SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Freitag 29. Februar 2008

Ist es nicht sonderbar, daß man das Publikum, das uns lobt, immer für einen kompetenten Richter hält, aber sobald es uns tadelt, es für unfähig erklärt, über Werke des Geistes zu urteilen?
Georg Christoph Lichtenberg

 

Wir brauchen keinen Transrapid (2)

Grüne gegen TransrapidDie Schwarzen mögen den Transrapid. Aber das ist ja kein Grund für die Grünen, ihn schon deshalb nicht zu mögen. Technisch und ökologisch ist gegen den Transrapid nur schwer etwas zu sagen, solange man Fortbewegung nicht generell ablehnt. Oder beruht das nur auf einem Wissensdefizit?

Auf der Suche nach grünen Argumenten kommt man zu  http://www.gruene-gegen-transrapid.de/. Dahinter verbirgt sich ein Onlinespiel. Man fängt Geld mit einem Schmetterlingsnetz, bevor es der böse Transrapid fressen kann. Ah ja. Ich bin beeindruckt. Für Humorlose gibt es nach einigem Suchen dort auch Argumente. So behaupten die Grünen, der Transrapid sei laut, mindestens aber lauter als die geforderte alternative S-Bahn. Nanu? Ich empfehle ein Picknick am Bahndamm.

Auch der Bund Naturschutz protestiert gegen den Transrapid. Ich habe offensichtlich wenig Ahnung von Naturschutz. Ich dachte, eine Schwebestrecke gibt den Wildtieren beispielsweise eine Chance, die Strecke zu überqueren, ohne überfahren zu werden? Menschen erschrecken Tiere, einverstanden. Aber was ist bei der S-Bahn naturfreundlicher? Vielleicht übersehe ich wirklich etwas, aber wenn man die Argumente des Bund Naturschutz alle nebeneinander legt, ist der Transrapid zu schnell und zu teuer. Zu schnell? Was wäre denn, wenn der Transrapid langsamer führe – ich muss nicht in 10 Minuten am Flughafen sein. Flüsterleise 15 Minuten sind auch in Ordnung. Und dann Gas geben und gleich weiter nach Regensburg, später Prag… Irgendwann brauche ich so den Flughafen sogar seltener und spare mir den Energieaufwand, Tonnen und Abertonnen Flugzeug und Nutzlast kilometerweit in die Luft zu heben. All das wird nicht geprüft.

Na gut, das Argument war also „zu teuer“. Geld ist ein Thema, hier traten in der Diskussion auch große Schwankungen auf. Stand heute: 1,85 Milliarden Euro sind aufzubringen. 235 Mio zahlt die Bahn – für die späteren Betreiber ein gutes Geschäft. 50 Mio zahlt „die Industrie“, wer auch immer das ist. Nennen wir es Rabatt. 100 Millionen die FMG, also der Flughafen. 490 Mio zahlt der Freistaat, bald dreimal so viel wie ursprünglich gewünscht. Der Bund will 925 Mio zuschiessen, im Bundeshaushalt sind sogar 2,3 Milliarden eingestellt, generell für Transrapidprojekte. Die gilt es zu verwenden oder sie der Zweckentfremdung anheimfallen zu lassen, aber bitte, lassen wir es bei 925 Millionen. Bleiben noch 5 Mio – daran wird es kaum scheitern. Von der EU hätten noch 50 Millionen dazukommen sollen, kamen aber nicht. Vorher von den Gegner als „Tropfen auf den heissen Stein“ verhöhnt stellt diese betrübliche Tatsache jetzt die ganze Finanzierung in Frage. Angeblich.

Ein bisschen erinnert mich das an die Atomkraftdiskussion der 70er- und 80er-Jahre. Der Zeitpunkt, zu dem diese Technik anfing, zu riskant zu werden, war der Zeitpunkt, als alle Befürworter und vor allem die Betreiber anfingen zu mauern. Störfälle wurden unter den Teppich gekehrt, denn sonst hätten die Gegner Argumente gehabt. Selbsterfüllende Prophezeiung, die bis in die Vattenfall-Geschichte vor einem halben Jahr wirkt: Ein ernster Störfall, der beinahe unbemerkt geblieben wäre, weil alle Energie in die Vertuschung gesteckt wurde. 

Der Transrapid steht vor einem ähnlichen Problem: Alle Schwierigkeiten, seien sie zum Thema Sicherheit, sei es die Finanzierung, werden nicht mehr ernsthaft diskutiert. Die Konsequenz auf Hindernisse darf nicht sein „Aufgeben“. Auch „Ignorieren“ räumt sie nicht hinweg. Die Probleme LÖSEN ist das Gebot der Stunde. Gestern habe ich das ignorierende Auftreten der befürwortenden Politiker, vor allem in der bayerischen Staatskanzlei, noch Arroganz genannt, aber vielleicht ist es einfach nur


Panik?

 

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