SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Orchideen

Erstellt von svb am 27. Oktober 2017

Als Orchideenstudium bezeichnet man ein Studium, das sich mit irgendwas vielleicht hübschem, vielleicht interessantem, aber jedenfalls völlig unbrauchbarem beschäftigt. Ich mag eigentlich solche Studiengänge. Man kann zum Beispiel in München Alt-Orientalisitik als Masterstudiengang an der LMU studieren – gefunden habe ich das per Google zum Stichwort „Sumerische Dialekte.“ In Heidelberg kann man immerhin Astrobiologie studieren, was praktisch ist, sobald wie endlich außerirdisches Leben entdecken. Von einem Abschluss lese ich nichts, vermutlich muß man das mit einem Brot- und Butterthema kombinieren.

Wer sagt, Ergebnisse eines solchen Studiums dienten nur zur Vorbereitung auf Hartz IV, der irrt sich sehr und versteht nichts von ernstzunehmenden akademischen Prinzipien. Als Mathematiker weiß ich, wovon ich rede. Erkenntnisse der Topologie wende ich äußerst selten an, höchstens erstaunt-amüsiert mit den Worten „Hey, jetzt weiss ich, wozu das gut ist“. Mein Hauptgegenstand, die Logik, setzt das, was man als Logik im Leben benötigt, als Grundwissen voraus, bevor man das Studium überhaupt beginnt. Das bedeutet, dass ich alles, was ich im Rahmen meines Hauptstudiums an Wissen erworben habe, im Leben nie anwenden werde. Verschwendung? Keineswegs – ich habe Methoden gelernt, die mir mein Leben nicht nur einmal stark vereinfacht haben. Das ist der Zweck eines akademischen Studiums, es geht weniger um die Inhalte, mehr um die Methoden, was sich hoffentlich auch im Zeitalter des Bachelors nicht geändert hat. Wer sich Verdienste um die Erforschung sardischer Hirtengesänge erworben hat, punktet im Bewerbungsgespräch bei mir und muss nicht erklären, was man im „wirklichen Leben damit denn nun macht.“

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Der Aufreger der Woche

Erstellt von svb am 8. August 2017

Ganz offensichtlich hat die Saure-Gurkenzeit schon begonnen: ein Google-Mitarbeiter bemerkt, dass Männer und Frauen nicht gleich seien und schon beginnt nicht nur ein Shitstorm, sondern tausende Kilometer entfernt fällt auch die Presse über den Mann her. Aber was genau ist passiert?

Jener Mitarbeiter von Google, ein Ingenieur, wie es heißt, männlich, wie es heißt, legt in einem internen Schreiben dar, daß er glaube, dass Männer und Frauen unterschiedlich seien.  Ui ui ui – vermintes Gelände. Noch dazu in den USA, wo man, ähnlich wie bei uns, den Rest der Geschichte nicht erzählen muss. Es ist eh klar, wie es weitergeht.

Dabei ist die Behauptung erst einmal nicht falsch. Ich selbst habe mit wirklich vielen Frauen und Männern in technischen Abteilungen zusammengearbeitet und dabei beobachtet, dass Frauen und Männer unterschiedlich an Probleme herangehen. Eigentlich eine Binsenweisheit, insbesondere, wenn man konstatiert, daß es sich hier um statistische Beobachtungen handelt. Natürlich gibt es die geniale Programmierin, und erst recht gibt es den völlig unbegabten männlichen Techniker. Weibliche Nerds? Klar gibt es die. Ich kann nur für jede Nerdine 10 Nerds aufzählen. Ist so. Und wenn ich höre, dass ein Programmierer 36 Stunden durchprogrammiert hat, dann zusammengebrochen ist, aber die Software lief, dann stelle ich mir einen Mann vor. Wenn ich höre, dass das eine Aushilfe war oder eine frisch eingestellte Programmierkraft, stelle ich mir immer noch einen Mann vor, trotz der sprachlich weiblichen Variante. Am Gendern liegt es also nicht, eher an meiner persönlichen Erfahrung. Weiterlesen »

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