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Sonntag 26. Oktober 2008

Post cenam stabis aut passus mille meabis.
Lat. Sprichwort, das das Wort "Post" enthält

 

Die Post geht ab…

Markenrecht ist schon lustig. Man kann nur Begriffe schützen lassen, die nicht längst Allgemeingut sind. Leberkäse geht nicht. Rasierwasser. Briefmarke. Müsli. Oh, stop, Müsli ist eine eingetragene Marke von Nestlé. Das, was man nicht schützen kann, heißt Müesli. Das wissen aber gefühlt nur 10% der Bundesbürger. Und weil es so gut klappt, einen Schreibfehler in ein Wort zu mogeln, um es dann schützen zu können, hat Nestlé auch gleich noch Aquarel belegt.

Es gab einmal in Deutschland eine große Behörde, die hieß Deutsche Post. Zeitweilig auch Bundespost. Sie hat das Postmonopol verwaltet. Mit der Privatisierung der Post, ihrer Zerschlagung in drei mehr oder weniger unabhängige Firmen, fiel natürlich auch das Postmonopol, wenngleich etwas zögerlich. Nun dürfen also miteinandere konkurrierende Firmen Postdienste anbieten. Aber, und das erstaunt doch sehr, sich nicht einfach so nennen, denn „Post“ ist seit 2003 als Marke eingetragen und darf nicht gelöscht werden, wie der BGH meint, nachzulesen im Managermagazin:

Die Deutsche Post behält zunächst das exklusive Recht auf die Verwendung des Begriffs „Post“. Der erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs gab am Freitag der Rechtsbeschwerde der Post gegen die Löschung der seit 2003 geschützten Marke statt. Nun muss das Bundespatentgericht erneut über den Fall entscheiden.

Dabei scheint es dieser Firma mit dem Begriff nicht einmal so ernst zu sein. Gibt man ein „www.deutschepost.de“ und klickt auf News, zum Beispiel auf die Meldung Bundesgerichtshof bestätigt Schutz der Marke „Post“, dann landet man bei „www.dpwn.de“. Deutsche Post World Net heisst das. International werden Briefdienste nun unter der Marke „DHL Global Mail“ angeboten. Das denke ich mir nicht aus, das schreiben die selbst. Warum kämpfen sie so verbissen um einen Namen, der ihnen nicht wichtig scheint?

Vielleicht, weil wir in der Post etwas vor uns sehen, das seine Wurzeln in Zeiten hat, die tausende von Jahren vor unserer Zeit sind. Woher kommt der Name „Post“? Manch einer antwortet sofort, sich dabei an alte Amtszeiten erinnernd, „Personen ohne sinnvolle Tätigkeit“.

Erfinder sind vermutlich die alten Perser gewesen. Persien war eine Hochkultur. Das Reich hatte eine ungeheure Ausdehnung. Nachrichtenübermittlung war ein wichtiges Hilfsmittel, für Verwaltung und militärische Zwecke. Kaum zu glauben, dass die Perser bereits damals in der Lage waren, Briefe in nur wenigen Tagen quer durch das ganze Reich zuzustellen. Hierzu gab es ein dichtgeknüpftes Netz von Relaisstationen, an denen immer frische, ausgeruhte Pferde und Reiter warteten, die Briefe wie Stafetten aufnahmen und weitertransportierten. Von den Amerikanern im 19. Jahrhundert kennt man noch den Ponyexpress, aber das war, wie man sieht, nichts neues. Wie die Perser ihren Ponyexpress genau nannten, ist mir nicht bekannt, aber für die Griechen hörte sich der Name der Boten an wie „αγγελοι“ – Angeloi. Als Engel bezeichnet man heute nur noch die Boten des Himmels, der Name ist aber der selbe. Unserer früherer Paketbote war der lebende Beweis, wieso ein neuer Name gefunden werden musste, denn mit Engeln hatte der nichts mehr zu tun.

Das persische System hat viele Jahrhunderte prima funktioniert. Kein Wunder, dass es von den anderen großen Verwaltungsspezialisten übernommen wurde – den Römern. Die Römer hatten ebenfalls ein Riesenreich zu beherrschen. Augustus führte ein System von Pferdewechselstationen ein, das dem der Perser nachempfunden war. Die einzelnen Stationen hießen mansiones. Die Relaistation in, beispielsweise, Köln, hiess somit mansio posita in colonia agrippina. Die Italiener machten daraus die Posta.

1490 hatte der spätere deutsche Kaiser Maximilian I. ein Logistikproblem. Er beauftragte Franz von Taxis mit der Gründung der modernen Post, was dieser begeistert und so erfolgreich erledigte, dass nicht Maximilians Name, sondern der seines Beraters seither untrennbar mit der Post verbunden war. Ein Dienst an der Allgemeinheit wurde es erst viel später. Noch im neunzehnten Jahrhundert konnte man lesen „und das Zimmermädchen nutzte die Gelegenheit, ebenfalls ein Blatt in den Brief einzulegen, da sie sich das Porto für einen eigenen Brief nie hätte leisten können“. Die englische Post muss im 19. Jahrhundert recht einducksvollen Service abgeliefert haben. „Nach dem Frühstück setzte er sich mit der Morgenpost sogleich an seinen Schreibtisch, damit er die Antwortbriefe mit der Mittagspost nach London schaffe, um noch am selben Tag die Antwort mit der Abendpost in Händen zu halten“. Wäre die Post bei uns so gut gewesen, hätte niemand EMail erfinden müssen.

Also, die Post mag heissen wie sie will, sie bleibt die Post. Wie hört sich das denn auch an, nicht Christel von der Post, sondern

Crystal von der DHL Global Mail

 

2 Kommentare zu “Die Post geht ab…”

  1. agc sagt:

    Der Begriff „Post“ ist also gewissermaßen eine Briefmarke.

  2. SvB-Blog » Blogarchiv » Traritrara, die Post, naja sagt:

    […] die Titelseiten der Zeitungen gebracht hätte, geht heute unbemerkt unter: Die Deutsche Post, oder wie auch immer die jetzt heißt, prüft also, ob man nicht Briefe für eine flat rate anbieten könnte. Sensationelle Idee, […]

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