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	<title>SvB-Blog &#187; Moral</title>
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	<description>Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)</description>
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		<title>Eis&#8217;n&#039;Bahn</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/12/23/eisnbahn/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 22:23:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist langweilig, auf der Bahn rumzuhacken. Das überlassen wir ihnen lieber selbst. Auf ihrer eigenen Website steht so einiges, was kaum zu fassen ist: Die Bahn rechnet am Sonntagnachmittag mit Kapazitätsengpässen aufgrund von Flugausfällen und eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit Aufgrund des starken Reisendenandrangs durch ausfallende Flugverkehre ist am Sonntagnachmittag mit teilweise erheblichen Kapazitätsengpässen auf wichtigen Fernverkehrsstrecken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3075 aligncenter" title="Bild 5" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/12/Bild-5.png" alt="" width="790" height="468" /></p>
<p>Es ist langweilig, auf der Bahn rumzuhacken. Das überlassen wir ihnen lieber selbst. Auf <a href="http://www.bahn.de/p/view/home/info/wintereinbruch.shtml" target="_blank">ihrer eigenen Website steht so einiges</a>, was kaum zu fassen ist:<span id="more-3074"></span></p>
<blockquote>
<h3>Die Bahn rechnet am Sonntagnachmittag mit Kapazitätsengpässen aufgrund von Flugausfällen und eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit</h3>
<p>Aufgrund des starken Reisendenandrangs durch ausfallende Flugverkehre ist am Sonntagnachmittag mit teilweise erheblichen Kapazitätsengpässen auf wichtigen Fernverkehrsstrecken der Deutschen Bahn zu rechnen. Zum ohnehin hohen Fahrgastaufkommen am Sonntag kommen witterungsbedingte Fahrzeugengpässe durch Schnee und Eis. Die Bahn setzt zurzeit alle verfügbaren Mitarbeiter und Züge ein, um die Beeinträchtigungen für die Fahrgäste möglichst gering zu halten. Trotzdem muss auf einigen Strecken, usw. usf.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Daher kommt es weiterhin zu teilweise erheblichen Verspätungen und einigen Ausfällen.</p></blockquote>
<p>Verkehre? Es gibt Worte, von denen gibt es keinen Plural. <em>Milch</em>. <em>Gesundheit</em>. <em>Verkehr</em>. Eben! Daß die <em>Verspätung</em> einen Plural hat, danken wir auch erst der Bahn. &#8220;Verspätungen&#8221;, das sind doch immer Züge, oder? Mit dem Auto verspätet man sich höchstens individuell.</p>
<p>Nachgerade gruselig ist der Umstand, daß die Seite nicht datiert ist. Lohnt sich nicht. Irgendwie stimmt das ja immer, also daß es zu Verspätungen kommt. Die Gründe werden vielleicht aus einer Datenbanktabelle geholt. Obwohl, die URL spricht dagegen: www.bahn.de/p/view/home/info/wintereinbruch.shtml &#8211; Winter-<em>Einbruch</em>? Eintreffende Schneeflocken sind einzeln anzukündigen und separat transportzuversichern (auch so ein Bahnwort)? Na gut, alle reden vom Wetter, wir nicht &#8211; das war der Claim der Bahn, lange bevor so etwas Claim hieß bei uns. Heute redet man also von eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit, wohl um das Wort &#8220;marode Flotte&#8221; zu vermeiden.</p>
<p>Die Amerikaner haben ja oft eine schlechte Presse hierzulande, aber hier können wir uns eine Scheibe von ihnen abschneiden:</p>
<p><center><iframe title="YouTube video player" class="youtube-player" type="text/html" width="480" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/MlA2INOpT78" frameborder="0" align=center></iframe></center></p>
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		<title>Bilderstürmer (2)</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/10/31/bildersturmer-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Oct 2010 12:03:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Montag, den 25. Oktober, gab es in Berlin ein sogenanntes &#8220;Expertengespräch&#8220;. Das ist eine Sitzung eines Bundestagsausschusses, oder, wie hier, eines Unterausschusses, zu der Sachverständige geladen werden und Politiker. Thema der Veranstaltung: Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch im Internet. Ob es sinnvoll ist, gegen die Darstellung zu kämpfen anstatt mit aller Kraft gegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag, den 25. Oktober, gab es in Berlin ein sogenanntes &#8220;<a href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/31880353_kw43_pa_neue_medien/index.html" target="_blank">Expertengespräch</a>&#8220;. Das ist eine Sitzung eines Bundestagsausschusses, oder, wie hier, eines Unterausschusses, zu der Sachverständige geladen werden und Politiker. Thema der Veranstaltung: Kampf gegen die Darstellung von Kindesmissbrauch im Internet. Ob es sinnvoll ist, gegen die <em>Darstellung</em> zu kämpfen anstatt mit aller Kraft gegen den Missbrauch an sich, wurde hier bereits thematisiert. Ich war als Experte eingeladen.</p>
<p>Jeder Experte mußte vor der Veranstaltung ein Statement vorlegen. In <a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/stellungnahme_space_net.pdf" target="_blank">meinem Statement</a> legte ich dar, wieso Sperren niemals funktionieren. <span id="more-2861"></span>Allerdings auch, wieso Löschen kein Allheilmittel ist und was man statt dessen tun sollte. Interessanterweise schien das niemand zu interessieren. Sehr schnell wurde klar, daß die anwesenden Abgeordneten, die sich an dem Gespräch beteiligten, alle dem Sperren recht skeptisch gegenüberstanden und daher für das Löschen eintraten. &#8220;Opposition&#8221; kam also weder von der Regierung, noch von der Opposition, sondern vom BKA, dessen Präsident Ziercke an der Sitzung teilnahm. Nicht als Politiker, sondern als Sachverständiger, aber das war vom bloßen Zuhören nicht klar.</p>
<h3>Experten</h3>
<p>Was bringt so ein Expertengespräch? Zu einem produktiven Gespräch gehört für mich das gemeinsame Ringen um die Wahrheit. Wenn einer etwas sagt, dann sollte es doch erst einmal egal sein, von welcher Partei er ist. Interessant ist doch nur, ob er er recht hat. Und da ist es kontraproduktiv, wenn beispielsweise die grünen Teilnehmer über den schwarzen Teilnehmer herziehen, nur weil der recht intelligente Dinge sagt. Kritikpunkt: Das sei doch der grüne Standpunkt und nicht der schwarze. Soll er sich jetzt dafür rechtfertigen, dass er recht hat? Oder dass er nicht dumm-mutig den als falsch erkannten Standpunkt weiter vertritt? Als geladener Experte fühlt man sich da unwohl.</p>
