SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Dienstag 19. Februar 2008

Man sollte mehr von den Steuern und weniger von den Steuerzahlern verlangen.
Alphonse Allais, (1855 - 1905)

 

Steuern

Steuern gibt es überall. Aber sie heissen nicht überall gleich. Es lohnt sich ein kleiner Blick zu unseren Nachbarn und in die Vergangenheit.

Deutschland

Der Name ist Programm, hier sind die Idealisten unterwegs. Mit Steuern soll das Staatsschiff gesteuert werden, nicht mehr, nicht weniger. Dabei wissen wir hier bereits genau, dass Steuern einfach hergegeben werden müssen und haben dafür gleichberechtigt auch den Namen „Abgaben“.

So sind „Steuern“ in der Abgabenordnung (§ 3 I S.1) definiert und damit ist auch gleich klar, dass „Abgaben“ synonym verwendet wird: Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft; die Erzielung von Einnahmen kann Nebenzweck sein.

Wir fassen zusammen: Der Staat erbringt dafür nicht extra eine Leistung und er muss noch nicht mal versuchen, damit Geld einzunehmen. Aber er kann versuchen, uns damit zu steuern („Kauft weniger Alkohol, kauft mehr Diesel als Benzin, fliegt weniger in den Urlaub“). Das ist ja nicht unbedingt verkehrt, solange keine Hasardeure oder Pfuscher am Ruder stehen.

England

Die Engländer haben ein klares Verhältnis zu ihren Steuerbehörden, nachgerade ein biblisches:Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde (Lk 2.1). Augustus wirbt hier nicht für römische Expansionspläne, obgleich die Römer die ganze Welt durchaus in einem sehr direkten Sinn „geschätzt“ haben, nein, es geht um Steuern. Die englischen „taxes“ kommen von taxare, „schätzen“, „bewerten“. Für den Sprachsensiblen schwingt hier auch noch das „tangere“ mit, das „berühren“ auf Lateinisch. Erst schätzen, dann abgreifen. Diese Art „Steuern“ bei den Römern verstand sich allerdings nur als Abgabenordnung für die Provinzen, das hat mit unseren Steuern nichts zu tun, es handelt sich einfach um Tribut (welcher sich in Übersetzungen oft phantasielos wieder als Steuer findet). Pikant, dass die Italiener  „tasse“ sagen.

Rom

Bei den Römern hiessen die nämlich noch „vectigalia“, Einzahl „vectigal“. Das kommt von vehere, „tragen“ oder „fahren“. Und so will ich gleich vehement wissen, was das mit Steuern zu tun hat? Simpel, wenn es stimmen sollte: Abgaben wurden in Rom vor allem auf Importe erhoben, das sorgt für eine gesunde Aussenhandelsbilanz, und auf Exporte, das finanziert die Sicherung der Transportwege. Bald wurde der Name aber verallgemeinert auf alle Einnahmen des Staats. Damit waren die Römer nicht besonders originell, so hiess es schon 1000 Jahre vorher in Griechenland, natürlich nicht „vectigalia“, sondern „ φόροι“ (phoroi). Dass φόροι vom Tragen kommen, wissen wir von Χριστόφορος (Christophoros).

Frankreich, Portugal, Spanien

Die ehemaligen Provinzen nehmen die Steuern unerschüttert weiter als ihnen aufgebürdete Zahlungen hin: Sie haben impôts (frz.), impostos (port.) oder impuestos (kast.). Dabei haben sie nicht das erhebende Gefühl, das wir haben, denn bei ihnen werden Steuern nicht erhoben, sondern belastet. Der Spanier sagt „gravar algo con un impuesto“. Aber bei uns werden sie auch nur erhoben, damit man nicht merkt, wie oft sie auch noch erhöht werden.

Drei Länder habe ich noch anzubieten, Russland, China und die Niederlande.

Zu den „Belastingen“ der Niederlande fällt mir nichts mehr ein, das ist ehrlich, klar und sofort verständlich. Was man von den Russen (тягла) und den Chinesen (稅務) nicht behaupten kann.

 

Ein Kommentar zu “Steuern”

  1. SvB-Blog » Blogarchiv » Morgenrot bringt Haltverbot sagt:

    […] ohne Gegen­lei­stung. Privat heißt das Schenkung, hier heißt das Steuer (vgl. den Artikel vom “Steuern” vom 19 Feb. 2008). Wie man hört, stellen die Ein­nahmen aus dem Lizenzen eine veritable Ein­nahme­quelle für […]

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