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Dienstag 26. Februar 2008

Welch ein Fürst, der es versteht, die Talente um sich zu versammeln.
Johann Wolfgang von Goethe.

 

Ein Anruf aus Liechtenstein

Flagge von LiechtensteinAm Sonntag ereilte mich ein Anruf. Aus Liechtenstein. Es ging (auch) um Geld. Um meines. Aber hier zerreisst der Spannungsbogen, es war keine Bank, es war „nur“ mein Onkel und er hat einen Teppich verkauft, der zu einem Viertel mir gehört. Ich habe mich über den Anruf sehr gefreut. Das Deutsch-Liechtensteinische Zerwürfnis belastet unsere Familie nicht, schließlich ist mein Onkel eigentlich Wiener und nicht Liechtensteiner, er wohnt nur dort, und ich bin eigentlich kein Deutscher, sondern Bayer.

Mein Onkel berichtet, selbst die linke Szene in Liechtenstein sei empört über Deutschland. Das verwundert doppelt. Es gibt also doch eine linke Szene im Fürstentum („kenne ich den?“) und die sind auch noch empört darüber, dass Deutschland seine Gesetze nicht nur im Inland verteidigt. Die Entrüstung ist also gross und einstimmig. Dümmliche Texte aus Deutschland, die LGT-Bank, immerhin die Bank des Fürsten, sei „geknackt“ konterte der dortige Justizminister und verglich uns zu Recht mit den Panzerknackern: „Wir sind doch nicht in Entenhausen!“

Und wir? Vor lauter Vorverurteilungen, öffentliche Hinrichtungen inklusive, bekommen wir nicht mit, dass wir streng genommen über ein souveränes Land hergefallen sind. Eigentlich nicht nur verbal. Wir haben für einen einzigen Angriff 143 Euro pro Kopf ausgegeben, 82 Millionen Deutsche gegen 35.000 Einwohner in Liechtenstein. Schräger Vergleich? Nun, wir machen in jedem Fall Geschäfte mit verurteilten Verbrechern, nehmen aber in Anspruch, die Moral „der Liechtensteiner“ in Zweifel ziehen zu dürfen. Laut wäre das kollektive Aufheulen, würden etwa die Chinesen dabei erwischt, wie sie sich aus trüben Quellen die Kundendaten der Deutschen Bank beschafft hätten. Für ein deutsches Geschrei der Stärke 8,5 auf der Richterskala müssten die Chinesen nicht mal sagen, Deutschland unterstütze irgendwelche Dissidenten und verdiene daher diesen Angriff.

Aber die Liechtensteiner haben es verdient, immerhin sind sie so etwas hässliches wie ein Steuerparadies und eine Steueroase. Nanu? Bis vor kurzem hatten wir Paradiese und Oasen noch für etwas Gutes gehalten. Nun gut, der nächste Vorwurf: Unsere Politiker beschimpfen die Liechtensteiner als Raubritter.

Raubritter? RAUBRITTER? Was haben unsere Politiker denn hier wieder abgeliefert. Ein Raubritter und der Fürst von Liechtenstein haben etwas gemeinsam: sie sind beide adelig. Aber da endet es schon. Waren es nicht die Raubritter, die sich mit Gewalt Dinge aneigneten, die ihnen nicht gehörten? Damit wären doch eher wir Deutschen die Raubritter, und, da der Adel ja abgeschafft ist bei uns, die ganz gewöhnlichen Strauchdiebe. Danke, lieber BND. Oder besser ab heute B-N24-D?

Bin ich also dafür, die Steuerhinterzieher zu amnestieren, weil das Beweismaterial auf illegalem Weg beschafft wurde? Nein. Gesetze ändern, nicht umgehen, daran ist kein Zweifel. Zweimal Unrecht heisst nicht Recht. Aber wir sollten uns bei den Liechtensteinern entschuldigen. Oder nur noch ganz leise schreien, wenn die bösen Amerikaner mal wieder amerikanische Interessen im Ausland bedroht sehen und dann dort wie selbstverständlich amerikanisches Recht anwenden. Obwohl… nach amerikanischem Recht wären die Daten in einem Prozess nicht verwertbar, da illegal beschafft. Bei uns gilt das auch, allerdings nur


streng genommen und eigentlich.

 

Ein Kommentar zu “Ein Anruf aus Liechtenstein”

  1. SvB-Blog » Blogarchiv » Gutes Geschäft? sagt:

    […] Es ist noch nicht mal zwei Jahre her. Halali – die Treibjagd ist eröffnet, vom 16.2.2008. oder Ein Anruf aus Liechtenstein, vom 26.2.2008, oder Liechtenstein reloaded, vom […]

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