SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Montag 28. November 2011

Man sollte die Städte auf dem Lande bauen, da ist die Luft besser.
Henri Bonaventure Monnier (1799 - 1877)

 

Das siebentorige Theben

Bertold Brecht hat einiges geschrieben, das mich bereits zu Schulzeiten genervt hat. Ein gutes Beispiel ist das folgende Gedicht:

Fragen eines lesenden Arbeiters

Wer baute das siebentorige Theben?
In den Büchern stehen die Namen von Königen.
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
usw. usf.

Das muss ich jetzt nicht nochmal zur Gänze hinschreiben, ich fürchte ja, daß man bei uns ohnehin kaum bis zum Abitur kommen kann, ohne von einem enthusiastischen Deutschlehrer mit diesem platten Propagandastück genervt worden zu sein. Was will uns der Autor damit sagen? Brecht wollte sagen, daß kein König ohne Arbeiter irgendetwas bauen könnte. Ich hätte damals ja gerne eingewendet, daß es Arbeiter ohne einen König auch nicht weiter gebracht hätten, aber unser Deutschlehrer war damals auf gruselige Art linksreaktionär.

Spätestens jetzt wissen wir natürlich, daß Brecht den Nagel weit weg vom Kopf getroffen hat. Wer wirklich etwas bauen will, braucht vor allem die Fähigkeit, allfällige Bürgerinitiativen zu überstehen. Ein siebentoriges Theben hätte heute keine Chance mehr, nicht einmal einen Kölner Dom könnten wir heute noch bauen. Eine Flughafenstartbahn? Niemals. Mit ein bisschen Glück reicht es nun zu einem Bahnhof in Stuttgart. Immerhin war eine Mehrheit dafür. Aber Spaß wird das keiner. Bei jeder Kostenüberschreitung werden sich wieder grimmige Bürger transparentschwingend auf der Baustelle versammeln – was sich sicher nicht kostensenkend auswirken wird.

Hoffentlich werde ich nicht falsch verstanden. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, daß in Stuttgart einiges recht ungeschickt angestellt worden war. Der Widerstand war für mich durchaus nachvollziehbar, das Vertrauen war nicht grundlos dahin. Andererseits kämpfen die S21-Gegner auch mit harten Bandagen, und mit Demokratie hat dort alles eher wenig zu tun. Nachdem ja nun die Bürger ein eindeutiges Votum abgegeben haben, beschweren sich die unterliegenden Bahnhofsgegner: Die Fragen auf dem Wahlzettel seien unverständlich formuliert, ein Ja sei eigentlich ein Nein und umgekehrt und das verwechsle man schnell.

Ganz logisch ist das nicht. Haben nicht die Bahnhofsgegner über den Intelligenzquotienten der Befürworter wenig schmeichelhafte Vermutungen angestellt? Erhebt sich nicht damit die Frage, inwiefern denn dann nicht die komplizierte Formulierung auf dem Wahlzettel die angeblich Schlaueren begünstigte. Schlechte Verlierer. Andererseits bin ich auch nicht besser – ich akzeptiere immer noch nicht, daß wegen ein paar kurzsichtiger Spießer bei uns noch lange

kein Transrapid fahren wird.

Bildquelle: flickr.com

 

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