<p>Lustigerweise wurde mein vom Steuerzahler finanziertes Papier nicht einmal besprochen. Wurde das Papier vielleicht gelesen, aber nicht geglaubt? Dann hätte ich an deren Stelle ja die Gelegenheit genutzt, mir, dem Autor, auf den Zahn zu fühlen. Ich meine es nicht böse, im Gegenteil, ich will den Beteiligten ja nur den Bigbrotheraward ersparen. In Österreich sind die Netzsperrenbefürworter Sieger in der <a href="http://www.bigbrotherawards.at/2010/Preisträger" target="_blank">Kategorie lebenslanges Ärgernis (Quelle: Bigbrotheraward.at)</a> geworden:</p>
<blockquote>
<h3>Die Internetabsperrer</h3>
<p>Die amtlichen Stopptaferlaufsteller, deren Vorgangsweise &#8211; Manipulation des Domain Name Systems &#8211; jener der Phishing-Betrüger technisch zum Verwechseln ähnlich ist, sind nicht die einzigen Internetabsperrer. Massives Interesse daran hat auch die Medien- und Unterhaltungsindustrie, sowie jene Politiker, die sich von dieser Lobby Vorteile für die Öffentlichkeitsarbeit versprechen. In welch engem Verhältnis zwei völlig ungleiche Delikte wie Downloads von urheberrechtsgeschütztem Material und sexueller Missbrauch von Kindern stehen, lassen wir am besten einen Vertreter der genannten Lobby selbst erklären. Wörtliches Zitat von Johan Schlüter, Anwalt und Lobbyist der International Federation of Phonographic Industries in Dänemark auf einer Veranstaltung der amerikanischen Handelskammer in Stockholm am 27. Mai 2007: &#8220;Kinderpornografie ist großartig, weil sie von Politikern verstanden wird. Wenn wir diese Karte spielen, kriegen wir sie dazu, zu handeln und Websperren einzuführen. Wenn das geschafft ist, werden sie auch bereit sein, Filesharing-Sites zu blockieren.&#8221;</p></blockquote>
<p>Weht der Wind wirklich daher? Ähnliches war bereits auch bei uns oft im Netz zu lesen. Ich war aber nicht als Experte für Verschwörungstheorie eingeladen, sondern als Sachverständiger in Sachen Internetprovider und Technik. Das wiederum hat Herrn Ziercke (BKA) ein bisserl in Bedrängnis gebracht. Nachdem er erkannt hatte, daß dies nicht der Tag der Stoppschildhersteller werden würde, wich er aus auf sein anderes großes Thema, die Vorratsdatenspeicherung. Er führte aus, daß man der Kinderpornographie nicht Herr würde, wenn man nicht auf diese Daten Zugriff bekäme.</p>
<h3>Ablenken vom Thema</h3>
<p>Das war natürlich Bluff: Die Vorratsdatenspeicherung betrifft vor allem die schnell wechselnden Internetadressen von Einwählzugängen, nicht die der Server. Wer also nach der Vorratsdatenspeicherung ruft, will vor allem gegen die <em>Konsumenten</em> ermitteln. Nicht jedoch gegen die Anbieter. Darauf wies ich hin, aber damit zog ich mir den Unmut von Herrn Ziercke zu, der meinte, er habe das nie gesagt. Ungefähr 10 Minuten, nachdem er das gesagt hatte.</p>
<p class="finish">Das ist dann wohl wieder Politik.</p>
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		<title>Bilderstürmer</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Oct 2010 11:12:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mit der Reformation, hauptsächlich in den Niederlanden und in der Schweiz, wurde ein Gebot wieder ausgegraben, das in den 10 Geboten enthalten ist, aber von der katholischen Kirche auffällig ignoriert wurde: Das Bilderverbot, worüber hier schon mal was zu lesen war. Wer also gegen die als gottlos empfundene Heiligenverehrung kämpfen wollte und gegen die Divinisierung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/bildersturm.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2864" title="bildersturm" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/bildersturm-170x300.jpg" alt="" width="170" height="300" /></a>Mit der Reformation, hauptsächlich in den Niederlanden und in der Schweiz, wurde ein Gebot wieder ausgegraben, das in den 10 Geboten enthalten ist, aber von der katholischen Kirche auffällig ignoriert wurde: Das Bilderverbot, worüber <a href="http://www.svb.bayern.net/2008/02/10/du-sollst-nicht-lugen/" target="_blank">hier schon mal was zu lesen </a>war.</p>
<p>Wer also gegen die als gottlos empfundene Heiligenverehrung kämpfen wollte und gegen die Divinisierung der Muttergottes, tat dies gelegentlich, indem er gegen deren Bilder kämpfte. Unschätzbare Kunstwerke wurden zerstört, ohne dem Ziel näher zu kommen &#8211; da standen unseren Vorfahren noch lange und blutige Kämpfe bevor. Kämpfe gegen echte Institutionen, nicht gegen Abbilder. Daher wird der Begriff des &#8220;Bilderstürmers&#8221; heute meist etwas geringschätzig gebraucht.</p>
<h3>Bilderstürmer heute</h3>
<p>In unseren Parlamenten in Berlin und Brüssel sitzen ein paar Bilderstürmer. Wir erinnern uns an die Diskussionen der jüngeren Vergangenheit, an die Stichworte &#8220;Zensursula&#8221; und &#8220;Stoppschilder&#8221;. <span id="more-2849"></span>Das war kein spezifisch deutsches Thema. Wie man sah, beschäftigte das auch unsere Nachbarländer. Einige hatten schon Stoppschilder eingeführt, andere, wie die Schweden, waren bereits wieder mit der Abschaffung beschäftigt. Es hatte sich nicht bewährt. Auch Außenstehenden muß ja irgendwie klar sein, daß die wirkungsvollste Maßnahme gegen Darstellung von Kindermissbrauch im Internet nicht die Abschaffung des Internet oder die Verhinderung der Verbreitung von Darstellungen sein kann. Die beste Maßnahme ist die Verhinderung der eigentlichen Verbrechen durch die konsequente Ermittlung und Verfolgung der Täter, um wenigstens in Zukunft mögliche Opfer zu schützen. Dies insbesondere unter dem Aspekt, daß bei den meisten Fällen die scheußliche Tat nicht im Bild festgehalten wird, daß also noch viel mehr Straftaten zu verfolgen wären.</p>
<p>Das sogenannte &#8220;Zugangserschwernisgesetz&#8221; wurde dennoch beschlossen und in einer abenteuerlichen Farce durch den Bundestag gepeitscht. Innerhalb kürzester Zeit fanden sich zwar 130.000 Leute, die die Abgeordneten mit ihrer Unterschrift baten, doch zuerst noch selbst sich einen Eindruck zu verschaffen und nicht einfach der Fraktion hinterherzukreuzeln, aber das half nichts mehr, für viele Abgeordnete stand ein massiver Gesichtsverlust auf dem Spiel. So entstehen manchmal Gesetze.</p>
<p>Dann die Überraschung: Das Gesetz trat nicht in Kraft, wir erinnern uns, Horst Köhler hat es nicht unterschrieben. So hätte man es schamhaft in der Tonne versenken können, wenn nicht gleich nach der Wahl die noch größere Überraschung gekommen wäre: Auf einmal wurde nämlich doch unterzeichnet, (<a href="http://www.svb.bayern.net/2010/02/18/so-schlagt-ein-diplomat/" target="_blank">hier wurde darüber berichtet</a>) und das Gesetz war gültig, trat aber nicht in Kraft. Feinheiten &#8230;</p>
