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	<title>SvB-Blog &#187; Sprache</title>
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	<description>Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)</description>
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		<title>Faktische Fiktion</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 09:27:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8220;Fixer Faxen&#8221; hieß einmal eine Firma, spezialisiert darauf, möglichst schnell möglichst vielen Menschen ein Fax zu schicken. Kein Wunder, dass die Firma wieder eingegangen ist, sie wird nicht mehr wirklich benötigt, seit das Internet das Verbreitungsmedium schlechthin ist. Der Name war aber gut gewählt, ich habe ihn mir gegen meinen Willen bis heute gemerkt.
Woher kommt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/07/Fickmühlen.jpeg"><img class="alignright size-full wp-image-2611" title="Fickmühlen" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/07/Fickmühlen.jpeg" alt="" width="145" height="141" /></a>&#8220;Fixer Faxen&#8221; hieß einmal eine Firma, spezialisiert darauf, möglichst schnell möglichst vielen Menschen ein Fax zu schicken. Kein Wunder, dass die Firma wieder eingegangen ist, sie wird nicht mehr wirklich benötigt, seit das Internet das Verbreitungsmedium schlechthin ist. Der Name war aber gut gewählt, ich habe ihn mir gegen meinen Willen bis heute gemerkt.</p>
<p>Woher kommt &#8220;Fix&#8221;, woher kommt &#8220;Fax&#8221;? Fix ist nicht so trivial, wie man zunächst meinen möchte. <span id="more-2590"></span>Genau genommen sind sogar Experten vrmutlich auf dem Holzweg. Lateinisch <em>fixare </em>ist natürlich kein schlechter Ansatz. Etwas befestigen, fixieren. Etwas, das man hinten anheftet (&#8220;Suffix&#8221;), vorne (&#8220;Präfix&#8221;) oder am Kreuz (&#8220;Kruzifix&#8221;). Wer einen klappernden Fensterladen wieder befestigt, wird sagen, er habe ihn repariert, fixiert, oder neudeutsch auch &#8220;gefixt&#8221;. Ist alles erledigt, ist es &#8220;fix und fertig&#8221;. Daher war die erste Bedeutungsübertragung möglich, ein fixer Bursche war einer, der Sachen eben auch fertigbrachte. Das nannte man früher &#8220;anstellig&#8221;. Aber immer noch geht es primär um die Qualität der Arbeit, nicht um die Zeit, innerhalb derer sie verrichtet wurde.</p>
<p>&#8220;Fix&#8221; als Synonym für &#8220;flink&#8221; ist so nicht hinreichend erklärt. Eine eindeutige Herleitung konnte ich nicht finden, aber einen Verdacht habe ich durchaus. Dazu riskiere ich mal schnell die Jugendfreiheit meines Blogs: Es gibt einen mittelhochdeutschen Ausdruck, der eine lustige Karriere hingelegt hat. Bewegt man etwas schnell hin und her, so ist das Wort dafür *hüstel* <em>ficken</em>. Es teilt sich den Stamm mit so harmlosen Wörtern wie &#8220;fegen&#8221;, aber irgendwo im indogermanischen Sprachgedächtnis schlummert sogar eine Verwandtschaft zu den Vögeln. Ich spare mir den Kalauer, nun zu fragen, was ficken mit Vögeln zu tun habe.</p>
<p>Die obszöne Bedeutung des F-Wortes hat alle anderen Wortbildungen zum Aussterben verurteilt. Nach dem <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&amp;mode=hierarchy&amp;textsize=600&amp;onlist=&amp;word=ficken&amp;lemid=GF04100&amp;query_start=1&amp;totalhits=0&amp;textword=&amp;locpattern=&amp;textpattern=&amp;lemmapattern=&amp;verspattern=#GF04100L0" target="_blank">Grimmschen Wörterbuch</a> sagte  man früher durchaus ficken auch für peitschen oder mit einer Rute schlagen. Ganz verschämt hat das Wort sich noch heute in der Ohrfeige versteckt. Oder, so mein Verdacht, auch im unschuldigen <em>fix</em>. Ob man von da aus nach Hawaii kommt, wo bekanntlich wiki-wiki &#8220;schnell&#8221; heißt und sich via engl. quick sofort erschließt, wissen die Grimms natürlich nicht. Die waren nie auf Hawaii. Und auch dem &#8220;Heißen Feger&#8221; will ich nicht weiter nachgehen. Zurück zum Thema:</p>
<p>Analog zu anderen I-A-Bildungen (Wirrwarr, Zickzack, Tric-Trac, Schnickschnack, Ticktack, Flic-Flac, Perlicco-Perlacco) gab es auch das Wort Fickfacken. Ein Fickfacker war ein Mensch, der recht unstet war, heute hier, morgen dort. Fahrendes Volk. Ergo jemand, dem man nicht trauen konnte. Auf Jahrmärkten auftretende fickfackende Possenreißer wurden bald auch Faxenmacher genannt. Im Geschäftsleben verbittet man sich Faxen natürlich, wenn nötig auch per Fax. Was für eine Überleitung! Aber auch wenn man Faxe schnell hin und herschicken kann, so kommt dieses relativ junge Wort natürlich von lat. <em>facere</em>, tun, machen. Fac! heißt Mach! und &#8220;Fac simile&#8221; heißt &#8220;Mach es ähnlich&#8221;. Lange vor dem Fax gab es den eingedeutschen Begriff Faksimile bereits. Und nachdem das Fax eine deutsche Erfindung war, hieß es zunächst auch &#8220;Fernkopierer&#8221;, analog zum &#8220;Fernschreiber&#8221;. Die Kopie war das Faksimile, verkürzt zu Fax. Bei &#8220;fern&#8221; wiederholte sich das Drama für Menschen mit Sprachgefühl, denn das Lateinische hält nur Worte wie <em>procul </em>vor oder, als Adjektiv, <em>remotus</em>. Remotofax? Proculkopie? Nein, eine Chimäre mußte her, das Griechische hat ja des schöne Wort &#8220;<em>tele</em>&#8221; und fertig war das Telefax, analog zum Telephon. Das war aber andererseits wieder viel zu lang, und so entstand das neue Wort Fax, zusammen mit dem abgeleiteten Verb faxen.</p>
<p>Wenn einer aber nun die Faxen dicke hat, so heißt das nicht, dass er weiterer schriftlicher Kommunikation abgeneigt ist.</p>
<p class="finish">Auch wenn es so klingt.</p>
<p><em>Bildquelle</em>: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Fickmühlen.jpeg&amp;filetimestamp=20091030191001" target="_blank">Wikipedia</a>, das Schild ist historisch, der Ort im Lkr. Cuxhaven hat sich umgenannt.</p>
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		<title>Bei allem, was mir heilig ist</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 15:08:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wenn wir schwören, müssen wir ja auf irgendwas schwören. Auf die Bibel oder auf Gott. Daher recken wir drei Finger hoch um zu schwören und rufen dabei die Dreifaltigkeit zum Zeugen auf. Das machen auch Heiden. Fällt denen vielleicht nicht mal auf. Aber diese Dreifingergeste hat sich einfach eingebürgert.
