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	<title>SvB-Blog &#187; Sprache</title>
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	<description>Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)</description>
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		<title>Kann ich E605 tanken?</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Feb 2011 21:44:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundesumweltministerium]]></category>
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		<description><![CDATA[Versetzt man handelsübliches Superbenzin mit zehn Prozent Ethanol, erhält man einen Treibstoff, der &#8220;E10&#8243; genannt wird. E10? Ist Misstrauen angesagt? Zunächst klingt ja alles wie eine gute Idee. Mit E10 werden weniger fossile Brennstoffe benötigt. Und was war wieder schnell Ethanol? Das hieß mal Äthanol, aber Ä10 wäre eine Marketingkatastrophe. Man nennt es auch Alkohol. Was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-medium wp-image-3356 alignleft" title="Bild 4" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2011/02/Bild-4-300x247.png" alt="" width="300" height="247" />Versetzt man handelsübliches Superbenzin mit zehn Prozent Ethanol, erhält man einen Treibstoff, der &#8220;E10&#8243; genannt wird. E10? Ist Misstrauen angesagt? Zunächst klingt ja alles wie eine gute Idee. Mit E10 werden weniger fossile Brennstoffe benötigt.</p>
<p>Und was war wieder schnell Ethanol? Das hieß mal Äthanol, aber Ä10 wäre eine Marketingkatastrophe. Man nennt es auch Alkohol. Was in dem Zusammenhang gefährlich ist. Man hört soviel von komasaufenden Jugendlichen und allgemein zunehmender Blödheit. Daher ist Sorge zu tragen, daß es nicht Mode wird, direkt aus der Zapfsäule an den Tankstellen zu saugen. &#8220;Hey, Alter, da kann isch noch voll audofahn, is ja nur 10 Prozent oder so&#8221;.</p>
<p>Also, man darf dieses Zeug nicht überall hineinfüllen. <span id="more-3343"></span>Auch nicht in jedes Auto, daher wird gerade überall diskutiert. Die Aktion birgt Risiken, bringt sie auch was? 5 Prozent Ethanol waren es, jetzt sind es 10, also 5 Prozentpunkte mehr. Das heißt, pro 20 Liter Tankinhalt spart die Aktion nun einen Liter Benzin aus fossilen Brennstoffen ein. Brutto, muss man leider hinzufügen, denn der Verbrauch wird leicht ansteigen. Andere Effekte sind bedenklicher. Solange auf dieser Welt Leute verhungern, finde ich es zynisch, aus Essen Benzin zu machen. Auch die Befürchtung, dass für die Treibstoffproduktion gewaltige Flächen Regenwald geopfert werden müssen, macht es nicht besser.</p>
<p>Andererseits ist es manchmal vielleicht wirklich notwendig, Druck auszuüben, um unseren Planeten zu retten. Hier ist die Politik gefordert. Und was die Probleme angeht, das ist alles eine Frage, die man ja klären kann. Zum Beispiel auf den offiziellen <a href="http://www.bmu.de/verkehr/strassenverkehr/e10/doc/46717.php" target="_blank">Webseiten des Bundesumweltministeriums</a>:</p>
<blockquote><p>Stand: 13.01.2011</p>
<h3>Fragen und Antworten zu E10</h3>
<h4>Was ist E10?</h4>
<p>E10 bezeichnet Benzin, das gegenüber dem bisherigen Benzin einen höheren Anteil an Ethanol enthält. &#8220;E&#8221; steht für Ethanol, die Zahl &#8220;10&#8243; gibt an, dass das Benzin bis zu 10 % Ethanol enthalten kann. Bisher betrug der Ethanolanteil im Benzin bis zu 5 %. Bei dem im Benzin enthaltenen Ethanol handelt es sich um den Biokraftstoff Bioethanol. Dieser Biokraftstoff wird aus Pflanzen gewonnen, die umweltverträglich angebaut werden.</p></blockquote>
<p>Aha! Der Regenwald bleibt geschont. Und es ist Biokraftstoff, also ist alles in bester Ordnung. Als echter Wutbürger machen mich diese Formulierungen sehr misstrauisch, also lese ich genauer nach, in der <a href="http://bundesrecht.juris.de/biokraft-nachv/BJNR318200009.html#BJNR318200009BJNG000200000" target="_blank">Bio­kraft­stoff-Nach­haltig­keits­ver­ord­nung</a>, über die Ministerium zusammenfassend schreibt:</p>
<blockquote>
<h3>Strom und Kraftstoff aus Biomasse müssen nachhaltig erzeugt sein</h3>
<p><strong>Ab 1. Juli 2010 muss die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen und zur Stromerzeugung eingesetzten Pflanzenölen nachgewiesen werden.</strong></p>
<p>Um auch in Zukunft in vollem Umfang von den gesetzlichen Förderregelungen für die Biomassenutzung im Strom- und Kraftstoffsektor profitieren zu können, müssen Pflanzenöle und Biokraftstoffe im Vergleich zu fossilen Energieträgern ab dem Jahr 2010 mindestens 35 Prozent weniger Treibhausgase freisetzen, und die erforderliche Biomasse darf nicht auf Flächen mit hohem Naturschutzwert, wie etwa Regenwäldern oder Feuchtgebieten, angebaut worden sein. Zwei Verordnungen, die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung  (BioSt-NachV) und die Biokraftstoff Nachhaltigkeitsverordnung  (Biokraft-NachV), setzen diese Nachhaltigkeitsanforderungen der  Erneuerbare-Energien-Richtlinie 2009/28/EG vom 23. April 2009 in deutsches Recht um.</p></blockquote>
<p>Man kann, wenn man will, den gesamten Text so zusammenfassen: Der Rohstoff für das Ethanol muss auf Flächen angebaut werden, die weder Wald, noch Gewässer, Weiden, Brachland oder Moore sind. Nachdem in Wüsten nichts wächst, bleibt nur noch Ackerland. Zumindest gelingt es mit dieser Verordnung also, den Regenwald zu schonen, aber es bleibt dabei: Wir verfeuern Essen. Und bei E10 wird es nicht bleiben, es werden mehr Nahrungsmittel der Mobilität geopfert werden. Und wofür?</p>
<p>Derzeit sind wir gerade dabei, damit <em> mindestens 35 Prozent weniger Treibhausgase freizusetzen</em> im Vergleich zu fossilen Energieträgern. 35? Nachwachsende Rohstoffe stoßen per definitionem kein CO2 aus, das kommt also aus der Düngung, Transporten und landwirtschaftlichem Treibstoffverbrauch sowie der eigentlichen Produktion des Ethanol.</p>
<p>Und nun die Ernüchterung: Was sparen wir denn nun? Laut ADAC Motorwelt führt E10 gegenüber E5 zu einem Mehrverbrauch von 1,5%, aber 5% des Gesamtverbrauchs wiederum setzen 35% weniger CO2 frei. Einfach ausrechnen, das kann ich nicht im Kopf:</p>
<p>Aus x wird 1,015 * (0,95 + 0,05 * 0,35) * x = 1,015 * 0,9825 * x = 0,9972375 x. Die Ersparnis beträgt also rund 2,76 Promille. Würde man sich darauf konzentrieren, den Durchschnittsverbrauch in Deutschland um 1 Prozent zu senken, wäre das Ergebnis viermal besser. Mit der ganzen Aktion sparen wir also pro Kilo nun deutlich weniger als drei Gramm CO2 ein. Ich will nicht unfair sein, aber das ist bestenfalls ein Bausteinchen, es sollte schon mehr erreicht werden in Zukunft. Die drei Gramm Ersparnis werden locker aufgewogen von den nun gewissensberuhigten Autofahrern, die ja sowieso nur noch bio tanken, kann man ja den SUV behalten &#8230;</p>
<p>Ein Gutes hat die Sache trotzdem. Es gibt nämlich noch einen Namen für Ethanol: Spiritus. Und das bedeutet, dass wir mit riesigem bürokratischen Aufwand wenigstens eine sprachliche Ungenauigkeit beseitigen:</p>
