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Meckels Messerzüge

Erstellt von svb am 21. März 2012

Meckels Messerzüge

Wie man 1803 seinen Vater kochte

Ich war dreizehn Jahre alt, mein Freund Ludwig Wucherer erst zwölf, als das Unvorstellbare auch wirklich geschah – wir schnitten meinen Vater auf. Seine Eingeweide schwammen in weißlichem Wasser, und tatsächlich ragte die gewanderte Leber wie ein Inselberg daraus hervor. Die Geheime Räthin Meckel, Deine Großmutter, musste eine große Schöpfkelle aus der Küche holen, weil die anatomische für die Ausschöpfung ihres Gatten einfach zu klein war. Wir köpften den Vater, natürlich vorsichtig, und wir weideten ihn aus. Dann entfleischten wir ihn und kochten seine Knochen.

Was für ein Anfang! Wer aber nun meint, das vorliegende Buch sei geeignet für Menschen, die schon immer mit ihren Vätern abrechnen wollten, der hat sich geirrt. Das Fleischpräparieren  und Knochenkochen ist nichts als Lokalkolorit, handelt es sich bei der Familie Meckel doch um eine Versammlung von Koryphäen der Anatomie. Und so wie das Aufschneiden von Leichen seine Schrecklichkeit verliert, wenn sie alltäglich und banal wird, so erscheinen, sind wir einmal mitten drin, auch die Schrecken des Krieges entfernter denn je zuvor.

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