Ronald Reagan ein erklärter Fan von Starwars war, nannte man sich der Einfachheit halber &#8220;Jedi&#8221;. Da mußte man weniger erklären. Was für Zeiten. Stark war sie geworden, die dunkle Seite der Macht. Irgendjemand hatte behauptet, die USA hätten eine para­psycho­logische Einheit gegründet. Die Russen glaubten das und gründeten auch eine und starteten abstruse Experimente. Worauf die Amerikaner nach­ziehen mussten und selbst eine solche Abteilung gründen. Ja, und die gab es dann. Und das war alles in der Wirk­lich­keit so. Oder so ähnlich.</p>
<p>Heute glaubt niemand mehr an Parapsychologie. Oder nicht mehr so wie in den Achtzigern. Uri Geller ist nur noch eine Witzfigur im Privatfernsehen, seine Tricks sind längst entlarvt. Was sich geändert hat: Außer mir findet das heute kaum noch jemand schade. New Age ist aus der Mode und LSD nimmt auch kaum einer mehr. Und nun das ganze Thema also als Film mit einer Handlung (nicht aus dem Buch) und Schauspielern, bei denen man fast sicher sein kann, dass man nicht enttäuscht wird. Und genau so kommt es auch.</p>
<p>George Clooney. Mit Schnauzer als &#8220;Lyn Cassady&#8221; und zeitweilig auch mit langen Haaren, aber immer George Clooney. Am stärksten ist er, wenn er selbst­ironisch sein darf. Nicht als gut­aus­sehender Arzt im Emergency Room und auch nicht als Ocean&#8217;s 11, 12 oder 13, obwohl er da schon wirklich gut ist. Aber richtig zur Hochform läuft er auf in Filmen wie &#8220;<a href="http://www.svb.bayern.net/2008/10/18/burn-after-reading/" target="_blank">Burn after Reading</a>&#8220;. Oder eben hier.</p>
<p>Und dann der Dude. Er ist wieder da. Älter vielleicht, aber wieder da. Wie haben wir ihn vermißt, den Dude, der die Frage, wer nun eigentlich The Big Lebowski wirklich ist, eindeutig geklärt hat, auch wenn er nicht so genannt werden will. Der geniale Jeff Bridges. Jetzt heißt er Bill Django, hat in Vietnam ein ein­schnei­den­des Erlebnis und kommt so zur Spiritualität und letztlich zu seinem New-Age-Kommando &#8220;New Earth Army&#8221;. Ein Hippie als Offizier und das auch noch glaubwürdig.</p>
<p>Ewan McGregor spielt den jungen Reporter. Dem die Frau wegläuft (die einzige Frau im ganzen Film, übrigens). Der darauf beschließt, ein Held zu werden und in den Irak gehen will in den Krieg als Bericht­erstatter. Vom Wollen allein wird man kein Held. Was für ein Glück, daß er Lyn Cassady trifft und über ihn die Reste der versprengten und längst aufgelösten New Earth Army. Hier lernt er, was es heißt, ein Jedi zu sein. Pikant: Ewan McGregor war doch der Obi-Wan in Star Wars. Wie, und ausgerechnet der weiß nicht mehr, was ein Jedi ist? Aber vielleicht trennen wir nur nicht genug zwischen Fiktion und Realität und so sind wir wieder bei diesem Film.</p>
<p>Kevin Spacey hat so viele Gesichtsausdrücke wie Buster Keaton, ist dennoch ein ganz grosser Schauspieler, wenn es sein muss allein mit den Augen, und er spielt über­zeugend den Fiesling. Fehlt noch Stephen Lang, woher kennen wir den gleich wieder? Ach ja, als bösen General in Avatar. Jetzt ist er eindeutig einer der Guten. Hier gleich­be­deu­tend auch mit den irgendwie Bescheuerten.</p>
<p>Wundervoll behutsam gemacht. Niemand ist der Versuchung erlegen, einen Knaller oder Schenkel­klopfer zu machen. Gelacht habe ich dennoch viel. Auch wenn es nicht wirklich eine Kommödie war. Aber das sagte ich schon.</p>
<p class="finish">Meine Empfehlung: Anschauen.</p>
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		<title>Helden der Lyrik</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/01/12/helden-der-lyrik/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 14:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Urheberrechtsverletzung]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberschutz]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich weiß nicht, ob es sie noch gibt, die wundervolle Rubrik &#8220;Helden der Lyrik&#8221; in der Süddeutschen. Hier konnte man wundervolle Gedichte finden. Gedichte machen ist nicht schwer Und was sich reimt, ist richtig So reimt man einfach so daher Das Versmaß ist nur in den allerseltensten Fällen wichtig. Wenn überhaupt&#8230; Ich widme dieses Gedicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/01/Friederike_Kempner.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-1955" title="Friederike_Kempner" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/01/Friederike_Kempner.jpg" alt="" width="340" height="452" /></a>Ich weiß nicht, ob es sie noch gibt, die wundervolle Rubrik &#8220;Helden der Lyrik&#8221; in der Süddeutschen. Hier konnte man wundervolle Gedichte finden.</p>
