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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Dienstag 23. März 2010

Einer der mehr Ahnung hatte als ich sagte mal: Manchmal verspeist man den Bären, und manchmal wird man eben vom Bären verspeist.
Stranger (In: The Big Lebowski)

 

Männer, die auf Ziegen starren

Was für ein abstruser Titel. Klingt irgendwie nach usbekischem Nach­wuchs­film­preis. Beinahe wäre es mir entgangen: Männer, die auf Ziegen starren. Ein Genre hat dieser Film nicht: Für einen Dokumentar­film ist er zu abstrus, für eine Kommödie zu viel­schichtig (und nicht immer lustig genug), für eine Satire zu unspezifisch. Kurz, dieser Film hat von allem etwas.

Fangen wir an mit dem Dokumentar­film: Was dem Streifen den ganz besonderen Charme gibt, ist die Tatsache, dass es sich um die Verfilmung eines Sachbuchs handelt. Das Buch ist von Jon Ronson und heißt auf Englisch schon „The Men Who Stare At Goats“. Die deutsche Version wurde bis zum Filmstart noch unter dem Titel „Durch die Wand: Die US-Armee, absurde Experimente und der Krieg gegen den Terror“ verkauft.

Und das ist vielleicht schon das Sensationellste: Das hat es alles wirklich gegeben. Vielleicht nicht genau so, vielleicht hießen alle anders, aber es gab eine Truppe Anfang der Achtziger bei den Amerikanern, die sich als paranormale Kampfmönche verstanden. Und da Ronald Reagan ein erklärter Fan von Starwars war, nannte man sich der Einfachheit halber „Jedi“. Da mußte man weniger erklären. Was für Zeiten. Stark war sie geworden, die dunkle Seite der Macht. Irgendjemand hatte behauptet, die USA hätten eine para­psycho­logische Einheit gegründet. Die Russen glaubten das und gründeten auch eine und starteten abstruse Experimente. Worauf die Amerikaner nach­ziehen mussten und selbst eine solche Abteilung gründen. Ja, und die gab es dann. Und das war alles in der Wirk­lich­keit so. Oder so ähnlich.

Heute glaubt niemand mehr an Parapsychologie. Oder nicht mehr so wie in den Achtzigern. Uri Geller ist nur noch eine Witzfigur im Privatfernsehen, seine Tricks sind längst entlarvt. Was sich geändert hat: Außer mir findet das heute kaum noch jemand schade. New Age ist aus der Mode und LSD nimmt auch kaum einer mehr. Und nun das ganze Thema also als Film mit einer Handlung (nicht aus dem Buch) und Schauspielern, bei denen man fast sicher sein kann, dass man nicht enttäuscht wird. Und genau so kommt es auch.

George Clooney. Mit Schnauzer als „Lyn Cassady“ und zeitweilig auch mit langen Haaren, aber immer George Clooney. Am stärksten ist er, wenn er selbst­ironisch sein darf. Nicht als gut­aus­sehender Arzt im Emergency Room und auch nicht als Ocean’s 11, 12 oder 13, obwohl er da schon wirklich gut ist. Aber richtig zur Hochform läuft er auf in Filmen wie „Burn after Reading„. Oder eben hier.

Und dann der Dude. Er ist wieder da. Älter vielleicht, aber wieder da. Wie haben wir ihn vermißt, den Dude, der die Frage, wer nun eigentlich The Big Lebowski wirklich ist, eindeutig geklärt hat, auch wenn er nicht so genannt werden will. Der geniale Jeff Bridges. Jetzt heißt er Bill Django, hat in Vietnam ein ein­schnei­den­des Erlebnis und kommt so zur Spiritualität und letztlich zu seinem New-Age-Kommando „New Earth Army“. Ein Hippie als Offizier und das auch noch glaubwürdig.

Ewan McGregor spielt den jungen Reporter. Dem die Frau wegläuft (die einzige Frau im ganzen Film, übrigens). Der darauf beschließt, ein Held zu werden und in den Irak gehen will in den Krieg als Bericht­erstatter. Vom Wollen allein wird man kein Held. Was für ein Glück, daß er Lyn Cassady trifft und über ihn die Reste der versprengten und längst aufgelösten New Earth Army. Hier lernt er, was es heißt, ein Jedi zu sein. Pikant: Ewan McGregor war doch der Obi-Wan in Star Wars. Wie, und ausgerechnet der weiß nicht mehr, was ein Jedi ist? Aber vielleicht trennen wir nur nicht genug zwischen Fiktion und Realität und so sind wir wieder bei diesem Film.

Kevin Spacey hat so viele Gesichtsausdrücke wie Buster Keaton, ist dennoch ein ganz grosser Schauspieler, wenn es sein muss allein mit den Augen, und er spielt über­zeugend den Fiesling. Fehlt noch Stephen Lang, woher kennen wir den gleich wieder? Ach ja, als bösen General in Avatar. Jetzt ist er eindeutig einer der Guten. Hier gleich­be­deu­tend auch mit den irgendwie Bescheuerten.

Wundervoll behutsam gemacht. Niemand ist der Versuchung erlegen, einen Knaller oder Schenkel­klopfer zu machen. Gelacht habe ich dennoch viel. Auch wenn es nicht wirklich eine Kommödie war. Aber das sagte ich schon.

Meine Empfehlung: Anschauen.

 

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