Wie haben das eigentlich die Alten Römer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/06/Gommiswald-blazono.png"><img class="alignleft size-full wp-image-2380" title="Gommiswald-blazono" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/06/Gommiswald-blazono.png" alt="" width="142" height="160" /></a>Wenn wir schwören, müssen wir ja <em>auf irgendwas</em> schwören. Auf die Bibel oder auf Gott. Daher recken wir drei Finger hoch um zu schwören und rufen dabei die Dreifaltigkeit zum Zeugen auf. Das machen auch Heiden. Fällt denen vielleicht nicht mal auf. Aber diese Dreifingergeste hat sich einfach eingebürgert.</p>
<p>Wie haben das eigentlich die Alten Römer gemacht? Die wussten noch nichts von der Dreieinigkeit. Was einerseits schade ist, ich hätte gerne die Meinung eines abgeklärten Menschen wie Seneca zu den Lehren des Athanasios gehört. Daß die Dreieinigkeit in der katholischen Kirche nicht mehr in Frage gestellt wurde, kann man eigentlich erst seit der elften Synode von Toledo (675) sagen, oder sogar, was logischer ist, erst mit dem Vierten Laterankonzil, also seit 1215. <span id="more-2368"></span>Also: Keine Dreifaltigkeit bei den Römern bis zum Untergang Westroms. Aber die Römer waren ja zunächst ohnehin keine Christen, was man ihnen bis zum Ende des achten Jahrhunderts seit Gründung der Stadt auch nicht vorwerfen kann.</p>
<p>Also doch Jupiter, Apoll, Mars, Pluto, Neptun, Amor und Merkur, und um Diskriminierung zu vemeiden Juno, Minerva, Venus, Vesta, Diana, Proserpina und Ceres. Und viele andere mehr. Angesichts der vielen Götter der Römer hätten allein für die Hauptgötter nicht die Finger beider Hände gereicht. Von den Laren, die den Römern noch näher standen, ganz zu schweigen. Also, was taten die Römer? Sie griffen sich an eine Stelle, die jedem einzelnen von ihnen wenigstens selbst heilig war. Sie riefen eine Stelle ihres Körpers zum Zeugen an, die schnell auch erklärt, warum nach altrömischer Vorstellungen Frauen ohnehin nicht wirksam Zeugnis ablegen konnten. Wo sollten die sich denn auch hinfassen? Im Lateinunterricht lernt man das nicht. Aber zum einen kann man diese Geste noch heute bei abergläubischen Neapolitanern sehen, und zum anderen erinnert heute der Name eines Körperteils auf Latein daran. Bezeugen: <em>testare.</em> Der Zeuge: <em>Testus</em>, daher Attest, Testament, Testat. Und die lateinische Verkleinerungsform macht daraus den kleinen Zeugen, das &#8220;Zeugerl&#8221;, <em>testiculum.</em></p>
<p class="finish">Wer hätte das gedacht.</p>
<p><em>Bild: Wappen der Gemeinde Gommiswald im Kanton St. Gallen</em></p>
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		<title>Karfreitag</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Apr 2010 21:29:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Heute vor knapp 2000 Jahren wurde Jesus gekreuzigt. Daran erinnern wir uns heute. Und deshalb nennen wir diesen Tag Karfreitag. Freitag ist ja klar, aber wieso &#8220;Kar&#8221;?
Ein Blick ins Englische hilft uns nicht weiter. Dort heißt die Karwoche holy week. Das paßt zum Rest der Welt: Semana santa in Spanien, semaine sante in Frank­reich, settimana santa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/04/ostern-l.gif"><img class="alignleft size-full wp-image-2257" title="ostern-l" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/04/ostern-l.gif" alt="" width="150" height="88" /></a>Heute vor knapp 2000 Jahren wurde Jesus gekreuzigt. Daran erinnern wir uns heute. Und deshalb nennen wir diesen Tag <em>Karfreitag</em>. Freitag ist ja klar, aber wieso &#8220;Kar&#8221;?</p>
<p>Ein Blick ins Englische hilft uns nicht weiter. Dort heißt die Karwoche <em>holy week</em>. Das paßt zum Rest der Welt: <em>Semana santa</em> in Spanien, <em>semaine sante</em> in Frank­reich, <em>settimana santa</em> in Italien. Über­all heilige Wochen, nur bei uns Kar­woche.<span id="more-2255"></span></p>
<h3>Was ist ein Kar?</h3>
<p>Nun gut. Was ist ein Kar? In den Alpen ist das ein Hoch­gebirgs­kessel. Eine Mulde, eine Ver­tiefung neben steil auf­ragen­den Fels­wänden. Hilft uns das weiter? Dieses Kar kommt laut Etymologie­duden von einer mittel­hoch­deutschen Schale, deren Wurzeln sich wiederum irgendwo im Alt­assyri­schen ver­lieren. Sack­gasse.</p>
<p>Vielleicht ist es der grundlegende Freitag, der Freitag schlecht­hin, der Kar­dinal­frei­tag, so­zu­sagen. Und kirchen­nah auch noch, wenn wir schon beim Kardinal sind. Hangeln wir uns hier durch die Zeiten zurück, nach Rom, landen wir beim lateinischen <em>cardo</em>, der Türangel. Wobei so manchem geist­lichen Kardinal nicht klar sein dürfte, wie nah er sprach­lich mit dem Scharnier verwandt ist. Aber irgend­wie ist das auch eine Sack­gasse. Bei Ostern dreht es sich nicht um die Kar­woche. Um­ge­kehrt, es dreht sich alles um Ostern selbst. Das übrigens auch eine inter­es­sante Ety­mo­lo­gie vor­wei­sen kann.</p>
<h3>Ostern</h3>
<p>Die lange als Wortgeberin gefeierte germanische Frucht­bar­keits­göttin Ostara ist wohl doch eine roman­tische Er­fin­dung von Jacob Grimm. Ver­bürgt hin­gegen ist Eostrae, eine britische Göttin des Lichts. Das paßt zum Frühling, zu <em>easter</em> und Ostern, und es ist eine Göttin, die in vielen Kulturen vorkommt: Eos und Aurora sind sprach­lich die­selben Namen. Und so hat über die Morgen­röte Ostern und der Osten durch­aus eine Ver­bin­dung. Aber das liefert uns bei unserem Thema nur <em>karge</em> Unter­stützung.</p>
<h3>Germanen und Chinesen</h3>
<p>Gehen wir nochmal nach England. Der Freitag heißt auf englisch <em>good friday</em>. Guter Freitag? Gut? Ist das nicht ein Tag des <em>Kummers</em>? Wo man sich um die Vor­be­rei­tungen für Ostern <em>kümmern</em> muß&#8230; Und schon haben wir die Wurzel gefunden. Und bei <em>karg</em> waren wir eh schon nah dran: Hinter dieser Wurzel <em>kara</em> verbirgt sich ein ger­ma­nisch-skan­di­na­vi­scher Stamm für &#8220;Kummer&#8221; und &#8220;kümmern&#8221;. Auf Englisch sieht man es noch besser: to care kommt auch daher.</p>
<p>Und im chinesischen? Die übliche Über­setzung 基督受難日 ist recht interessant. 日 ist der Tag. 難 ist das Unglück. 基督 ist Christus. Und 受 steht für das Er­leiden. Da muß man kein Sino­loge sein: Auf Chinesisch heißt der Tag also &#8221;Christus er­lei­det einen Un­glücks­tag&#8221;.</p>
<p class="finish">Das sehen wir im Christentum anders.</p>
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		<title>Gallina caeca</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 21:02:21 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Immer wieder kann man es hören: Ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn. Was für eine Gedankenlosigkeit, was für eine rohe Sprache. Auch wenn sich der eine oder andere darauf berufen will, daß es sich um ein altes Sprichwort handele, so ist das doch eine lahme Entschuldigung.