<blockquote><p>Gedichte machen ist nicht schwer<br />
Und was sich reimt, ist richtig<br />
So reimt man einfach so daher<br />
Das Versmaß ist nur in den allerseltensten Fällen wichtig.<br />
Wenn überhaupt&#8230;</p></blockquote>
<p>Ich widme dieses Gedicht Karl-Heinz Rumenigge. Das ist ein ehemaliger Fußballspieler, der inzwischen als Vorstandsvorsitzender der FC Bayern AG sich der Herausforderung stellen mußte, den Kaiser zu verabschieden. So klang das:<span id="more-1945"></span></p>
<blockquote><p>&#8220;Lieber Franz,<br />
ich danke Dir,<br />
ich danke Dir,<br />
ich danke Dir sehr,<br />
ich danke Dir,<br />
das fällt uns nicht schwer,<br />
ich danke Dir,<br />
danke Dir ganz toll<br />
usw&#8221;</p></blockquote>
<p>Nun ja. Wieso reden wir über so eine Belanglosigkeit? Weil er dieses Jahrhundertwerk noch nicht einmal selbst verfaßt hat, sondern geklaut, wie Frau Anette Pfeiffer-Klärle aus der Rödermark beklagt. Frau APK, wie sie sich selbst abkürzt, bietet ihre Dienste als Gebrauchslyrikerin an. Sie dichtet. Man kann bei ihr Auftragsgedichte bestellen. Verabschiedung eines Kollegen, Geburtstag der Oma, Eröffnung der neuen Filiale und was es noch so an Anlässen gibt, bei denen der nervöse Redner lieber auf Altbewährtes zurückgreift, also zum Beispiel auf ein Gedicht. Und ökonomisch konnte der Gutsten nichts besseres passieren als von Rumenigge beklaut zu werden, denn wie man <a href="http://www.apk-gedichte.de/aktuell_rummenigge_MEIN_Gedicht.htm" target="_blank">ihrem Server</a> entnehmen kann, brummt das Geschäft:</p>
<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/01/Bild-3.png"><img class="size-full wp-image-1949 alignnone" title="Bild 3" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/01/Bild-3.png" alt="" width="775" height="287" /></a></p>
<p>Ich weiß nicht, was an dieser Geschichte das peinlichste ist. Daß Rumenigge so ein schreckliches Gedicht ausgewählt hat? Daß er es in Kauf genommen hat, daß es sofort ihm zugeschrieben wurde? Ja wusste der nichts von Stephan Raab?</p>
<p><object style="width: 470px; height: 406px;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="470" height="406" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="AllowFullscreen" value="true" /><param name="AllowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.myvideo.de/movie/7140696" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed style="width: 470px; height: 406px;" type="application/x-shockwave-flash" width="470" height="406" src="http://www.myvideo.de/movie/7140696" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object><br />
<a title="tv total vom 30.11.2009 - Das Gedicht Von Rummenigge An Beckenbauer - MyVideo" href="http://www.myvideo.de/watch/7140696/tv_total_vom_30_11_2009_Das_Gedicht_Von_Rummenigge_An_Beckenbauer">tv total vom 30.11.2009 &#8211; Das Gedicht Von Rummenig… &#8211; MyVideo</a></p>
<p>Oder noch peinlicher: Befragt, ob er denn nichts zahlen wolle, soll er geantwortet haben, er habe das Zeug aus dem Internet, da müsse man nichts dafür bezahlen. Ich hoffe, das hat sich jemand ausgedacht.</p>
<p>Man findet im Netz nur wenige Klicks weiter ein Gedicht, das zum Abdruck frei ist. Der Urheberschutz ist ausgelaufen. Schon hat man ein herrliches Dankesgedicht:</p>
<blockquote>
<p>
Allgeliebter Vogel Du,<br />
Gingest Du nun zum Stand der Ruh<br />
Liebenswürdig zahm und zart<br />
Und von selten geist&#8217;ger Art!
</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>
Warst mir zweiundzwanzig Jahr,<br />
Was kein Anderer mir war,<br />
Steter Freund, ach lebenslang,<br />
Nehme meinen heißen Dank.
</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>
Mancher hat Dich arg betrübt,<br />
Weil Du allgemein beliebt,<br />
Gönnte diesen Trost mir nicht,<br />
- Das ist Wahrheit im Gedicht -
</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>
Nochmals Dank für Deine Treu!<br />
Lebe dorten auf, auf&#8217;s neu -<br />
Jeder Geist er lebet fort,<br />
Glücklich sei an jedem Ort!
