SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Freitag 2. April 2010

Die Rätsel Gottes sind befriedigender als die Lösungen der Menschen.
Gilbert Keith Chesterton

 

Karfreitag

Heute vor knapp 2000 Jahren wurde Jesus gekreuzigt. Daran erinnern wir uns heute. Und deshalb nennen wir diesen Tag Karfreitag. Freitag ist ja klar, aber wieso „Kar“?

Ein Blick ins Englische hilft uns nicht weiter. Dort heißt die Karwoche holy week. Das paßt zum Rest der Welt: Semana santa in Spanien, semaine sante in Frank­reich, settimana santa in Italien. Über­all heilige Wochen, nur bei uns Kar­woche.

Was ist ein Kar?

Nun gut. Was ist ein Kar? In den Alpen ist das ein Hoch­gebirgs­kessel. Eine Mulde, eine Ver­tiefung neben steil auf­ragen­den Fels­wänden. Hilft uns das weiter? Dieses Kar kommt laut Etymologie­duden von einer mittel­hoch­deutschen Schale, deren Wurzeln sich wiederum irgendwo im Alt­assyri­schen ver­lieren. Sack­gasse.

Vielleicht ist es der grundlegende Freitag, der Freitag schlecht­hin, der Kar­dinal­frei­tag, so­zu­sagen. Und kirchen­nah auch noch, wenn wir schon beim Kardinal sind. Hangeln wir uns hier durch die Zeiten zurück, nach Rom, landen wir beim lateinischen cardo, der Türangel. Wobei so manchem geist­lichen Kardinal nicht klar sein dürfte, wie nah er sprach­lich mit dem Scharnier verwandt ist. Aber irgend­wie ist das auch eine Sack­gasse. Bei Ostern dreht es sich nicht um die Kar­woche. Um­ge­kehrt, es dreht sich alles um Ostern selbst. Das übrigens auch eine inter­es­sante Ety­mo­lo­gie vor­wei­sen kann.

Ostern

Die lange als Wortgeberin gefeierte germanische Frucht­bar­keits­göttin Ostara ist wohl doch eine roman­tische Er­fin­dung von Jacob Grimm. Ver­bürgt hin­gegen ist Eostrae, eine britische Göttin des Lichts. Das paßt zum Frühling, zu easter und Ostern, und es ist eine Göttin, die in vielen Kulturen vorkommt: Eos und Aurora sind sprach­lich die­selben Namen. Und so hat über die Morgen­röte Ostern und der Osten durch­aus eine Ver­bin­dung. Aber das liefert uns bei unserem Thema nur karge Unter­stützung.

Germanen und Chinesen

Gehen wir nochmal nach England. Der Freitag heißt auf englisch good friday. Guter Freitag? Gut? Ist das nicht ein Tag des Kummers? Wo man sich um die Vor­be­rei­tungen für Ostern kümmern muß… Und schon haben wir die Wurzel gefunden. Und bei karg waren wir eh schon nah dran: Hinter dieser Wurzel kara verbirgt sich ein ger­ma­nisch-skan­di­na­vi­scher Stamm für „Kummer“ und „kümmern“. Auf Englisch sieht man es noch besser: to care kommt auch daher.

Und im chinesischen? Die übliche Über­setzung 基督受難日 ist recht interessant. 日 ist der Tag. 難 ist das Unglück. 基督 ist Christus. Und 受 steht für das Er­leiden. Da muß man kein Sino­loge sein: Auf Chinesisch heißt der Tag also „Christus er­lei­det einen Un­glücks­tag“.

Das sehen wir im Christentum anders.

 

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