SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Sonntag 15. November 2009

Der Heuchler ist für die Religion noch gefährlicher als der Ungläubige.
Wilhelm Roscher

 

Vergammelter Aufschnitt

DBgruenWird man nach umweltfreundlichen Transportmitteln gefragt, wird neben dem Fahrrad schnell auch die Bahn genannt. Zu Recht? Das ökologische Image ist angekratzt. Güter auf die Schiene zu verlagern wird kaum noch gefordert, da die Bahn ihr Netz stark reduziert hat und tagsüber kaum noch Güter befördern kann. Und der Wahn der Bahn, im Per­so­nen­beför­de­rungs­be­reich immer noch schneller und ins­gesamt rendite­stärker zu werden – anstatt komfortabler und zuverlässiger – tut ein übriges dazu.

Aber das ist ja alles kein Problem, wozu hat man Marketing­fach­leute, PR-Spezialisten und Spin-Doktoren. Wenn man es richtig macht, kostet das nicht viel und die Bahn wird ein bißchen grüner! Nun wird auch ein Radl Fleisch­wurst grün, wenn es lange genug in der Wärme liegt, das hilft der Umwelt nicht.

An Details zu dieser Aktion kommt man nicht so einfach. Für den Normal­sterb­lichen ist die Auskunft, wie denn nun der Energiemix der Bahn aussieht, nicht zu finden, zumindest nicht bei der Bahn selbst.

Greifen wir auf Sekundärliteratur zurück: Endlich, so heißt es in diversen Zeitungen und Magazinen, kann man bei der Bahn CO2-neutral reisen. Der Spiegel titelt:

CO2-emissionfreies Reisen: Bahn bietet Großkunden Ökotickets an

Großkunden also. Das ist nicht gerecht und ein bestürzender Beleg für die neue soziale Kälte, die dieses Land seit der Wahl fest im Griff hat. Wie man liest, kann sich der Großkunde auf der Strecke München-Frankfurt für 79 ct. ein reines Gewissen erkaufen. Und die normalen Sterblichen? Kommen in die Hölle.

Nicht alle – die Kinder haben Glück. Wie man bei der Bahn nachlesen kann, können die für nur 2 Euro dasselbe kaufen. Unter der Überschrift

Grüner geht’s nicht – CO2-freies Reisen mit der Bahn

stellt die Bahn selbst ihr Programm vor. Erstaunt lernt man aber, daß das Angebot nur für Klassenfahrten und Jugendgruppenreisen gilt. Individuelle Kinder kommen weiterhin in die Hölle. Und dann noch 2 Euro Aufschlag? Man sieht, daß Eltern dank der neuen Kindergeldprogramme offensichtlich mehr Geld auf der Tasche haben als Firmen, die sich dasselbe ja nur für 79 ct. leisten können.

Da beschleicht einen doch ein ungutes Gefühl. Was soll das für ein Angebot sein? Wer entscheidet denn nun, ob Klassenfahrten CO2-neutral gemacht werden? Richtig – die Lehrer. Und die sind sicher immer derselben Meinung wie die Eltern. Für den einen sind 2 Euro ganz schön viel Geld, rechnet man die Gesamtkosten durch Klassenfahrten und sonstige nahschulische Veranstaltungen hoch. Für die anderen ist es noch teurer, weil ja immer häufiger selbst solche Kosten ein­kommens­ab­hängig erhoben werden. Gäbe es einen echten gesell­schaft­lichen Konsens hier, könnte man den Anteil regenerativer Quellen im Energiemix doch einfach verpflichtend machen!

Eltern zahlen also, weil der Lehrer das Angebot der Bahn gut findet. Die erhitzten Diskussionen tragen dann sicherlich einiges

zur globalen Erwärmung bei.

Zwei weitere empfehlenswerte Links zum Thema:

 

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