</p>
</blockquote>
<p>Das Gedicht ist von Friederike Kempner, dem &#8220;schlesischen Schwan&#8221;, deren berüchtigte Gedichte von Deutschlehrern gerne maliziös als große Lyrik vorgestellt wurden, nur um dann &#8211; HA HA HA &#8211; am Ende der Schulstunde als grauenhaft entlarvt zu werden. Schüler fallen darauf rein, denn die anderen Gedichte, die die Deutschlehrer gaaanz gaaaanz toll finden, sind ja auch grauenhaft. Und man denkt an Douglas Adams, dem es gelungen ist, die Gemeinsamkeiten der vogonischen Lyrik und der irdischen zu enthüllen. Zur Erinnerung: Die Vogonen bringen ihre Gefangenen um, indem sie ihnen vogonische Gedichte vorlesen. Im ganzen All fürchtet man sie, nur die Erdlinge sind immun, da ihre Gedichte genauso schrecklich sind.</p>
<p>Aber wir tun Frau Kempner Unrecht. Das Gedicht oben ist jedenfalls nicht schlechter als das APK-Gedicht. Es hat nur den Schönheitsfehler, daß es sich nicht um scheidende Präsidenten handelt, sondern um ihren</p>
<p class="finish">am 15. November 1890 dahingegangenen Papagei</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Kempner"><em>Wikipediaartikel zu Friederike Kempner</em></a><em> (lesenswert)</em></p>
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		<title>Abofallen (3)</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2009/12/20/abofallen-3/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 21:13:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Raum ist dunkel. Es werden Zahlen geflüstert: 1&#8230;.. 7&#8230;&#8230; 4&#8230;&#8230;&#8230; 8&#8230;&#8230;&#8230; 8&#8230;&#8230;.. 2&#8230;&#8230;.. Aha. Performance. Menschen hüpfen, springen und schweben über die Bühne. Dazu Zwitschern, Flirren, Zirpen. Langsam versinkt die Welt in Schwärze, die Töne werden zu Geräuschen. Sphärische Klänge. Dann: Auftritt des altägyptischen Gottes Abophales. Abophales (gr. Ἀβωφάληϛ) war der heute weithin unbekannte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-thumbnail wp-image-1914 alignleft" title="rsys_27654_49f8469712050" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/12/rsys_27654_49f8469712050-150x150.jpg" alt="rsys_27654_49f8469712050" width="150" height="150" />Der Raum ist dunkel. Es werden Zahlen geflüstert:</p>
<p>1&#8230;.. 7&#8230;&#8230; 4&#8230;&#8230;&#8230; 8&#8230;&#8230;&#8230; 8&#8230;&#8230;.. 2&#8230;&#8230;..</p>
<p>Aha. Performance. Menschen hüpfen, springen und schweben über die Bühne. Dazu Zwitschern, Flirren, Zirpen. Langsam versinkt die Welt in Schwärze, die Töne werden zu Geräuschen. Sphärische Klänge. Dann: Auftritt des altägyptischen Gottes Abophales.</p>
<p><span id="more-1910"></span>Abophales (gr. Ἀβωφάληϛ) war der heute weithin unbekannte Gott der unfreiwillig gekauften Dienstleistungen. Sei es für irgendwelche idiotischen Klingelton-Abos für Handy, Spickhilfen für Hausaufgaben im Internet, die sich als Abzocke entpuppen, kostenpflichtige Downloadportale für ohnehin frei erhältliche Software oder eben, wie <a href="http://www.svb.bayern.net/2009/08/31/abofallen/" target="_blank">hier</a> schon berichtet, für Bahncards, die auch Geld kosten, wenn man sie nicht nutzen will. Oder aber: für Ballett.</p>
<p>Daß Abophales einen überall ereilen kann, wurde mir nämlich in der Oper klar. Es ist schon einige Tage her, aber ich bin noch nicht drüber weg. Wer ein Opernabo will, bekommt jedes Jahr auch ein Ballett aufgehalst. Ist so. &#8220;Nur Oper&#8221; gibt es nicht. Alle paar Jahre erwartet einen ein unerwarteter Genuß. Leider nicht jedes Jahr. Dieses Jahr war es beispielsweise für mich nicht der Fall. &#8220;<a href="http://www.bayerische.staatsoper.de/922-ZG9tPWRvbTImaWQ9MTU2MyZsPWRl-~spielplan~ballett~veranstaltungen~vorstellung.html" target="_blank">Zugvögel</a>&#8221; hieß das Stück (Jiří Kylián, Musik von Dirk Haubrich, Han Otten u.a., Uraufführung war am 3. Mai 2009).</p>
<p>Mir ist selbstverständlich klar, daß ich schuld bin, nicht der Künstler und nicht das Ensemble. Ich bin ein Ballettbanause. Wenn die Musik mich nicht rettet, langweile ich mich im Ballett. Meistens zumindest. Und ich stelle meine Nackenhaare, wenn ich das Wort &#8220;Installation&#8221; höre. Aber so klar mein Geschmack hier auch ist, so klar ist mir auch, daß es nichts anderes ist: Eine Geschmacksfrage. Wie der Oberbayer in seiner ihm eigenen spöttisch-toleranten Art sagt: &#8220;Für den, der es mag, ist es das Höchste&#8221;.</p>
<p>Auffällig natürlich der Titel: <em>ZUG-</em>Vögel. So ganz löse ich mich nicht von der Bahn und ihrer Abofalle. Im Gegensatz zu Opernabos sind nämlich Bahncards nicht einmal übertragbar, und auf die Oper bin ich nicht böse. Die Bahn hingegen hat inzwischen die nächste Runde eingeleitet. Obwohl ich wirklich deutlich gesagt habe, wieso ich nicht bezahlt habe, hat sie die Sache einem Inkassobüro übergeben, das mir netterweise Ratenzahlung angeboten hat. Ich habe brav geantwortet, dass die Forderung bestritten wurde. Kein Fall für ein Inkasso.</p>