<h3>Schwelbrände</h3>
<p>Danach wurde es still um das Gesetz. Von der Öffentlichkeit eher weniger wahrgenommen schwelte die Sache aber weiter. Wieso das so war, ist nicht einfach zu durchschauen. Die Befürworter des Gesetzes sind jedenfalls alle viel zu intelligent, als daß sie nicht längst eingesehen hätten, daß das Gesetz Unsinn ist. Man kann hier nur über politische Gemengelagen spekulieren. Die einfachste Variante ist die des Gesichtsverlusts. Liest man die emotionalen Ausbrüche der Befürworter, ist sofort klar, daß ein Zurückrudern Spott und Hohn hätte bedeuten können.</p>
<p>Somit wurde beschlossen, einen Kompromiß zu machen: Löschen statt Sperren hieß die neue Devise. Ein Jahr lang sollte versucht werden, die unerträglichen Seiten, die man im Netz findet, durch Kontaktaufnahme mit den verantwortlichen Providern oder jeweiligen Landesbehörden einfach zu löschen. Hier kommt die erste Ungereimtheit: Das BKA setzte dafür 6,3 Stellen ein. Diese bearbeiteten 1407 Fälle nach Anzeigen oder Hinweisen. Daraus wurde dann eine Statistik angefertigt, wie lange es dauerte, bis Seiten aus dem Netz verschwanden. Die Erfolgsquote wurde etwas nachlässig überprüft, die Beamten konnten aus zeitlichen Gründen nur einmal nachsehen, und zwar genau nach sieben Tagen. Das zeugt nicht gerade von großem Engagement. Ein simples Stück Software kann die Prüfung automatisieren. Das muß man nicht einmal unbedingt programmieren, das läßt sich mit einem Standard-Webbrowser im Lesezeichenmenü mit einem Klick abfragen. Nur Seiten, auf denen sich etwas geändert hat, müssten dann noch manuell überprüft werden &#8211; vielleicht wurde gelöscht, vielleicht nur eine neue Scheußlichkeit abgelegt.</p>
<h3>Priorisierung</h3>
<p>Man kann dem BKA natürlich unterstellen, daß ein Team von 6,3 Personen vielleicht gar nicht erfolgreich sein sollte. Das munkeln einige, aber so weit sollte man nicht gehen. 1407 Fälle sind nämlich von 6,3 Personen recht einfach zu schaffen, wenn man ausrechnet, wieviel Fälle das pro Tag pro Kopf wären, inklusive Dokumentation.</p>
<p>Eine andere Zahl erschreckt viel mehr: 23,7! Das ist die Anzahl Personen, die noch übrig sind für die Verfolgung der Täter. 30 Leute sitzen also in der Abteilung &#8211; das erscheint vielen als erschreckend geringe Personalausstattung. Herr Ziercke, der Chef des BKA, ist nach eigenen Angaben aber der Meinung, das genüge. Und er ist der Meinung, daß ja nun der Beweis erbracht sei, daß Löschen nicht funktioniere, nach 7 Tagen waren noch über 40% der Seiten online, und zwar in Staaten, die man schlecht zwingen könne. Russland. Niederlande. USA &#8230; In den USA waren es übrigens mit Abstand die meisten Fälle, aber auch das überrascht niemanden mehr so wirklich.</p>
<p>Oliver Süme von eco berichtete, daß bei der in seinem Haus veranstalteten Studie eine gute Ausbeute an gelöschten Seiten erzielt wurde. Und nicht jedes Land, in dem nicht sofort gelöscht würde, stünde dem Thema passiv gegenüber. In Kanada beispielsweise wurden 50% der Bilder sofort gelöscht, 50% hingegen waren auch nach einer Woche noch da. Der Grund: Es waren &#8220;nur&#8221; zwei in Kanada. Das zweite sollte auf Anweisung der Polizei nicht gelöscht werden, da der Täter aktuell verfolgt wurde und nicht durch die Löschung gewarnt werden sollte &#8211; man wollte ihn also verhaften. Dafür hat das BKA kein Verständnis und nimmt diesen Fall als ein typisches Beispiel für die mangelnde Kooperationswilligkeit im Ausland, dem man doch nur durch Sperren Herr werden könne. Was den Täter natürlich erst recht warnen würde. Sollte sich diese Ansicht durchsetzen, sollten wir also ausländischen Strafverfolgungsbehörden so eklatant ins Handwerk pfuschen, landen vielleicht eines Tages auf der Liste der Schurkenstaaten, die nicht ausreichend gegen Kindesmissbrauch vorgehen,</p>
<p class="finish">wir selber!</p>
<p><em>Bild: Bildersturm (R. Vinkeles nach J. Buys 1786)</em></p>
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		<title>Fremde</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 22:15:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zur Zeit läuft eine verlogene und völlig hysterische Diskussion zum Thema &#8220;Ausländer, Zuwanderung, Kultur und Islam&#8221;, die auf allen Ebenen geführt wird. Ich wäre daran verzweifelt, hätte ich nicht hie und da besonnene Analysen gelesen, Aufrufe zur Mäßigung oder schlicht Richtigstellungen der öffentlichen Äußerungen. Dieser Auseinandersetzung Stammtischniveau zu unterstellen, beleidigt manchen Stammtisch. Zunächst: Was genau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/General_Mustafa_Kemal.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-2803" title="General_Mustafa_Kemal" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/General_Mustafa_Kemal-215x300.jpg" alt="" width="215" height="300" /></a>Zur Zeit läuft eine verlogene und völlig hysterische Diskussion zum Thema &#8220;Ausländer, Zuwanderung, Kultur und Islam&#8221;, die auf allen Ebenen geführt wird. Ich wäre daran verzweifelt, hätte ich nicht hie und da besonnene Analysen gelesen, Aufrufe zur Mäßigung oder schlicht Richtigstellungen der öffentlichen Äußerungen. Dieser Auseinandersetzung Stammtischniveau zu unterstellen, beleidigt manchen Stammtisch.</p>
<p>Zunächst: Was genau ist das Problem? <span id="more-2790"></span>Vieles geht auf Xenophobie zurück.</p>
<h3>Xenophobie</h3>
<p>Ξένος (Xenos) war für die alten Griechen das Wort für &#8220;Gast&#8221; und für &#8220;Fremder&#8221;. Das findet man auch in touristisch erschlossenen Gegenden in Deutschland, wo es Fremdenzimmer gibt und &#8220;Fremde&#8221; gleichbedeutend sind mit &#8220;Kunden&#8221;. Auf andere bei uns wirkt Fremdheit allerdings bedrohlich.</p>
<p>Interessant ist es auf Lateinisch: Die Römer hatten noch eindeutige Feinde: <em>Hostis</em> nannten sie so einen. Da die Römer nach der beeindruckenden Entfaltung ihrer Macht außerhalb Roms nur noch Feinde sehen konnten, die &#8220;pazifiziert&#8221; werden mußten, also &#8220;befriedet&#8221;, war <em>hostis</em> auch das Wort für &#8220;Fremder&#8221;. Und ein Fremder war kein Gast, der hieß, fein differenziert, <em>hospes</em>.</p>
<p>Aber das galt nur für die alten Römer. SpaceNet, die Firma, für die ich arbeite, ist ein Spezialist für <em>Hosting</em>. Darunter versteht man im Computerneusprech die Beherbergung von Daten oder Servern, sogenannten <em>hosts</em>. Also doch Beherbergung. Aus dem <em>hospes</em> wurde das Hospital. Aber <em>hostis</em> gibt es noch, zum Beispiel im Wort &#8220;Hotel&#8221;. Und darunter verstand man noch nie ein Kriegsgefangenenlager.</p>
