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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Dienstag 12. Juni 2012

Ein Ding ist dann wichtig, wenn irgend jemand denkt, daß es wichtig ist.
William James

 

Länger nix mehr gehört: von der Leyen und die sauren Gurken

Frau von der Leyen plagt die Angst: Ilse Aigner bringt uns bei, daß wir nichts mehr wegwerfen, was man noch essen könnte. Dafür waren früher die Kriegsgenerationen zuständig. Frau Schröder hat ein Buch geschrieben und ihr Betreuungsgeld wird kontrovers diskutiert. Das heißt auf deutsch, es gibt Leute, die auf ihrer Seite sind, was sie von manch anderen Politikern unterscheidet. Frau Merkel rettet Banken, Länder und Kontinente, und als Kanzlerin wird sie eh immer wieder erwähnt. Muß sie nicht viel dafür tun. Und Frau vdL? Wo gäbe es denn ein Thema, wo man sich wichtig machen könnte? In der Dienstags-FAZ steht folglich

Arbeitsschutz: Arbeitsministerin will Regeln gegen Handy-Stress

(..) Muss ein Arbeitnehmer wirklich allzeit bereit für seinen Chef sein?

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fordert zum Schutz der Arbeitnehmer eine deutliche Trennung von Arbeit und Freizeit. „Es muss klare Regeln in einem Betrieb geben, was die Erreichbarkeit über Handy und E-Mail angeht“, sagte von der Leyen am Dienstag in Berlin. „Diese Regeln müssen vom Arbeitgeber gesetzt werden, aber auch von den Beschäftigten gelebt werden.“ So wie es Arbeitsschutzmaßnahmen wie Bauhelme gebe, müsse es auch psychischen Arbeitsschutz geben. „In der Freizeit sollte Funkstille herrschen“, sagte sie. Eine entsprechende Verschärfung des Arbeitschutzgesetzes plant die Ministerin allerdings nicht.

Von der Leyen sagte, die Gesellschaft müsse „lernen, mit diesen Techniken zurechtzukommen, damit nicht die Techniken uns beherrschen und unser Leben dominieren, sondern wir die Techniken beherrschen“. Durch das Arbeitsschutzgesetz sei bereits geregelt, dass Unternehmen ihre Beschäftigten auch vor zu hoher psychischer Belastung schützen müssten. Das Gesetz sehe schon Strafen vor, wenn diese Vorgaben nicht beachtet würden, betonte die Ministerin.

Saure-Gurken-Zeit? Ist es wieder so weit? Aber muss sie gleich drohen? „Eine entsprechende Verschärfung des Arbeitschutzgesetzes plant die Ministerin allerdings nicht.“ Reizend. Nicht geplant. Ach ja, das Gesetz sehe ja schon Strafen vor, daher weht der Wind. Irgendwie klingt das so, als ob sie vorschlüge, daß jeder, den es nervt, daß sein Vorgesetzter nach Feierabend anruft, bei sich eine hohe psychische Belastung konstatiere. Was dann Strafen beim Arbeitgeber auslöse. Geht’s noch?

Wenn ich nicht erreicht werden will, schalte ich mein Handy aus. Ich kenne kein einziges Unternehmen, in dem telephonische Erreichbarkeit in der Freizeit gefordert wird. Ich rede nicht von bezahlten Bereitschaftsdiensten, aber davon redet Frau vdL auch nicht. Und sollte wirklich mal jemand das Gefühl haben, es werde von ihm erwartet, daß er erreichbar ist, und wenn ihn das stört, dann sollte er darüber mit seinem Chef reden. Und wenn das nicht geht, sollte er kündigen. Arbeitslosigkeit? Nicht lange, ein Kollege, den man nach Feierabend anruft, ist kein unwichtiger Nichtskönner.

Vielleicht hat sich Frau von der Leyen auch nur von ihren Mitarbeitern inspirieren lassen. Die müssen natürlich immer erreichbar sein, aber immerhin arbeiten sie ja in einem Ministerium und nicht in der Wirtschaft. Das ist schon ein Riesenunterschied. Umgekehrt gilt natürlich auch, daß jeder Minister für die Kanzlerin erreichbar sein muss. Und da genau könnte ihr aufgefallen sein, daß sie schon länger nicht mehr benötigt wurde. Eigentlich wollte sie ja ins Spiel bringen, daß alle Menschen regelmäßig ihre Zähne putzen sollen. Eine Gesetzesänderung sei noch nicht vorgesehen.

Manchen ist nichts zu blöd

Bildquelle: wolkdirekt, da kann man das Schild auch kaufen

 

Ein Kommentar zu “Länger nix mehr gehört: von der Leyen und die sauren Gurken”

  1. Hubert Daubmeier sagt:

    Nun der Schutz der Arbeitnehmer (genauer der Staatsbürger) wäre eine staatliche Aufgabe; da läge Frau vdL nicht unbedingt daneben. Aber scheinbar ist ihr (und ihren Helfern) nicht wohl bei dem Gedanken, denn die Forderungen gehen ja in die Richtung „Regeln im BETRIEB“. Kann Gesetz heißen, muss es aber nicht. Schön auch, dass der erwachsene Mensch mit einer eigenen Verantwortung und Zuständigkeit für sein Glück berücksichtigt wird. Nicht so schön, dass wir dummen Schäfchen dann doch der Fürsorge bedürfen, wie wir unseren Ausgleich konkret zu gestalten haben. Außer Funkstille gibt es da wohl keine weiteren Optionen.

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