<p>Und wieder einmal bin ich entsetzt, was die Bahn so macht, nur um meine Briefe vom Sommer nicht wirklich lesen zu müssen. Da stand eigentlich alles drin. Jetzt muss ich auch noch aufpassen, dass mir nicht doch irgendein Schreiben durch die Lappen geht, nicht dass an Heiligabend der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht. Am besten entzünde ich ein paar Räucherstäbchen,</p>
<p class="finish">am Altar des Abophales</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://www.bayerische.staatsoper.de/" target="_blank"><em>Bayerische Staatsoper</em></a></p>
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		<title>Urheberrechte auf molossisch</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2009/11/06/menschenrechte-und-urheberrechte/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 21:59:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Thema Urheberrechte scheiden sich die Geister, nicht erst seit der Erfindung des Internet. Auch hier in diesem Blog war schon viel dazu zu lesen, beispielsweise über den langen und teilweise verbissenen Kampf der Musikindustrie gegen sogenannte &#8220;Piraten&#8221; und &#8220;Raubkopierer&#8221;. Ein großer Schlag schien gelungen, als im August die schwedische Justiz die Betreiber von &#8220;Pirate [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-1806" title="492px-Pyrhhus_-_Ny_Carlsberg_Glyptotek,_Copenhagen,_Den.JPG" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/11/492px-Pyrhhus_-_Ny_Carlsberg_Glyptotek_Copenhagen_Den.JPG-246x300.jpg" alt="492px-Pyrhhus_-_Ny_Carlsberg_Glyptotek,_Copenhagen,_Den.JPG" width="246" height="300" />Am Thema Urheberrechte scheiden sich die Geister, nicht erst seit der Erfindung des Internet. Auch hier in diesem Blog war schon viel dazu zu lesen, beispielsweise über den langen und teilweise verbissenen Kampf der Musikindustrie gegen sogenannte &#8220;Piraten&#8221; und &#8220;Raubkopierer&#8221;. Ein großer Schlag schien gelungen, als im August die schwedische Justiz die Betreiber von &#8220;Pirate Bay&#8221; zu drastischen Strafen verurteilte. Wobei &#8220;drastisch&#8221; nicht reicht, das waren Strafen, die sich ein bis dahin unbescholtener Bürger mit kaum einem anderen Vergehen eingefangen hätte. Allerorten wurden hochbeglückte Musikmanager gesichtet, mit Champagnergläsern.</p>
<p>Ein überragender Sieg also? <span id="more-1804"></span>Was kaum berichtet wurde: Die Betreiber von Pirate Bay haben ja gar keine illegalen Inhalte gespeichert, nur <em>Fundorte</em> von Inhalten, deren teilweise Illegalität sie in Kauf genommen haben. Und vielleicht wäre ihnen nicht so viel passiert, wenn sie sich nicht ausgerechnet &#8220;Pirate Bay&#8221; genannt hätten. Das war wohl provokant &#8211; und ich hoffe, ich irre mich, denn das hieße ja nichts anderes als daß sie für ihren Namen so drastisch bestraft wurden, quasi als freche Dissidenten. Im Umkehrschluß heißt das natürlich auch, daß mit der Löschung der Website der Piraten einfach die Lagerliste weggeworfen wurde. Die Inhalte sind aber alle noch da. Im Netz. Auf tausendenden Rechnern.</p>
<p>Die Software von Pirate Bay ist so gesehen nichts anderes als eine Suchmaschine. Eine gute, übrigens. So gut, daß sie gerettet wurde, obwohl das Gericht die Zerstörung angeordnet hatte. Kurz nach dem Urteil lagen Software und Indexdaten in vielen Kopien an vielen Stellen im Netz. Übrigens recht analog den Inhalten, zu denen der Zugang verhindert werden sollte.</p>
<p>Und somit gab es nach kürzester Zeit nicht mehr nur ein Pirate Bay, sondern ganz viele davon. Das hat auch der Anti­viren­soft­ware­her­steller McAfee beobachtet. In seiner vierteljährlichen Studie &#8220;<a href="http://www.mcafee.com/us/local_content/reports/7315rpt_threat_1009_de.pdf" target="_blank">McAfee Threat-Report</a>&#8221; auf Seite 13 wird von einem &#8220;Pirate-Bay-Effekt&#8221; berichtet:</p>
<blockquote><p>Wir beobachten die wachsende Beliebtheit von Webseiten, die verschiedenste Inhalte wie illegale Software oder urheberrechtliche geschützte Werke wie Filme und ähnliches hosten. Im Herbst 2008 stieg die Anzahl von Webseiten, über die illegale Anwendungen angeboten wurden, stark an (siehe Abbildung 16). Dazu können viele Faktoren beigetragen haben: die schlechte Wirtschaftslage, verbesserte Webseiten-Tools zum einfachen Veröffentlichen und Austauschen von Daten, die Jahreszeit, das aktuelle Kinoprogramm, u.v.m. Einen ähnlichen Anstieg beobachteten wir kurz vor Beginn des Kinosommers. <em>Am auffälligsten war jedoch der sprunghaft gestiegene Höchstwert solcher Webseiten während der Stilllegung von The Pirate Bay</em>.</p></blockquote>
