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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Samstag 22. Januar 2011

Ein auf Kredit gekauftes Schwein grunzt das ganze Jahr
Spanisches Sprichwort

 

Wort des Jahres: Unter den Eurorettungsschirm schlüpfen

Nicht gleich die Augen verdrehen: Da war durchaus etwas Besonderes im vergangenen Jahr. Nicht mehr Banken wurden als systemrelevant angesehen, nun stellte sich schon die Frage, ob ganze Länder pleite gehen können. Pleite gehen ist dabei der falsche Ausdruck, den pleite sind heutzutage alle Staaten. Auch wir, wenn man unter Pleite versteht, daß man zu Lebzeiten einen Kredit nie abzahlen können wird. Aber der Ausdruck ist andererseits wieder so kraftlos. PIIGS war frecher. Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Alle pleite, und nun kommen die Schweiine und wollen unser Geld, und damit niemand beleidigt ist, schreiben wir es mit zwei „i“. Ist natürlich Quatsch.

Die haben „unser“ Geld schon. Das haben sie gekriegt zur Ankurbelung ihrer Wirtschaft, manchmal vornehm getarnt als „Europäisierungsmaßnahme“. Wer in Spanien jemals die prachtvollen Avenuen gesehen hat, palmengesäumt mit einladenden Parkbänken alle paar Meter… Jede Bank hübsch anzusehen, mit eisernen Gestellen und edlem Holz. Dann immer wieder die designpreisverdächtigen Straßenlaternen und die geschmackvollen Inseln inmitten der regelmäßigen Kreisverkehre, wer all das gesehen hat und wem gleichzeitig aufgefallen ist, daß diese Straßen nirgendwohin führen und die Kreisverkehre spätere Kreuzungen mangels Querstraßen höchstes vorbereiten, und daß die Bänke leer bleiben werden mangels Fußgängern, der weiß, daß so etwas nach EU-Geldern riecht.

Derselbe Geruch in Griechenland, wo aberwitzige Straßenbauprojekte die „Europäisierung“ vorantreiben sollen, inklusive Tunnelbauten, die sich an den Treffpunkten nicht um Meter, sondern meilenweit verfehlen. Oder das Jobwunder in Irland, das doch letztlich nur eine Blase war und wieder wandern Iren in Massen aus. Und immer wieder die Frage, wessen Taschen nun voll sind und wieso die Rettung aus unseren Taschen kommen soll. Weil „wir“ ja Exportweltmeister sind? Nun, „wir“ sind ja auch Papst.

Wer ist eigentlich jemals auf die dämliche Idee gekommen, daß wir in ein gemeinsames Währungssystem passen? Kulturell, wirtschaftlich, überhaupt? Und wer stoppt die, die nun lautstark aus dieser Situation ableiten, daß die Währungsunion eine politische Union benötige? Das heißt doch nichts anderes, als daß alle Europäer bestimmen sollen, was mit allem in Europa erwirtschafteten Geld passieren soll?

Bleiben wir doch bitte Föderalisten. Reicht es denn noch nicht, daß Preußen über bayerisches Geld abstimmen dürfen? Das Gefühl leichten Juckreizes, das die Eurokrise bei vielen auslöst, wurde vom Volksmund „Eurodermitis“ getauft. Als Wort des Jahres 20 Punkte wert. Aber wenn es darum geht, zur D-Mark zurückzukehren, sollten wir Bayern die Idee prüfen, den Kreuzer wieder einzuführen.

1 Kreuzer = 60 Pfennige = 240 Heller.

 

Ein Kommentar zu “Wort des Jahres: Unter den Eurorettungsschirm schlüpfen”

  1. Tobias sagt:

    Eine wunderbar klare Betrachtungsweise. Spricht mir mal wieder aus der Seele (wie mir eben auffiel, übrigends auch ein sehr interessantes Wort mit vielen Betrachtungsweisen).

    Nur mit der finanziellen Ausgliederung Bayerns kann ich nicht so mitfühlen.
    Dies könnte an der Entfernung liegen. Jedem ist seine eigene Heimat die nächste.
    Eifelland, du bist mein Heimatland… (Auch wenn ich nur im Grenzgebiet wohne und mich bei der nächsten Gelegenheit als Kölner fühle.)
    Grüße vom Mengenreichsten Bundesland zum Sortenreichsten Bundesland in Sachen Bier.

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