SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Sonntag 25. Mai 2008

Gutta cavat lapidem non vi sed saepe cadendo
([nicht starker, sondern] Steter Tropfen höhlt den Stein)
Publius Ovidius Naso

 

Was ist ein iPod?

iPodKeine Sorge – jeder weiss, was ein iPod ist. Aber woher kommt der Name? Das „i“ ist kein Problem. Alle Appleprodukte heißen irgendwas mit „i“, seit dem ersten iMac. Das haben wir dem Internet zu verdanken, wobei man nun das „i“ strenggenommen groß schreiben müsste. Tempi passati – es gab einmal eine Unterscheidung zwischen dem Internet und einem Internet. Und das Internet schrieb sich auf Englisch „the Internet“, also mit großem „I“, wohingegen „an internet“ eine Netzkopplung via TCP/IP war. IP steht für internet protocol – hier natürlich klein. Wer weiß noch, dass das Internet nach seinem Protokoll getauft wurde und nicht umgekehrt? „inter-NET-protokoll“ – Datenaustausch zwischen Netzen regelnd, es kommt auf die Betonung an. Das ist alles lange her, kurz nach der Umstellung von Hieroglyphen auf Ascii. Heute ist es vermutlich Ballastwissen.

Das „i“ hätte wir also. Wofür steht „pod“?

Versuchen wir es zunächst im Griechischen. Die Silbe „pod“ findet sich als Wortstamm wieder, der problemlos tausende von Jahren überlebt hat. Ποῦς, ποδὸς, bei uns heute noch der Fuß. foot, lateinisch pes, pedis. Wer repariert Füße? Es ist nicht der Füssiologe oder der Füssiater, obwohl das seit der Rechtschreibreform alles sicher vorstellbar wäre. Nein, es ist der Podologe, zumindest in der unstudierten Variante. Wobei man beim Ortho-Peden sogar ansatzweise richtig wäre, wenn auch mit haarsträubender Falsch-Herleitung. Genauso könnte man auch sagen, wer einem ein Bein stellt, sei ein Pedagoge. Das mit den Füßen führt uns aber nicht zum iPod, das ist eine Sackgasse.

Das gute alte lateinische podex führt uns auch nicht weiter, auch wenn wir schon recht nah dran sind an der Stelle, wo viele iPod-Nutzer ihren iPod aufbewahren. Bei uns ist der Podex als Begriff ausgestorben und wird nur noch in seiner abgekürzten Variante verwendet. Allenfalls wird nach althawaiianischer Sitte die erste Silbe verdoppelt, denn nur so kommt man zu vier Buchstaben. Also auch hier: Sackgasse.

Das Slawische wirkt hier vielversprechender. „Pod“ muss so viel wie „bei“ heissen. Das „Hotel pod Wawelem“ in Krakau wirbt mit seiner Nähe zur Wawelsburg, und das ist nur ein Beispiel von vielen. Hat man den iPod also immer da-bei?

Außenseitertips hingegen: der Clan pod (bekannt für seine Erfolge bei Counterstrike), die Rockband P.O.D., benannt nach der Klausel in englischsprachigen Lebensversicherungen „payable on death“. Das bekannte PC-Spiel „Planet of Death“ wird ebenfalls POD abgekürzt und kommt ebensowenig in Frage wie das Enzym Peroxydase. Perlprogrammierer kennen noch die .pod-Files, „plain old documentation“, eine vom .man-Format (Unix-Manualformat) abgeleitete Möglichkeit, Software zu dokumentieren, aber jetzt ist Schluss. Das kommt alles nicht in Frage.

Auf Englisch heisst „Pod“ Schote, Hülse. Wenn bei uns ein Ei dem anderen gleicht, so sieht der Anglophone two peas in a pod. Das wird’s wohl sein – die Musikstücke sind im iPod wie die Erbsen in der Schote. Und auf die Gefahr hin, dass ich mich anhöre wie meinen eigenen Eltern: Bei vielen Musikstücken in iPods verhält es sich so, hört sich alles gleich an…

Apple selbst versteckt sich hinter „Portable on Demand„. Das glaubt nun wohl keiner mehr. Pod heißt schliesslich auch „Sockel„. Und via Sockel und Podest sind wir wieder bei den Füßen

und der Kreis schließt sich.

(Bildquelle: Apple Store)

 

Ein Kommentar zu “Was ist ein iPod?”

  1. rhaars sagt:

    Laut einem polnischstämmigen Exkollegen heißt das polnische Wort „pod“ auf deutsch „unter“.
    Der Verdacht mit den Füßen ist also vielleicht doch nicht so abwegig.

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