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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Dienstag 16. Februar 2010

Bringe Licht, und das Übel verschwindet in einem Augenblick.
Swami Vivekânanda

 

Abofalle (4)

Gestern stellte sich noch die Frage, ob die Bahn jemals börsenfähig würde. Heute weiß ich einen weiteren Grund, wieso ich mir das gar nicht wünsche. Wo sind die korrekten Beamten geblieben? Klar, mit denen gab es durchaus auch mal Ärger („Wir machen jetzt Mittag“, nachdem man geschlagene 30 Minuten an einem Sonderschalter ansteht. Ist mir passiert, etwa 1982). Aber ein Verhalten wie in der Posse, die ich wegen der unseligen Bahncard erlebt habe, ist bei einer Behörde schon schwerer vorstellbar. Man ahnt, die Geschichte hat eine Fortsetzung genommen.

Wir erinnern uns, kurz zusammengefaßt: Die Bahn rät meiner Frau und mir zum Kauf einer Bahncard, obwohl wir betonen, dass es nur um eine einzige Fahrt geht. An unserem Ort gibt es nicht mal einen Bahnhof. Nach einem Jahr stellt sich raus, der Schalterbeamte (die heißen heute sicher anders) hat uns ein „Abo“ verkauft. Nach einem Jahr also kommt die Bahn daher und will für eine Verlängerung kassieren. Die wir abnehmen müssen. Schließlich haben wir das unterschrieben. Das bestreitet keiner, selbst schuld. Man unterschreibt auch nichts, ohne es zu lesen. Eine Ausnahme fiele mir allerdings ein: Geschäfte mit Leuten, denen man traut. Nachdem alles besprochen ist.

Nun, für Mißverständnisse gibt es die Kulanz, und nachdem der Streit schon losging, bevor die Verlängerungs-Bahncard überhaupt geliefert wurde, hätte man die Kündigung sicher annehmen können. Das Gegenargument: Wir müssen nicht, also tun wir es nicht.

Nun denn. So verhält sich heute durchaus auch immer wieder der Staat, vielleicht hilft die Verstaatlichung hier nicht. Aber bleiben wir bei der Geschichte. Sie ging noch äußerst kurios weiter. Ich sage seit einem Dreivierteljahr, dass ich die Rechnung bezahle, wenn ich sie bekomme. Ich kriege aber keine. Stattdessen versucht die Bahn, bei meinem Arbeitgeber abzubuchen. Sie hat die Daten, weil ich mal eine Firmenkarte hatte. Meine Firma bekommt auf Nachfrage nicht mal mitgeteilt, um was es bei der Abbuchung geht, und läßt so folgerichtig die Abbuchung zurückgehen. Die Bahn verlangt die Kosten für diese Aktion ungerührt von mir, und bezeichnet es als Kulanz, dass sie nun wenigstens eine Rechnung ausstellt. Auf meine Firma. Diese schickt die Rechnung zurück, da unbegründet. Parallel und unabgesprochen fordere ich die Bahn auf, alle Daten offenzulegen, die sie über mich gespeichert hat. Der Vorfall hatte schließlich meinen Verdacht genährt, die Bahn nimmt es mit dem Schutz von Daten nicht so genau, wenn sie nach Abschluß alter Firmenverträge noch Jahre später auf damals registrierte Konten zugreift. Keine Antwort von der Bahn, wen wundert’s.

Dafür ein Brief von einem Inkassounternehmen. Bahncards, Abbuchungskosten, Inkassokosten. Kommt nicht in Frage, keine Rechnung, keine Zahlung. Aus den Mahnungen entnehme ich zwar den Betrag für eine Bahncard, aber ich bin im Recht, wenn ich auf eine ordentliche Rechnung bestehe. Mit Mehrwertsteuer. Selbst einfache Handwerkerrechnungen müssen heute enormen formalen Ansprüchen genügen. Die Haftung liegt bei dem Bezahler der Rechnung, der notfalls die Mehrwertsteuer nachentrichtet oder Sozialabgaben für Handwerker bezahlt, wenn die Rechnung nicht ausreichend formuliert ist.

Ich schreibe also dem Inkassounternehmen, dass die Forderung bestritten wird. Und nun geschieht ein Wunder. Ich bekomme nach knapp zwei Monaten ein langes Schreiben. Von einem richtigen Menschen. Jemandem, der den Vorgang gelesen hat. Jemand, der auf meine Schreiben eingeht. Es ist nicht alles richtig, was da drin steht, so wird zum Beispiel behauptet, ich hätte eine Rechnung bekommen. Jetzt kommen die daher. Nach einem Dreivierteljahr. Was sie schreiben, klingt noch nicht mal unplausibel, sie behaupten, die Rechnung sei mit der Bahncard zusammen geliefert worden. Nachprüfen kann ich das nicht, jetzt nicht mehr. Und glauben kann ich aus auch nicht, ich habe ja alle Schreiben noch. Aber dennoch – da gibt es jemanden, der meinen Akt gelesen hat. Ich bin beinahe gerührt.

Beherzt greife ich zum Telephon und versuche, diese Posse zu beenden. Ich spreche mit einer Dame, der Stimme nach kein junges Mädel mehr, und erkläre zum wiederholten Male, dass ich bereit bin, die Bahncard zu bezahlen. Nur eben, dass ich eine Rechnung dafür will. Sie sagt mir das zu. So macht man das unter Erwachsenen. Dachte ich.

Nun habe ich einen Brief bekommen, von diesem Inkassounternehmen:

„In vorbezeichneter Angelegenheit haben wir uns nochmal mit der DB Vertrieb GmbH in Verbindung gesetzt und teilen Ihnen nunmehr mit, das (sic!) eine Rechnung erst nach Zahlung der Forderung neu erstellt werden kann.“

Vermutlich sollte ich nun pragmatisch sein und zahlen. Es lohnt sich nicht. Aber andererseits… vielleicht lohnt es sich doch? Mündlich versuche ich jedenfalls nicht mehr, etwas zu vereinbaren. So etwas geht nur mit Gentlemen und mit von Gentlemen beauftragten Unternehmen.

Das habe ich verstanden.

 

Ein Kommentar zu “Abofalle (4)”

  1. Klaus M. Brantl sagt:

    Ich habe vor Jahren auf die BC25 umgestellt und hatte davor einige Jahre eine BC50. Letztere lohnte sich für mich einfach nicht mehr.
    Die Umstellung hat damals ganz gut geklappt. Ich wusste ja wann ich kündigen muss 😉 Trotzdem hab ich dann erstmal zwei Karten am Tisch gehabt.

    Seit dem muss ich eigentlich fast jedes Jahr mehr oder weniger bestätigen, das ich die Bahncard auch weiter haben will. Für ein Abo irgendwie ziemlich kompliziert und das obwohl sich der Preis seit dem ich sie habe imho nicht verändert hat.

    Aber ich würde auch mal darauf tippen das eine staatliche DB das nicht besser machen würde. Vielleicht etwas bürokratisch exakter, aber nicht besser.
    Mit dem Thema Abo haben so einige Firmen immer mal wieder Probleme. Wenn ich da aus meiner kleinen Erfahrungswelt das Erzählen anfangen würde….

    Ich drück die Daumen.

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