<h3>Phobien sind Ängste</h3>
<p>Es ist also eine abendländische Tradition, in Fremdem auch immer etwas bedrohliches zu sehen. Das ist keineswegs selbstverständlich. Auf türkisch ist das, zumindest sprachlich, nicht zu bestätigen. Fremd ist yabancı. Gast ist misafir. Oder müşteri, aber das ist eher ein Kunde. Düşman ist der Feind. Oder hasım, was lustig ist, denn das ist eng verwandt mit hısım, so heißt &#8220;der Verwandte&#8221;. Wie man sieht, eine völlig fremde Kultur, denn ich mag meine Verwandten. Die meisten jedenfalls. Leider kann ich kein Arabisch, aber ich vermute sehr stark, daß die sprachlich nachzuweisende Xenophobie dort auch nicht verbreitet ist. Und um vollendet in Klischees zu schwelgen, denke ich an Beduinen, die in ihren Zelten sitzen, es ist ihnen fad, und sie freuen sich total, daß ein Fremder des Wegs kommt, der ihnen schöne Geschichten erzählen kann.</p>
<p>Bei uns ist das anders. Die christliche Tradition hat bei uns das Problem, daß sie beinahe nur noch das ist: Eine Tradition. Eine starke Glaubensgemeinschaft ist das Christentum in Deutschland nicht mehr. Kirchen stehen leer, Kinder werden nicht mehr getauft, und Mystik ist zwar en vogue, aber dann bitte in irgendwelchen exotischen Varianten. Leute treten wegen des Verhaltens von Priestern &#8211; also Menschen &#8211; aus der Kirche aus. Wer das kann, war vorher schon nicht mehr wirklich <em>in</em> der Kirche.</p>
<p>Wie ist das denn nun mit der Türkei? Kemal Atatürk, der Staatsgründer, ist nicht unumstritten, aber eines hat er sicher geleistet: Er hat aus der Türkei ein westliches Land gemacht. Dafür hat er einiges an Tradition geopfert, aber das ignorieren wir im Westen beharrlich. So hat er die lateinische Schrift eingeführt (vorher wurde Türkisch in arabischer Schrift notiert), er hat den Männern westliche Hüte aufgesetzt und ihnen Fes, Turban und Pluderhose weggenommen, und das ist wörtlich zu verstehen. Er hat auch Dinge zu verantworten, über die zu richten uns nicht zusteht, denn während er sich mühte, einen modernen, demokratischen Staat zu gründen, brach bei uns gerade die Barbarei aus.</p>
<h3>Fremde Kulturen</h3>
<p>Somit sollte man vielleicht einmal innehalten und fragen, ob wir überhaupt die Türken meinen, wenn wir von fremder Kultur reden. Für Horst Seehofer sind Araber und Türken irgendwie dasselbe, wenn er den Zuzug von &#8220;dort&#8221; begrenzt sehen will. Aber den sollte man hier nicht zu ernst nehmen, das ist kein Rechtspopulist, wie man hörte, sondern ein Opportunist. Der gleiche Mann ist für die Frauenquote, für und gegen die Gesundheitsreform, gegen die Rente mit 67 und gegen Moslems (und da dies politisch nicht korrekt ist, dann eben gegen &#8220;fremde Kulturen&#8221;, womit er aber deutlich sichtbar nicht Buddhisten, Shintoisten oder gar amerikanische Fundamentalisten meint).</p>
<p>Auch Thilo Sarrazin hat sich auf Araber und Türken spezialisiert, wenngleich mit weit höherem intellektuellen Anspruch. Doch auch er liegt falsch, viele &#8220;Türken&#8221; sind längst Deutsche in zweiter Generation. Und die Araber, die ich sehe, sind nicht nur seine Kopftuchmädchen produzierenden Gemüsehändler, sondern es sind die Leute, ohne die die Münchener Maximilianstrasse zugemacht hätte (womit ich die neuen russischen Verdienste nicht schmälern will). Vural Öger hat es auf den Punkt gebracht. Er sagt, es gehe nicht um ein Islamproblem, sondern um ein Unterschichtenproblem. Dem wäre nichts hinzuzufügen. Oder doch?</p>
<h3>Integration</h3>
<p>Vielleicht wäre das mit der Integration auch nicht so schwierig, wenn wir uns selbst als etwas präsentieren würden, in das man sich integrieren kann. Was ist denn nun unsere christlich-abendländische Kultur? Im Fernsehen werden wir kulturell nicht fündig. Es gibt RTL und Co., das ist nicht unsere Kultur, hoffentlich, und es gibt Arte, aber das ist auch nicht unsere Kultur, sonst gäbe es da mehr Zuseher. In der Kirche kommen wir auch nicht weiter. Auch wenn wir Weihnachten feiern: spätestens an Ostern blättert der kulturelle Lack, wenn diskutiert wird, daß Diskotheken an Karfreitag aufhaben sollen. Tradition? Anstatt auch Symbole anderer Religionen zuzulassen, hängen wir in den Klassenzimmern sicherheitshalber die Kruzifixe ab.</p>
<p>Sind wir denn wenigstens stolz auf unsere Demokratie? Die haben die Türken auch. Pressefreiheit? Das BKA macht Pressekonferenzen, bei denen nur handverlesene Journalisten informiert werden &#8211; kein Anlaß, auf die Türkei herabzuschauen. Immerhin haben wir es dieses Jahr bei der Pressefreiheit glatt auf Platz 17 geschafft &#8211; vom Platz 1 sind wir weit entfernt. In der Türkei werden Kurden heute diskriminiert. Nun ja, bei uns auch, wenn wir ehrlich sind.</p>
<h3>Islamophobie</h3>
<p>Nach all dem ist klar geworden: Es geht nicht um fremde Kulturen. Oder fühlt sich jemand von den zahlreichen Chinesen hier bedroht? Es geht um den Islam, eine Religion, die mit Feuer und Schwert verbreitet werden soll, in deren Namen getötet wird und die angeblich Frauen diskriminiert. Doch halt! Das ist vom Christentum nicht so weit weg. Alles auf 9/11 zu schieben ist auch nicht rational &#8211; die Islamophobie ist älter. Vermutlich führen wir alle im Hinterkopf eine lange Liste: Die Befreiung Spaniens von den Mauren. Die Kreuzzüge, die das gelobte Land unter christliche Gewalt bringen sollten (und da nehmen wir den Moslems vermutlich übel, dass sie nicht alles gleich freiwillig hergegeben haben). Aber dann, ha! die Türkenkriege. Der Gegenbesuch, sozusagen. Saladin der Prächtige &#8211; es hätte beinahe geklappt, und da wäre die fremde Kultur tatsächlich was bedrohliches gewesen. Was davon blieb, wissen wir: Die Kaffeehauskultur, die es immerhin ein Vierteljahrtausend gegeben hat, bis sie von der Starbuckisierung dahingerafft wurde &#8211; noch ein schönes Beispiel für bedrohliche  fremde Kulturen.</p>
<p>Zurück zu der Aussage von Herrn Öger: Es gibt kein Islamproblem, es gibt ein Unterschichtenproblem. So haben, nach Angaben unserer derzeitigen Familienministerin, Frau Schröder, türkische Jugendliche zur ihr gesagt, sie sei eine deutsche Schlampe. So drückt sich die Unterschicht heute aus &#8211; unterirdisches Benehmen. Aber Frau Schröder sieht nicht die gesamte Aussage, ihr reicht ein Stichwort: Sie sieht, wie einem Zeitungsinterview zu entnehmen war, eindeutig den Tatbestand des Rassismus erfüllt. Rassismus? Weil die Knaben <em>deutsche</em> Schlampe gesagt haben? Wäre Frau Schröder denn wieder versöhnt, wenn man sie einfach nur neutral als Schlampe bezeichnet hätte? So etwas als Rassismus zu bezeichnen ist eine ziemliche Verharmlosung des Rassismus. Darüber könnten wir hier trefflich wieder monatelang diskutieren. Und die Frage stellt sich nach wie vor: Diese Jugendlichen mit dem unsäglichen Migrationshintergrund an den Berliner Messerstecherschulen,</p>