Es beginnt natürlich mit der Bezeichnung &#8220;blind&#8221;. Sagt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/Braekel.png"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-2211" title="Braekel" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/03/Braekel-150x150.png" alt="" width="150" height="150" /></a>Immer wieder kann man es hören: <em><strong>Ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn.</strong></em> Was für eine Gedankenlosigkeit, was für eine rohe Sprache. Auch wenn sich der eine oder andere darauf berufen will, daß es sich um ein altes Sprichwort handele, so ist das doch eine lahme Entschuldigung.</p>
<p>Es beginnt natürlich mit der Bezeichnung &#8220;blind&#8221;. Sagt man nicht mehr. Zumindest bei den <a href="http://olympia.ard.de/paralympics/team/athlete2314.html" target="_blank">Sport­nach­richten</a>. <span id="more-2205"></span>Da gewinnt eine blinde Münchenerin in Vancouver bei den Paralympics ihre x-te Gold­medaille. Auf Skiern: Biathlon und Langlauf sind die Spezialität der Sportlerin. Die, wie erwähnt, blind ist, was meinen Respekt noch steigert. Doch &#8220;blind&#8221; sagt man nicht. Das heißt jetzt &#8220;seh­behindert&#8221;, zumindest in Offiziell­sprech. Und schon läßt der Respekt nach, &#8220;seh­behindert&#8221; bin ich auch, immer­hin bin ich kurz­sichtig und darf ohne Brille nicht auto­fahren. Und ja, Verena Bentele ist <em>blind,</em> das ist es ja gerade, und sie läßt sich davon nicht behindern. Und ich kommentiere jetzt mal nicht, wie ich es finde, daß jemand, der nicht sehen kann, un­be­dingt mit einem Gewehr hantieren muss. Wobei ich das auch bei den Sehenden über­flüssig finde, Lang­lauf alleine reicht doch.</p>
<p><em><strong>Ein sehbehindertes Huhn findet auch einmal ein Korn.</strong></em></p>
<p>Immer noch ziemlich diskriminierend. Inzwischen sind es nicht mehr nur latz­hosen­tragende Gleich­be­rech­ti­gungs­vor­kämpfer. Jeder Arbeit­geber weiß: Man scheue geschlechts­spezi­fische Aus­drücke wie die Pest, dem <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/agg/" target="_blank">AGG</a> sei Dank. Wofür gibt es das fürchterliche Binnen-I oder den alles­lösenden Schräg­strich? Aber &#8220;Hu/ahn&#8221; &#8211; das ist schon sehr gewagt. Nur, was spräche denn gegen:</p>
<p><strong><em>Ein sehbehindertes Huhn (m/w) findet auch einmal ein Korn.</em></strong></p>
<p>Merken Sie was? Soziale Kälte. Da ist das arme Huhn seh­behindert, aber die Gesell­schaft zwingt das Huhn, seine Grund­bedürfnisse trotz der erhöhten Schwierig­keiten selbst zu befriedigen. Für alles ist Geld da, aber seit die FDP am Ruder ist, führt eine Be­hin­derung in die Armuts­falle. Setzen wir sprach­lich ein Zeichen.</p>
<p><strong><em>Jedes sehbehinderte Huhn (m/w) hat in der Solidargesellschaft das Recht auf ausreichend Korn</em></strong></p>
<p>So ist gleichzeitig auch neutralisiert, daß vorhin die Rede davon war, daß das blinde Huhn <strong><em>einmal</em></strong> ein Korn findet. Das ist ja schon der nächste Reibungs­punkt. Woher wissen wir denn, wie oft dieses Huhn Körner findet? Das wissen wir doch nur, weil wir Daten erheben, die uns im Grunde nichts angehen. Das zeigt doch, wie dieser Staat, wie diese Gesell­schaft inzwischen mit den Schwächsten umgeht.</p>
<p>Ganz zu schweigen von der ge­danken­losen Gleich­macherei bei der Ernährung: Hühner mögen vielleicht gar keine Körner? <a href="http://www.huehner-info.de/huefo/thread.php?threadid=3661" target="_blank">Hühner mögen</a> Würmer und Käfer, Obst und Nudeln.</p>
<p><strong><em>Jedes sehbehinderte Huhn (m/w) hat in der Solidargesellschaft das Recht auf ausgewogene, schmackhafte Ernährung in ausreichender Menge.</em></strong></p>
<p class="finish">Na also. Geht doch.</p>
<p><em>Bildquelle: Wikipedia, Photograph: Stijn Ghesquiere, 2004</em></p>
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		<title>Die Kunst des Fugu</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 21:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Logik]]></category>
		<category><![CDATA[Pleoasmus]]></category>

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		<description><![CDATA[Helden der Logik: Befindet man sich im Weißen Rößl am Wolfgangssee und spaziert man den Kreuzweg hinauf auf das Bergerl hinter dem Ort zu der Kapelle und kehrt dann Richtung Zahnradbahn in den Ort zurück, so kommt man an einer malerischen Manifestation eines Pleonasmus vorbei:

Ignorieren wir mal die Bemerkung &#8220;auf eigene Gefahr&#8221;,  das obere Schild [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Helden der Logik: Befindet man sich im Weißen Rößl am Wolfgangssee und spaziert man den Kreuzweg hinauf auf das Bergerl hinter dem Ort zu der Kapelle und kehrt dann Richtung Zahnradbahn in den Ort zurück, so kommt man an einer malerischen Manifestation eines Pleonasmus vorbei:</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-large wp-image-2040 aligncenter" title="IMG_0994" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/IMG_0994-1024x682.jpg" alt="" width="655" height="437" /></p>
<p>Ignorieren wir mal die Bemerkung &#8220;auf eigene Gefahr&#8221;,  das obere Schild reicht schon. Eine der häufigsten Pleonasmen ist die Feststellung, daß ein Berechtigter etwas darf, was ein Unberechtigter nicht darf. Bei einem <em>Unbefugten</em> verhält es sich anders, das darf man nicht verwechseln. <span id="more-2039"></span>Befugnis berechtigt noch nicht und ein Mangel an Befugnis schließt keine Berechtigung aus.</p>
<p>Nun, wenn jemand nicht be<em>fug</em>t ist, wird man ihm mit <em>Fug und Recht</em> die Berechtigung mit einem Schild verwehren. Auch das Schild oben <em>fügt </em>sich ein in die Landschaft, und der Unberechtigte wird sich, wenn es die <em>Fügung</em> will, ebenfalls fügen, nur nicht in die Landschaft sondern dem Schild. Wer, <em>Unfug</em> im Sinn, dazu die <em>Kunst der Fuge</em> pfeift, flüchtet sich aus der Wortverwandtschaft: Die Fuge in der Musik kommt aus dem lateinischen, <em>fuga</em> ist die Flucht. Die erste Stimme (<em>dux</em>) &#8220;flüchtet&#8221; mit dem Thema und wird, ähnlich wie in einem Kanon, von ihren ähnlichen Begleitern verfolgt (<em>comes</em>).</p>
<p>Alles andere kommt aus dem Mittelhochdeutschen. &#8220;vüegen&#8221; hieß &#8220;passend zusammensetzen&#8221;, &#8220;sich anpassen&#8221;. Daher die Schreinerfuge, das Zusammenfügen zweier Bretter. Schon damals bildete sich darauf das Hauptwort &#8220;vuoc&#8221;, und das stand für  Kunstfertigkeit, Schicklichkeit und Angemessenheit, und da ist es nicht mehr weit zum Recht. So gesehen ist &#8220;Fug und Recht&#8221; doppelt gemoppelt. Interessant, dass Schicklichkeit und Schicksal aufeinandertreffen in der <em>Fügung</em>.</p>
<p>Nicht mit alledem zu tun hat der japanische Kugelfisch, der<a href="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/fugu_fish.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-2055" title="fugu_fish" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2010/02/fugu_fish-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a></p>
<p class="finish">Fugu&#8230;</p>
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		<title>Vox populi</title>
		<link>http://www.svb.bayern.net/2009/06/16/vox-populi/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 21:35:07 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Nun wird es also durchgezogen, das &#8221;Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinder­porno­graphi­schen In­hal­ten in Kom­mu­ni­ka­tions­netzen&#8221;, kurz Zu­gangs­er­schwe­rungs­ge­setz ZugErschwG. Hoffentlich lesen die regierenden Politiker zum Beispiel den Spiegel. Oder irgend­eine andere ge­eig­ne­te Zei­tung. Muß ja nicht gleich der heise-News­ticker sein. 130.000 Bürger zuerst völlig un­ge­recht­fer­tigt zu be­schul­digen und dann zu igno­rieren, das ist ein Bären­dienst an unserer Demo­kratie.
