SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Samstag 18. Oktober 2008

Alkoholproblem? Sie sind ein Mormone! Verglichen mit Ihnen haben wir alle ein Alkoholproblem!
Ozzborne Cox (in "Burn after Reading")

 

Burn after Reading

Nach Kenntnisnahme vernichten, das hört sich nach Geheimdienst an. Der deutsche Titel „Wer verbrennt sich hier die Finger“ ist wieder einmal ein Beispiel dafür, dass es offensichtlich manchmal nicht leicht ist, Filmtitel zu übersetzen, wie gut, dass „Burn after Reading“ immer noch darübersteht. Geheimdienst also – und siehe da, in diesem Milieu spielt ein Film, der völlig abstrus ist. Totaler Blödsinn. Abwegig. Surrealistisch. Und genial! Das verwundert nun nicht wirklich, schaut man, von wem der Film ist: Ethan und Joel Coen. Ich kann mich nicht erinnern, von denen etwas schlechtes gesehen zu haben. (Ein (un)möglicher Härtefall! No Country for Old Men!! Fargo!!! The Big Lebowski!!!!).

Und dann die Entstehungsgeschichte… Angeblich kam den Coens die Idee, als sie sich mögliche Rollen für ihre Lieblings­schau­spieler Frances McDormand, George Clooney und Richard Jenkins ausdachten. Wobei „Lieblings­schau­spieler“ bei Frances McDormand viel­leicht ein bisserl unter­trieben ist, sie ist mit Joel Coen verheiratet. Schon klar, wer sie ist? Die Polizistin aus Fargo, die so harmlos schauen kann. Und dann George Clooney als „Harry Pfarrer“, eine Variation des Miles Massey aus dem „Härtefall“-Film, ein eitler, sex­besessener Un­sym­path, der nur des­halb positiv wirkt, weil er eben doch George Clooney ist, die Re­inkar­na­tion von Omar Sharif.

Keine Überraschung hingegen ist John Malkovich. Von dem weiß man, dass er ein genialer Schau­spieler ist. Und von seiner Vor­liebe für schräge Rollen weiss man eben­falls nicht erst seit dem Film „Being John Malkovich“. Er ist auch, wie immer, prima syn­chronisiert. Diese Stimme teilt er mit Billy Crystal, James Belushi, Jeff Bridges, Mel Gibson, um nur einige zu nennen. Er­staun­licher ist da schon der Mut von Brad Pitt, einen infantilen Fitness­trainer mit Strähn­chen im Haar(!) zu spielen. Manche Kritiker schreiben, er habe über­trieben, aber das zeigt ver­mut­lich nur, wie selten Film­kritiker in Fitness-Studios gehen.

Unheimlich gut auch Tilda Swinton. Wer? Sie war zum Beispiel der Erzengel Gabriel in „Constantine“ mit Keanu Reeves, oder die „weiße Hexe Jadis“ in den Chroniken von Narnia. Hier ist sie auf einmal eine „echte Frau“. Dass sie so ein außer­ge­wöhn­liches Gesicht hat, ist hier egal, sie ist ein­fach die gefühls­kalte ameri­kanische Ehe­frau, so echt, so über­zeugend, dass man kaum glaubt, dass sich das noch steigern könnte, aber dann kommt erst noch die Szene, in der man ihr bei ihrer Arbeit als Kinder­ärztin zu­schauen kann – armes Kind!

Armer Ehemann. Arbeitet für die CIA, wird älter, wird aus­ge­bootet, die Rede ist von einem Alkohol­problem. Stimmt das? Keine Ahnung, ver­mut­lich, aber das be­hindert die Karriere in der CIA doch normaler­weise nicht. Ein Fit­ness­trainer kommt in den Besitz mög­licher­weise brisanter Unter­lagen. Der, dem sie gehören, läßt sich aber nicht einfach so erpressen, er hat ganz andere Sorgen, siehe oben. Die alternde Fitness­trainerin träumt davon, einen Mann abzukriegen und denkt, das ginge nur mit einer Schön­heits­operation. Dabei bemerkt sie nicht, dass es einen Mann gibt, der sich stark für sie interessiert. Aber Operationen kosten Geld, viel Geld, und die Kranken­ver­sicherung weigert sich be­greif­licher­weise, ihren Traum zu erfüllen. Also hilft sie ihrem Kollegen, dem Möchte­gern­er­presser. Wenn die CIA die Daten nicht will, dann vielleicht die Russen. Ob die sie wollen oder nicht, spielt schon keine Rolle mehr, das Absurde nimmt seinen Lauf. Die erste Frage des Russen, als er die CD aus­ge­händigt be­kommt: „PC oder Mac?“. Niemand fährt mehr Auto, ohne dass ihm jemand folgt, und ständig werden im Head­quarter der CIA Berichte über­mittelt. der Ab­teilungs­leiter ist ein bisschen ratlos. „Wir wissen nicht, hinter was die alle her sind. Halten Sie mich auf dem Laufenden, wenn .. äh .. etwas läuft“.

Und wenn ich es zehnmal schon vorher wusste: Dieser Film war wieder einmal ein Meister­stück. Wieso wirft man den Coens vor, jedesmal gut zu sein, also nicht mehr zu über­raschen? Das ist es doch, was jeder von diesen Genies wirklich haben will:

Göttliche Unterhaltung.

Bildquelle: FILMSTARTS.de

Trailer (sehenswert):  www.burnafterreading-derfilm.de/.

 

Ein Kommentar zu “Burn after Reading”

  1. SvB-Blog » Blogarchiv » Männer, die auf Ziegen starren sagt:

    […] obwohl er da schon wirklich gut ist. Aber richtig zur Hochform läuft er auf in Filmen wie “Burn after Reading“. Oder eben […]

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