<p>Es scheint einfach so zu sein, daß vielen Menschen das freie Austauschen von Musik und anderen Inhalten schlicht wichtig ist. So wichtig, daß die eventuelle Strafbarkeit oder ethische Bedenken geringer erachtet werden als die persönlichen Nachteile im Falle der Abstinenz. Hieße nun, die Kopiererei zu ignorieren, sich <em>dem Druck der Straße</em> zu beugen, wie manche formulieren? Oder gibt es einen Grundbedarf an einfach zu erlangenden Inhalten, was ja auch ein Anzeichen für Kultur sein könnte? Und vielleicht ist das ja auch schon die Lösung, der legale Einkauf darf eben nicht viel schwieriger sein als das ggf. illegale &#8220;Saugen&#8221;. Guter Wille und neue ökonomische Modelle wären vermutlich recht erfolgreich.</p>
<p>Der &#8220;vernichtende Schlag&#8221; war also ein Schlag ins Wasser. Schlägt man der Hydra einen Kopf ab, wachsen zwei nach. Und dennoch, mein Mitleid mit der Musikindustrie hält sich in Grenzen. Das liegt weniger daran, daß ich den Künstlern ihre Tantiemen nicht gönne &#8211; das Gegenteil ist der Fall &#8211; sondern eher daran, mit welchen Methoden die Musikindustrie ins Feld gezogen ist. Wären nur Bruchteile der Phantasie, die auf die Erschwerung der Tauscherei verwendet wurde, auf wirklich intelligente und moderne Konzepte verwendet worden, wäre das Problem nicht so gravierend.</p>
<p>Wie also nennen wir den &#8220;Sieg&#8221; der Musikindustrie? Seit 279 vor Christus haben solche Siege einen Namen. Einem König der Molosser gelang es, immer wieder den Römern Niederlagen zu bereiten, aber jeder Sieg war mit solchen Verlusten verbunden, daß er, der Sieger, die besiegten Römer um Frieden bitten musste, den sie ihm noch nicht einmal gewährten, denn sie schätzten die Qualität seiner Siege ähnlich ein wie er. Er sagte, &#8220;noch so ein Sieg, und wir sind verloren&#8221;. Die Rede ist von jenem unglücklichen König Pyrros (lateinisch &#8220;Pyrrhus&#8221;) und seinen</p>
<p class="finish">Pyrrhus-Siegen</p>
<p><em>Photo: Henry Seutsan, via Wikipedia</em></p>
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		<title>Die Kulturflatrate</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jul 2009 12:40:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt Probleme, die sind nicht einfach zu lösen, und es gibt welche, die wären einfach, dächte nur einmal jeder der Beteiligten vernünftig und vorurteilsfrei nach. Und es gibt Probleme, da verkünden alle Beteiligten, alles wäre so ein­fach, aber bei näherer Betrachtung wird es nur immer komplizierter. Das Urheberrecht im Jahr 40 nach Erfindung des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-1598 alignright" title="Kulturbeutel" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/07/Kulturbeutel-300x217.jpg" alt="Kulturbeutel" width="328" height="234" />Es gibt Probleme, die sind nicht einfach zu lösen, und es gibt welche, die wären einfach, dächte nur einmal jeder der Beteiligten vernünftig und vorurteilsfrei nach. Und es gibt Probleme, da verkünden alle Beteiligten, alles wäre so ein­fach, aber bei näherer Betrachtung wird es nur immer komplizierter.</p>
<p>Das Urheberrecht im Jahr 40 nach Erfindung des Internet ist da so ein Fall. <span id="more-1589"></span>Die einen sagen, klare Sache, was Recht ist, muss Recht bleiben, hinter den Rechten der sogenannten Rechteinhaber müßte sich alles einreihen. Bürgerrechte, Ver­hält­nis­mäßig­keits­grund­satz, alles ganz nett, solange die Umsätze stimmen. Die anderen sagen, simple Sache, jeder bezahlt seinen Obolus und darf darauf­hin kopieren aus dem Netz, wonach ihm der Sinn steht. Alles, was irgend­wie unter den Be­griff Kultur fällt. Und von den Ein­nahmen werden die Künstler bezahlt. Das nennt sich dann Kultur­flatrate.</p>
<p>Klingt doch prima, das zweite. Dem Recht Gehör verschaffen, indem man es abschafft und durch etwas Zeitgemäßeres ersetzt. Simpel und genial. Aber es gibt Einschränkungen. Zuerst, ganz klar, wieviel darf die Flatrate denn kosten? Ein Obolus kann viel sein oder wenig. In der Antike war ein Obolus immerhin der achte Teil einer Drachme und damit ausreichend Geld, um Charon zu bezahlen, den Fährmann, welcher die Toten über den Styx bringt. Jedem Griechen wurde bei seiner ordentlichen Beerdigung ein Obolus unter die Zunge gelegt, damit er nicht schwarz fahren müsse. Immerhin also eine Silbermünze, nicht zu verwechseln mit wirklich geringfügigen Beträgen. So wird als Preis für die Kulturflatrate bereits durchaus ein Betrag von 50 Euro gehandelt.</p>
<p>Viele geben mehr für Kultur aus. Viele aber auch wieder nicht. Viele haben keine 50 Euro im Monat übrig, aber sie haben 20 Euro für Internet. Ist eine Internetkulturflatrate ein Angebot, das man nicht ablehnen kann? Oder gibt es, vermutlich im sozialdemokratischen Lager, die Ansicht, Kultur sei ein Menschenrecht, das allen Menschen notfalls also auch kostenlos zustünde? Wird somit die sogannte Flatrate zum weiteren Rädchen in der Umverteilungsmaschinerie? Darüber muß sich die Gesellschaft erst noch klar werden.</p>
