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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Samstag 5. Juni 2010

Das Kriechen ist unter allen verschiedentlichen Fortbewegungsarten wohl in seiner Art eine prächtige Sache; aber müssen wir deswegen, weil die Schildkröte einen sicheren Gang besitzt, die Flügel der Adler beschneiden?
Edgar Allan Poe

 

Der Schildkrötentest im Ferrari

Wer Software ausliefert, ohne sie zu testen, hat hoffentlich sein Testament gemacht. Im Fehlerfall kann er nur hoffen, daß ihn der verärgerte Kunde nicht aufgrund erhöhten Testosterons den Schädel einschlägt. Hier kommen vier Anspielungen vor, aber man sieht auf den ersten Blick nur drei.

Das Testament hatten wir gerade erst, kommt von testari, Zeuge sein. Auch den Weg zum Testosteron kann man nachvollziehen, das ist nur medizinisches Pseudolatein. Testis ist der Hoden (in der Verkleinerungsform testiculum ebenfalls bereits erwähnt), der Rest deutet auf Steroide. Auch der Nichtmediziner kennt diese, dank Dr. House auf RTL, die gibt man bei bösen Autoimmunerkrankungen wie Lupus.

Zum Test kommen wir nicht so einfach. Witzigerweise ist es naheliegender, nachzusehen, was das mit dem Einschlagen von Schädeln auf sich hat. Simpel: Testa, der Schädel, die Hirnschale. In Frankreich heißt der Kopf immer noch tête. Ein Wort, das mir bei uns das erste Mal bei der Reiterei untergekommen ist. Führt man ein Pferd an einer langen Leine, heißt diese Tete. Weil sie am Kopf festgemacht wird. Andererseits gibt es im Französischen heute noch auch das Wort têt. Das heißt Schale. Vermutlich, weil wir in prähistorischen Zeiten so gerne Met aus den Hirnschalen der erschlagenen Feinde getrunken haben. Aus demselben Grund sind auch der Kopf, lat. caput und die Tasse, engl. cup, ital. coppa, so nah beieinander.

Nähern wir uns jetzt dem Testen? Die Schildkröte heißt testudo, klar, sie hat eine Schale auf dem Rücken. Die Römer waren fasziniert von dem Konzept, hielten sich die Schilde über den Kopf und waren für Feinde schwer zu treffen. Die Formation nannte man ebenfalls testudo. Aber hier kommen wir nicht weiter. Die Schale war es direkt. Im Bergwerk wurde nach Silber gegraben. Wie aber wusste man, ob das, was man da ausgrub, noch Silber enthielt? Im Gegensatz zu Gold liegt Silber nicht einfach funkelnd unter der Erde, das ist schwarz und unansehnlich und nur der Fachmann kann ermitteln, wieviel Silber in einer Bodenprobe ist. Dazu erhitzt er die Probe in einer speziellen Schale, schon wieder: testa, und testet so den Silbergehalt.

Und wir testen also heute unsere Software, bevor wir sie ausliefern. Und vielleicht können wir uns dann irgendwann einen Ferrari kaufen. Obwohl, mein Traum ist das nicht, so ein Testarossa ist ja doch nur eine

rote Schüssel.

Bildquelle: Dan Smith, via Wikipedia

 

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