<p class="finish">Wir haben nun 5% mehr das Recht, von <em>Sprit</em> zu reden.</p>
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		<title>Zwischen den Jahren</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 18:47:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Römer]]></category>
		<category><![CDATA[Silvester]]></category>
		<category><![CDATA[Spass]]></category>
		<category><![CDATA[Sylvester]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Jahr 2010 ist noch nicht vorbei &#8211; aber das hat das Fernsehen nicht daran gehindert, bereits jede Menge Jahresrückblicke zu senden. Was passiert eigentlich, wenn noch was passiert? Fällt das dann in die Zuständigkeit des Rückblicks 2011? Oder ist das wie im Alten Rom, wo nach dem Januar die Consuln die Arbeit einstellten, damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-3097" title="Grenzstein" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/12/Grenzstein-225x300.png" alt="" width="225" height="300" />Das Jahr 2010 ist noch nicht vorbei &#8211; aber das hat das Fernsehen nicht daran gehindert, bereits jede Menge Jahresrückblicke zu senden. Was passiert eigentlich, wenn noch was passiert? Fällt das dann in die Zuständigkeit des Rückblicks 2011? Oder ist das wie im Alten Rom, wo nach dem Januar die Consuln die Arbeit einstellten, damit zu Jahresbeginn, also damals am 1. März, das neue Team sofort loslegen konnte und sie sich nicht mit Altlasten ihrer Vorgänger herumschlagen mußten. Daher stammt übrigens auch der Name Ianuarius: Der römsiche Gott Janus hatte vorne und hinten ein Gesicht und konnte gleichzeit nach hinten sehen, ins Amtsjahr des scheidenden Consuls, und nach vorne,  ins Amtsjahr des kommenden. Mögliche wichtige Ereignisse zwischen Januar und März wurden so auch von der Geschichtsschreibung ignoriert. Passiert ist vermutlich tatsächlich nicht viel, die Römer feierten ausgelassen und recht alkoholreich das kommende Jahr. Ab März war alles anders. Da der März der erste Monat war, ist auch klar, wie die Monate September bis Dezember zu ihren Namen kamen, es waren wirklich die Monate sieben bis zehn.</p>
<p><span id="more-3043"></span>Das römische Jahr ging übrigens in der Republik nach dem Mond &#8211; ein Ausdruck für Rückständigkeit, den wir über 2000 Jahre später noch verwenden. Das Mondjahr hat rund 355 Tage und die römischen Monate waren jeweils gute vier Wochen, also meist 29 Tage lang. Am 23. Februar war das Jahr zuende. Danach kam der Monat &#8220;zwischen den Jahren&#8221;, <em>mensis interkalaris</em> und er kann seine griechisch-etruskische Herkunft nicht verleugnen, da er wie die <em>Kalendae</em> ein &#8220;k&#8221; enthält. Die Schreibweise <em>intercalaris</em> ist erst im Kirchenlatein aufgekommen und <em>Calendar</em> gibt es nur auf Englisch. Bis heute hat es sich erhalten, die Zeit vor Neujahr als &#8220;zwischen den Jahren&#8221; zu bezeichnen, was aber heute einer anschaulichen Vorstellung entbehrt.</p>
<h3>Götter &#8230;</h3>
<p>Bis heute gerettet hat sich auch ein Gott aus dieser Zeit. Ein kleiner unscheinbarer Gott, dem der 23. Februar gewidmet war. Es war der Gott Terminus, der Gott der Grenzen, der auch für die Jahresendgrenze zuständig war, der also das reguläre Jahr <em>terminierte</em>, vielleicht sanfter als Arnold Schwarzenegger als Terminator. Die Götterbilder des Terminus dienten als Grenzsteine. Der Brauch war, jedes Jahr an den Terminalien alle Grenzsteine des eigenen Grundes aufzusuchen und dort Blumen abzulegen und etwas Wein auf den Stein zu schütten als Opfer. Den Rest des Weins trank man, am besten mit den Nachbarn, die ja auch irgendwann vorbeikamen am Grenzstein. Ein gemeinsam an der Grenze getrunkenes Glas Wein verringert die Gefahr von Grenzstreitigkeiten sicher enorm &#8211; ein schöner Brauch. Den Zeitpunkt der Terminalien hatte jeder im Kopf, jeder kannte also diesen einen Termin &#8211; und dass wir heute &#8220;ein Meeting terminieren&#8221; im Sinne vom Festlegen eines gemeinsamen Zeitpunkts für ein Treffen ist eine sprachliche Grausamkeit der besonderen Art.</p>
<p>Zurück zur Zeit &#8220;zwischen den Jahren&#8221;: Nach den Terminalien arbeitete niemand mehr, im Gegenteil, jeder anständige Römer feierte ausgelassen und war vermutlich betrunken. Bis zum ersten März, ad Kalendas Martii. Ein Fest von ungewisser oder besser willkürlicher Dauer, denn letzlich war es ein Politikum. Auch wenn die Consuln nicht mehr arbeiteten, die Steuerpächter, Volkstribunen und sonstigen Politiker wollten gewöhnlich ihre Amtszeit so lang wie möglich hinauszögern und so soll es vorgekommen sein, daß der für den Kalender zuständige Mann unter Druck geriet. Es handelte sich dabei um niemand geringeren als den Pontifex Maximus, den Obersten Priester Roms.</p>
<h3>&#8230; und Priester</h3>
<p>Einer der bekanntesten Pontifexe war Gaius Iulius Caesar. Er entrümpelte das Kalendersystem, inspiriert von den Ägyptern oder vielleicht auch nur von einer einzelnen Ägypterin namens Kleopatra, wer weiß. Jedenfalls geht auf ihn das System zurück, daß die Monate alternierend 31 bzw. 30 Tage haben (Martius 31, Aprilius 30, Maius 31, Iunius 30, Quintilis 31, Sextilis 30, Septembrius 31  usw.). Der September war immer noch der siebte Monat, der Dezember der 10. und der Quintilis der fünfte. Quintilis? Ja, dieser Monat war der Geburtsmonat des Juliers Gaius Iulius Caesar und so entstand, ihm zu Ehren, der Monatsnamen Juli. Wenig bekannt ist die Tatsache, daß Caesar das System zwar richtig eingeführt hat in einem kalendarisch etwas verworrenen Jahr 45 v.Chr., für Caesar natürlich das Jahr 708 a.u.c., aber niemand hatte richtig zugehört. Die Römer feierten den Schalttag alle drei Jahre. Augustus erkannte schon, dass das schnell aus dem Ruder lief und ließ drei Schaltjahre ausfallen und reparierte das System. Deshalb und wegen der großen Verehrung, die das römische Volk seinem ersten Imperator entgegenbrachte, wurde der Sextilis ebenfalls umgenannt und hieß ab dem Jahr 745 a.u.c (8 v. Chr.) Augustus.</p>
<h3>&#8230; und Altlasten</h3>
<p>Daher rührt auch diese Merkwürdigkeit, daß wir zum Abzählen der Monate mit 31 Tagen unsere Handknöchel brauchen. Der Sextilis hatte ja nur 30 Tage. Das ging gar nicht, daß der Julius den Augustus um einen ganzen Tag ausstach. Daher kehrte sich die alternierende Reihe im August um, nun hatte dieser 31 Tage, der Sempter dafür nur noch 30 usw. Die Programmierer hassen diese imperialen römischen Speichellecker dafür heute noch, denn außer</p>
<p style="text-align: left; padding-left: 60px;"><code>int days[] = { 31, 28, 31, 30, 31, 30, 31, 31, 30, 31, 30, 31 };<br />
if(schaltjahr()) { ++days[1]; }</code></p>
<p>gibt es kaum eine elegante programmiererische Lösung für das Abzählen von Tagen für irgendwelche langweiligen Fälligkeitsberechnungen etc. Aber andererseits wissen alle Anglophonen, daß Programmierer ohnehin mit Kalendern ihre Schwierigkeiten haben und Halloween und Weihnachten nicht auseinanderhalten können. Jeder Programmierer weiß schließlich:</p>
