SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Sonntag 2. März 2008

Wer Geschenke annimmt, verliert die Freiheit.
Italien

 

Betreuungsgeld

Die Koalition hat wieder etwas beschlossen. Das scheint auffällig zu sein, denn die Welt jubiliert online „Pflege und Betreuungsgeld: Koalition arbeitet wieder“.

Der Stern schreibt etwas detaillierter:

Nach monatelangem Streit über das Betreuungsgeld für die Kindererziehung zu Hause hat sich die Regierung auf einen Kompromiss geeinigt. Zwar wird der nächste Bundestag nicht an den Kompromiss gebunden sein, aber Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) stellten die umstrittene Zahlung ab 2013 in Aussicht. Der vor allem von der SPD verlangte Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz wird dagegen im Gesetz für den Krippenausbau festgeschrieben und greift ebenfalls ab 2013. Damit schafft die große Koalition die Voraussetzung für die Verdreifachung der Krippenplätze in den kommenden Jahren.

Nein, ich will mich nicht darüber aufregen, dass ich solche Beschlüsse für eine unnötige Provokation aller Eltern halte, die jetzt bereits Kinder haben. Wenn etwas richtig und wichtig ist, dann führt man es doch gleich ein. 2013? Seit wann planen Politiker so weit in die Zukunft?

Ich rege mich auch nicht darüber auf, dass hier so viel unsachlicher Ideologismus sichtbar wird. Politiker, die davon sprechen, dass Mütter ihre Kinder „nicht selbst erziehen“, sondern sie in eine Kinderkrippe geben. Was soll das denn heissen? Gilt das nur für Krippen oder erziehe ich meine Kinder auch nicht selbst, weil ich sie demnächst regelmässig in eine Schule geben werde? Oder gilt das mit dem „Selbst Erziehen“ nur für Krippen?

Mehr Proben von Ideologie? Politiker, die meinen, das Betreuungsgeld wirke gegen die Gleichberechtigung, da nun Frauen von ihren Männern wegen des Geldes gezwungen würden, zuhause zu bleiben. Muss man sich das anhören? Man munkelt, es ginge um 150 Euro. Nein, nicht pro Tag. Kompletter Realitätsverlust oder ideologische Rhetorik?

Wenigstens ist der schlimmste Teil der ignoranten Verblendung vom Tisch: Man hört nicht mehr, dass Krippen besser auf Kinder aufpassen können als die Eltern und dass das Betreuungsgeld nur in Form von Gutscheinen für Kindertagesstätten geleistet würde.

Wie Familien leben wollen, sollen sie doch selbst entscheiden, wo es nur geht. Der Staat, oder besser die Gesellschaft, soll dafür die Grundlagen schaffen oder auch nur wahren. Wenn jemand seine Kinder zuhause haben will – soll er. Wollen beide Eltern arbeiten – sollen sie! Gibt es genug Halbtagsjobs, vielleicht staatlich gefördert? Gibt es genug Kindergartenplätze? Krippenplätze? Wenn nicht, dann aber los jetzt! Geld sollte keine Rolle spielen, denn da zahlt sich jeder Euro schnell aus, simple betriebswirtschaftliche Überlegung.

Ich empfinde das Wort „Krippe“ bereits gefärbt, und „Kita“ ist auch nicht mein Fall. Das Wort „Tagesmutter“ impliziert Merkwürdiges, denn wenn es eine Tagesmutter gibt, sind die leiblichen Mütter dann die „Nachtmütter“? Abgesehen davon, dass man oft genug Schauergeschichten von Tagesmüttern gehört hat, hoffentlich jenseits der Repräsentativität. Mir fällt auf, dass eine gute Lösung von früher nicht mehr existiert: Es gibt keine Kindermädchen mehr! Ich hatte noch eines… In den sechziger Jahren ging das noch. Weil ich in einem privilegierten Haus aufgewachsen bin? Finanziell waren wir sicher nicht überprivilegiert, meine Eltern konnten sich kein Auto leisten und hatten eine winzige Wohnung in der Au. Beide waren berufstätig, da war ein Kindermädchen die richtige Entscheidung, damals. Eine Generation weiter sieht die Rechnung anders aus: Den Lohn eines Kindermädchens könnten wir noch aufbringen, aber die heute üblichen Sozialleistungen und Steuern nicht. Es stellt sich die Frage, wieso ein Haushalt behandelt wird wie ein Unternehmen, wenn es um die Verpflichtung zu diesen Leistungen geht, aber nicht mehr bei der steuerlichen Absetzbarkeit. Meine Damen und Herren Politiker: Wäre hier nicht noch ein Ansatz?

Ich habe genug geschrieben, über was ich mich heute nicht aufregen will. Was bleibt? Mein ceterum censeo; Politiker und Vertrauen. Die Parteien beschliessen eine Massnahme für 2013. Und zwar ausdrücklich nicht bindend für die Regierung, die wir dann haben werden. Und das wird kaum die sein, die wir heute haben. Soll heissen, die Meldung ist vollkommen sinnlos, und wieso soll ich dann darüber noch weitere


Worte verlieren?

 

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