<p>Aber es gibt weitere Fragen. Zum Beispiel, was ist Kultur? Zeitungen, Bücher, Fachliteratur, Theater, Oper und Konzerte, Malerei und Bildhauerei, Graphiken, Spielfilme, Musik. Und wer soll das Geld bekommen, nur die Künstler? Oder auch Rechteverwerter und Händler? Kommt es vielleicht gar &#8220;darauf an&#8221;? Sind Interpreten Künstler? Sind Übersetzer Künstler? Sind Hörbuchsprecher Künstler? Hoffentlich ja, aber wer bekommt nun das Geld für eine Coverversion eines alten Hits? Der Komponist, der Studiomusiker, der Remixer, das Label? Bei näherer Betrachtung läßt sich das alles nicht über einen Kamm scheren. Bücher lassen sich nicht verlustfrei kopieren, nur ihre Inhalte. Aus dem Inhalt wieder ein Buch zu machen, eines zum Anfassen mit Papier, Einband und Schutzumschlag, kostet vermutlich mehr als das Buch ordentlich zu kaufen. Dennoch haben Verleger große Schwierigkeiten mit dem Netz &#8211; vor allem im schnellebigeren Bereich der Zeitungen und Magazine. Aber auch wenn die Verlegerlobby derzeit ordentlich Staub aufwirbelt, so ist es doch hauptsächlich die Musikindustrie, denen ihre Milliardengewinne wegbrechen und die nun schon seit geraumer Zeit zum Krieg blasen.</p>
<p>Beschränken wir uns für heute also zunächst auf die Musik. Tun wir so, als gebe es eine Kulturflatrate für Musik, ein gerechtes Modell. Wie sähe das aus? Alles Flat? Natürlich nicht. Nur das, was man aus dem Internet zieht. Genauer, das, was man derzeit illegal aus dem Internet zieht. Denn was man derzeit legal bekommt, ist entweder bezahlt, wie bei itunes und anderen Online-Musikläden, oder eben frei ins Netz gestellt, mit der Lizenz zur freien Kopie. Nun, damit wäre schnell Schluß in Zeiten der Flat Rate. Online-Musikläden wären sofort tot und ganz freie Projekte wären zwar idealistisch, aber ungeschickt. Heute könnte so etwas durchaus ein Geschäftsmodell sein, die kondensierte Abstraktion des Independent-Label, wie sie durch das Internet erst möglich würde. Mit einer Kulturflatrate wäre es gerade noch ein Hobby für Liebhaber, eine Beschäftigung also für Dilettanten (<em>dilettare</em> (ital.) aus <em>delectare</em> (lat.) &#8211; sich an etwas erfreuen, der Liebhaberei frönen). Aber wenigstens alle Musik für jeden?</p>
<p>Nun, ist die Musik der Spätrenaissance Kultur? Nach sicher doch. Nur werden es sich außer mir vermutlich nur noch ein paar tausend Leute anhören, im Gegensatz zu der im Moment angesagten Musik, die  von Millionen gehört wird. Könnte man hier noch von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen, so werde ich aber leider große Schwierigkeiten haben, &#8220;meine&#8221; Musik im Netz zu finden. Flat rate, da schwingt wieder dieser <em>all you can eat</em>-Gedanke mit. Bleiben wir bei der Musik. Wußten Sie, daß taube Menschen von der Bezahlung der Rundfunkgebühr befreit sind? Wohnen sie nicht allein, müssen sie nachweisen, daß sie das Radio nur für sich selbst haben. Dasselbe gilt für Blinde und ihre Fernseher (Quelle: <a href="http://www.schwerbehinderung-aktuell.de/include.php?path=content/articles.php&amp;contentid=478" target="_blank">www.schwerbehinderung-aktuell.de</a>). Müssen also Taube auch für Musik im Netz bezahlen? Oder nur, wenn sie nicht nachweisen können, dass alle Musik, die sie runterladen, ausschließlich von ihnen gehört wird? Gehen wir also davon aus, daß sich das nur lösen läßt, wenn alle bezahlen, vom Tauben zum Blinden, vom Säugling zum Greis.</p>
<p>Und wer bekommt das Geld? Und wie viel davon? Was sich bei Musik zweifelsfrei messen läßt ist die Länge und die Anzahl der Downloads. Letztere ist ungeeignet, denn sie muß mit der Anzahl der Hörer nichts zu tun haben. Die einen laden das Musikstück einmal und hören es von früh bis spät, die anderen laden das Musikstück im Stundentakt, aber sie hören es nicht, weil sie nur <a href="http://www.svb.bayern.net/2009/07/10/claqueure/" target="_blank">Software sind, um die Statistiken aufzuhübschen</a>. Also die Länge. Wirklich? Wollen wir uns darauf einlassen, dass Musik nach ihrer Dauer bezahlt wird nach einem festgelegten Schlüssel, x% für den Komponisten, y% für die Interpreten, und irgendwer bezahlt sicher auch das Aufnahmestudio. Aber dann werde ich Komponist. Ich schreibe vor allem lange Stücke in C-Dur. Streit ist also vorprogrammiert.</p>
<p>Die Musikindustrie beäugt die Diskussion sicher auch argwöhnisch. Bis jetzt kam sie nicht vor in der Liste der Geldempfänger, höchstens als Sponsor des Aufnahmestudios. Oder als Betreiber einer kostenlosen Downloadplattform. Die Kulturflatrate ist also vermutlich nicht die Lösung, viel zu viele Fragen sind noch nicht geklärt. Eine <a href="http://www.boersenverein.de/sixcms/media.php/976/Fragenkatalog_Kulturflatrate.pdf" target="_blank">interessante Liste von Fragen</a> hat beispielsweise der Börsenverein des Buchhandels und ein paar andere Verbände gestellt. Klare Lobbyarbeit, aber doch geeignet aufzuzeigen, dass auch außerhalb der Musikbranche eine Kulturflatrate schwer einzuführen ist. Gruselig, dass einige Parteien die Einführung bereits in ihren Grundsatzprogrammen stehen haben.</p>