<p class="finish">25 DEC == 31 OCT</p>
<p>Übersetzt: Dezimal 25 ist Oktal 31, also 31 zur Basis 8 (3 x 8 + 1 = 25).</p>
<p><em>Bildquelle: Schöner altrömischer Grenzstein, aber leider gefälscht. Überführen Sie den Fälscher? Einsendeschluß sind die Iden des Ianuarius, 2763 a.u.c. Zu gewinnen gibt es nichts.</em></p>
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		<title>Eis&#8217;n&#039;Bahn</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/12/23/eisnbahn/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 22:23:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schnipsel]]></category>
		<category><![CDATA[Spass]]></category>
		<category><![CDATA[Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bahn]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Wintereinbruch]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist langweilig, auf der Bahn rumzuhacken. Das überlassen wir ihnen lieber selbst. Auf ihrer eigenen Website steht so einiges, was kaum zu fassen ist: Die Bahn rechnet am Sonntagnachmittag mit Kapazitätsengpässen aufgrund von Flugausfällen und eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit Aufgrund des starken Reisendenandrangs durch ausfallende Flugverkehre ist am Sonntagnachmittag mit teilweise erheblichen Kapazitätsengpässen auf wichtigen Fernverkehrsstrecken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-3075 aligncenter" title="Bild 5" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/12/Bild-5.png" alt="" width="790" height="468" /></p>
<p>Es ist langweilig, auf der Bahn rumzuhacken. Das überlassen wir ihnen lieber selbst. Auf <a href="http://www.bahn.de/p/view/home/info/wintereinbruch.shtml" target="_blank">ihrer eigenen Website steht so einiges</a>, was kaum zu fassen ist:<span id="more-3074"></span></p>
<blockquote>
<h3>Die Bahn rechnet am Sonntagnachmittag mit Kapazitätsengpässen aufgrund von Flugausfällen und eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit</h3>
<p>Aufgrund des starken Reisendenandrangs durch ausfallende Flugverkehre ist am Sonntagnachmittag mit teilweise erheblichen Kapazitätsengpässen auf wichtigen Fernverkehrsstrecken der Deutschen Bahn zu rechnen. Zum ohnehin hohen Fahrgastaufkommen am Sonntag kommen witterungsbedingte Fahrzeugengpässe durch Schnee und Eis. Die Bahn setzt zurzeit alle verfügbaren Mitarbeiter und Züge ein, um die Beeinträchtigungen für die Fahrgäste möglichst gering zu halten. Trotzdem muss auf einigen Strecken, usw. usf.</p>
<p>(&#8230;)</p>
<p>Daher kommt es weiterhin zu teilweise erheblichen Verspätungen und einigen Ausfällen.</p></blockquote>
<p>Verkehre? Es gibt Worte, von denen gibt es keinen Plural. <em>Milch</em>. <em>Gesundheit</em>. <em>Verkehr</em>. Eben! Daß die <em>Verspätung</em> einen Plural hat, danken wir auch erst der Bahn. &#8220;Verspätungen&#8221;, das sind doch immer Züge, oder? Mit dem Auto verspätet man sich höchstens individuell.</p>
<p>Nachgerade gruselig ist der Umstand, daß die Seite nicht datiert ist. Lohnt sich nicht. Irgendwie stimmt das ja immer, also daß es zu Verspätungen kommt. Die Gründe werden vielleicht aus einer Datenbanktabelle geholt. Obwohl, die URL spricht dagegen: www.bahn.de/p/view/home/info/wintereinbruch.shtml &#8211; Winter-<em>Einbruch</em>? Eintreffende Schneeflocken sind einzeln anzukündigen und separat transportzuversichern (auch so ein Bahnwort)? Na gut, alle reden vom Wetter, wir nicht &#8211; das war der Claim der Bahn, lange bevor so etwas Claim hieß bei uns. Heute redet man also von eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit, wohl um das Wort &#8220;marode Flotte&#8221; zu vermeiden.</p>
<p>Die Amerikaner haben ja oft eine schlechte Presse hierzulande, aber hier können wir uns eine Scheibe von ihnen abschneiden:</p>
<p><center><iframe title="YouTube video player" class="youtube-player" type="text/html" width="480" height="390" src="http://www.youtube.com/embed/MlA2INOpT78" frameborder="0" align=center></iframe></center></p>
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		<title>Schreiben wie Chuck Norris</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/11/13/schreiben-wie-chuck-norris/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Nov 2010 17:35:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Netzwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Goethe]]></category>
		<category><![CDATA[Mephisto]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich lese Zeitung sehr ehrfürchtig. Soll heißen: Sie ist aus Papier. Und bevor ich den vielzitierten Fisch einwickle, was ich nur selten tue, oder die Zeitung als Anzünder für meinen Ofen verwende, lese ich sie aus. Komplett. Auch den Sportteil, obgleich ich mit Passivsport nicht viel anfangen kann. Auch die Aktienkurse, auch wenn ich keine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/11/cn.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2979" title="cn" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/11/cn.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>Ich lese Zeitung sehr ehrfürchtig. Soll heißen: Sie ist aus Papier. Und bevor ich den vielzitierten Fisch einwickle, was ich nur selten tue, oder die Zeitung als Anzünder für meinen Ofen verwende, lese ich sie aus. Komplett. Auch den Sportteil, obgleich ich mit Passivsport nicht viel anfangen kann. Auch die Aktienkurse, auch wenn ich keine Aktien habe, sieht man mal von meinen SpaceNet-Aktien ab, die aber nicht erwähnt werden. Auch das Wetter und das Fernsehprogramm, obwohl ich da oft ein paar Wochen hinterher bin.</p>
<p>Aus diesem Grund geht sich für mich keine Tageszeitung aus. Aktuelles erfahre ich ohnehin aus dem Internet &#8211; aber was bleibt, ist bestens geeignet für eine Wochenzeitung. Und da gibt es die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, welche ich in sieben Päckchen &#8211; für jeden Tag der Woche eines &#8211; mir sozusagen homöopathisch zuführe. So entgehe ich der Rechtschreibung der Süddeutschen, der Trivialität der Bild am Sonntag und der reißerischen Attitüde der Magazine. Na gut, ab und zu lese ich einen Stern und freue mich über die Steilvorlagen eines Herrn Jörges für einen weiteren Verriß in meinem Blog.</p>
<p>Warum erzähle ich das so lange? <span id="more-2968"></span>Zum einen, weil damit klar ist, wieso ich auf einmal auf irgendetwas eingehe, das vor Wochen in der F.A.S. stand. Und zweitens, weil ich heute mehr Text brauche, ein paar Zeilen reichen nicht. <a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E23901ECC5CAA4440B1E9FBD757ABAD7F~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Ein Artikel</a> beschrieb den Webservice &#8220;I write like&#8221;, den ein Russe für den englischsprachigen Raum zur Verfügung stellte. Dieser wurde nun an die deutschsprachige Welt angepaßt. Ich musste es natürlich gleich ausprobieren und was erhielt ich?</p>
