SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Archiv für Juli, 2012

Mythos #11: Das Internet ist ein rechtsfreier Raum

Erstellt von svb am 23. Juli 2012

Ernsthaft? Werden nun viele denken. Ernsthaft? Darüber noch schreiben? Haben sich denn nicht zahlreiche Politiker lächerlich gemacht und jeder weiß, daß das Quatsch ist? Na klar ist das Quatsch. Es gibt nur einen rechtsfreien Raum und das ist der Straßenverkehr. Aber wie kommt das Internet zu diesem Ruf? Was steckt da genau dahinter?

Es lohnt sich, wie so oft, wieder einen Blick in die Geschichte zu werfen. Die ersten Netizens hießen noch DFÜler und waren allesamt kriminell. Ok, leicht übertrieben, aber streng nach Law and Order konnte man das Internet nicht aufbauen. Das ging schon mit den Modems los. Ein legales, also ein von der Deutschen Bundespost zugelassenes Modem war schier unbezahlbar und gleichzeitig nur mit Einschränkungen nutzbar. Ein Beispiel: Der T1000 von Telebit war der Traum aller Netzbürger. Er konnte Turbopep und UUCP-Spoofing und ließ damit die 19.600 Bit pro Sekunde weit hinter sich, was angesichts der saftigen Telephongebühren wichtig war. Er kostete 1.000 DM, ohne Zulassung. Mit Zulassung mehr als das dreifache, dafür handelte man sich jede Menge Probleme ein.

Ein Beispiel aus der Zulassungspraxis: Weiterlesen »

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Mythos #10: Niemand ist bereit, für Leistung im Internet zu bezahlen

Erstellt von svb am 16. Juli 2012

Dieser Mythos ist so einfach zu zerstören, daß sich dafür eigentlich kein eigenes Kapitel lohnt. Dennoch werden wir feststellen, daß es wirklich Unterschiede gibt zwischen der Welt im Internet und der Welt „draußen“, die man auch gelegentlich Realität nennt.

Es lohnt sich schon, einen Blick in die Geschichte des Internet zu werfen, um zu verstehen, wie „Netzkultur“ funktioniert. In den 80ern entstand etwas neues, etwas, das es vorher noch nie gegeben hatte. Ein Netz, das sich aus Idealismus speiste, das rein privat betrieben wurde. Das war noch nicht das Internet, das kam erst später zu uns, aber eben auch nicht BTX, das viel zu reglementiert und kontrolliert war und zu teuer.

Bei der sogenannten DFÜ-Szene (DFÜ: Datenfernübertragung) ging es zunächst über einzelne Mailboxcomputer. Man wählte sich per Modem ein und legte Dateien ab für andere oder holte sich etwas. „Saugen“ hieß Download damals auf deutsch. Weiterlesen »

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Mythos #9: Wenigstens hilft das Leistungsschutzrecht den Verlagen

Erstellt von svb am 12. Juli 2012

Dass das Leistungsschutzrecht in der vorliegenden Form weder gerechtfertigt noch unschädlich ist, wissen wir inzwischen. Nicht nur Bürgerrechtler, Piraten, Juristen und andere Internetaktivisten warnen vor den äußerst unschönen Nebenwirkungen eines solchen Gesetzes, das, sollte es denn kommen, das Internet verändern würde. Darüber kann auch die Beschränkung der Schutzgelderpressung auf „gewerbliche Nutzung“ auch nicht hinwegtäuschen. So wie es im Entwurf steht, ist man bereits gewerblich, wenn man einen Sponsorenlink auf der Seite hat oder Flattr einbindet. Oder wenn man sich auf einem Feld äußert, auf dem man selbst tätig ist, sei es als Geschäftsmann, als Journalist, als Sachverständiger. Sicher ist also nur der, dem man ansieht, daß er unprofessionell seinen Senf zugibt und kaum Leser hat.

