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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Ein rein verstandesmäßiges Weltbild ganz ohne Mystik ist ein Unding.
Erwin Schrödinger

 

Mittwoch 1. Juli 2020

Schrödingers Konto

Datei:1000 Schilling Erwin Schrödinger obverse.jpg

Eine Frage zum Thema wirecard beschäftigt mich immer noch. Es gab da ein Konto (oder auch nicht), auf dem knapp zwei Milliarden Euro rumlagen (oder auch nicht). Die Wirecard AG eilte von einem Erfolg zu anderen. Gegenüber den Wirtschaftsprüfern gab sie an, es gebe das Konto, das Geld sei drauf, aber direkten Zugriff habe man nicht. D.h., in der makroskopischen Welt ging alles seinen Gang, unabhängig von diesem Konto. Es gab Gerüchte, es existiere nicht, das Geld sei nicht drauf etc., aber was soll’s, es lief ja alles. Erst mit der Messung wurde der Zustand des abgeschlossenen Systems bekannt und die Auswirkung auf die (Außen-)Welt begann. Das kommt mir richtig bekannt vor……

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Sonntag 28. Juni 2020

Schüchterne Frage

Nachdem der Postillion ein eher unwahrscheinliches Rettungsszenario für die insolvente Wirecard skizziert hat, stellt sich nun doch allmählich die Frage, wie lange es noch dauern wird, bis die Regierung endlich das Problem löst. Wie es geht, haben wir doch gerade gelernt. Unternehmen werden gerettet, wenn sie

  • im DAX gelistet sind
  • deutsche Unternehmen sind
  • systemrelevant sind

Nun, das ist wohl alles bei der Lufthansa der Fall. Bei einem Bundesanteil von 35,7 ist es klar, dass der Bund sein Unternehmen rettet. Deshalb unterstützt der Bund auch die Telekom, mit nur 31,9 % Staatsanteil, hälftig direkt und indirekt via KfW. Immerhin mustergültig offengelegt unter telekom.de, aber auch nachlesbar im Beteiligungsbericht der Bundesregierung. Wir sind auch beteiligt am Deutschen Primatenzentrum GmbH, aber das muss ja nicht gerettet werden.

Also was ist das Problem bei wirecard? Sie sind im DAX, deutsch sind sie auch, und an der Systemrelevanz wird niemand zweifeln. Würden sie abgeschaltet, käme sofort ein beträchtlicher Anteil des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zum erliegen. Vielleicht wissen das aber die Politiker nicht, denn fliegen müssen sie immer, wenn nicht gerade Corona ist, aber Aschheim bei München ist doch arg weit weg von Berlin. Vielleicht ist es ihnen auch nicht bewusst, dass sie mit erheblich höherer Wahrscheinlichkeit direkt oder indirekt mit Wirecard als mit der Lufthansa zu tun haben.

Aber vielleicht denken sie ja auch nur: Wer es nicht merkt, dass er ein Konto mit knapp zwei Milliarden nicht hat, dem kann es nicht wirklich schlecht gehen. Die müssen sicher nicht gerettet werden.

Das ist nachvollziehbar.

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Samstag 14. Juli 2018

Keine Zeit

Zuverlässig einmal im Jahr wird über Zeitumstellung geredet, aber ich halte mich raus. Nicht immer, wie man hier nachlesen kann, aber doch weitgehend. Wenn ich eine Stunde früher aufstehen will, dann tue ich das. Was bei mir eher eine theoretische Überlegung bleibt, aber, und das ist der Punkt, eine die ich treffe. Höchstpersönlich.

Das ruft, wen wundert es, die EU auf den Plan. Die EU-Kommissarin Violeta Bulc hat eine Umfrage gestartet, damit die EU diese weltbewegende Frage endlich für alle Bürger klären und sich dabei auf einen gemessenen Bürgerwillen stützen kann.