<p>Natürlich gab es einmal eine Kulturflatrate, nämlich bei den Römern. Kultur zum Einheitstarif. Nur daß bei den Römern dieser Tarif der Nulltarif für die Besucher war und die Künstler aus der Tasche des Veranstalters bezahlt wurden, zumindest die Künstler, die die Veranstaltung überlebten. Vielleicht retten sich die Parteien ja mit</p>
<p class="finish">panem et circenses?</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://www.unikum.ac.at/kh/produkte/kulturbeutel.htm" target="_blank"><em>www.unikum.ac.at</em></a></p>
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		<title>Luxus und Dekadenz</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 14:18:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kennen Sie Santa Barbara? Auf der ganzen Welt gibt es vermutlich über fünfzig davon, allein neun in Mexico. Aber hier ist die Rede von dem Santa Barbara in Kalifornien. Wo die Reichen und Schönen wohnen. D.h., zur Zeit wohnen. Oder zumindest einen Wohnsitz unterhalten, das trifft es vermutlich am besten. Früher waren das eher Städte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1494" title="lu_Nymphe" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_Nymphe.jpg" alt="lu_Nymphe" width="100" height="100" /><img class="alignright size-full wp-image-1495" title="lu_tischfuss" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_tischfuss.jpg" alt="lu_tischfuss" width="100" height="100" />Kennen Sie Santa Barbara? Auf der ganzen Welt gibt es vermutlich über fünfzig davon, allein neun in Mexico. Aber hier ist die Rede von <em>dem</em> Santa Barbara in Kalifornien. Wo die Reichen und Schönen wohnen. D.h., zur Zeit wohnen. Oder zumindest einen Wohnsitz unterhalten, das trifft es vermutlich am besten. Früher waren das eher Städte wie Antibes oder Cannes. Und noch früher war es Baiae, am Golf von Neapel, oder Herkulaneum, Bauli oder Pompeii. Dort, in der Umgebung von Neapel, versammelte sich früher die Elite aus Herkunft, Macht und Geld.</p>
<p><span id="more-1486"></span>In Baiae hatte die Prominenz aus Rom ihre Villen, und wenn man sagt &#8220;Prominenz&#8221;, dann darf man sich darunter wirklich die Prominenten vorstellen, nicht die &#8220;Promis&#8221;. Caesar und Brutus, Cicero und Verres, Seneca und Nero, alle hatten hier Villen. Cicero sogar gleich mehrere davon, nicht nur in Baiae, sondern eigentlich in fast jedem Ort der Gegend eine. Klingt protzig und war auch so gedacht. Als <em>homo novus</em>, also nicht aus einer adeligen Familie stammend, hatte dieser große Mann eine ausgesprochene Achillesferse in gesellschaftlichen Fragen. Heute hieße man so einen &#8220;Selfmademan&#8221;. Das hat den Neureichen abgelöst, oder den Parvenü. Alles dasselbe, seit tausenden Jahren belächelt man den Aufsteiger, nicht den Erben.</p>
<p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-1496" title="lu_orestpylades" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/lu_orestpylades.jpg" alt="lu_orestpylades" width="100" height="100" /></strong><img class="alignright size-full wp-image-1497" title="bild1" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/bild1.jpg" alt="bild1" width="100" height="100" />Aber wie ging es weiter damals? Wissen wir. Pompeii ging unter im Aschenregen des Vesuvs elf Tage nach den Iden des Sextember, der seit ein paar Dezennien August genannt wurde, im Jahre 832 a.u.c., mittags. Heute würde man sagen 24.8.79 nach Christus, 13 Uhr. Fast zeitgleich kam die Lava nach Herculaneum &#8211; die beiden Städte sollten sich nie wieder erholen. Baiae ereilte ebenfalls ein Schicksal, wenngleich nicht so heftig für die Bewohner: Es ging unter, im wahrsten Sinn des Wortes, und liegt heute zum größten Teil unter Wasser. Der Untergang ausgerechnet solcher Städte hat nicht nur heutige Archäologen beeindruckt. Bereits in der Antike kritzelte jemand einen Vergleich mit Sodom und Gomorrha an eine Wand in Pompeii. Die Archäologen sind uneins, war das eine Warnung oder eine Quittung? Vermutlich letzteres. Jedenfalls gab es 79 nach Christus bzw. ein halbes Jahrhundert nach seiner Hinrichtung schon Leute auf der italischen Halbinsel, die die biblischen Geschichten zitieren konnten.</p>
<p>Dem ganzen Thema kann man sich derzeit in München nähern, es gibt eine fabelhafte <a href="http://www.lwl.org/ausstellung-herculaneum/cms/front_content.php?idcatart=39" target="_blank">Ausstellung: Luxus und Dekadenz</a>, in der archäologischen Staatssammlung am Englischen Garten, hinter dem Nationalmuseum. Dort lohnt es sich den Fragen nachzuspüren: Was ist gleich wie damals? Und was ist anders? Bankiers, die mit Hilfe von Spekulationen ein Vermögen verdienten. Ein Mann, der sich vom Sklaven hocharbeitete und als Freigelassener bei seinem Tod gut 4000 Sklaven hinterließ und 16 Millionen Sesterzen, die eine Million Sesterzen nicht mitgerechnet, die er für sein Begräbnis auf die Seite gelegt hatte. Zum Vergleich: Der Stundenlohn damals betrug typischerweise ein As, fünf Asse waren zwei Sesterzen. Der Freigelassene gab also für sein Begräbnis mehr aus, als ein normaler Arbeiter oder ein Soldat in eintausend Jahren mit täglich 10 Stunden Arbeit verdienen konnte. Dann war da noch die Statue eines Mannes, der als Steuerpächter das heutige Libyen so ausplünderte, daß selbst seine Landsleute eine Augenbraue hoben. Darauf spendierte er seiner Stadt eine neue Stadtmauer und entging einer Untersuchung.</p>
