SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Donnerstag 14. Februar 2008

 

Warum Mindestlohn doch schlecht ist

Wir haben gesehen, daß der kluge Unternehmer sich freut, wenn die Politik das Spielfeld beherrscht und eine Situation herstellt, wo jeder gleiche Chancen hat. Dazu bedarf es aber auch einer vollständig beherrschbaren Situation – und die liegt meist nicht vor. Der wirklich kluge Unternehmer nennt diesen Wunsch also eine Utopie – die Politik beherrscht das Spielfeld nämlich nie.

Will ein Unternehmer vermeiden, daß er aus Kostengründen mit besonders günstigen Mitarbeitern antreten muß, vielleicht auf Kosten der Qualität oder der Flexibilität, so darf nicht der Fall eintreten, daß sein Wettbewerber die benötigten Mitarbeiter günstiger einkauft. Der Mindestlohn ist auf längere Sicht nicht zuverlässig, und zwar immer dann, wenn es Mittel und Wege gibt, ihn zu umgehen. Diese gibt es aber immer.

Vielleicht gibt es günstigere Mitarbeiter außerhalb Deutschlands, es muß ja nicht einmal außerhalb Europas sein, wie das Beispiel Nokia und Rumänien zeigt. Gut, manche Dinge können nicht einfach im Ausland hergestellt werden. Dann werden diese Produkte und Dienstleistungen wegen ihres höheren Preises vielleicht einfach nur weniger nachgefragt.

Oder aber der Mitarbeiter muß effizienter werden – es gibt den Mindestlohn, aber nur auf Kosten der Qualität des Arbeitsplatzes. Wem dies gelingt, der hat einen Kostenvorteil gegenüber seinen Wettbewerbern, und als Unternehmer wird er und muß er diesen nutzen. Ein einfacher Mensch auf der Suche nach einem einfachen, kontemplativen Job wird es zunehmend schwieriger haben.

Aber zurück von dieser allgemeinen Betrachtung. Es geht uns schließlich doch immer noch um die Briefträger. Hier kann man nicht so schnell ausweichen, schon gar nicht ins Ausland. Oder doch?

Sortieren kann man schon mal im Ausland. soweit das nicht ohnehin schon nur noch von Maschinen erledigt wird. Und die Anzahl der Briefträger ist schnell zu reduzieren, wenn man nicht mehr jeden Tag austrägt. Damit kann man die Preise niedrig halten und unterscheidet sich von der Post. Dabei hilft, daß die Post heute nur noch aus Reklame und Rechnungen besteht. Da freut man sich schon über die Abwechslung, die ein Strafzettel darstellt oder ein Rechtsanwaltsschreiben. Na also – machen wir die Briefe teurer, das Mindestporto zum Mindestlohn.

Ein Haushalt wäre schon bereit, auf einen Brief an den Opa zum Geburtstag nicht 55 ct. sondern 2 € draufzukleben, das macht ja nichts aus, auf das Jahr gesehen und auf das verfügbare Einkommen. Viele Haushalte schreiben eh nicht mehr. Von privaten Kunden lebt aber kein Briefzustellerservice. Werden die Briefe aber teurer, verzichten die gewerblichen Kunden zusehends darauf. Rechnungen lassen sich digital verschicken, Mailings sollten auch immer weniger werden dank der viel besseren Werbemöglichkeit im Internet, es muss ja nicht gleich SPAM sein. Je teurer also Briefe werden, desto mehr werden sie von anderen Produkten substituiert.

Bei PIN gab es viele Mehrfachjobinhaber, Dazuverdiener und Teilzeitarbeiter. Es würde mich interessieren, wie viele Leute tatsächlich versuchen, von einem Briefträgersgehalt zu leben oder gar eine Familie zu ernähren. Es würde mich bei der ganzen verlogenen Diskussion aber genauso interessieren, wieviele Briefträger bei der Post mit mit ihrem Job ohne weiteren Zuverdienst eine Familie ernähren können – die dürften um meinen Eßtisch herum passen. Und doch wurde doch gerade das Bild des Briefträgers als Familienernährer ständig als Argument für den Mindestlohn verwendet.

Die Diskussion war also nicht ehrlich und es geht ganz klar schon längst nur noch um Wahlkampf. Wie lange werden wir noch die grünen Briefträger sehen? Und wenn die weg sind, wie lang noch die gelben?

Und wozu brauchen wir Briefe überhaupt noch? Na gut, Todesanzeigen per Email finde ich noch geschmacklos,

aber wieso eigentlich?

 

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