<p class="finish">wo hinein genau sollen sich die denn nun integrieren?</p>
<p><em>Bild: Mustafa Kemal Atatürk</em></p>
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		<title>Energiekonsens</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Sep 2010 15:41:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es hört sich alles so einfach an. Es gibt ja durchaus eine Menge Kernkraftwerke bei uns. Werden diese weiter betrieben, verdienen sie quasi Bargeld, was sonst sehenden Auges versäumt würde. Und da unsere Gesellschaft nicht dumm sein will, soll dieses Geld nicht von den Besitzern, also den Konzernen eingestrichen werden. Nein, nach einer partiellen Enteignung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/09/ses_atommuell_illu_web.gif"><img class="alignleft size-full wp-image-2714" title="ses_atommuell_illu_web" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/09/ses_atommuell_illu_web.gif" alt="" width="240" height="240" /></a>Es hört sich alles so einfach an. Es gibt ja durchaus eine Menge Kernkraftwerke bei uns. Werden diese weiter betrieben, verdienen sie quasi Bargeld, was sonst sehenden Auges versäumt würde. Und da unsere Gesellschaft nicht dumm sein will, soll dieses Geld nicht von den Besitzern, also den Konzernen eingestrichen werden. Nein, nach einer partiellen Enteignung durch eine irgendwie bezeichnete Sonderabgabe (Brennelementesteuer?) lassen sich so vielleicht die maroden Staatsfinanzen wieder ein bisserl weichzeichnen. Aber das trifft keine Armen ..</p>
<p>Was also ist verkehrt an dieser Sicht? <span id="more-2711"></span>Ich bin ja durchaus bereit zu glauben, daß man Kernkraftwerke sicher betreiben kann. Tschernobyl ist anderswo. Aber das ist doch sehr kurz gedacht: Die Pannen und die Hysterie um Asse und Gorleben, um nur zwei Beispiele zu nennen, machen doch deutlich, daß die Lagerung der verbrauchten Brennstäbe noch nicht gelöst ist. Angesichts der Unübersichtlichkeit und der Unsicherheit über die Lebensdauer der Konzerne verbietet sich eine privatwirtschaftliche Lösung. Eine hoheitliche Lösung ist zweifelhaft, aber ohne Alternative.</p>
<p>Und damit ist die Nutzung der Kernkraft nichts anderes als ein Kredit, den wir zu Lasten unserer Nachkommen aufnehmen. Das ist ja eine durchaus wohlbekannte Übung, nur im Zusammenhang mit euphemistisch als &#8220;Endlager&#8221; bezeichneten Lösungen sind die Folgen besonders kraß und erschließen sich gleichzeitig eben nicht so automatisch. Kein Mensch kann heute sagen, was 2000 Jahre Lagerung kosten werden. Unsere finanziellen Schulden werden längst nicht nur getilgt, sondern sogar vergessen sein, da strahlen die Brennstäbe immer noch. 2000 Jahre? Das war Willkür &#8211; ich habe auch schon von einer Million Jahren und mehr gelesen. Zur Verdeutlichung: Die Halbwertszeit gibt ja nur an, wann die <em>Hälfte</em> des Mülls unschädlich ist. Mathematisch gesehen ist das eine <em>unendliche </em>Reihe.</p>
<p>Ich will nicht den Eindruck erwecken, ich verstünde etwas davon. Was ich aber in jedem Fall habe, das ist ein Sprachgefühl, das besonders allergisch auf Mißbrauch reagiert. Und da fällt doch auf, daß unsere Politiker inzwischen die Worte &#8220;Laufzeitverlängerung&#8221; und &#8220;Brennelementesteuer&#8221; vermeiden. Nun reden sie also vom Energie<strong>konsens</strong>. Eine sehr fragliche Wortwahl angesichts der massiven Proteste</p>
<p class="finish">und für mich Grund genug für Mißtrauen.</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2009/05/11/atommuell-xy-ungeloest.html" target="_blank"><em>Energiestiftung.ch</em></a></p>
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		<title>Kasperltheater</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 14:47:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das heutige Thema ist keine Anspielung auf unsere Politiker. Ausnahmsweise richtet sich der Blick schreckgeweitet ins Ausland, genauer gesagt nach Großbritannien, noch genauer nach Portsmouth. Dem immer wieder lesenswerten Blog von Aranita (Verbotswahn.de) entnehme ich folgende unglaubliche Geschichte: In Deutschland sind es Kasperl und Gretel, in England Punch und Judy, die in Kasperletheatern die Kinder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/08/Pocci_Ritter_Lustige_Gesellschaft.jpg"><img class="size-medium wp-image-2666 alignright" title="Pocci_Ritter,_Lustige_Gesellschaft" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/08/Pocci_Ritter_Lustige_Gesellschaft-300x207.jpg" alt="" width="240" height="166" /></a>Das heutige Thema ist keine Anspielung auf unsere Politiker. Ausnahmsweise richtet sich der Blick schreckgeweitet ins Ausland, genauer gesagt nach Großbritannien, noch genauer nach Portsmouth. Dem immer wieder lesenswerten Blog von Aranita (<a href="http://www.verbotswahn.de/wp/2010/07/politisch-korrektes-kasperltheater/" target="_blank">Verbotswahn.de</a>) entnehme ich folgende unglaubliche Geschichte:<span id="more-2665"></span></p>
<blockquote><p>In Deutschland sind es Kasperl und Gretel, in England Punch und Judy, die in Kasperletheatern die Kinder erheitern. Während in Deutschland Kasperl meistens das Krokodil verhaut, geht in England Punch (übersetzt »Schlag«) mit seinem Stock, der traditionell so groß ist wie er selbst, auf Judy und andere Charaktere los.</p>
<p>Bereits im Jahre 1999 haben die Behörden darüber nachgedacht, diese »Verherrlichung der häuslichen Gewalt« der heutigen Zeit anzupassen – passiert ist damals allerdings noch nichts. Jetzt scheinen die Engländer reif zu sein, dass eine 300 Jahre alte Tradition abgeschafft wird. Die Behörden der Touristen- und Hafenstadt Portsmouth haben nun den Betreiber eines Kasperltheaters aufgefordert, sein Programm zu ändern. Man könne Kindern diese »Gewalt« nicht zumuten.</p></blockquote>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Graf_von_Pocci" target="_blank">Graf Pocci</a>, der Vater des legendären Kasperl Larifari, würde sich im Grab rumdrehen. Der Kasperl haut bei uns die Gretel nicht, nur den Räuber oder das Krokodil, aber als gewaltlos würde ich auch unseren Kasperl nicht beschreiben. Man kann ihm durchaus vorwerfen, daß er mit seiner Pritschn schnell bei der Hand ist und nicht einmal ansatzweise bewährte Konfliktvermeidungsstrategien oder Mediation versucht. Aber, Hand auf&#8217;s Herz, wer sollte denn da noch in ein Kasperltheater gehen, wenn man dort ein vergnügliches Stück namens &#8220;Resozialisierung und gewaltlose Schlichtung am Beispiel des im Prekariat aufgewachsenen und sozial benachteiligten H.&#8221; sehen kann, nach Absetzung der Originalversion von &#8220;Kasperl Larifari und der Räuber Hotzenplotz&#8221;.</p>
