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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Donnerstag 18. November 2010

In den ersten Lebensjahren eines Kindes bringen ihm die Eltern Gehen und Sprechen bei, in den späteren verlangen sie dann, daß es stillsitzt und den Mund hält.
Johann Nepomuk Nestroy

 

Leuchtende Beispiele

Müll muß getrennt werden, klare Sache. Auch in Afghanistan von unseren heldenhaften Soldaten im Einsatz – klar, die haben ja nichts besseres zu tun. Gurken müssen begradigt und Bananen gekrümmt werden. Rauchen gefährdet die Gesundheit, Nichtrauchen nur die aluminumerzeugende Industrie. Trotzdem muß Rauchen verboten werden, scheibchenweise, immer mehr. Noch mehr Beispiele für Regelungswut? Glühbirnen sind böse. Mußten auch verboten werden, zunächst nur die hellen.

Kann man ja problemlos durch Energiesparlampen ersetzen. Man hätte auch den Strom teurer machen können, bis die Leute freiwillig Energiesparlampen kaufen, aber nicht für Stellen, wo sie immer nur ganz kurz Licht brauchen und dann nicht mehr. Im Dachboden zum Beispiel. Aber verbieten ist einfacher. Ach, manche Glühlampen vermisse ich doch sehr.

Anderes Thema: Kleinstheizungen sind nicht verboten. Es gibt sie zu kaufen unter dem Produktnamen „Heatballs“. Kleine Heizbällchen, die der pfiffige Siegfried Rotthäuser aus China nach Deutschland importiert. Sie brauchen 100 Watt und passen genau in die Fassungen der alten Glühbirnen. Als Kleinstheizung sind sie äußerst energieeffizient, sie haben einen Wirkungsgrad von 95%.

Nur Kleingeister sagen, das seien doch Glühbirnen. Nein, das kann nicht sein, dann wären sie ja verboten. So steht es auf dem Webserver des Anbieters:

Echte Heatballs sind zum Heizen und damit keine Lampe, das erkennen Sie am Glasaufdruck. Vorsicht! Heatballs haben im Betrieb und kurz nach dem Ausschalten eine heiße Oberfläche. Für Heatballs gelten die gleichen Sicherheithinweise wie für Glühbirnen.

Eben. Die gleichen Sicherheitshinweise machen noch nicht dieselbe Sache. Gut, Licht kann man schon wahrnehmen, der Importeur sagt selbst

Die Leuchtwirkung während des Heizvorgangs ist produktions­technisch bedingt. Sie ist völlig unbedenklich und stellt keinen Reklamationsgrund dar.

Merkwürdig, daß der Zoll nun 40.000 Heatballs festhält. Ja, wenn es Glühbirnen wären, aber es sind ja Heizungen. Und daher werden sie auch nur festgehalten, nicht beschlagnahmt. Irgendwelche Bürokraten kauen grade ganz verzweifelt an ihren bleifreien Bleistiften und denken, wie man diese Lieferung behindern könnte.

30 ct. pro verkaufter Birne, oh, tschulliung, Heatball! … geht übrigens an den Regenwald. Das ist gut, da sogenannte Gutmenschen bei der Aktion sonst leicht frösteln könnten, und es verhilft zu größerer Unterstützung. Das ist Kunst. Ach ja, das ist es übrigens wirklich. Sicherheitsheitshalber, falls irgendwelche humorbefreiten Schreibtischtäter nicht zu erkennen vermögen, welch wahrhaftige Schönheit in der definitorischen Schaffung solch einer Kleinstheizung steckt, deklariert Rotthäuser das ganze als Kunstaktion. Oder besser als Aktionskunst zum Thema Widerstand:

Ein Heatball ist ein elektrischer Widerstand, der zum Heizen gedacht ist. Heatball ist Aktionskunst! Heatball ist Widerstand gegen Verordnungen, die jenseits aller demokratischen und parlamentarischen Abläufe in Kraft treten und Bürger entmündigen. Heatball ist auch ein Widerstand gegen die Unverhältnismäßigkeit von Maßnahmen zum Schutze unserer Umwelt. Wie kann man nur ernsthaft glauben, dass wir durch den Einsatz von Energiesparlampen das Weltklima retten und gleichzeitig zulassen, dass die Regenwälder über Jahrzehnte vergeblich auf ihren Schutz warten.

Gut gebrüllt, Löwe! Gefällt mir sehr.

 

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