<p><a href="http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx">
<div id="WriteLikeCert" style="width:400px; height:150px; background-image: URL(http://www.faz.net/f30/Images/diverse/WriteLikeCert.jpg); ">
<div style="width:285px; padding: 40px 0px 0px 15px; color:#0b0b66; font-size:25px; line-height:30px; font-family:Georgia; font-style:italic; " ><span>Theodor Fontane</span></div>
</div>
<p></a></p>
<p>Schmeichelhaft, es hätte schlimmer kommen können. Nun ja, Goethe wäre mir lieber gewesen. Obwohl? Es sollte mich schon misstrauisch machen, daß ich schreibe wie jemand, der älter ist als mein Großvater. Ist mein Stil wirklich so staubig?</p>
<p>Wie wissenschaftlich ist denn dieses Spielzeug? Da bleibt nur der Streßtest. Wie nehmen Goethe:</p>
<blockquote><p>Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen;<br />
Ihr durchstudiert die groß’ und kleine Welt,<br />
Um es am Ende gehn zu lassen,<br />
Wie’s Gott gefällt.<br />
Vergebens, dass Ihr ringsum wissenschaftlich schweift,<br />
Ein jeder lernt nur, was er lernen kann;<br />
Doch, der den Augenblick ergreift,<br />
Das ist der rechte Mann.<br />
Ihr seid noch ziemlich wohl gebaut,<br />
An Kühnheit wird’s Euch auch nicht fehlen,<br />
Und wenn Ihr Euch nur selbst vertraut,<br />
Vertrauen Euch die andern Seelen.<br />
Besonders lernt die Weiber führen<br />
Es ist ihr ewig Weh und Ach<br />
So tausendfach<br />
Aus einem Punkte zu kurieren,<br />
Und wenn Ihr halbweg ehrbar tut,<br />
Dann habt Ihr sie all unterm Hut.<br />
Ein Titel muss sie erst vertraulich machen,<br />
Dass Eure Kunst viel Künste übersteigt;<br />
Zum Willkomm tappt Ihr dann nach allen Siebensachen,<br />
Um die ein andrer viele Jahre streicht,<br />
Versteht das Pülslein wohl zu drücken,<br />
Und fasset sie mit feurig schlauen Blicken<br />
Wohl um die schlanke Hüfte frei,<br />
Zu sehn, wie fest geschnürt sie sei.</p></blockquote>
<p>Das werfen wir <a href="http://de.babelfish.yahoo.com/" target="_blank">Babelfish</a> vor:</p>
<blockquote><p>The spirit of the medicine is easy to seize; You through-study groß&#8217; and small world, In order to let it go at the end, Wie&#8217;s God pleases. In vain that you curve all around scientifically, everyone learns only, what it can learn; But, which seizes the instant, That is the right man. Are still rather probably built for her, At boldness it will not also be missing to you, And if you trust you only, Confidence you the other souls. Particularly learns to lead the women It is their eternally pain and oh So thousandfold From points to couriers, And if you do halfaway respectably, Then have you it all under hat. A title must make it only confidential, That your art exceeds much arts; To want-come gropes you then for all seven-things, around which a andrer paints many years, The Pülslein understands to probably press, And seize it with fierily smart views Probably around the slim hip freely, Too long, as firmly tied it is.</p></blockquote>
<p>Jetzt wissen wir, was &#8220;Pülslein&#8221; auf Englisch heißt, und wir können es weiterverarbeiten. Dieser Text ergibt bei <a href="http://iwl.me/" target="_blank">I write like</a><br />
<!-- Begin I Write Like Badge --></p>
<div style="overflow: auto; border: 2px solid #ddd; font: 20px/1.2 Arial,sans-serif; width: 380px; padding: 5px; background: #F7F7F7; color: #555;">
<img style="float: right;" src="http://s.iwl.me/w.png" alt="" width="120" /></p>
<div style="padding: 20px; border-bottom: 1px solid #eee; text-shadow: #fff 0 1px;">I write like<br />
<a style="font-size: 30px; color: #698b22; text-decoration: none;" href="http://iwl.me/w/d760c1b4">James Joyce</a></div>
<p style="font-size: 11px; text-align: center; color: #888;"><em>I Write Like</em> by Mémoires, <a style="color: #888;" href="http://www.codingrobots.com/memoires/">journal software</a>. <a style="color: #333; background: #FFFFE0;" href="http://iwl.me"><strong>Analyze your writing!</strong></a></p>
</div>
<p><!-- End I Write Like Badge --></p>
<p>Das hätte Goethe vermutlich auch nachdenklich gemacht. Ein Scherzbold hat sich übrigens <a href="http://iwritelike.com/" target="_blank">iwritelike.com</a> geschnappt. Egal, was man dort eingibt, es kommt</p>
<blockquote><p>You subconsciously tried to write like Chuck Norris and failed!</p></blockquote>
<p>Chuck Norris??? Das war der</p>
<p class="finish">Grinser des Tages&#8230;</p>
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		<title>Fremde</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 22:15:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zur Zeit läuft eine verlogene und völlig hysterische Diskussion zum Thema &#8220;Ausländer, Zuwanderung, Kultur und Islam&#8221;, die auf allen Ebenen geführt wird. Ich wäre daran verzweifelt, hätte ich nicht hie und da besonnene Analysen gelesen, Aufrufe zur Mäßigung oder schlicht Richtigstellungen der öffentlichen Äußerungen. Dieser Auseinandersetzung Stammtischniveau zu unterstellen, beleidigt manchen Stammtisch. Zunächst: Was genau [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/General_Mustafa_Kemal.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-2803" title="General_Mustafa_Kemal" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/10/General_Mustafa_Kemal-215x300.jpg" alt="" width="215" height="300" /></a>Zur Zeit läuft eine verlogene und völlig hysterische Diskussion zum Thema &#8220;Ausländer, Zuwanderung, Kultur und Islam&#8221;, die auf allen Ebenen geführt wird. Ich wäre daran verzweifelt, hätte ich nicht hie und da besonnene Analysen gelesen, Aufrufe zur Mäßigung oder schlicht Richtigstellungen der öffentlichen Äußerungen. Dieser Auseinandersetzung Stammtischniveau zu unterstellen, beleidigt manchen Stammtisch.</p>
<p>Zunächst: Was genau ist das Problem? <span id="more-2790"></span>Vieles geht auf Xenophobie zurück.</p>
<h3>Xenophobie</h3>
<p>Ξένος (Xenos) war für die alten Griechen das Wort für &#8220;Gast&#8221; und für &#8220;Fremder&#8221;. Das findet man auch in touristisch erschlossenen Gegenden in Deutschland, wo es Fremdenzimmer gibt und &#8220;Fremde&#8221; gleichbedeutend sind mit &#8220;Kunden&#8221;. Auf andere bei uns wirkt Fremdheit allerdings bedrohlich.</p>
<p>Interessant ist es auf Lateinisch: Die Römer hatten noch eindeutige Feinde: <em>Hostis</em> nannten sie so einen. Da die Römer nach der beeindruckenden Entfaltung ihrer Macht außerhalb Roms nur noch Feinde sehen konnten, die &#8220;pazifiziert&#8221; werden mußten, also &#8220;befriedet&#8221;, war <em>hostis</em> auch das Wort für &#8220;Fremder&#8221;. Und ein Fremder war kein Gast, der hieß, fein differenziert, <em>hospes</em>.</p>