<p>Es ist einem Außenstehenden vielleicht auch nicht zu vermitteln, wieso es komisch sein soll, wenn der Kasperl die Gretel haut, aber ein Außenstehender sollte sich einer ihm fremden Kultur ja auch eher vorsichtig und behutsam nähern. Die Kasperltheater-Zielgruppe, die Kinder nämlich, sind sehr vergnügt im Kasperltheater, brüllen sich die Seele aus dem Leib (Seid Ihr alle da? JAAAA!) und streiten meßbar <em>weniger</em> nach dem Theaterbesuch.</p>
<p>Also, hinfort Ihr blutleeren Kreaturen, Ihr Pharisäer und gelangweilten Hyperpädagogen, Finger weg vom Kasperl, zurück in Eure Bibliotheken und Elfenbeintürme und die Tempel der politschen Korrektheit. Sonst möge Euch das Krokodil fressen und wenn der Kaperl mit der Pritschn ausholt um Euch zu retten soll sich das Krokodil bitte</p>
<p class="finish">auf das Tierschutzgesetz berufen.</p>
<p><em>Bildquelle: Lustige Gesellschaft von Franz Grf. v. Pocci</em></p>
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		<title>Die vier größten Feinde der Deutschen Bahn</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/07/16/die-vier-grosten-feinde-der-deutschen-bahn/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 09:45:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das neueste Produkt der Bahn kommt bei den Bürgern nicht wirklich an, insbesondere, weil man es nicht abstellen kann. In 10 Prozent aller Züge wurde neulich kostenlos die Sauna mitgeliefert. Nun ist Sauna nicht jedermanns Sache, aber eine Sauna funktioniert in jedem Fall nur, wenn man selber jederzeit rauskann und dann in herrlich kaltes Wasser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/07/DBhot.png"><img class="size-full wp-image-2569 alignleft" title="DBhot" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/07/DBhot.png" alt="" width="300" height="215" /></a>Das neueste Produkt der Bahn kommt bei den Bürgern nicht wirklich an, insbesondere, weil man es nicht abstellen kann. In 10 Prozent aller Züge wurde neulich kostenlos die Sauna mitgeliefert.</p>
<p>Nun ist Sauna nicht jedermanns Sache, aber eine Sauna funktioniert in jedem Fall nur, wenn man selber jederzeit rauskann und dann in herrlich kaltes Wasser springt. Hier versagte das Bahnprodukt. Obwohl der Zug stand, konnte man die Türen der unfreiwiligen Sauna nicht öffnen. Und so kollabierten ein paar Schüler bei 50 Grad und hermetisch verschlossenen Fenstern.</p>
<p>Nun, verschlossen heißt nicht, daß man es nicht aufmachen kann.<span id="more-2564"></span> Dazu hängt an diversen Stellen ein &#8220;Nothammer&#8221;, ein kleines spitzes rotes Ding. Seit ich die kenne, das heißt, seit ich ein kleiner Bub war, juckt es mich in den Fingern, die mal zu benutzen. Leider oder gottseidank kam es nie dazu. Nun also im ICE, Modell &#8220;Bratröhre&#8221;, war es soweit. Eine Frau, die angesichts der Atemnot ihres kleinen Kindes endgültig beschlossen hatte, daß etwas geschehen müsse, testete den Nothammer. Dabei stelle sich heraus, daß man damit die Scheibe zwar beschädigen kann, aber nicht einschlagen. Nicht einmal frische Luft sollte durch die Mikrorisse strömen &#8211; da möchte ich nicht erleben, daß so ein Wagen mal Feuer fängt.</p>
<p>Und jetzt die offiziellen Reaktionen der Bahn. Es sei heißer als 32 Grad, und dafür sei die Klimaanlage nicht ausgelegt. Man traut seinen Ohren nicht. Ja, selten ist es bei uns heißer als 32 Grad. Was aber folgt daraus? Daß man keine Klimaanlage braucht, wenn es heißer wird? Sicher nicht &#8211; höchstens, daß die Betriebserlaubnis des Zugs erlischt. Dann darf die Bahn halt nicht mehr fahren, wenn es heißer ist. Selten habe ich ein so dämliches und zynisches Argument gehört.</p>
<p>Aber das war nicht das einzige, was schlimm war. Der Zug stand ja &#8211; nur die Türen wurden nicht freigegeben. Hinter dieser Formulierung steckt alles, was man zur Empörung braucht: Man kann also die Türen nicht mehr aufmachen, wenn nicht ein Mensch dieses Privileg erteilt. Das selbe Bild wie beim Fenster &#8211; kein Notausstieg mehr, nur noch ein verschlossenes Behältnis zum erwerbsmäßigen Transport von Kunden.</p>
<p>Immerhin 10 Prozent aller ICE waren betroffen und viele Menschen hatten das Gefühl, verdursten zu müssen. Was ja schon wieder zeigt, wie schön das Bahnreisen geworden ist: Es waren nicht genug Getränke an Bord genommen worden. Das heißt, es gab nichts mehr. Früher hätte man am Bahnhof bei einem Zwischenstopp einfach was kaltes gekauft, oder, noch besser, ans Fenster gebracht bekommen. Aber das geht aus zwei Gründen nicht: Verkauf an Reisende ist ein Monopol und hat es nicht mehr nötig, mit Serviceideen um Kunden zu werben und durchs Fenster geht nicht &#8211; aber das hatten wir schon, da hilft ja nicht mal der Nothammer, wie soll man da kaltes Wasser oder Cola durch die Scheibe kriegen.</p>
<p>Natürlich hat sich die Bahn zu einer wachsweichen Entschuldigung bequemt. Wer die Sauna überlebt hat, bekommt den halben Reisepreis zurück, natürlich nicht in bar und nur bei gleichzeitigem Verzicht auf weitergehende Forderungen. Ich könnte mir vorstellen, daß ich den Schadensersatz höher sähe und angesichts einer im Raum stehenden Körperverletzung (Fahrlässig? Grob fahrlässig? Vorsätzlich(!)?)  ließe ich mich nicht mit einem Reisegutschein abspeisen. Vielleicht hätte ich ja keine Lust mehr auf Bahnreisen? Besserung ist nicht in Sicht, wie man der Emailadresse entnehmen kann. Die Bahn kann nichts dafür und daher soll man seine Regressforderungen richten an: hitzewelle@deutschebahn.com.</p>
<p>Man ist sprachlos angesichts dieses Zynismus. Die Bahn fühlt sich völlig unschuldig &#8211; verantwortlich ist die böse globale Erwärmung, die ja von der Bahn bekämpft wird. Alles in Butter. Im Winter fielen übrigens auch viele Züge aus und Türen klemmten, Reisende waren eingeschlossen und sind mangels funktionierender Heizung beinahe erfroren, daran erinnert sich nur niemand mehr. Der Grund damals: Die Kälte. Und daher wissen wir, woher das alte Sprichwort kommt: Was sind die vier größten Feinde der Deutschen Bahn?</p>
