SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Samstag 15. März 2008

Everybodys darling ist everybodys Depp.
Franz-Joseph Strauss

 

Weichspüler

Franz-Joseph StraussMan kann von der CSU halten, was man will, aber auf eines war doch immer Verlass: Die Sprache, die dort gepflegt wurde, war klar und drastisch Also nicht politisch korrekt, aber dafür gradlinig.

Wenn Herr Beckstein heute versucht, an alte Zeiten anzuknüpfen, und seine Partei-“freunde“ als Sauhaufen zusammenstaucht, dann klingt das doch gut, irgendwie wählbar. Es klingt fast nach Führungsstärke, Überzeugungskraft. Am nächsten Tag schon Huch! Zurückrudern! Kleinmut! Sauhaufen habe er nicht gesagt. Im Focus steht

Beckstein verteidigt Ausraster

Nach seinem Ausrutscher vor der CSU-Landtagsfraktion gibt sich der bayerische Ministerpräsident versöhnlich. Er habe lediglich um „herzliche Zustimmung“ für eine Lockerung des Rauchverbots gebeten.

Was ist das denn? Das hört sich ja an wie Birken­stock­träger, Baum­streichler, Trocken­rasierer, Becken­rand­schwimmer! Wehmütig denke ich an Franz-Joseph Strauss. Zum einen wäre über ein Thema wie Nicht­rauchen auf dem Oktober­fest nicht lange geredet worden, aber wenn doch, dann wären seine Partei­freunde froh gewesen, wenn er sie nur als „Sauhaufen“ bezeichnet hätte.

Da ist Vergangenheitsverklärung dabei, keine Frage. Gradlining war vielleicht Strauß‘ Rhetorik, nicht sein Handeln. Ein Mann, der seinen bayerischen Wählern stets das Gefühl gab, für Bayern zu stehen, dann aber doch immer nur Bundeskanzler werden wollte. Bis zu seinem Scheitern in Bonn, wozu er damals keine Ostdeutschen brauchte wie später Stoiber, dann war er auf einmal doch lieber wieder in Bayern. Und nicht in Alaska, wo er versprochen hatte, lieber Ananas züchten zu wollen als Bundeskanzler zu sein. Aber seien wir fair, das Zitat war zu Zeiten seiner Kandidatur schon zwölf Jahre alt.

Dafür schaue ich mir jetzt alte Straussaufnahmen auf YouTube an. Und schon wieder Vergangenheitsverklärung, ich entdecke zu meinem Missfallen ein Video, wo Strauss recht hat und Helmut Schmid an der falschen Stelle lacht: Strauss erklärt die Staats­ver­schuldung… Das waren noch Zeiten. „Heiner Geißler wird nicht Verteidigungsminister, eher wird Rita Süssmuth deutsche Schönheitskönigin“. Und Genscher ist eine „Edelkurtisane zwischen zwei Monarchen“.

Ach, tempi passati. Und weil ich boshafter Laune bin, gebe ich in Google ein: 

bayern unselbständig platzhalter stellvertreter strauss site:de

Ich klicke „Auf gut Glück“ und lande auf www.bayern.landtag.de, auf der Biographie von

Dr. Günther Beckstein

 

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