Wechseln wir vielleicht dennoch den Blickwinkel. Nehmen wir an, wir sind die Verleger. Das Leistungsschutzrecht kommt. Wir trinken Champagner. Den ganzen Abend über. Am nächsten Morgen – wir sind noch verkatert – kommt unser SEO Manager zu uns ins Büro. Das ist der Mann, der dafür zuständig ist, daß unsere Seiten im Internet gefunden werden. Nachdem sich Google mit uns noch nicht über einen Einkaufspreis geeinigt hat, mußten sie uns wohl aus dem Newsangebot nehmen. So war das nicht geplant. Zwanzig Minuten später kommt der Mitarbeiter, der die Werbung auf unseren Onlineseiten koordiniert. Er sieht beunruhigt aus – die neuen IVW-Zahlen sind katastrophal (IVW=“Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern“).

Nach einer Stunde steht der Finanzchef bei uns auf der Matte. Weiterlesen »

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Meldung

Erstellt von svb am 10. Juli 2012

Alles redet über das neue Meldegesetz, besser das „Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens“, kurz: MeldFortG. Dann geht es ja nicht, daß hier zu dem Thema nicht zu lesen ist. Aber bevor wir zum Punkt kommen, müssen wir ein wenig ausholen. In der heutigen Süddeutschen war im gedruckten Teil die Rede von der Schwarmintelligenz. Fische befolgen einfache Regeln und alle profitieren davon, zumindest meistens.

  1. Kohäsion: Immer in die (subjektive) Mitte schwimmen
  2. Separation: Abstand zu den Nachbarn halten
  3. Alignment: Immer in die Richtung schwimmen, in die die anderen schwimmen

Klar, das klappt nicht immer, manchmal widersprechen sich die Regeln, aber irgendwie pendelt sich das immer ein. Jeder wird das bestätigen, der je einen Fischschwarm gesehen hat, diese ästhetischen Gebilde aus silbernen Leibern, die scheinbar zufällig durcheinanderschießen und dennoch ein kompaktes Bild der Schönheit abgeben. Im Verhalten des Schwarms eine eigenständige Intelligenz zu sehen ist nicht sofort abwegig. Nun hat aber ein sadistischer Forscher einer Elritze das Gehirn entfernt. Nicht ganz, aber doch so, daß diese Elritze ihr Schwarmverhalten verlor. Sie verließ einfach den Schwarm und schwamm ihrer Wege. Und was tat der Schwarm? Schwamm ihr nach, notfalls auch mitten rein ins Maul eines Raubfisches! Daraus lernen wir, daß die Schwarmintelligenz sehr verletzlich ist. Ein einziger Hirnamputierter reicht und wir kommen zur Schwarmverblödung.

Was hat das nun mit dem Thema zu tun? Weiterlesen »

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Mythos #8: Das Leistungsschutzrecht verhilft den Verlagen zu ihrem gerechten Anteil am Kuchen

Erstellt von svb am 9. Juli 2012

 

Es gibt einen Kuchen, jemand hat ihn gebacken, und nun will jemand anderes davon ein Stück haben, ein möglichst großes natürlich. Und ganz im Gegensatz zur Diskussion um geistiges Eigentum geht es hier um ganz konkrete Dinge. Kuchenstücke eben. Anteile an Geld.

Presse sieht heute so aus: Eine Zeitung bezahlt einen Reporter für die Beschaffung von Inhalten, oder, noch typischer, sie bezahlt einen Dienst mit der Lieferung von Texten, die mehr oder weniger bearbeitet ihren Weg in die Druck- und Online-Ausgaben finden.

Die Online-Ausgaben wiederum werden von Softwarerobotern durchforstet und ihrerseits von sogenannten Newsaggregatoren wie beispielsweise Google dem Publikum zur Verfügung gestellt. Alles sauber mit Quellenangabe – es soll nicht der Eindruck erweckt werden, Google würde die Texte erstellen.

Bis jetzt ist alles prima. Weiterlesen »

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