SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Dienstag 9. Dezember 2008

Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden, wie beim Fahrrad.
Adam Opel

 

Opel fahn is wie wenze fliechs

Kadett ADie Firma Opel ist in Bedrängnis und bittet den Staat, ihr zu helfen. Das letzte Mal, als die Öffentlichkeit rettend für eine Automobilfabrik einspringen wollte, ist es schrecklich schiefgegangen. Daher kennt heute kaum noch jemand die Automarke Borgward. Bei wikipedia steht es genauer:

Am 4. Februar 1961 kam es so zu einer der spektakulärsten Insolvenzen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Das Land Bremen sperrte Borgward einen bereits zugesagten Kredit und überführte die Borgward-Werke in eine Aktiengesellschaft. Diese AG gehörte zu 100 % dem Land Bremen, Carl Borgward wurde fortan der Zugang zu den Werksanlagen verwehrt. Der bestellte Wirtschaftsprüfer, Johannes Semler, wurde kurzzeitig von der Konkurrenzfirma BMW beurlaubt, um die Sache für den Bremer Senat abzuwickeln. Die Neutralität des Wirtschaftsprüfers wurde im Nachhinein vielfach angezweifelt. Da im Zuge der Abwicklung des Unternehmens alle Gläubigeransprüche aus der Unternehmensmasse befriedigt werden konnten, wird das Vorliegen der Konkursreife von seinen Kritikern bis heute nicht anerkannt. Nur Carl Borgward selbst wurde nicht entschädigt.

Und das ist noch neutral formuliert (Hervorhebung durch mich). Hoffentlich passiert Opel das nicht, und hoffentlich kennt Opel diese Geschichte.

Zumindest ist die derzeitige Bedrängnis von Opel eine gute Gelegenheit, sich mit dieser Firma zu beschäftigen. Immer wieder liest man, Opel sei der ewige Verlierer gewesen, jeder Popel fährt nen Opel, im Gegensatz zu Volkswagen hat Opel nie ein Auto herausgebracht, das einer Generation einen Namen gegeben hat, usw. usf.

Ist das so? Daß die „Generation Golf“ sich nicht „Generation Kadett“ nennen mag, liegt vielleicht daran, dass es Kadetts viel länger gab als Golf. Und diese Kadetts waren äußerst unterschiedlich. Der erste Kadett wurde 1939 gebaut, und auch nach dem Krieg gab es unerschiedlichste Modelle. Zwischen A-Kadett und E-Kadett liegen gefühlt mindestens zwei weitere Generationen. Und der erste Astra hiess nicht opeltypisch „A“, sondern „F“. Der Kadett lebt weiter, unter neuem Namen.

Und das war nur der Kadett. An Kultmarken ist Opel nicht arm. Opel Kapitän, untrennbar mit dem Wirtschaftswunder verbunden. Der Admiral: ein Auto, das ich unbedingt haben wollte, wenn ich dann groß wäre. Oder noch besser den Diplomat. Der Senator war dann zu brav, nicht amerikanisch riesig, sondern eher recht hiesig, aber sehr bequem. Opel Olympia, Opel Rekord, Opel Commodore. Jeder für sich ein Stück Automobilgeschichte.

Manta BFehlt einer? Na klar: der Manta! Ob A-Manta oder B-Manta, das waren Autos, die Emotionen geweckt haben, ganz im Gegensatz zum Golf. Jahre nachdem der letzte Manta vom Band gerollt ist, verblasst die Erinnerung an dieses Auto nur langsam, jedenfalls langsamer als die Erinnerung an den Golf, der immer noch gebaut wird.

Und vor dem Krieg? Opel ist irgendwie ein sehr deutsches Auto, auch wenn die Familie Opel die Firma bereits 1929/1931 verkauften, für die damals sagenhafte Summe von 33 Millionen US-Dollar. Auf dieses Vermögen gründet sich der Reichtum der heutigen Opels. Opel ist also keineswegs als Kriegsbeute 1945 an GM gefallen, sondern umgekehrt, lange lieferte GM in Deutschland via Opel sogar Rüstungsgüter, bis es enteignet wurde. An der „Rückerstattung“ nach dem Zweiten Weltkrieg ist nichts auszusetzen.

Vor dem Verkauf war Opel eine rein deutsche Firma. Lange, bevor Hitler seine Volksautos fertigbekommen sollte, gab es den P4 von Opel, ein Wagen, der mit 1.280 RM nur knapp über den vom Führer als Grenze festgelegten 1.000 RM lag. Also eigentlich der richtige „Volkswagen“. Und einer der Vorgänger des P4 war der berühmte Opel LaubfroschOpel Laubfrosch, 1924, das erste Großserienauto in Deutschland. Diese Idee war allerdings geklaut. Indirekt von Henry Ford, dessen berühmter Ford T nach 1908 bereits in Serienproduktion ging und daher alle Farben möglich waren, solange es schwarz war. Aber viel direkter noch von Citroën. Dessen erfolgreichstes Modell damals war der Citroën 5CV, der, man ahnt es, auch nur in einer Farbe erhältlich war, nämlich in (zitronen-)gelb. Passend zum Namen der Marke. Und genau der wurde kopiert. Und als Farbe nahm man grün, nicht das British Racing Green des Jaguar, nein, Froschgrün. Die Käufer waren zu Beginn recht zögerlich und wollten lieber das Original. Und da entstand ein neuer Ausdruck, hätten Sie es gewusst? Die Verkäufer sagten, „Nehmen Sie ruhig den Opel, der ist wie der Citroën,

dasselbe in Grün!“

Bildquellen: Alle Bilder von Wikipedia.de

 

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