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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Donnerstag 22. Januar 2009

Nichts ist unglaubwürdiger als die Wirklichkeit.
Fjodor Michailowitsch Dostojewskij

 

Spassbremsen

Wo arbeiten die humorvollsten Menschen? Beim Fernsehen? Kaum – der Beweis wird täglich angetreten. In der Politik? Schon besser. Aber die wirklich lustigen Menschen arbeiten für die Steuerbehörden. Natürlich nicht in Deutschland. Aber in den USA. Dort gibt es eine Behörde mit dem harmlosen Namen „Internal Revenue Service“. Interner Umsatz-Dienstleister? Das ist ja schon der erste Witz – es handelt sich um die IRS, die oberste amerikanische Steuerbehörde.

Die IRS sitzt in Washington. Und sie hat Humor. Merkt man daran, dass es dort jemandem gelungen zu sein scheint, eine satirische Meldung zu plazieren. Oder war es kein Scherz? Es muss so gewesen sein: Irgendjemand hat mal beiläufig erzählt, dass in den Onlinewelten von World of Warcraft und Second Life mehr umgesetzt wird als das Bruttosozialprodukt Russlands beträgt. Der Newsdienst Neowin schreibt:

The Internal Revenue Service, the American tax authority, is looking into the possibility of taxing transactions that take place in virtual worlds, such as World of Warcraft and Second Life, based on the claim that revenue generated within these environments is nearly equivalent to the GNP of Russia and significantly greater than the GNPs of many more countries.

In Holywar habe ich heute mein Pferd verkauft, 55.000 Goldstücke habe ich bekommen. Beim Plündern von Ortschaften und Burgen der Umgebung waren nochmal rund 6.000 drin, 19.000 hatte ich noch auf der hohen Kante. Für 80.000 bekam ich ein erheblich besseres Pferd. Ein virtuelles Pferd natürlich, aber als Ritter gehe ich ungern zu Fuß. Habe ich schon erwähnt, dass ich in der Stunde 7.500 Goldstücke verdiene? Jedenfalls, wenn ich arbeite. Im Spiel natürlich, im sogenannten real life verdiene ich leider weniger.

Vom Pennergame habe ich bereits erzählt. Dort mache ich eine Fortbildung, die kostet mich 1.500 Euro, aber das war kein Problem. Seit ich eine Gitarre habe, verdiene ich massig Geld in der virtuellen Fußgängerzone am ebenso virtuellen Bahnhof von Hamburg.

Na gut, wo nennenswert Geld ist, prüft immer irgendeine Steuerbehörde, wie man sich dieses Geldes bemächtigen kann. Das wäre keine Meldung wert. Und wenn es nur darum geht, dass man Geld, was man virtuell verdient hat, dann aber in echtes Geld umwandelt, seinem Einkommen zuschlagen muß, zuckt keine Wimper. Die Chip hat die Meldung auch gelesen. Und ebenso interpretiert wie ich, denn gegen Ende des Artikels steht:

Dieses reale Einkommen wäre nach Ansicht der IRS auf jeden Fall steuerpflichtig. Ob sich diese Pflicht aber ausweitet und so auch bereits beim Tausch und Verkauf von virtuellen Gütern ausschließlich innerhalb der virtuellen Welt ergibt, wird von der Steuerbehörde untersucht. Genaue Pläne für eine steuerliche Erfassung virtueller Güter liegen zurzeit allerdings noch nicht vor.

Derzeit noch nicht? Mein Gott. Wenn man den Burschen erzählt, dass hier das Bruttosozialprodukt Russlands erwirtschaftet wird, dann darf man nicht vergessen zu erwähnen, dass man

von Spielgeld redet.

Bildquelle: wow-europe.com

 

3 Kommentare zu “Spassbremsen”

  1. SoGC sagt:

    Das Monopoly mit einem Beiblatt über Grundsteuerrecht rückt in greifbare Nähe.

  2. svb sagt:

    @SoGC: Genial! Das kann man weiterspinnen. Auch ausserhalb des Steuerrechts. Irgendwann kommt sicher jemand drauf, dass man in der Schlossallee nicht bezahlen sollte, sondern einfach nur auf die Räumungsklage warten muss. Das endet dann mit einem lukrativen Vergleich (zum Beispiel auf Preisbasis Turmstrasse…..). Die Miete für E- und Wasserwerk wird von denen kassiert, die das meiste Geld haben, nicht von denen, die sie nutzen. Und jede Ereigniskarte steigert den Ölpreis, unabhängig vom Ereignis (jedenfalls langfristig). Aber es gibt ja bei Monopoly keine Tankstellen…. 🙂 danke für die nette Anregung!

  3. Pennergame - GoldEhrenmitglied sagt:

    […] SvB-Blog darüber, dass in den USA wohl jetzt auch virtuelles Geld in den Blickwinkel der Finanzbehörden […]

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