Die Ver­ant­wort­lichen sollten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1432" title="spd-stopp" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/spd-stopp.jpg" alt="spd-stopp" width="236" height="210" />Nun wird es also <em>durchgezogen</em>, das &#8221;Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinder­porno­graphi­schen In­hal­ten in Kom­mu­ni­ka­tions­netzen&#8221;, kurz Zu­gangs­er­schwe­rungs­ge­setz ZugErschwG. Hoffentlich lesen die regierenden Politiker zum Beispiel <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,630568,00.html" target="_blank">den Spiegel</a>. Oder irgend­eine andere ge­eig­ne­te Zei­tung. Muß ja nicht gleich der <a href="http://www.heise.de/newsticker/Neuer-Gesetzentwurf-fuer-Web-Sperren-enttaeuscht-Kritiker--/meldung/140503" target="_blank">heise-News­ticker</a> sein. 130.000 Bürger zuerst völlig un­ge­recht­fer­tigt zu be­schul­digen und dann zu igno­rieren, das ist ein Bären­dienst an unserer Demo­kratie.</p>
<p><span id="more-1429"></span>Die Ver­ant­wort­lichen sollten sich be­deckt halten, wenn wieder fest­ge­stellt wird, daß die An­zahl der Wähler kon­ti­nuier­lich ab­nimmt:</p>
<blockquote><p>Das ursprünglich von Familienministerin Ursula von der Leyen auf den Weg gebrachte Gesetz hatte massive Proteste <a title="vor allem in der sogenannten Internet-Community" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,628017,00.html">vor allem in der sogenannten Internet-Community</a> verursacht. Eine Online-Petition gegen das Gesetz auf den Seiten des Deutschen Bundestages hat inzwischen politische Geschichte geschrieben: <a title="Deutscher Bundestag:  ePetition gegen Internetsperren" href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860" target="_blank">Mit rund 130.000 Unterzeichnern </a>ist sie die größte von Bürgern initiierte Petition, mit der sich der Bundestag je befassen musste. Das wird er wohl erst erledigen, wenn der Entwurf längst Gesetz ist: Es wird nicht erwartet, dass sich der Petitionsausschuss noch vor der Sommerpause damit befasst. CDU und SPD versuchen, das Zugangserschwerungsgesetz noch in dieser Legislaturperiode durchzusetzen.</p></blockquote>
<p>Dennoch, es stellt sich das Gefühl ein, daß das Durch­peitschen des Gesetzes ein Pyrrhus-Sieg für die Initia­toren wird. Inter­es­sant auch der Um­stand, daß der mit einer Auf­gaben­er­wei­te­rung kon­fron­tierte ober­ste Daten­schützer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Schaar" target="_blank">Peter Schaar</a> von dieser Sache aus der Presse er­fah­ren mußte. Seine Em­pö­rung war wohl nicht ge­spielt und er verdient vollstes Mit­ge­fühl. Deut­licher konnte man die ihm zu­ge­dachte Feigen­blatt­funktion nicht demon­strieren. Seine Zivil­courage wurde wohl unter­schätzt. Schließ­lich unter­steht er dem Bundes­innen­mini­sterium. Wieso eigentlich?</p>
<p><img class="alignright size-medium wp-image-1435" title="einfahrtverboten" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/einfahrtverboten-286x300.png" alt="einfahrtverboten" width="138" height="144" />Natürlich bleibt noch viel mehr unbegreiflich. So war die CDU/CSU von Anfang an für diesen ganzen Unsinn. Die SPD war nach­denk­licher, bis auf Aus­nahmen, brachte ein paar Ände­rungen ein, die nicht nur reine Kosme­tik sind. Und wer kriegt die Prügel? <a href="http://www.spreeblick.com/2009/06/16/auf-nimmerwiedersehen-spd/" target="_blank">Na klar, die SPD</a>. Aus diesem Artikel stammt das oben verwendete &#8220;Stopp­bild&#8221;. Stoppschild? Und nie­man­dem fällt auf, daß ein Stopp­schild so definiert ist: Anhalten, schauen, weiter­fahren, wenn keiner kommt. Ver­mut­lich sollte das ein anderes Schild werden (Einfahrt verboten!), aber Politiker sind so oft mit Chauffeur unter­wegs, die kennen viel­leicht unsere Ver­kehrs­schilder gar nicht mehr.</p>
<p>Oben stand zu lesen, daß so ein Vor­gehen, wie es uns von den Bundes­politi­kern hier gezeigt wurde, die oft be­jammer­te Politik­ver­drossen­heit stärkt. Natür­lich wird das hier <strong><em>kein</em></strong> Aufruf zum Wahl­boykott. Nicht zu wählen ist dumm oder arrogant. Oder beides. Das Nicht­wählen auch noch zu zele­brieren ist be­quem­lich und borniert. Demo­kratie be­steht nicht daraus, alle paar Jahre ein Kreuzerl irgend­wohin zu machen. Auch nicht, die regel­mäßigen Quas­sel­sen­dun­gen im Fern­sehen an­zu­schauen. Demo­kratie ist ein Recht, mit­ge­stalten zu können. <em>Use it or loose it</em> &#8211; wir können in <a href="http://piratenpartei.de/" target="_blank">verrückte Parteien eintreten</a>, <a href="http://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/view/304/153/" target="_blank">demon­strieren</a>, <a href="http://www.czyslansky.net/" target="_blank">Blogs schreiben</a>, <a href="http://www.abgeordnetenwatch.de/" target="_blank">Ab­ge­ord­nete quälen</a>. Im Iran sind da die Möglichkeiten <a href="http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE55F0CI20090616" target="_blank">nicht ganz so viel­fältig</a>. Oder in <a href="http://debatte.welt.de/kommentare/135865/china+vom+ehrengast+zur+zumutung" target="_blank">China</a>. Wer nicht wählt, unter­nimmt den un­taug­lichen Ver­such, sich aus der Ver­ant­wortung zu stehlen. So etwas machen nur Idioten (griechisch: ἰδιότης, der Privat­mann, also einer, der sich aus der Politik heraus­hält. Mir gefällt, wie die alten Griechen das sahen&#8230;). Und die Politiker weinen Kroko­dils­tränen über den Nieder­gang der demo­krati­schen Kultur und nutzen das ganze De­sa­ster für ihre eigenen Ziele. Wer will denn so regiert werden, von ein</p>
<p class="finish">paar Lamentariern?</p>
<p><em>Bildquelle: Spreeblick</em></p>
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		<title>Warnschuß vor den Bug</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 22:53:37 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Europawahl ist vorbei &#8211; ein Desaster für die beiden Volksparteien. Beim Bundeswahlleiter gibt es das amtliche End­er­geb­nis. Wenn das so weiter­geht, wird man eine Koalition aus SPD und CDU/CSU kaum als &#8220;große Koalition&#8221; be­zeich­nen können. Eine Zwei­drittel­mehr­heit ist das jeden­falls nicht mehr.