<p>Aber das galt nur für die alten Römer. SpaceNet, die Firma, für die ich arbeite, ist ein Spezialist für <em>Hosting</em>. Darunter versteht man im Computerneusprech die Beherbergung von Daten oder Servern, sogenannten <em>hosts</em>. Also doch Beherbergung. Aus dem <em>hospes</em> wurde das Hospital. Aber <em>hostis</em> gibt es noch, zum Beispiel im Wort &#8220;Hotel&#8221;. Und darunter verstand man noch nie ein Kriegsgefangenenlager.</p>
<h3>Phobien sind Ängste</h3>
<p>Es ist also eine abendländische Tradition, in Fremdem auch immer etwas bedrohliches zu sehen. Das ist keineswegs selbstverständlich. Auf türkisch ist das, zumindest sprachlich, nicht zu bestätigen. Fremd ist yabancı. Gast ist misafir. Oder müşteri, aber das ist eher ein Kunde. Düşman ist der Feind. Oder hasım, was lustig ist, denn das ist eng verwandt mit hısım, so heißt &#8220;der Verwandte&#8221;. Wie man sieht, eine völlig fremde Kultur, denn ich mag meine Verwandten. Die meisten jedenfalls. Leider kann ich kein Arabisch, aber ich vermute sehr stark, daß die sprachlich nachzuweisende Xenophobie dort auch nicht verbreitet ist. Und um vollendet in Klischees zu schwelgen, denke ich an Beduinen, die in ihren Zelten sitzen, es ist ihnen fad, und sie freuen sich total, daß ein Fremder des Wegs kommt, der ihnen schöne Geschichten erzählen kann.</p>
<p>Bei uns ist das anders. Die christliche Tradition hat bei uns das Problem, daß sie beinahe nur noch das ist: Eine Tradition. Eine starke Glaubensgemeinschaft ist das Christentum in Deutschland nicht mehr. Kirchen stehen leer, Kinder werden nicht mehr getauft, und Mystik ist zwar en vogue, aber dann bitte in irgendwelchen exotischen Varianten. Leute treten wegen des Verhaltens von Priestern &#8211; also Menschen &#8211; aus der Kirche aus. Wer das kann, war vorher schon nicht mehr wirklich <em>in</em> der Kirche.</p>
<p>Wie ist das denn nun mit der Türkei? Kemal Atatürk, der Staatsgründer, ist nicht unumstritten, aber eines hat er sicher geleistet: Er hat aus der Türkei ein westliches Land gemacht. Dafür hat er einiges an Tradition geopfert, aber das ignorieren wir im Westen beharrlich. So hat er die lateinische Schrift eingeführt (vorher wurde Türkisch in arabischer Schrift notiert), er hat den Männern westliche Hüte aufgesetzt und ihnen Fes, Turban und Pluderhose weggenommen, und das ist wörtlich zu verstehen. Er hat auch Dinge zu verantworten, über die zu richten uns nicht zusteht, denn während er sich mühte, einen modernen, demokratischen Staat zu gründen, brach bei uns gerade die Barbarei aus.</p>
<h3>Fremde Kulturen</h3>
<p>Somit sollte man vielleicht einmal innehalten und fragen, ob wir überhaupt die Türken meinen, wenn wir von fremder Kultur reden. Für Horst Seehofer sind Araber und Türken irgendwie dasselbe, wenn er den Zuzug von &#8220;dort&#8221; begrenzt sehen will. Aber den sollte man hier nicht zu ernst nehmen, das ist kein Rechtspopulist, wie man hörte, sondern ein Opportunist. Der gleiche Mann ist für die Frauenquote, für und gegen die Gesundheitsreform, gegen die Rente mit 67 und gegen Moslems (und da dies politisch nicht korrekt ist, dann eben gegen &#8220;fremde Kulturen&#8221;, womit er aber deutlich sichtbar nicht Buddhisten, Shintoisten oder gar amerikanische Fundamentalisten meint).</p>
<p>Auch Thilo Sarrazin hat sich auf Araber und Türken spezialisiert, wenngleich mit weit höherem intellektuellen Anspruch. Doch auch er liegt falsch, viele &#8220;Türken&#8221; sind längst Deutsche in zweiter Generation. Und die Araber, die ich sehe, sind nicht nur seine Kopftuchmädchen produzierenden Gemüsehändler, sondern es sind die Leute, ohne die die Münchener Maximilianstrasse zugemacht hätte (womit ich die neuen russischen Verdienste nicht schmälern will). Vural Öger hat es auf den Punkt gebracht. Er sagt, es gehe nicht um ein Islamproblem, sondern um ein Unterschichtenproblem. Dem wäre nichts hinzuzufügen. Oder doch?</p>
<h3>Integration</h3>
<p>Vielleicht wäre das mit der Integration auch nicht so schwierig, wenn wir uns selbst als etwas präsentieren würden, in das man sich integrieren kann. Was ist denn nun unsere christlich-abendländische Kultur? Im Fernsehen werden wir kulturell nicht fündig. Es gibt RTL und Co., das ist nicht unsere Kultur, hoffentlich, und es gibt Arte, aber das ist auch nicht unsere Kultur, sonst gäbe es da mehr Zuseher. In der Kirche kommen wir auch nicht weiter. Auch wenn wir Weihnachten feiern: spätestens an Ostern blättert der kulturelle Lack, wenn diskutiert wird, daß Diskotheken an Karfreitag aufhaben sollen. Tradition? Anstatt auch Symbole anderer Religionen zuzulassen, hängen wir in den Klassenzimmern sicherheitshalber die Kruzifixe ab.</p>
<p>Sind wir denn wenigstens stolz auf unsere Demokratie? Die haben die Türken auch. Pressefreiheit? Das BKA macht Pressekonferenzen, bei denen nur handverlesene Journalisten informiert werden &#8211; kein Anlaß, auf die Türkei herabzuschauen. Immerhin haben wir es dieses Jahr bei der Pressefreiheit glatt auf Platz 17 geschafft &#8211; vom Platz 1 sind wir weit entfernt. In der Türkei werden Kurden heute diskriminiert. Nun ja, bei uns auch, wenn wir ehrlich sind.</p>
<h3>Islamophobie</h3>
<p>Nach all dem ist klar geworden: Es geht nicht um fremde Kulturen. Oder fühlt sich jemand von den zahlreichen Chinesen hier bedroht? Es geht um den Islam, eine Religion, die mit Feuer und Schwert verbreitet werden soll, in deren Namen getötet wird und die angeblich Frauen diskriminiert. Doch halt! Das ist vom Christentum nicht so weit weg. Alles auf 9/11 zu schieben ist auch nicht rational &#8211; die Islamophobie ist älter. Vermutlich führen wir alle im Hinterkopf eine lange Liste: Die Befreiung Spaniens von den Mauren. Die Kreuzzüge, die das gelobte Land unter christliche Gewalt bringen sollten (und da nehmen wir den Moslems vermutlich übel, dass sie nicht alles gleich freiwillig hergegeben haben). Aber dann, ha! die Türkenkriege. Der Gegenbesuch, sozusagen. Saladin der Prächtige &#8211; es hätte beinahe geklappt, und da wäre die fremde Kultur tatsächlich was bedrohliches gewesen. Was davon blieb, wissen wir: Die Kaffeehauskultur, die es immerhin ein Vierteljahrtausend gegeben hat, bis sie von der Starbuckisierung dahingerafft wurde &#8211; noch ein schönes Beispiel für bedrohliche  fremde Kulturen.</p>
<p>Zurück zu der Aussage von Herrn Öger: Es gibt kein Islamproblem, es gibt ein Unterschichtenproblem. So haben, nach Angaben unserer derzeitigen Familienministerin, Frau Schröder, türkische Jugendliche zur ihr gesagt, sie sei eine deutsche Schlampe. So drückt sich die Unterschicht heute aus &#8211; unterirdisches Benehmen. Aber Frau Schröder sieht nicht die gesamte Aussage, ihr reicht ein Stichwort: Sie sieht, wie einem Zeitungsinterview zu entnehmen war, eindeutig den Tatbestand des Rassismus erfüllt. Rassismus? Weil die Knaben <em>deutsche</em> Schlampe gesagt haben? Wäre Frau Schröder denn wieder versöhnt, wenn man sie einfach nur neutral als Schlampe bezeichnet hätte? So etwas als Rassismus zu bezeichnen ist eine ziemliche Verharmlosung des Rassismus. Darüber könnten wir hier trefflich wieder monatelang diskutieren. Und die Frage stellt sich nach wie vor: Diese Jugendlichen mit dem unsäglichen Migrationshintergrund an den Berliner Messerstecherschulen,</p>