Leider war der Bürgerwille nicht auf die paar Internetnutzer gegründet, die zuviel Zeit haben und daher gelangweilt rumklicken. Das Theme bewegt die Massen, und so brachen die Server sofort und auch später immer wieder zusammen. Frau Bulc gegenüber der Süddeutschen Zeitung:

SZ: Die Seite im Internet ist immer wieder nicht erreichbar

Bulc: Bei EU-Konsultationen, die auf sehr großes Interesse stoßen, kann das schon mal passieren. Aber unsere IT-Experten haben das wieder hingekriegt. Innerhalb der ersten drei Tage haben wir ja mehr als eine halbe Million Antworten erhalten. und auch jetzt gehen noch mehr als 250 Antworten pro Minute ein.

Im weiteren teilt sie noch mit, dass Mehrfachantworten ausgefiltert würden und abstimmungsberechtigt jeder sei, ohne Altersbeschränkung.

So weit, so gut, aber was heißt das? Weiterlesen »

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Freitag 27. Oktober 2017

Orchideen

Als Orchideenstudium bezeichnet man ein Studium, das sich mit irgendwas vielleicht hübschem, vielleicht interessantem, aber jedenfalls völlig unbrauchbarem beschäftigt. Ich mag eigentlich solche Studiengänge. Man kann zum Beispiel in München Alt-Orientalisitik als Masterstudiengang an der LMU studieren – gefunden habe ich das per Google zum Stichwort „Sumerische Dialekte.“ In Heidelberg kann man immerhin Astrobiologie studieren, was praktisch ist, sobald wie endlich außerirdisches Leben entdecken. Von einem Abschluss lese ich nichts, vermutlich muß man das mit einem Brot- und Butterthema kombinieren.

Wer sagt, Ergebnisse eines solchen Studiums dienten nur zur Vorbereitung auf Hartz IV, der irrt sich sehr und versteht nichts von ernstzunehmenden akademischen Prinzipien. Als Mathematiker weiß ich, wovon ich rede. Erkenntnisse der Topologie wende ich äußerst selten an, höchstens erstaunt-amüsiert mit den Worten „Hey, jetzt weiss ich, wozu das gut ist“. Mein Hauptgegenstand, die Logik, setzt das, was man als Logik im Leben benötigt, als Grundwissen voraus, bevor man das Studium überhaupt beginnt. Das bedeutet, dass ich alles, was ich im Rahmen meines Hauptstudiums an Wissen erworben habe, im Leben nie anwenden werde. Verschwendung? Keineswegs – ich habe Methoden gelernt, die mir mein Leben nicht nur einmal stark vereinfacht haben. Das ist der Zweck eines akademischen Studiums, es geht weniger um die Inhalte, mehr um die Methoden, was sich hoffentlich auch im Zeitalter des Bachelors nicht geändert hat. Wer sich Verdienste um die Erforschung sardischer Hirtengesänge erworben hat, punktet im Bewerbungsgespräch bei mir und muss nicht erklären, was man im „wirklichen Leben damit denn nun macht.“

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Donnerstag 12. Oktober 2017

Spaßige Nachbarn

Es ist ja nicht so, dass in Österreich derzeit kein Wahlkampf wäre. Daher ist es auch wieder nicht so verwunderlich, daß die Österreicher vor dem EUGH gegen die deutsche Automaut zu Felde ziehen. Die Begründung ist hanebüchen: Österreicher müssten in Deutschland zahlen, weil sie Österreicher seien, das sei diskriminierend. Wunderbar, Diskriminierung: Die politische Wunderwaffe!

Mei, sie hätten vielleicht argumentieren können, dass sie das Verfahren erfunden haben, und jetzt Lizenzgebühren haben wollen. Ehrlich gesagt, ohne das österreichische „Pickerl“ wüsste ich nicht mal, was Maut ist. Natürlich diskriminert das Pickerl die Bayern. Immer schon. Die Österreicher müssen nicht nachdenken, bevor sie losfahren, ob es vielleicht Maut kosten könnte, denn sie haben schon für das ganze Jahr bezahlt. Norddeutsche können lang fahren, bis die Maut fällig wird. Nur wir Bayern müssen nach Norden oder hart nach Westen fahren, um der Maut zu entgehen. Das nenne ich Diskriminierung.

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