Aber die CSU ist drin. Wäre sie es nicht, hätte das viel­leicht endlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1355" title="europawahl" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/06/europawahl.png" alt="europawahl" width="424" height="265" />Die Europawahl ist vorbei &#8211; ein Desaster für die beiden Volksparteien. Beim <a href="http://www.bundeswahlleiter.de/de/europawahlen/EU_BUND_09/ergebnisse/bundesergebnisse/b_tabelle_99.html" target="_blank">Bundeswahlleiter</a> gibt es das amtliche End­er­geb­nis. Wenn das so weiter­geht, wird man eine Koalition aus SPD und CDU/CSU kaum als &#8220;große Koalition&#8221; be­zeich­nen können. Eine Zwei­drittel­mehr­heit ist das jeden­falls nicht mehr.</p>
<p>Aber die CSU ist drin. Wäre sie es nicht, hätte das viel­leicht endlich einmal eine Dis­kussion an­ge­stoßen, wieso die CSU bundes­weit über fünf Prozent aller Stimmen braucht, aber nur in Bayern gewählt werden kann. Das ist schwer ver­mittel­bar. Solange sie komfortabel über fünf Prozent liegt, interessiert das niemanden. Aber dann? Anderer­seits, an­ge­sichts ihrer Politik wäre es ja vielleicht doch kein so großer Verlust für uns gewesen. Die Stimme für Bayern? Na eher die Stimme für Eskalation, für halbherzige Verbote, Irre­führung der Wähler, Lavieren, unerträglichen Populismus. Schade eigentlich.</p>
<p>Warum überhaupt darüber nachdenken? <span id="more-1343"></span>Nun, wie ich sehen mußte, bin ich ja <a href="http://www.svb.bayern.net/2009/06/03/entscheidungshilfen/" target="_blank">der CSU näher</a>, als ich je gedacht hätte. Aber die Gegen­stände, in denen wir uns nicht treffen, fallen alle unter <em>condicio sine qua non</em>. Was sich im übri­gen wirklich so schreibt, denn es kommt von <em>condicere</em> (vereinbaren), nicht von <em>condire</em> (würzen). Aber schon die Römer machten das gerne falsch, sogar noch in Zeiten der Republik, und ver­ein­barten fälsch­licher­weise Kon­di­tionen und nicht Kon­dizionen. Sportler haben eine Kon­di­tion, da stimmt es mit der Würz­mischung. Wobei nicht die Rede vom Rad­sport sein soll.</p>
<p>Zurück zum Thema: FDP und Grüne haben gut ab­ge­schnitten. Irgend­wo mußten die ent­täusch­ten Wähler der ehe­maligen Volks­parteien ja hin  - und dass es nicht die LINKEN waren, die diese Stimmen be­kom­men haben, beruhigt. Schaut man genau hin, ist die FDP sogar der ein­deutige Wahl­sieger, die Graphik macht es deutlich. Die Spalte &#8220;Delta­Promille&#8221; ist einfach die Dif­fe­renz der je­wei­ligen Prozente, multi­pli­ziert mit 10, um die Unter­schiede leichter erkennbar zu machen.</p>
<h3>Die Sieger</h3>
<p>Publizistisch Sieger ist die CSU. Eine Partei, die gerade ein Zehntel ihrer Wähler verloren hat, nimmt einen &#8220;ein­deuti­gen Auf­wärts­trend&#8221; wahr. Dabei hat sie bei Licht betrachtet mehr verloren als die SPD. Diese wie­de­rum wird aber von der Presse als größter Verlierer bezeichnet. Muß man nicht verstehen.</p>
<p>Emotional bei den Siegern, aber vermutlich eine Rand­er­schei­nung: die Piraten. Eine Partei, die in der deutschen Öffent­lich­keit bis jetzt kaum in Er­schei­nung tritt, die ins­be­son­dere vom Fern­sehen und den üblichen Zeitungen für ge­wöhnlich ignoriert wird, und dann ent­scheidet sich doch an­nähernd jeder hunderste Wähler für diese Leute. Das Programm ist diffus. Die Ziele sind vor allem dann unklar, wenn es um Themen geht, die nichts mit In­for­mations­ver­ar­bei­tung, Ur­heber­recht und elek­tro­nischer Kom­mu­ni­ka­tion zu tun haben. Ohne bos­haft klingen zu wollen: Diese Partei spiegelt wider, was heraus­kommt, wenn Nerds sich als See­räuber verkleiden. Es gibt also doch recht viele Menschen, die bereit waren, ihre Stimme einer Grup­pie­rung zu geben, von der man bereits bei der Wahl sicher sein konnte, daß sie nicht ins Parlament kommen würde. Man nannte so etwas früher &#8220;Stimmen ver­schen­ken&#8221;. Das kann man aber auch anders sehen. Diese Stimmen hätten bei den etablierten Parteien keine Verschiebung hervorgerufen, aber sie haben gezeigt, was passiert, wenn die Berliner Republik weiter glaubt, das Volk sei nur zu doof zu verstehen, daß man alles zu ihrem Besten regle.</p>
<p>Und nocheinmal zum &#8220;verschenken&#8221;: Wie das schwedische Beispiel gezeigt hat, hat solch eine Partei durchaus Chancen. Die schwedischen Piraten stellen einen Ab­ge­ord­ne­ten. Was nicht ver­wun­dert, denkt man über <a href="http://www.svb.bayern.net/2009/04/18/schwarzer-freitag/" target="_blank">kürzliche Ereignisse</a> in Schweden nach.</p>
<h3>Chancen erkennen</h3>
<p>Aber knapp ein Prozent, das ist beachtlich. Zuerst muß man sich klarmachen, wieso es diese Partei über­haupt gibt. Der Grund ist das jäm­mer­liche Ver­sagen der FDP in den 90ern, als sie geschockt vom Macht­verlust alles über Bord warf, was sie mal so attraktiv gemacht hatte. Aus der Partei der Bürger­rechte eines ehemaligen Bundes­innen­minister Baum war schlei­chend zunächst die Partei der Besser­ver­die­nen­den und dann die Partei der Besser­ver­die­nen­wol­len­den geworden. Spaß­partei für BWL-Studenten, personi­fi­zierter Größen­wahn mit Guido­mobil und dem Projekt 18. All­mählich schwingt das Pendel wieder zurück. Wäre das bereits weiter fort­ge­schrit­ten, wären jene 0,9 % keine Piraten, sondern auch noch FDPler. Mögli­cher­weise. Aber wenn die Themen der Piraten­partei wieder im Parlament ver­tre­ten sind, durch kompetente Politiker, hat sich die Not­wendig­keit der Piraten erledigt.</p>
<h3>Goldene Zitronen</h3>
<p>Gut, und damit ist klar, der Sieger ist die FDP. Die goldene Zitrone hingegen geht an die SPD, die mal wieder so richtig unglücklich agiert hat. Anhand des Themas Bürger­rechte konnte man so richtig schön sehen, wie man ein Thema ver­geigen kann, bei dem man eigent­lich hätte punkten können. Denn, auch wenn der Sozialis­mus und die Sozial­demo­kratie davon reden, daß das Volk er­zo­gen werden müsse, so ist der durch­schnitt­liche SPD-Wähler eher aufmüpfig. Was einer der Gründe ist, wieso diese Partei lust­voll alles de­mon­tiert, was Autorität aus­strahlt, also auch regel­mäßig den eigenen Vor­sitzen­den, Kanzler oder auch nur Kanzler­kandidat. Das ist gelebte <em>corporate identity</em>, kann man nichts machen. Auch Herrn Stein­meiers Tage sind gezählt. Sobald er möglicher­weise Erfolg hat, fällt er dem Scherben­gericht anheim. Hat er keinen, auch.</p>