<p class="finish">Frühling, Sommer, Herbst und Winter.</p>
<p><em>Bildquelle: &#8220;DB-Logo in Wüstenoptik&#8221;, Autor: SvB. Mit dem hübschen Mac-Programm Image Tricks von der Firma BeLight Software selbst erstellt. Zur freien Verwendung, Quellenangabe wäre nett, aber nicht Bedingung.</em></p>
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		<title>Ich bin jünger als Hitler</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 16:02:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es gibt nichts, was einem so viel mediale Aufmerksamkeit schenkt wie ein NS-Vergleich. Das wird manchmal von Politikern genutzt, dann hat es ein G&#8217;schmäckle, aber manchmal &#8220;passiert&#8221; es auch Normalos. Wie zum Beispiel Katharina Müller-Hohenstein, die vom &#8220;Inneren Reichsparteitag&#8221; geredet hatte. Irgendwie ist ja doch den meisten klar, dass es sich dabei um einen ironischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/07/415px-Dr_Diether_Dehm.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-2495" title="415px-Dr_Diether_Dehm" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/07/415px-Dr_Diether_Dehm-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Es gibt nichts, was einem so viel mediale Aufmerksamkeit schenkt wie ein NS-Vergleich. Das wird manchmal von Politikern genutzt, dann hat es ein G&#8217;schmäckle, aber manchmal &#8220;passiert&#8221; es auch Normalos. Wie zum Beispiel Katharina Müller-Hohenstein, die vom &#8220;Inneren Reichsparteitag&#8221; geredet hatte.</p>
<p>Irgendwie ist ja doch den meisten klar, dass es sich dabei um einen ironischen Ausdruck handelt. Einen, den man im Dritten Reich nur unter guten Freunden verwendet hätte und da auch nur geflüstert. Dennoch war sich die veröffentlichte Meinung einig: Das war eine Entgleisung. Der Logiker reibt sich verwundert die Augen, der Historiker sperrt Mund und Nase auf und jeder Ausländer schüttelt mit dem Kopf.</p>
<p><span id="more-2494"></span>Nun also Dieter Dehm: Er sagt, die Wahl zwischen Gauck und Wulff sei für ihn wie die Wahl zwischen Hitler und Stalin. Er ist <em>kein</em> Politiker, aber er nimmt für die LINKE an der Bundesversammlung teil. Daß die LINKE Gauck nicht mag, haben wir zur Kenntnis genommen, Gauck mag die LINKE ja auch nicht und hält sie für nicht regierungsfähig. Deshalb wollten wir ja Gauck, eben weil er nicht weichgespült war, sondern konsequent und sich bei den LINKEN nicht angebiedert hat, auf die Gefahr hin, daß die LINKE dem CDU-Kandidaten Wulff zum Bundespräsidentenamt verhilft. Aber das ist ein anderes Thema.</p>
<blockquote><p>Was würden Sie tun, wenn Sie die Wahl hätten zwischen Hitler und Stalin?</p></blockquote>
<p>Das hat er gesagt. Dehm will Gauck nicht und Wulff nicht und Hitler nicht und Stalin nicht. Es war nicht die Wahl zwischen Hitler und Gauck oder zwischen Stalin und Wulff, bei der sich Dehm nicht entscheiden konnte. Da wäre die hyperventilistische Empörung nachvollziehbar und angebracht gewesen. Von &#8220;unsäglichen Entgleisungen&#8221; wurde schwadroniert. Und daß Dehm etwas zurücknehmen solle &#8211; was genau, wurde nicht gesagt, aber er hat &#8220;es&#8221; <a href="http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5j_C1kTRAvVwfKrzRV_V5M-Ut37VA" target="_blank">inzwischen</a> zurückgenommen. Was ihm nichts nützt, Dehm-Bashing ist weiterhin das Gebot der <em>political correctness</em>.</p>
<p>Man ist erinnert an Skandälchen der Vergangenheit. Herta Däubler-Gmelin (SPD), damals Bundesjustizministerin und sicher keines meiner Idole, sagt im September 2002 &#8221;</p>
<blockquote><p>Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht.</p></blockquote>
<p>Nun ja. Wenn die Aussage A wahr ist und die Aussage B ebenfalls, dann ist auch A <em>und </em>B richtig. Ein wahrer Satz. Bush macht also was, was Hitler auch gemacht hat. Frühstücken, Schlafen, mit dem Hund rausgehen und von innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Sollen wir jetzt alle nicht mehr Frühstücken, Schlafen und mit dem Hund rausgehen? Innenpoltische Schwierigkeiten haben ja die wenigsten Menschen auf der Erde.</p>
<p>Willy Brandt hatte sich 1985 über Heiner Geißler geärgert. Er wollte sagen, Heiner Geißler sei der größte Volksverhetzer aller Zeiten. Dann fiel ihm wohl auf, daß das angesichts des viel größeren Volksverhetzers Goebbels so wohl nicht gesagt werden sollte, und er sagte:</p>
<blockquote><p>Heiner Geißler ist der größte Volksverhetzer seit Goebbels</p></blockquote>
<p>Skandal! Ja, hätte er besser &#8220;Goebbels&#8221; weglassen und doch &#8220;aller Zeiten&#8221; sagen sollen?</p>
<p>Selbst der blöde Ausspruch von Oskar Lafontaine, den dieser 1982 seinem damaligen Partei-&#8221;Freund&#8221; netterweise in aller Öffentlichkeit und voller Profilierungssucht entgegenschleuderte:</p>
<blockquote><p>Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.</p></blockquote>
<p>Selbst dieser Ausspruch ist wahr. Skandalös? Kaum &#8211; eher unsachlich, völlig am Kern der Sache vorbei, rhetorischer Mikrophontest, was auch immer. Aber kein Skandal, nur weil ein Name und der Begriff KZ gemeinsam in einem Absatz stehen.</p>
<p>Ich denke, ich werde nun hingehen und eine Entschuldigung vom Autor dieses Blogs fordern. Er hat mich im Titel des Beitrags mit Hitler verglichen. Der Satz ist wahr, aber so ein ein Vergleich!?!?</p>
<p class="finish">Geht gar nicht.</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Dr_Diether_Dehm.jpg&amp;filetimestamp=20081125184941" target="_blank"><em>Tim Schaarschmidt</em></a></p>
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		<title>Respekt, Herr Köhler</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 21:35:42 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Im 15.  Jahrhundert schwor man in Aragon dem König diesen Treueeid: &#8220;Wir, die so gut sind wie Ihr, schwören Euch, der nicht besser ist als wir, Euch als König und obersten Herrn anzunehmen, solange Ihr unsere Freiheiten und Gesetze achtet; wenn aber nicht, nicht.&#8221; Na toll. Mag der eine oder andere dabei ins Schwärmen kommen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/209px-Horst_Kohler_Signature.svg_.png"><img class="size-full wp-image-2121 alignright" title="209px-Horst_Kohler_Signature.svg" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/209px-Horst_Kohler_Signature.svg_.png" alt="" width="209" height="44" /></a>Im 15.  Jahrhundert schwor man in Aragon dem König diesen Treueeid:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;Wir, die so gut sind wie Ihr, schwören Euch, der nicht besser ist als wir, Euch als König und obersten Herrn anzunehmen, solange Ihr unsere Freiheiten und Gesetze achtet; wenn aber nicht, nicht.&#8221;</p>