<p class="finish">wo hinein genau sollen sich die denn nun integrieren?</p>
<p><em>Bild: Mustafa Kemal Atatürk</em></p>
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		<title>Energiekonsens</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Sep 2010 15:41:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es hört sich alles so einfach an. Es gibt ja durchaus eine Menge Kernkraftwerke bei uns. Werden diese weiter betrieben, verdienen sie quasi Bargeld, was sonst sehenden Auges versäumt würde. Und da unsere Gesellschaft nicht dumm sein will, soll dieses Geld nicht von den Besitzern, also den Konzernen eingestrichen werden. Nein, nach einer partiellen Enteignung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/09/ses_atommuell_illu_web.gif"><img class="alignleft size-full wp-image-2714" title="ses_atommuell_illu_web" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/09/ses_atommuell_illu_web.gif" alt="" width="240" height="240" /></a>Es hört sich alles so einfach an. Es gibt ja durchaus eine Menge Kernkraftwerke bei uns. Werden diese weiter betrieben, verdienen sie quasi Bargeld, was sonst sehenden Auges versäumt würde. Und da unsere Gesellschaft nicht dumm sein will, soll dieses Geld nicht von den Besitzern, also den Konzernen eingestrichen werden. Nein, nach einer partiellen Enteignung durch eine irgendwie bezeichnete Sonderabgabe (Brennelementesteuer?) lassen sich so vielleicht die maroden Staatsfinanzen wieder ein bisserl weichzeichnen. Aber das trifft keine Armen ..</p>
<p>Was also ist verkehrt an dieser Sicht? <span id="more-2711"></span>Ich bin ja durchaus bereit zu glauben, daß man Kernkraftwerke sicher betreiben kann. Tschernobyl ist anderswo. Aber das ist doch sehr kurz gedacht: Die Pannen und die Hysterie um Asse und Gorleben, um nur zwei Beispiele zu nennen, machen doch deutlich, daß die Lagerung der verbrauchten Brennstäbe noch nicht gelöst ist. Angesichts der Unübersichtlichkeit und der Unsicherheit über die Lebensdauer der Konzerne verbietet sich eine privatwirtschaftliche Lösung. Eine hoheitliche Lösung ist zweifelhaft, aber ohne Alternative.</p>
<p>Und damit ist die Nutzung der Kernkraft nichts anderes als ein Kredit, den wir zu Lasten unserer Nachkommen aufnehmen. Das ist ja eine durchaus wohlbekannte Übung, nur im Zusammenhang mit euphemistisch als &#8220;Endlager&#8221; bezeichneten Lösungen sind die Folgen besonders kraß und erschließen sich gleichzeitig eben nicht so automatisch. Kein Mensch kann heute sagen, was 2000 Jahre Lagerung kosten werden. Unsere finanziellen Schulden werden längst nicht nur getilgt, sondern sogar vergessen sein, da strahlen die Brennstäbe immer noch. 2000 Jahre? Das war Willkür &#8211; ich habe auch schon von einer Million Jahren und mehr gelesen. Zur Verdeutlichung: Die Halbwertszeit gibt ja nur an, wann die <em>Hälfte</em> des Mülls unschädlich ist. Mathematisch gesehen ist das eine <em>unendliche </em>Reihe.</p>
<p>Ich will nicht den Eindruck erwecken, ich verstünde etwas davon. Was ich aber in jedem Fall habe, das ist ein Sprachgefühl, das besonders allergisch auf Mißbrauch reagiert. Und da fällt doch auf, daß unsere Politiker inzwischen die Worte &#8220;Laufzeitverlängerung&#8221; und &#8220;Brennelementesteuer&#8221; vermeiden. Nun reden sie also vom Energie<strong>konsens</strong>. Eine sehr fragliche Wortwahl angesichts der massiven Proteste</p>
<p class="finish">und für mich Grund genug für Mißtrauen.</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2009/05/11/atommuell-xy-ungeloest.html" target="_blank"><em>Energiestiftung.ch</em></a></p>
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		<title>Faktische Fiktion</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2010/07/26/faktische-fiktion/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 09:27:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8220;Fixer Faxen&#8221; hieß einmal eine Firma, spezialisiert darauf, möglichst schnell möglichst vielen Menschen ein Fax zu schicken. Kein Wunder, dass die Firma wieder eingegangen ist, sie wird nicht mehr wirklich benötigt, seit das Internet das Verbreitungsmedium schlechthin ist. Der Name war aber gut gewählt, ich habe ihn mir gegen meinen Willen bis heute gemerkt. Woher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/07/Fickmühlen.jpeg"><img class="alignright size-full wp-image-2611" title="Fickmühlen" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/07/Fickmühlen.jpeg" alt="" width="145" height="141" /></a>&#8220;Fixer Faxen&#8221; hieß einmal eine Firma, spezialisiert darauf, möglichst schnell möglichst vielen Menschen ein Fax zu schicken. Kein Wunder, dass die Firma wieder eingegangen ist, sie wird nicht mehr wirklich benötigt, seit das Internet das Verbreitungsmedium schlechthin ist. Der Name war aber gut gewählt, ich habe ihn mir gegen meinen Willen bis heute gemerkt.</p>
<p>Woher kommt &#8220;Fix&#8221;, woher kommt &#8220;Fax&#8221;? Fix ist nicht so trivial, wie man zunächst meinen möchte. <span id="more-2590"></span>Genau genommen sind sogar Experten vrmutlich auf dem Holzweg. Lateinisch <em>fixare </em>ist natürlich kein schlechter Ansatz. Etwas befestigen, fixieren. Etwas, das man hinten anheftet (&#8220;Suffix&#8221;), vorne (&#8220;Präfix&#8221;) oder am Kreuz (&#8220;Kruzifix&#8221;). Wer einen klappernden Fensterladen wieder befestigt, wird sagen, er habe ihn repariert, fixiert, oder neudeutsch auch &#8220;gefixt&#8221;. Ist alles erledigt, ist es &#8220;fix und fertig&#8221;. Daher war die erste Bedeutungsübertragung möglich, ein fixer Bursche war einer, der Sachen eben auch fertigbrachte. Das nannte man früher &#8220;anstellig&#8221;. Aber immer noch geht es primär um die Qualität der Arbeit, nicht um die Zeit, innerhalb derer sie verrichtet wurde.</p>
<p>&#8220;Fix&#8221; als Synonym für &#8220;flink&#8221; ist so nicht hinreichend erklärt. Eine eindeutige Herleitung konnte ich nicht finden, aber einen Verdacht habe ich durchaus. Dazu riskiere ich mal schnell die Jugendfreiheit meines Blogs: Es gibt einen mittelhochdeutschen Ausdruck, der eine lustige Karriere hingelegt hat. Bewegt man etwas schnell hin und her, so ist das Wort dafür *hüstel* <em>ficken</em>. Es teilt sich den Stamm mit so harmlosen Wörtern wie &#8220;fegen&#8221;, aber irgendwo im indogermanischen Sprachgedächtnis schlummert sogar eine Verwandtschaft zu den Vögeln. Ich spare mir den Kalauer, nun zu fragen, was ficken mit Vögeln zu tun habe.</p>