<p>Damit ist klar, der hier ausreichend kommentierte Zensursula-Vorfall hätte sich angeboten, wähler­stimmen­bringend kriti­siert zu werden. Aber ach, der Mut war nicht da. Frau Justiz­ministerin Zypries wandte sich zwar gegen die Mau­scheleien mit jenen fünf hand­ver­­lesenen Provider-Unternehmen. Nach­dem aber die Presse zunächst noch allzu brav alles des Ver­brechens der Kinder­porno­graphie zieh, was nicht eifrig zu den Stopp­schilder­plänen Ja und Amen sagen wollte, bekam sie kalte Füße.</p>
<p>Nun ging es nur noch um Effizienz und Grund­gesetz, die Ein­führung der Stopp­schilder war ja schon beschlossene Sache. Und somit überholte sie gleich noch Herrn Schäuble rechts, der nicht wusste, wie ihm geschah: Das BKA sollte Zugriff auf die Daten der Bürger erhalten, die auf ein Stopp­schild surften, ob freiwillig oder aus Versehen, ob fern­ge­steuert über Viren oder Spam oder durch boshafte Mail­empfeh­lungen. Jeder, der das Schild mehr­fach sieht, muß sich einen An­fangs­verdacht gefallen lassen. BKA und Justiz­mini­sterium im Gleich­schritt.</p>
<h3>Chancen verpassen</h3>
<p>Es ging also nur darum, Frau von der Leyen nicht das ganze Feld zu überlassen. Traurig. Jetzt, nach der Anhörung, aber noch vor der Wahl, waren einige Ab­ge­ord­nete hell­hörig geworden. Man kann nicht jedem Ab­ge­ord­ne­ten vor­werfen, dass er sich nicht überall auskennt. Auch nicht, wie leicht sich Spitzen­politiker von einer Hand­voll altkluger <a href="http://de.sevenload.com/videos/SyMWUPh-Kinder-fragen-Politiker-nach-dem-internet" target="_blank">Kinder vorführen lassen</a>. &#8220;Was war denn nun schon wieder ein Browser?&#8221;. Wittgen­stein hat be­kannt­lich gesagt, worüber man nicht reden könne, darüber müsse man schweigen. Er hat es zwar in einem völlig anderen Kon­text gesagt und das Zitat passt eigent­lich hier nicht her, aber die Ver­suchung ist zu groß, ich lasse es stehen. Ignoranz und Bor­niert­heit kann man einem Ab­ge­ord­neten hin­ge­gen sehr wohl vor­werfen. Und so gingen weitere Stimmen perdü, als Dr. &#8220;Gaga Gogo&#8221; Wiefels­pütz laut darüber phanta­sierte, was man schönes mit der Zensur­platt­form noch so  anstellen könne. Zum Beispiel &#8220;ver­fassungs­feind­liche&#8221; Inhalte sperren. Darüber hat sich <a href="http://www.internet-law.de/2009/06/wiefelsputz-und-die-internetzensur.html" target="_blank">Thomas Stadler schon pro­fes­sio­nell geärgert, das zitiere ich</a> einfach nur.</p>
<p>Das war also der Auftakt unseres Superwahljahres. Wahlgetöse und nun das. Das kann ja noch heiter werden. An­ge­sichts solcher Zu­stände in Berlin wundert es nicht, daß die &#8220;Sonstigen&#8221; mit gut über zehn Prozent bereits zweimal die 5-Prozent-Hürde nehmen könnten. Jeder zehnte Wähler ist nicht im Parlament vertreten. Von den Nicht­wählern ganz zu schweigen, aber wenigstens hier war keine weitere Ver­schlech­te­rung zu be­kla­gen, es waren wenige bei der Wahl, aber wenig­stens nicht weniger als sonst. Und von den wenigen haben auch noch 2,2 Prozent un­gültig ge­wählt.</p>
<p class="finish">Pisa oder Protest?</p>
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		<title>Alter Schwede</title>
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		<pubDate>Sun, 03 May 2009 12:31:26 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Einer meiner Lieblingsfilme ist &#8220;conspiracy theory&#8221; mit Mel Gibson und Julia Roberts. Auf Deutsch hieß er &#8220;Fletchers Visionen&#8221; &#8211; ein schwacher Titel, denn es ging ja nicht um Visionen. Es ging um Ver­schwörung. Wer überall Ver­schwö­rung wittert, ist weniger visionär, sondern eher paranoid (παρὰ &#8220;neben&#8221;, νοῦς &#8220;der Verstand&#8221;, macht zu­sam­men παράνοια).
Paranoia ist nicht unpraktisch, wenn man spannende Dinge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1116" title="conspiracytheory" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/05/conspiracytheory.gif" alt="conspiracytheory" width="288" height="308" />Einer meiner Lieblingsfilme ist &#8220;conspiracy theory&#8221; mit Mel Gibson und Julia Roberts. Auf Deutsch hieß er &#8220;Fletchers Visionen&#8221; &#8211; ein schwacher Titel, denn es ging ja nicht um Visionen. Es ging um Ver­schwörung. Wer überall Ver­schwö­rung wittert, ist weniger <em>visionär</em>, sondern eher <em>paranoid</em> (παρὰ &#8220;neben&#8221;, νοῦς &#8220;der Verstand&#8221;, macht zu­sam­men παράνοια).</p>
<p>Paranoia ist nicht unpraktisch, wenn man spannende Dinge schreiben will. Nur der Para­noi­ker hat die Gabe, wirk­lich eins und eins zu­sam­men­zu­zäh­len, wie man so schön sagt, denn er sieht alles von allen Seiten zu­gleich, nichts ent­geht ihm. &#8220;A Beautiful Mind&#8221; mit Russell Crowe, die Ver­filmung des Lebens des genialen Wissen­schaft­lers John Nash, zeigt die häß­liche Seite der Paranoia: Die Ver­schwörung findet nur in seinem Kopf statt. Aber ver­mut­lich haben <em>sie</em> diesen Film nur ge­macht, um Ver­wir­rung zu stiften. Wer <em>ihnen</em> auf die Schliche kommt, wird als geistes­krank hin­gestellt.</p>
<p>Wer <em>sie</em> wohl sein mögen? <span id="more-1105"></span>Ich hätte da schon eine Ver­mu­tung: Es ist die <em>Musik­indu­strie</em>. <a href="http://www.svb.bayern.net/2009/04/05/3-2-1-keins/" target="_blank">Frank­reich haben sie be­reits </a>erobert. Hier in Deutsch­land wird eine höchst zweifel­hafte Sperr­platt­form dis­ku­tiert, die sogar Ge­setz werden soll. Auf dem Rücken ge­quäl­ter Kinder wird et­was ein­ge­führt, das sich die Musik­indu­strie schon lange ge­wünscht hat. Zufall? In Schweden werden die Spontis von &#8220;Pirate Bay&#8221; zu drasti­schen Strafen ver­ur­teilt. Das Gericht war dabei nicht ganz un­be­fan­gen, wie sich danach heraus­stellte. Nachzulesen zum Beispiel <a href="http://futurezone.orf.at/stories/1602634/" target="_blank">beim ORF</a>:</p>
<blockquote><p>Rickard Falkvinge, Chef der schwedischen Piratenpartei, wirft der Copyright-Lobby im Gespräch mit The Local vor, &#8220;die Korruption nach Schweden gebracht zu haben&#8221;.</p></blockquote>
<p>Harte Worte. Was sagt Europa dazu? Laut <a href="http://ec.europa.eu/internal_market/copyright/term-protection/term-protection_de.htm" target="_blank">eigenen Angaben</a>:</p>
<blockquote><p>Die Kommission unterbreitete einen Vorschlag, wonach die Schutzdauer des Urheberrechts der ausübenden Künstler und Herstellern von Tonträgern auf 95 Jahre verlängert wird. Ziel des Vorschlags ist es, den Schutz der Künstler mehr in Einklang mit dem Urheberschutz der Autoren zu bringen.</p></blockquote>
<p>Weiter unten sieht man:</p>
