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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Montag 15. Februar 2010

Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ziellos umherirrt.
Gotthold Ephraim Lessing

 

Verstaatlicht die Bahn!

Endlich ein Politiker, der Mumm hat. Viele denken es, viele spüren es, und Herr Ramsauer spricht es aus: Ein Börsen­gang der Deutschen Bahn kommt für ihn derzeit nicht in Frage. Er sagt, er sei nicht bereit, volks­wirt­schaft­liches Vermögen zu ver­schleudern. Gleich­zeitig macht er die Privati­sierungs­pläne auch für die Qualitäts­mängel ver­ant­wortlich.

Bravo. So etwas hört sich nach Opposition an, aber es kommt von der Regierung, ge­nauer von der CSU, vom derzeit amtie­ren­den Bundes­ver­kehrs­minister. Wobei die CSU in Bayern ja früher traditionell, wie Spötter sagen, neben der Regierung auch die einzige ernst­zu­nehmende Oppo­sition gestellt hat. Aber bleiben wir bei der Bahn. Sie ist nicht reif für die Börse und wird es vermutlich nie werden. Eine mutige Ansicht zu Zeiten, wo sich das Ver­scherbeln von Staats­eigentum zum kurz­fristigen Stopfen von Löchern im Staats­haus­halt zur Standardmethode gewandelt hat. Also: Schluß mit der Privati­sierung der Bahn?

Eine Rückbesinnung auf einen „Staatsauftrag“ hätte viele Vorteile. Keine Gewinn­maxi­mie­rung für Aktio­näre, sondern ein öko­logisch sinn­volles Vekehrs­mittel für die Massen, notfalls eben mit passenden Zuschüssen, vielleicht aus dem Indi­vidual­verkehr. Keine rendite­bedingten Strecken­stillegungen mehr, kein Tarif­dschungel, und wenn Qualitäts­probleme auf­treten, dann bitte, weil jemand geschlampt hat und nicht, weil zugunsten einer Dividende gespart werden mußte.

Man darf überzeugt sein, daß solche Ansichten heute noch nicht einmal nur die Minder­meinung repräsentieren, auch bei den Damen und Herren Politikern. Der ein­geschla­gene Weg hatte einst so verheißungs­voll gewirkt: Durch Privati­sierung und Wett­bewerb sänken die Kosten und stiege die Qualität. Schwund und Schlamperei seien in einem Wirtschafts­unter­nehmen leichter zu bekämpfen als in einem kon­kurrenz­losen Staats­betrieb. So hieß es mal.

Das hat nicht wirklich funktioniert. In vielen Bereichen ist die Bahn sogar aus­ge­sprochen un­attraktiv ge­wor­den. Das kann man ihr auch nicht wirk­lich vor­werfen – es kommt auf die Ziele an, die man den Strategen eines Unter­nehmens setzt. Daher ist es auch weiter­hin un­an­gebracht, auf Herrn Mehdorn herum­zuhacken, hat er doch nur umgesetzt, was seine Vorgaben waren. Es bleibt zu hoffen, daß ange­sichts der geänderten Ziele mit seinem Nach­folger fairer um­gegangen wird. Wenn das auch noch passiert, hat sich gezeigt, daß der Herr Bundes­minister Ramsauer unseren Respekt wirklich verdient.

Es gibt einen jüdischen Witz, der das Dilemma illustriert: Max Kohn, frisch angekommen in New York, bekommt eine Stellung als Busfahrer. Er fährt den 46er in Queens, zwischen Kew Gardes und dem Jewish Hospital in Glen Oaks. Ein paar Tage geht das gut, aber er wird von Tag zu Tag mürrischer. Eines Tages aber kommt er vier geschlagene Stunden später zum Busdepot zurück und strahlt über das ganze Gesicht. Befragt, was los sei, antwortet er: „Die alte Route war Mist. Heute wollt ich es wissen, bin nach Man­hatten gefahren, immer die Lexington Avenue rauf und runter. Ich sag’s Euch: Ich hatte mittags schon mehr ein­ge­nommen als auf der alten Route den ganzen Tag über… a Goldgrube!“

Und damit meinte er nicht den Ort mit der

Postleitzahl 56073!

Bildquelle: www.peter-ramsauer.de

 

Ein Kommentar zu “Verstaatlicht die Bahn!”

  1. SvB-Blog » Blogarchiv » Abofalle (4) sagt:

    […] Gestern stellte sich noch die Frage, ob die Bahn jemals börsenfähig würde. […]

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