<p>Die obszöne Bedeutung des F-Wortes hat alle anderen Wortbildungen zum Aussterben verurteilt. Nach dem <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&amp;mode=hierarchy&amp;textsize=600&amp;onlist=&amp;word=ficken&amp;lemid=GF04100&amp;query_start=1&amp;totalhits=0&amp;textword=&amp;locpattern=&amp;textpattern=&amp;lemmapattern=&amp;verspattern=#GF04100L0" target="_blank">Grimmschen Wörterbuch</a> sagte  man früher durchaus ficken auch für peitschen oder mit einer Rute schlagen. Ganz verschämt hat das Wort sich noch heute in der Ohrfeige versteckt. Oder, so mein Verdacht, auch im unschuldigen <em>fix</em>. Ob man von da aus nach Hawaii kommt, wo bekanntlich wiki-wiki &#8220;schnell&#8221; heißt und sich via engl. quick sofort erschließt, wissen die Grimms natürlich nicht. Die waren nie auf Hawaii. Und auch dem &#8220;Heißen Feger&#8221; will ich nicht weiter nachgehen. Zurück zum Thema:</p>
<p>Analog zu anderen I-A-Bildungen (Wirrwarr, Zickzack, Tric-Trac, Schnickschnack, Ticktack, Flic-Flac, Perlicco-Perlacco) gab es auch das Wort Fickfacken. Ein Fickfacker war ein Mensch, der recht unstet war, heute hier, morgen dort. Fahrendes Volk. Ergo jemand, dem man nicht trauen konnte. Auf Jahrmärkten auftretende fickfackende Possenreißer wurden bald auch Faxenmacher genannt. Im Geschäftsleben verbittet man sich Faxen natürlich, wenn nötig auch per Fax. Was für eine Überleitung! Aber auch wenn man Faxe schnell hin und herschicken kann, so kommt dieses relativ junge Wort natürlich von lat. <em>facere</em>, tun, machen. Fac! heißt Mach! und &#8220;Fac simile&#8221; heißt &#8220;Mach es ähnlich&#8221;. Lange vor dem Fax gab es den eingedeutschen Begriff Faksimile bereits. Und nachdem das Fax eine deutsche Erfindung war, hieß es zunächst auch &#8220;Fernkopierer&#8221;, analog zum &#8220;Fernschreiber&#8221;. Die Kopie war das Faksimile, verkürzt zu Fax. Bei &#8220;fern&#8221; wiederholte sich das Drama für Menschen mit Sprachgefühl, denn das Lateinische hält nur Worte wie <em>procul </em>vor oder, als Adjektiv, <em>remotus</em>. Remotofax? Proculkopie? Nein, eine Chimäre mußte her, das Griechische hat ja des schöne Wort &#8220;<em>tele</em>&#8221; und fertig war das Telefax, analog zum Telephon. Das war aber andererseits wieder viel zu lang, und so entstand das neue Wort Fax, zusammen mit dem abgeleiteten Verb faxen.</p>
<p>Wenn einer aber nun die Faxen dicke hat, so heißt das nicht, dass er weiterer schriftlicher Kommunikation abgeneigt ist.</p>
<p class="finish">Auch wenn es so klingt.</p>
<p><em>Bildquelle</em>: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Fickmühlen.jpeg&amp;filetimestamp=20091030191001" target="_blank">Wikipedia</a>, das Schild ist historisch, der Ort im Lkr. Cuxhaven hat sich umgenannt.</p>
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		<title>Bei allem, was mir heilig ist</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 15:08:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn wir schwören, müssen wir ja auf irgendwas schwören. Auf die Bibel oder auf Gott. Daher recken wir drei Finger hoch um zu schwören und rufen dabei die Dreifaltigkeit zum Zeugen auf. Das machen auch Heiden. Fällt denen vielleicht nicht mal auf. Aber diese Dreifingergeste hat sich einfach eingebürgert. Wie haben das eigentlich die Alten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/06/Gommiswald-blazono.png"><img class="alignleft size-full wp-image-2380" title="Gommiswald-blazono" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/06/Gommiswald-blazono.png" alt="" width="142" height="160" /></a>Wenn wir schwören, müssen wir ja <em>auf irgendwas</em> schwören. Auf die Bibel oder auf Gott. Daher recken wir drei Finger hoch um zu schwören und rufen dabei die Dreifaltigkeit zum Zeugen auf. Das machen auch Heiden. Fällt denen vielleicht nicht mal auf. Aber diese Dreifingergeste hat sich einfach eingebürgert.</p>
<p>Wie haben das eigentlich die Alten Römer gemacht? Die wussten noch nichts von der Dreieinigkeit. Was einerseits schade ist, ich hätte gerne die Meinung eines abgeklärten Menschen wie Seneca zu den Lehren des Athanasios gehört. Daß die Dreieinigkeit in der katholischen Kirche nicht mehr in Frage gestellt wurde, kann man eigentlich erst seit der elften Synode von Toledo (675) sagen, oder sogar, was logischer ist, erst mit dem Vierten Laterankonzil, also seit 1215. <span id="more-2368"></span>Also: Keine Dreifaltigkeit bei den Römern bis zum Untergang Westroms. Aber die Römer waren ja zunächst ohnehin keine Christen, was man ihnen bis zum Ende des achten Jahrhunderts seit Gründung der Stadt auch nicht vorwerfen kann.</p>
<p>Also doch Jupiter, Apoll, Mars, Pluto, Neptun, Amor und Merkur, und um Diskriminierung zu vemeiden Juno, Minerva, Venus, Vesta, Diana, Proserpina und Ceres. Und viele andere mehr. Angesichts der vielen Götter der Römer hätten allein für die Hauptgötter nicht die Finger beider Hände gereicht. Von den Laren, die den Römern noch näher standen, ganz zu schweigen. Also, was taten die Römer? Sie griffen sich an eine Stelle, die jedem einzelnen von ihnen wenigstens selbst heilig war. Sie riefen eine Stelle ihres Körpers zum Zeugen an, die schnell auch erklärt, warum nach altrömischer Vorstellungen Frauen ohnehin nicht wirksam Zeugnis ablegen konnten. Wo sollten die sich denn auch hinfassen? Im Lateinunterricht lernt man das nicht. Aber zum einen kann man diese Geste noch heute bei abergläubischen Neapolitanern sehen, und zum anderen erinnert heute der Name eines Körperteils auf Latein daran. Bezeugen: <em>testare.</em> Der Zeuge: <em>Testus</em>, daher Attest, Testament, Testat. Und die lateinische Verkleinerungsform macht daraus den kleinen Zeugen, das &#8220;Zeugerl&#8221;, <em>testiculum.</em></p>
<p class="finish">Wer hätte das gedacht.</p>
<p><em>Bild: Wappen der Gemeinde Gommiswald im Kanton St. Gallen</em></p>
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		<title>Karfreitag</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Apr 2010 21:29:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Heute vor knapp 2000 Jahren wurde Jesus gekreuzigt. Daran erinnern wir uns heute. Und deshalb nennen wir diesen Tag Karfreitag. Freitag ist ja klar, aber wieso &#8220;Kar&#8221;? Ein Blick ins Englische hilft uns nicht weiter. Dort heißt die Karwoche holy week. Das paßt zum Rest der Welt: Semana santa in Spanien, semaine sante in Frank­reich, settimana [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/04/ostern-l.gif"><img class="alignleft size-full wp-image-2257" title="ostern-l" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/04/ostern-l.gif" alt="" width="150" height="88" /></a>Heute vor knapp 2000 Jahren wurde Jesus gekreuzigt. Daran erinnern wir uns heute. Und deshalb nennen wir diesen Tag <em>Karfreitag</em>. Freitag ist ja klar, aber wieso &#8220;Kar&#8221;?</p>
<p>Ein Blick ins Englische hilft uns nicht weiter. Dort heißt die Karwoche <em>holy week</em>. Das paßt zum Rest der Welt: <em>Semana santa</em> in Spanien, <em>semaine sante</em> in Frank­reich, <em>settimana santa</em> in Italien. Über­all heilige Wochen, nur bei uns Kar­woche.<span id="more-2255"></span></p>