<p>Na toll. Mag der eine oder andere dabei ins Schwärmen kommen und von dem Stolz der Granden fabulieren. Ich aber habe einfach das Gefühl, daß sich hier jemand zu wichtig genommen hat. Vielleicht bin ich aber auch zu hart. Dennoch: Ich würde unbedingte Treue verlangen. Dafür bekämen meine Bürger meine unbedingte und selbstlose Loyalität. Da dies in unserer Gesellschaft nicht möglich ist und ich derzeit nicht willens bin, meine Meinung zu ändern, stehe ich als Monarch nicht zur Verfügung.</p>
<p><span id="more-2392"></span>Wir leben in einer anderen Gesellschaft. Bei uns stünde ich nicht mal als Bundespräsident zur Verfügung. Leider gilt das auch für den Mann, der dieses wichtige Amt bis vor kurzem innehatte. Erschüttert war ich von Horst Köhlers Begründung für seinen Rücktritt. Nicht ein Interview, das vielfach mißverstanden werden konnte. Das wäre ja auch kein Grund gewesen. Wer mißversteht, hat es vielleicht nur am Willen mangeln lassen, richtig zu verstehen.</p>
<p>Herr Köhler sagte, es sei das Amt, das durch die völlig überzogene Kritik an seinem Interview beschädigt würde. Hier bin ich anderer Meinung: Das Amt wurde bereits vorher beschädigt. Herr Köhler konnte es nicht beschützen. Niemand kann das mehr. Der Umgang, den wir miteinander pflegen, ist schlimm genug. Es ist der Mangel an Respekt, der alles verschlimmert. Wer unter Demokratie die Möglichkeit versteht, daß jeder eine Chance hat, ins Fernsehen zu kommen, wenn er sich nur genügend erniedrigt, braucht hier nicht weiter zu lesen. Er wird nicht verstehen, daß eine Gesellschaft Symbole braucht, an denen sie sich aufrichten kann und will.</p>
<p>Und wenn diese Symbole auch noch kluge Menschen sind, die einem das Gefühl geben, dass wirklich jemand über unsere Demokratie wacht, jemand, der verhindert, daß unsere teilweise völlig aus dem Ruder gelaufenen Parteien sich den Staat unter den Nagel reißen und ihn dabei voll Gleichgültigkeit ausplündern, dann war dies eines der Dinge, die mich bis vor kurzem noch richtig beruhigt haben. Vorbei. Herr Köhler hat aufgegeben. Es gibt so Ereignisse, die man nie vergisst. Wo man immer weiß, was man gemacht hat, als man das gehört hat. 9/11. Der Tsunami. Der Tod von John Lennon. Der Fall der Berliner Mauer. Und eben der Rücktritt von Horst Köhler. Er hat, genauer gesagt, sein Amt <em>niedergelegt</em>.</p>
<p class="finish">Eine Niederlage, ganz klar.</p>
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		<title>Wir sind Spanner!</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 15:38:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Moral]]></category>
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		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Pressemitteilung habe ich heute gelesen: Das Filmen von Tieren beim Sex verletze deren Privatsphäre. Wohlgemerkt, die Tiere sind unter sich, es geht nicht um sodomistische Pornographie. Vielmehr geht es um die Aussagen eines britischen Wissenschaftlers, Dr. Brett Mills. Veröffentlicht im April &#8230; aber nicht am ersten. Gut, nehmen wir es probehalber für bare Münze. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/04/pilze_gross.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2286" title="pilze_gross" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/04/pilze_gross-221x300.jpg" alt="" width="221" height="300" /></a>Eine <a href="http://www.pressetext.de/news/100430031/tiere-beim-sex-filmen-verletzt-die-privatsphaere/" target="_blank">Pressemitteilung</a> habe ich heute gelesen: Das Filmen von Tieren beim Sex verletze deren Privatsphäre. Wohlgemerkt, die Tiere sind unter sich, es geht nicht um sodomistische Pornographie. Vielmehr geht es um die <a href="https://www.uea.ac.uk/mac/comm/media/press/2010/april/homepagenews/Animals'+right+to+privacy+infringed+by+documentary+makers" target="_blank">Aussagen</a> eines britischen Wissenschaftlers, Dr. Brett Mills. Veröffentlicht im April &#8230; aber nicht am ersten. Gut, nehmen wir es probehalber für bare Münze.</p>
<p>Nach seinem Dafürhalten ist es zwar gut und wichtig, daß in Filmdokumentationen über Tiere berichtet wird und so die Arbeit der Tier- und Naturschützer erleichtert werde. Aber manche dieser Filme sind völlig indiskret und zeigen Tiere bei der Geburt, beim Sex und beim Sterben. Menschen wollten da im Zweifel auch nicht gefilmt werden.</p>
<p>Und ob es Tiere störe oder nicht, das wisse man nicht und daher könne man sie nicht einfach so filmen. Das macht mich nachdenklich und betroffen. <span id="more-2276"></span>Wir wissen ja schließlich auch nicht (bestenfalls), ob Tiere gegessen werden wollen, und essen sie doch. Und wenn wir keine Tiere mehr essen, sondern nur noch Pflanzen, dann wissen wir erst recht nicht, ob die damit einverstanden sind. Und wenn wir nur noch Früchte essen und nicht mehr die Pflanzen selbst, dann kann es doch durchaus sein, daß die Pflanzen sagen, wir fräßen ihre Kinder. Ohne zu fragen.</p>
<p>Die EU hat die Tragweite des Themas erkannt. Schon 2006 liest man, daß man sich in der <a href="http://www.europarl.europa.eu/document/activities/cont/200908/20090825ATT59758/20090825ATT59758DE.pdf" target="_blank">Komitologie des Europaparlaments</a> durchaus nicht nur anthropozentrisch um Menschen sorgt (vgl. Handbuch, Seite 27). Da steht beispielsweise, bisserl aus dem Zusammenhang gerissen:</p>
<blockquote><p>Auf das Regelungsverfahren sollte zurückgegriffen werden bei Maßnahmen von allgemeiner Tragweite, mit denen wesentliche Bestimmungen von Basisrechtsakten angewandt werden sollen, einschließlich Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit oder Sicherheit von Menschen, Tieren und Pflanzen, sowie bei Maßnahmen, mit denen bestimmte nicht wesentliche Bestimmungen eines Basisrechtsakts angepasst oder aktualisiert werden sollen.</p></blockquote>
<p>Basisrechte. Für Menschen, Tiere und Pflanzen. Ich finde das diskriminierend! Hier werden in eklatanter Weise die Basisrechte der Pilze ignoriert. Wobei man die ja ausschließlich beim Sex filmen kann, quasi, stellt doch der sichtbare Teil eines Pilzes nichts anderes als seinen Fortpflanzungsapparat dar. Den eigentlichen Pilz sehen wir ja so gut wie nie. Und diesen Fortpflanzungsapparat essen wir dann. Ohne den Pilz zu fragen.</p>
<p class="finish">Mmmmh.</p>
<p><em>Bildquelle</em>: Universität Wien, Botanik.</p>
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