<blockquote><p>Schließlich werden die Plattenfirmen einen Fonds einrichten müssen, in den sie 20% ihrer Einnahmen zahlen, die während des erweiterten Zeitraums anfallen. Dieser Fond wird an die Studiomusiker verteilt, deren Aufnahmen in der verlängerten Schutzdauer verkauft werden.</p></blockquote>
<p>Das soll den Künstlern helfen? Das hilft doch nur der Musik­indu­strie. Sollen hier wirk­lich Autoren und inter­pre­tie­ren­de Musiker gleich­ge­stellt werden? Das sind doch nicht die Ent­sprechungen, da müsste man Schau­spieler und Kompo­nisten eben­falls gleich­stellen. Das will keiner. In Wahr­heit hat die Musik­indu­strie auf ein­mal die Chance, aus tra­di­ti­o­nell kurz­lebiger Pop-Musik noch zig Jahre lang Profite ziehen zu können. Die meisten Künstler wären schon froh, würden sie ein­fach an­stän­dig bezahlt. Ein Musiker freut sich über eine an­ge­messene Gage für eine Mugge (&#8220;Musiker­ge­legen­heits­job&#8221;, das früher in Mu­si­ker­krei­sen sehr ge­bräuch­liche Wort hat sich heute merk­würdig ver­selb­stän­digt). 95 Jahre lang Aus­zahlun­gen aus einem Fond? So alt wird keiner. Aber der Wert ge­handel­ter Rechte steigt&#8230;</p>
<p>IPRED heißt die EU-Richtlinie, die derzeit in Schweden für Ärger sorgt. Kurz­fas­sung: Ur­heber­rechts­ver­letzungen sollen ein­facher ge­ahn­det wer­den. Pro­vider wer­den ge­setz­lich ver­pflich­tet, etwas zu tun, das ihnen gerade noch aus Da­ten­schutz­grün­den ver­bo­ten war: Das Über­mitteln per­sonen­be­zo­ge­ner Daten an Dritte. Daten, auf die die Musik­indu­strie somit direkt Zu­griff be­kom­men soll, um ihre &#8220;<a href="http://www.svb.bayern.net/2008/06/11/sind-wir-nicht-alle-ein-bischen-kriminell/" target="_blank">Räuber</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://www.svb.bayern.net/2008/09/18/piraten-ohne-schiff/" target="_blank">Piraten</a>&#8221; zu fangen. Bei uns be­darf es des Um­wegs über Europa nicht. Manche Staats­anwälte weigern sich zwar noch, sich zum Büttel der Musik­indu­strie machen zu lassen. Manche Gerichte sehen es eben­falls so, dass nicht alle Rechte zurück­treten müssen vor den Rechten der Musik­indu­strie. Verfolgt wird bei uns immer noch nur <em>gewerbliche</em> Ur­heber­rechts­ver­letzung. Was wie­de­rum einige Gerichte (z.B. das OLG Köln) nicht daran hindert, bereits bei einer Hand­voll MP3-Dateien von ge­werb­li­chem Um­fang aus­zu­gehen. Die Richtung ist klar. Angela Merkel hat sich bereits vor den Karren spannen lassen, mit ihrem be­rüchtig­ten &#8220;Offenen Brief&#8221; letztes Jahr. Auf Dauer werden wohl auch bei uns nur Maß­nahmen zur Durch­setzung eines nur selten hinter­fragten Rechts­an­spruchs dis­kutiert, an­statt ein­fach die Si­tu­ation von Künstlern zu ver­bessern. Ich wieder­hole mich: Dank Inter­net haben die Künstler heute die Chance, ihre Kunst wieder direkt zu ver­markten, ohne von einer kompletten <em>Indu­strie</em> ab­hän­gig zu sein. Was sprach eigentlich gegen das System der Mäzene und der staat­lichen För­de­rung? Das hat sich ein paar tau­send Jahre bewährt&#8230;</p>
<p>Ich hoffe, ich werde nicht mißverstanden: Ich werde den Teufel tun, den Künstlern ihre <em>Rechte</em> ab­zu­strei­ten. Ich streite nicht einmal der Musik­indu­strie ihre Rechte ab. Ich bin ledig­lich be­sorgt und ver­ärgert über die Me­tho­den der Indu­strie und das völlige Igno­rieren des Grund­satzes der Ver­hält­nis­mäßig­keit. Und ich mag Heu­ch­elei und Phari­säer­tum nicht: In zahl­reichen Kampa­gnen wird vor­ge­rech­net, wieviel Geld die kopie­ren­den Jugend­lichen der Musik­indu­strie vor­ent­halten und es wird so getan, als käme das Geld ge­wöhn­lich den Künstlern zugute. Keiner erwähnt, wie wenig die Künstler letzt­lich von der Musik­indu­strie be­kom­men und nie­mand macht sich die Mühe aus­zu­rech­nen, wie aus Taschen­geld jemals ein Milli­arden­markt werden soll.</p>
<p>Zurück zum Thema: Die schwedischen Provider jedenfalls lassen sich nicht ein­span­nen gegen ihre Kunden. Von denen ja, und darum geht es, die über­wie­gen­de An­zahl brav alles be­zahlt, was sie nutzt. In einer <a href="http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=090430003" target="_blank">aktuellen Presse­mit­teilung</a> wird von ihrer Gegen­wehr berichtet:</p>
<blockquote>
<h3>Schwedische Provider löschen IP-Daten von Kunden</h3>
<h4>ISPs widersetzen sich Auskunftspflicht gegenüber der Medienindustrie</h4>
<p><em>Stockholm (pte/30.04.2009/06:10)</em> &#8211; Der schwedische Internetprovider Tele2 hat angekündigt, Daten, die eine Identifikation des Kunden anhand seiner IP-Adresse ermöglichen, nicht mehr zu speichern. Diese Nicht-Speicherung bzw. Löschung der Informationen, welche IP-Adresse zu einem gewissen Zeitpunkt einem Nutzer zugeordnet war, geschehe zum Schutz der Privatsphäre der Kunden, begründet Tele2. Der Internet Service Provider (ISP) schließt sich damit den Webzugangsanbietern &#8220;All Tele&#8221; und &#8220;Bahnhof&#8221; an, die bereits zuvor den Verzicht auf die Speicherung angekündigt hatten.</p></blockquote>
<p>Und die Musikindustrie schäumt über den unerwarteten Widerstand. Ihr Anwalt bringt es auf den Punkt, weiter unten in derselben Mitteilung:</p>
<blockquote><p>Wenig erfreut von der Ankündigung der Provider sind Vertreter der Medienindustrie. Peter Danowsky, Anwalt des Branchenverbandes IFPI, zeigt sich verärgert und macht keinen Hehl daraus, dass er härtere Gesetze fordert. &#8220;Jeder im Parlament hat unter der Annahme gehandelt, dass die ISPs sich gegenüber dem Gesetzgeber loyal verhalten und nicht von Rechtsbrüchen profitieren wollen&#8221;, moniert Danowsky. Sollten auch andere Provider dem Vorbild folgen, werde man für entsprechend schärfere Gesetze sorgen, poltert der IFPI-Anwalt.</p></blockquote>
<p>Der Anwalt weiß jetzt schon, daß <em>man</em> für schärfere Gesetze sorgen werde? Da ist sie wieder,</p>
<p class="finish">meine Paranoia.</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://www.dreamagic.com/vivianrose/08-11-97.html" target="_blank"><em>dreammagic.com</em></a></p>
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		<title>Unwörter</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Apr 2009 21:08:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>svb</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wort des Jahres]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieses Jahr hatte ich noch keinen Kandidaten für das Unwort des Jahres. Die Unwort-Debatte ist nicht ganz ungefährlich und man wird kaum Wörter finden, die zu verurteilen der einhellige Wunsch aller Deutschen ist.
