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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Samstag 14. März 2009

Paradox: Ein Fluß kann münden, ohne zu maulen.
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Amok

chib-1184257599Ein junger Mensch schnappt sich eine Waffe, tötet etliche Menschen und am Schluß sich selbst. Das ist unfaßbar tragisch. Familien sind zerstört, Schulen brauchen Jahre, um wieder zur Normalität zu finden, wir reagieren alle fassungslos. Die Bilder gleichen sich. Als Name hat sich Amok eingebürgert. Amok, eines der wenigen Fremdworte aus dem Indonesischen, die ich kenne, von „amoak“, blindwütig töten.

Auf den Amoklauf folgt das Ritual: Politikern fordern reflexhaft ein Verbot von bestimmten Computerspielen, also Ballerspielen, sogenannten Ego-Shootern. Dazu passend: Das Bild links, das man auf www.counter-strike.de finden konnte. Das ist nicht lustig gemeint, es soll vielmehr zum Denken anregen.

So ritualisiert, wie es beginnt, geht es weiter. Jedes Mal. Irgendwer erklärt, wie elementare Logik funktioniert:

¬ ∀ A, B ( ABBA )

Auf Deutsch: Wenn aus A B folgt, so heißt dies nicht zwingend, daß aus B wieder A folgt. Wenn Champagner ein Getränk ist, heißt das nicht, daß jedes Getränk Champagner ist. Wenn Amokläufer gerne Ego-Shooter spielen, dann heißt das nicht, daß jeder, der gerne auf dem Computer ballert, Amok laufen wird. Man darf nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Das heißt, man darf schon. Aber leider kommen wir so nie zu wirkungsvollen Maßnahmen der Vorbeugung.

Verrohen Spiele den Spieler? Wecken sie die Bereitschaft, durchzudrehen? Möglicherweise. Nicht ohne Grund sind manche Spiele für Kinder verboten. Ausschließen kann man jedenfalls nichts, gleichwohl bleibt der Verdacht ein vager. Möglicherweise helfen Computerspiele, Aggressionen abzubauen. Die Argumentation ist jedenfalls nicht neu. Mit der Erfindung der Kinematographie wuchs bei den Bedenkenträgern die Sorge, Filme verwirrten den Geist und stumpften ab. Und was ist die Kernaussage des berühmten Buches von Miguel de Cervantes, Don Quixote? Das Lesen von Romanen verwirrt den Geist. Auch hier: Ursache? Wirkung?

Spiele verbieten ist jedenfalls keine wirkungsvolle Maßnahme. Weitere Beispiele gefällig?

  • Spielsüchtige Menschen sind oft Kettenraucher. Das heißt aber nicht, dass man mit einem Verbot von Zigaretten die Spielsucht bekämpfen kann.
  • Wer viel Steuern hinterzieht, muß ein höheres Einkommen haben. Das heißt aber nicht, daß man alle Bezieher von höheren Einkommen wegen Steuerhinterziehung belangen sollte. Es heißt auch nicht, dass es sinnvoll wäre, höhere Einkommen erst gar nicht zuzulassen, um die Steuerhinterziehung zu verhindern, aber das wäre wenigstens nicht unlogisch.
  • Wenn im Internet Verbrechen verübt werden, heißt das nicht, daß eine Einschränkung des Internet Verbrechen verhindert.
  • Auch wenn in Österreich in einem Keller ein schreckliches Verbrechen verübt wurde, so hilft es nichts, die Unterkellerung von Häusern zu verbieten.

Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen.

Was ist daran eigentlich so schwer zu verstehen?

 

Ein Kommentar zu “Amok”

  1. SvB-Blog » Blogarchiv » Raserei sagt:

    […] Amok […]

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