<h3>Was ist ein Kar?</h3>
<p>Nun gut. Was ist ein Kar? In den Alpen ist das ein Hoch­gebirgs­kessel. Eine Mulde, eine Ver­tiefung neben steil auf­ragen­den Fels­wänden. Hilft uns das weiter? Dieses Kar kommt laut Etymologie­duden von einer mittel­hoch­deutschen Schale, deren Wurzeln sich wiederum irgendwo im Alt­assyri­schen ver­lieren. Sack­gasse.</p>
<p>Vielleicht ist es der grundlegende Freitag, der Freitag schlecht­hin, der Kar­dinal­frei­tag, so­zu­sagen. Und kirchen­nah auch noch, wenn wir schon beim Kardinal sind. Hangeln wir uns hier durch die Zeiten zurück, nach Rom, landen wir beim lateinischen <em>cardo</em>, der Türangel. Wobei so manchem geist­lichen Kardinal nicht klar sein dürfte, wie nah er sprach­lich mit dem Scharnier verwandt ist. Aber irgend­wie ist das auch eine Sack­gasse. Bei Ostern dreht es sich nicht um die Kar­woche. Um­ge­kehrt, es dreht sich alles um Ostern selbst. Das übrigens auch eine inter­es­sante Ety­mo­lo­gie vor­wei­sen kann.</p>
<h3>Ostern</h3>
<p>Die lange als Wortgeberin gefeierte germanische Frucht­bar­keits­göttin Ostara ist wohl doch eine roman­tische Er­fin­dung von Jacob Grimm. Ver­bürgt hin­gegen ist Eostrae, eine britische Göttin des Lichts. Das paßt zum Frühling, zu <em>easter</em> und Ostern, und es ist eine Göttin, die in vielen Kulturen vorkommt: Eos und Aurora sind sprach­lich die­selben Namen. Und so hat über die Morgen­röte Ostern und der Osten durch­aus eine Ver­bin­dung. Aber das liefert uns bei unserem Thema nur <em>karge</em> Unter­stützung.</p>
<h3>Germanen und Chinesen</h3>
<p>Gehen wir nochmal nach England. Der Freitag heißt auf englisch <em>good friday</em>. Guter Freitag? Gut? Ist das nicht ein Tag des <em>Kummers</em>? Wo man sich um die Vor­be­rei­tungen für Ostern <em>kümmern</em> muß&#8230; Und schon haben wir die Wurzel gefunden. Und bei <em>karg</em> waren wir eh schon nah dran: Hinter dieser Wurzel <em>kara</em> verbirgt sich ein ger­ma­nisch-skan­di­na­vi­scher Stamm für &#8220;Kummer&#8221; und &#8220;kümmern&#8221;. Auf Englisch sieht man es noch besser: to care kommt auch daher.</p>
<p>Und im chinesischen? Die übliche Über­setzung 基督受難日 ist recht interessant. 日 ist der Tag. 難 ist das Unglück. 基督 ist Christus. Und 受 steht für das Er­leiden. Da muß man kein Sino­loge sein: Auf Chinesisch heißt der Tag also &#8221;Christus er­lei­det einen Un­glücks­tag&#8221;.</p>
<p class="finish">Das sehen wir im Christentum anders.</p>
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		<title>Gallina caeca</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 21:02:21 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Soziale Kälte]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer wieder kann man es hören: Ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn. Was für eine Gedankenlosigkeit, was für eine rohe Sprache. Auch wenn sich der eine oder andere darauf berufen will, daß es sich um ein altes Sprichwort handele, so ist das doch eine lahme Entschuldigung. Es beginnt natürlich mit der Bezeichnung &#8220;blind&#8221;. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/Braekel.png"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-2211" title="Braekel" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/Braekel-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Immer wieder kann man es hören: <em><strong>Ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn.</strong></em> Was für eine Gedankenlosigkeit, was für eine rohe Sprache. Auch wenn sich der eine oder andere darauf berufen will, daß es sich um ein altes Sprichwort handele, so ist das doch eine lahme Entschuldigung.</p>
<p>Es beginnt natürlich mit der Bezeichnung &#8220;blind&#8221;. Sagt man nicht mehr. Zumindest bei den <a href="http://olympia.ard.de/paralympics/team/athlete2314.html" target="_blank">Sport­nach­richten</a>. <span id="more-2205"></span>Da gewinnt eine blinde Münchenerin in Vancouver bei den Paralympics ihre x-te Gold­medaille. Auf Skiern: Biathlon und Langlauf sind die Spezialität der Sportlerin. Die, wie erwähnt, blind ist, was meinen Respekt noch steigert. Doch &#8220;blind&#8221; sagt man nicht. Das heißt jetzt &#8220;seh­behindert&#8221;, zumindest in Offiziell­sprech. Und schon läßt der Respekt nach, &#8220;seh­behindert&#8221; bin ich auch, immer­hin bin ich kurz­sichtig und darf ohne Brille nicht auto­fahren. Und ja, Verena Bentele ist <em>blind,</em> das ist es ja gerade, und sie läßt sich davon nicht behindern. Und ich kommentiere jetzt mal nicht, wie ich es finde, daß jemand, der nicht sehen kann, un­be­dingt mit einem Gewehr hantieren muss. Wobei ich das auch bei den Sehenden über­flüssig finde, Lang­lauf alleine reicht doch.</p>
<p><em><strong>Ein sehbehindertes Huhn findet auch einmal ein Korn.</strong></em></p>
<p>Immer noch ziemlich diskriminierend. Inzwischen sind es nicht mehr nur latz­hosen­tragende Gleich­be­rech­ti­gungs­vor­kämpfer. Jeder Arbeit­geber weiß: Man scheue geschlechts­spezi­fische Aus­drücke wie die Pest, dem <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/agg/" target="_blank">AGG</a> sei Dank. Wofür gibt es das fürchterliche Binnen-I oder den alles­lösenden Schräg­strich? Aber &#8220;Hu/ahn&#8221; &#8211; das ist schon sehr gewagt. Nur, was spräche denn gegen:</p>
<p><strong><em>Ein sehbehindertes Huhn (m/w) findet auch einmal ein Korn.</em></strong></p>
<p>Merken Sie was? Soziale Kälte. Da ist das arme Huhn seh­behindert, aber die Gesell­schaft zwingt das Huhn, seine Grund­bedürfnisse trotz der erhöhten Schwierig­keiten selbst zu befriedigen. Für alles ist Geld da, aber seit die FDP am Ruder ist, führt eine Be­hin­derung in die Armuts­falle. Setzen wir sprach­lich ein Zeichen.</p>
<p><strong><em>Jedes sehbehinderte Huhn (m/w) hat in der Solidargesellschaft das Recht auf ausreichend Korn</em></strong></p>
<p>So ist gleichzeitig auch neutralisiert, daß vorhin die Rede davon war, daß das blinde Huhn <strong><em>einmal</em></strong> ein Korn findet. Das ist ja schon der nächste Reibungs­punkt. Woher wissen wir denn, wie oft dieses Huhn Körner findet? Das wissen wir doch nur, weil wir Daten erheben, die uns im Grunde nichts angehen. Das zeigt doch, wie dieser Staat, wie diese Gesell­schaft inzwischen mit den Schwächsten umgeht.</p>
<p>Ganz zu schweigen von der ge­danken­losen Gleich­macherei bei der Ernährung: Hühner mögen vielleicht gar keine Körner? <a href="http://www.huehner-info.de/huefo/thread.php?threadid=3661" target="_blank">Hühner mögen</a> Würmer und Käfer, Obst und Nudeln.</p>
<p><strong><em>Jedes sehbehinderte Huhn (m/w) hat in der Solidargesellschaft das Recht auf ausgewogene, schmackhafte Ernährung in ausreichender Menge.</em></strong></p>
<p class="finish">Na also. Geht doch.</p>
<p><em>Bildquelle: Wikipedia, Photograph: Stijn Ghesquiere, 2004</em></p>
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