Es gab:
Freiwillige Ausreise (2006, den Ausreisenden wurde unterstellt, sie hätten sich doch irgendwie überreden lassen). Herdprämie (2007, das Wort diffamiere Eltern, die ihre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1029" title="berl-philharmoniker-web" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/04/berl-philharmoniker-web-283x300.jpg" alt="berl-philharmoniker-web" width="283" height="300" />Dieses Jahr hatte ich noch keinen Kandidaten für das Unwort des Jahres. Die Unwort-Debatte ist nicht ganz ungefährlich und man wird kaum Wörter finden, die zu verurteilen der einhellige Wunsch aller Deutschen ist.</p>
<p>Es gab:</p>
<p><em>Freiwillige Ausreise</em> (2006, den Ausreisenden wurde unterstellt, sie hätten sich doch irgendwie überreden lassen). <em>Herdprämie</em> (2007, das Wort diffamiere Eltern, die ihre Kinder zuhause erziehen und nicht in eine Krippe geben). <em>Notleidende Banken</em> (2008, das Wort vertausche Ursache und Wirkung der Wirtschaftskrise).</p>
<p>Ich hätte andere Wörter ausgesucht. <span id="more-1019"></span><em>Gesundheitsreform</em> wäre ein heißer Kandidat (was gesund ist, muss nicht reformiert werden). <em>Ego-Shooter</em> (wer schießt auf wen? Mein Ego?). <em>Klimakiller</em> (das Klima kann man man nicht killen. Wir können das Klima so verändern, dass es <em>uns</em> killt). <em>Zertifikat</em> (&#8220;etwas, das sicher macht&#8221;). Vielleicht hört die Kommission dieses Jahr auf meinen Vorschlag &#8211; mein Favorit für 2009: <em>Abwrackprämie</em>.</p>
<p>Prämie &#8211; ja, die Prämie des Verrats, der Judaslohn. Ich könnte das nicht. Heute nicht, weil mein Auto noch nicht alt ist. Aber auch früher&#8230; Mein Auto verschrotten? Das mich brav und willig überall hin begleitet hat? Das auf der Strasse treu wartet, bis sein Herr sich ihm wieder anvertraut? Nicht für 30 Silberlinge und nicht für 2500€. Natürlich gibt es auch handfeste Argumente gegen diese Prämie. Zum Beispiel gibt es keinen Gebrauchtwagenmarkt mehr für wirklich billige Autos. Wäre ich heute noch Student, ich wäre sauer auf diese merkwürdige Umverteilung. Damit sich jetzt jemand billiger ein neues kleines Auto kaufen kann, muß jemand anderes ein paar tausend Euro mehr für sein neues gebrauchtes hinlegen. Diese gräßliche Wegwerfmentalität ist mir zuwider. Nun gut, die Luft sollte sich verbessern. Aber das hätte man auch erreichen können, indem man eine Aufbrezelprämie für Fahrräder oder solargetriebene Fahrzeuge bezahlt hätte. Und die Menschen in ärmeren Ländern schauen uns fassungslos dabei zu, wie wir Autos, die sogar noch TÜV haben, einfach einstampfen, anstatt sie wenigstens ihnen zu geben.</p>
<p>Und die ganze Aufregung nur für ein Mißverständnis? Es ging doch nur um Geblödel in der Bundestagskantine. Frau Merkel wollte die Berliner Philharmoniker einmal nackt sehen. Und es wurde darüber diskutiert, wieviel man dafür wohl hinblättern müsste. Nun, und diese Summe nannte man</p>
<p class="finish">Ab-Frack-Prämie</p>
<p><em>Bildquelle: </em><a href="http://www.siegburg.de/cms124/aktuelles/newsletter/xml/index_0029170.html" target="_blank"><em>www.siegburg.de</em></a></p>
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		<title>Gähnen und DNS</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 06:18:59 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[DNS]]></category>
		<category><![CDATA[Hiatus]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor ca. 25 Jahren setzte sich das Domain Name System durch, das DNS, haben wir gerade gehört. Das hatte segensreichen Einfluss auf das Internet (oder auch nicht), aber es hatte auch einen weiteren Effekt, der mit dem Internet gar nichts zu tun hat. DNS war ja ewige Zeiten vorher bereits die Desoxyribonukleinsäure, also diese erstaunliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-547" title="dna_orbit_animated_small" src="http://www.svb.bayern.net/wp-content/uploads/2009/03/dna_orbit_animated_small.gif" alt="dna_orbit_animated_small" width="182" height="300" />Vor ca. 25 Jahren setzte sich das Domain Name System durch, das DNS, haben wir gerade gehört. Das hatte segensreichen Einfluss auf das Internet (oder auch nicht), aber es hatte auch einen weiteren Effekt, der mit dem Internet gar nichts zu tun hat. DNS war ja ewige Zeiten vorher bereits die Desoxyribonukleinsäure, also diese erstaunliche Doppelhelix, auf der alles nachzulesen ist, was es über einen Menschen zu wissen gibt. Zumindest in den Augen der ultraorthodoxen Positivisten.</p>
<p><span id="more-495"></span>Seit Einführung des Domain Name Systems  DNS sagen immer mehr Leute DNA, wenn sie von Desoxyribonukleinsäure reden. A wie Säure? Eher wie <em>acid</em>, und im ganzen anglophonen Sprachraum ist ohnehin die Rede von DNA. Wir nehmen den häßlichen Hiatus in Kauf und sagen glatt immer öfter &#8220;DNA-Analyse&#8221;.</p>
<p>Was ein Hiatus ist? Dieses recht seltene Wort ist lateinischen Ursprungs. Der <em>hiatus</em> ist das Gähnen, aber auch die Erdspalte, der Abgrund. Auch auf Deutsch kann ein Abgrund <em>gähnen</em>. Also diese Art Gähnen, bei der einem der Mund weit offensteht &#8211; und wenn man <em>hiatus</em> genüßlich ausspricht, ist man bereits versucht, sich die Hand vor den Mund zu halten. Den Römern war es unangenehm, wenn bei zwei aufeinanderfolgenden Wörtern das vordere mit einem Vokal endete, während das hintere mit einem begann. Am schlimmsten ist es, wenn diese Vokale auch noch identisch sind. Sprach-FengShui, wenn man so will. Und deshalb muss man kein Deutschtümler sein,</p>
<p class="finish">um das Wort DNA nicht zu mögen.</p>
<p><em>Bildquelle: commons.wikimedia.org</em></p>
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