SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Montag 15. Dezember 2008

Doch Wort bleibt Wort - noch hab ich nie gelesen, daß durch das Ohr ein krankes Herz genesen.
William Shakespeare (aus: Othello)

 

Der Affenzahn

Verglichen mit dem Opel Manta ist ein Landrover Defender eher ein gemütliches Gefährt. Das liegt nicht nur an seiner Moto­r­i­­sie­rung, es liegt natürlich auch an seiner Straßenlage. Wer mit dem „Landy“ mit mehr als 80 km/h in die Kurve geht, hat einen Affen­zahn drauf.

Affenzahn? Woher kommt das Wort „Affenzahn“? Das läßt sich ohne fremde Hilfe ergrübeln, lediglich ein Blick ins Internet zur Sicherheit… Der Affenzahn ist der Zahn, den man zulegt, um eine affen­artige Ge­schwin­dig­keit an den Tag zu legen. Sozusagen ein Konglomerat aus zwei Metaphern. Die „affen­artige Ge­schwin­dig­keit“ bedarf keiner weiteren Er­klärung. Affen sind schnell, zumindest schneller als wir. Wegen ihrer langen Arme klettern sie eher behende als armiert und wer mit Kindern im Tier­park der Fütterung auf dem Affen­felsen zusieht, der benötigt hier keine weiteren Er­klärungen.

Hier unterscheidet sich der geschwinde Affe von seinen meta­phori­schen Ver­wandten, dem Affen auf dem Schleif­stein und dem „Klappe zu, Affe tot„-Affen. Zu beiden spuckt das Internet trotz beharr­lichen Googlens nichts Brauch­bares aus. Nicht nichts, aber nichts, was irgendwie befriedigt. Der Affe auf dem Schleif­stein sitzt für mich dort, weil er zu faul ist, auf­zu­stehen. Und was das für ihn bedeutet, sieht man am Pavian und seiner rück­wärtigen geröteten Ansicht. Kein Wunder, daß diese Sitz­art das genaue Gegen­teil von bequem Sitzen ist. Oder, und darauf hätte ich gewettet, würde das Internet nicht so über­haupt keinen An­halts­punkt aus­spucken: Für mich klingt der Spruch nach einer typischen Ver­zierung von Schleif­steinen, bei­spiels­weise einem Firmen­logo. Ich hätte gedacht, auf allen typischen Schleif­steinen seien Bilder eines ver­drieß­lichen Affen ge­wesen. Aber was nützt eine schöne Theorie, wenn sie vermutlich falsch ist? Vielleichts ist es doch nur das Werbeäffchen des Scherenschleifers, das potentielle Kunden anlocken soll und sich dann dummerweise auf den Stein setzt, anstatt daneben.

Also Klappe zu zu dem Thema. Affe tot? Die Rück­führung „Affe tot“ auf mhd. „Apening toe“ (Öffnung zu) klingt nach einer durch­zechten Nacht am Ger­mani­stikum. Aber alles andere, was ich dazu gefunden habe, war eher schlimmer.

Der zu­gelegte Zahn hingegen ist trivial, auch wenn hier schon wieder ein Ex­per­ten­streit zu toben scheint. Für mich ganz klarer Sieger: Das Getriebe mit seinen Zahn­rädern, wobei das an­trei­ben­de Zahn­rad gemeint ist, nicht das an­ge­trie­bene. Eine 21-Gang-Schaltung am Fahr­rad hat beide Sorten von Ge­triebe. Hat man nun 10 Zähne am An­triebs­rad und wählt eines mit 11, so steigt bei gleicher Um­drehungs­zahl die Ge­schwin­dig­keit um 10% – man wird schneller, hat einen Zahn zugelegt. Die säge­zahn­artige Ver­stell­mög­lich­keit für die Kes­sel in der mittel­alter­lichen Küche spielt da für mich nur eine Außen­seiter­rolle, zumal da man sich diesen Spruch vor dem 18. Jahr­hundert nur schwer­lich vor­stellen kann.

Wer sich hingegen einen steilen Zahn zulegt, der outet sich als Gammel­fleisch. Gammel­fleisch ist in diesem Zu­sam­men­hang dabei ein Aus­druck, der an­geb­lich aus der Jugend­sprache kommt und von gereiften Er­wachsenen öffent­lich als Jugendwort des Jahres gekürt wird, was wiederum ein Garant dafür ist, daß sich die „echten“ Jugend­lichen tot­lachen. So ist es auch mit dem „steilen Zahn“, klar Jugend­sprache, aber auch klar Sprache einer Jugend, die schon alt war, als ich jung war. „Steil“ war ziem­lich genau das, was später „geil“ war. Steile Fete, steiles Motorrad, und eben steiler Zahn. Aber woher kommt der Zahn? Ganz gesichert ist auch hier die Etymologie nicht, zumindest wieder laut diverser Internet­fund­stellen. Da lohnt sich doch ein Ver­dacht, der schon beim „Guten Rutsch“ und beim „Hals- und Bein­bruch“ hilfreich war. Zunächst un­er­klär­liche Wörter stammen oft aus dem Jiddischen und haben damit meist hebräische Wurzeln. Auch hier wird man fündig, im „Hand­wörter­buch Krimi­no­logie Band 1 Geb 2a“, ver­öffent­licht von Walter de Gruyter, ISBN 3110010038, 9783110010039 auf Seite 252:

Eieiei – ob meine Eltern das wußten?

Bildquelle: flickr

 

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