SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Mittwoch 5. November 2008

Nichts auf der Welt ist so unmöglich aufzuhalten wie das Vordringen einer Idee.
Pierre Teilhard de Chardin

 

Ablenkungsmanöver

Vermutlich ist die gesamte globale Finanzkrise ein reines Ab­lenkungs­manöver sini­strer Kreise, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Internet unter ihre Kontrolle zu be­kommen. Über die Kandi­daten und ihre Ziele kann man nur spekulieren… Deutsche Telekom? (Wieder­ein­führung der Post­hörn­chen­auf­kleber)! Micro­soft? (Welt­herr­schaft? Anti-Linux-Filter im ganzen Inter­net)! Frank­reich? (Was ist Inter­net? Wir haben doch Minitel!).

Wie es Australien geschafft hat, eben­falls zu dieser Geheim­loge zu stoßen, stand bei Redaktions­schluss noch nicht fest.

Worum es geht? Bei Spiegel online stehen die er­staun­lich­sten Meldungen, und niemand bekommt es mit, weil alle wie gebannt die Finanz­märkte beobachten. Aber hier ist die Zusammen­fassung:

Sarkozy will Datensaugern die Internetverbindung kappen

Surf-Entzug als Strafe: Nach zwei Warnungen soll Daten­saugern in Frank­reich künftig der Inter­net­zu­gang für ein Jahr gesperrt werden. (…) 

Die Vorlage zu dem Internet-Raus­schmiss-Gesetz lieferte Nicolas Sarkozy höchst­per­sön­lich: Im November des ver­gan­genen Jahres hatten sich 40 Inter­essen­ver­treter der Film- und Musik­indu­strie an den Prä­si­denten gewandt und baten ihn, notorischen Daten­saugern den Inter­net­zugang zu kappen.

Haben sie es also ge­schafft. Die Musik­industrie ist schlauer geworden. Solange sie sich an die Provider gewandt haben, wurde ihnen mehr oder weniger geduldig erklärt, dass gekappte Inter­net­zugänge nichts bringen. Politiker haben viel­leicht weniger Ahnung vom Inter­net. Speziell in Frank­reich, das ja bekanntlich noch heute darunter leidet, dass deren BTX („Minitel“) funktioniert hat – im Gegensatz zu unserem – und daher lange kein Bedarf für Inter­net da war. Und Herr Sarkozy stolpert in deren Falle. Er über­sieht nämlich etwas:

  1. Ein Inter­net­an­schluß gehört nicht not­wen­diger­weise je­man­dem be­stimmten. Es kann Mit­nutzer geben: Familien­mit­glieder, WLAN-Ein­dring­linge, Mit­be­wohner, Viren.
  2. Ein Inter­net­an­schluß läßt sich an­onymi­sieren. Wirk­liche Krimi­nelle wissen das.
  3. Musik­piraterie ist ein Delikt, das häufig von straf­un­mündigen Personen begangen wird. Wem wird dann der Zugang entzogen? Den Eltern, weil sie ihre Bagage nicht im Griff hatten?
  4. Es gibt immer wieder falsche Ver­dächti­gun­gen. Sonst würden nicht immer wieder Netz­werk­equip­ment oder Drucker der Piraterie ver­dächtigt.
  5. Ein Ab­klemmen vom Inter­net ist mehr als ein Surf­verbot. EMail gehört zur Basis­kom­mu­ni­ka­tion dazu, ganz zu schwei­gen davon, dass heute viele Men­schen ohne Inter­net auch kein Tele­phon mehr hätten.

Beispiele für falsche Ver­dächti­gungen gibt es genug. Auch sollte man über die Typisierung der Täter kurz nach­denken. Aber das kümmert die Musikindustrie nicht.

Aber Musik­industrie und Soft­ware­indu­strie sind nicht die einzigen, die dem Inter­net an den Kragen wollen. Da waren ja auch noch die Chinesen. Diese haben, so scheint es, in­zwi­schen Australien infiltriert:

Australische Schrott-Sperre im Internet: Datentransfer könnte um 30 Prozent langsamer werden

In Australien macht die Sorge vor einem Ende des schnellen Internets die Runde: Die Ge­schwin­dig­keit der Daten­über­tragung könnte um bis zu 30 Prozent ab­nehmen, rechnen Technik­ex­per­ten vor, wenn die Regierung auf einer Filterung von Web-Inhalten bestehen sollte.

Zuvor hatte Kom­muni­ka­tions­mini­ster Steven Conroy be­stä­tigt, dass die Regierung einen ver­pflichten­den Inter­net­filter ein­rich­ten werde und bereits Inter­net­pro­vider ge­beten habe, den Filter zu testen. Au­stra­lische Inter­net Service Pro­vider sollen von der Tele­kom­mu­ni­ka­tions-Re­gu­lierungs­be­hör­de ACMA in Black­lists vorgegebene illegale und nicht für Kinder ge­eignete In­halte ausfiltern – und die Au­stra­lier sollen keine Mög­lich­keit haben, den Filter zu um­gehen.

Mal abgesehen davon, dass es kaum vor­stell­bar ist, eine Positiv­liste zu pflegen, und mal ab­ge­sehen davon, dass eine Negativ­liste nichts bringt, steht da tat­säch­lich: Keine Möglich­keit, den Filter zu um­gehen? Wenn so ein Filter technisch möglich wäre, wieso wer­den dann Leute, die solche Filter umgehen,

in China zu harten Strafen verurteilt?

Bildquelle: swissinfo.ch

 

3 Kommentare zu “Ablenkungsmanöver”

  1. SvB-Blog » Blogarchiv » 3-2-1-keins! sagt:

    […] Argumente wurden an dieser Stelle bereits genannt, im November. Aber heute sind wir bereits schlauer, denn wir ahnen, was auf uns zukommt: Irgendein Politiker […]

  2. czyslansky » Drei-zwei-eins-KEINS sagt:

    […] Argumente konnte man bereits im November nachlesen. Aber heute sind wir bereits schlauer, denn wir ahnen, was auf uns zukommt: Irgendein Politiker […]

  3. SvB-Blog » Blogarchiv » Andere Länder, gleiche Sitten sagt:

    […] eine Menge Ärger gespart, wenn sie nur mein Blog gelesen hätten. (3-2-1-keins, April 2009 oder Ablenkungsmanöver, November 2008). Einige der Gründe, die der Verfassungsrat anführt, standen bereits in dem […]

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

 
chCounter: MySQL error!
SQL query:

Error number: 1364
Field 'seiten' doesn't have a default value
Script stopped.