<p>Und schon damals hatten die Menschen Sinn für Kunst und Handwerk, für Dinge, die sie oft selbst nicht herstellen konnten. Die besten Statuen kamen aus Griechenland, Eisen und Stahlkonstruktionen von den Kelten und den Iberern, Glas aus Germanien oder aus Asia minor. Der Goldnachschub versiegte nicht, in Hispanien wurden ganze Flüsse umgeleitet, um die reichen Goldvorkommen aus den Gebirgen freizuwaschen. In den Manufakturen werkelten die Sklaven, das steuerte seinen Teil bei, aber das beste war immer noch die Steuerpacht: Wer sich in der Politik verdient gemacht hatte, durfte ein paar Jahre irgendeine Provinz ausplündern. Das lohnte sich, das geplünderte Geld reichte oft mehrere Generationen. Die Oberklasse war also reich. Sozusagen stinkreich, auch wenn <em>pecunia non olet</em>.</p>
<p>Gleichzeitig steckte Rom in den 70ern und frühen 80ern in einer heftigen Wirtschaftskrise, die allerding weniger mit dem Vulkanausbruch zu tun hatte, mehr mit Aufständen in den Provinzen, deren Niederschlagung immer kostspieliger geworden war, bei gleichzeitig schwindender Opferbereitschaft der römischen Bürger und immens angestiegenen Staatsausgaben und einer sich immer weiter aufblähenden Bürokratie. Neros Regierungszeit war 68 zuende gegangen. Wie auch immer man zu ihm steht, ob er nun ein großer Künstler war oder ein bluttriefender Despot, in jedem Fall war der Römische Staat von ihm ruiniert worden, oder er hatte den Ruin nicht verhindert. Nicht nur mit der Erfindung der Inflation, angeblich hatte er ja das Gold in den Münzen mit minderwertigen Metallen gestreckt, um den Staatsbankrott abzuwenden. Damit ruiniert man den Staat nicht, das ist ja heute ein anerkanntes Mittel zur Staatsfinanzierung.</p>
<p>Aber zurück: Wie hätte damals die Oberschicht dieses Verhängnis erkennen können? In einem Hausstand, in dem rationaler Einsatz von Arbeitskräften keine Rolle spielte? Wo es für den Status nur darauf ankam, möglichst viele Sklaven zu haben? Was für Jobs gibt es denn in einem Haus für ein paar hundert Leute? So entstanden die erstaunlichsten &#8220;Berufe&#8221;, Perlenkästchenbewahrer, Speisenabräumer, Zeitansager, Terminplaner, so langweilten sich die Sklaven wenigstens nicht gar zu sehr. Am nützlichsten war sicher der Einflüsterer. Wenn einem jemand auf der Strasse entgegenkam, den man kennen sollte, flüsterte dieser Sklave den Namen des Betreffenden in das Ohr seines Herrn. Wundervoll!</p>
<p>Trotzdem, die Anzeichen von Dekadenz sind nicht zu übersehen. Aber die vorläufige Rettung für das Römische Reich nahte in Gestalt des gütigen und vernünftigen Vespasianus, der seine Ohren gegenüber den nach Gold schreienden Hofschranzen verschloß und dem ganzen Staat eine Schlankheitskur verpaßte, die ihresgleichen suchte. Das ging so weit, dass die öffentlichen Bedürfnisanstalten Eintritt verlangten, was sogar seinem Sohn Titus, dem späteren Kaiser Titus, peinlich war. Vespasian sagte aber eben nur sein berühmtes: Geld stinkt nicht, <em>pecunia non olet</em>.</p>
<p>Zurück zur Ausstellung: Was es damals nicht gab, waren Computer und ihre ganz besonderen Möglichkeiten. Ausgesprochen faszinierend anzusehen sind die virtuellen Rundgänge durch römische Villen, die man auf den vielen Monitoren erleben kann. Marmor, viel Wasser, und bronzene Treppengeländer, wie man sie heute hauptsächlich in Amerika antrifft. Eine Badewanne mit Heizung &#8211; wichtig, wenn man nicht heisses Wasser nachlaufen lassen kann, weil man ja in Eselsmilch badet wie Poppaea, die Frau des Nero, die damit der Alterung vorbeugen wollte. Ihr Mann Nero hat ihrer Alterung allerdings noch nachhaltiger vorgebeugt. Und last but not least Alltagsgegenstände, die in keiner Küche fehlen dürfen, zum Beispiel ein Tonkrug zum Mästen von Siebenschläfern. Und gefüllte Siebenschläfer mit Honig und Mohn sind doch einfach zu köstlich, viel besser als gebackene Otternasen (&#8220;Leben des Brian&#8221;) oder eingelegte Nachtigallzungen (&#8220;Asterix&#8221;).</p>
<p>Zwei Stunden benötigt man für einen konzentrierten Rundgang, das ist nicht schlecht für</p>
<p class="finish">eine Zeitreise über 2000 Jahre.</p>
<p><em>Bildquelle: Alle Abbildungen habe ich </em><a href="http://www.lwl.org/ausstellung-herculaneum/cms/front_content.php?idcatart=39" target="_blank"><em>im Museum</em></a><em> geklaut</em>. Hoffentlich durfte ich das.</p>
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