SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Sonntag 6. April 2008

Sed quis custodiet ipsos custodes
Juvenal

 

Die Vorratsdaten­speicherung (2)

Hamster„Ich habe nichts zu verbergen“. Das höre ich häufig, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht, die bei der eigenen Wohnung beginnt und nicht in meinem Computer endet. Für mich gilt das sicher nicht. Ich habe etwas zu verbergen, ich will da ganz offen sein. Ich sperre beispielsweise hinter mir ab, wenn ich aufs Klo gehe. Für mich als Mathematiker endet der Artikel hier. Jeder hat also etwas zu verbergen. Quod erat demonstrandum.

Aber das war vielleicht zu schnell.Bei der Vorratsdatenspeicherung geht es darum, dass für einen bestimmten Zeitraum festgehalten wird, wer mit wem wann Kontakt hatte. Dabei zählt jeder Kontakt, der nicht persönlich ist, also Mails, SMS, Telephonate, Chats. Sie haben übrigens soeben Kontakt mit mir. Sie lesen meinen Blog (hoffentlich noch weiter). Auch das sind Daten, die gespeichert werden. Nun gut, Sie kennen keine Terroristen, keine Al-Qaida-Mitglieder, keine Taliban, Bombenleger, Hamas-Kämpfer? Nun, das stimmt wohl. Aber Sie lesen ja noch immer und nun hatten Sie Kontakt zu einer Webseite, auf der jede Menge Schlüsselwörter vorkommen, bei deren Erscheinen sich automatisch Fahndungscomputer einschalten und alle Daten aller Schreiber und Leser solcher Seiten auf den Haufen mit den Verdächtigen legen. Falls die Paranoiden recht haben sollten, die an die Existenz solcher Software glauben. Also zum Beispiel die Abgeordneten, die im Europäischen Parlament am 11.Juli 2001 darüber sinnierten, wie in ihrem Sitzungs­protokoll zu lesen ist, wie man die heimische Industrie vor Abhören schützen könne. Es ging um das grosse Lauschpaket Echelon der Amerikaner (e.a., um genau zu sein). Industriespionage will man ja nicht, wenn man auch sonst nichts zu verbergen hat.

Dass die Rede nur vom Schutz der nationalen Industrien in Europa war, nicht der Schutz der Privatsphäre der Einzelnen, wurde von einigen Abgeordneten in der Sitzung kritisiert, nachzulesen in Protokoll. An Echelon gab es zu dieser Zeit sogar noch in den USA heftig Kritik. Diese verstummte angesichts des 11. September und des bald darauf erlassenen Patriot Act. Über den will ich heute aber nicht schreiben.

Ich will doch nur diejenigen, die glauben, sie hätten nichts zu verbergen, nachdenklich machen. Da fällt mir eine Geschichte ein. Eines Tages, vor mehr einem Vierteljahrhundert, bekam ich eine Vorladung auf ein Polizeirevier. Dieser gerade noch höfliche, dafür aber sehr bestimmte Ton, der einem klar macht, dass man zu erscheinen hat. Man befragte mich, wer vor einigen Wochen vor mir einen bestimmten Bankautomaten genutzt hätte. Wahrheitsgemäß antwortete ich, dass ich mich daran nicht erinnern könnte, selbst wenn es gestern gewesen wäre. Ich achte nicht auf Leute, die vor mir am Bankomaten stünden, solange sie ihre Angelegenheiten in vertretbarer Zeit regelten. Genau genommen wisse ich nicht mal mehr, ob ich an dem fraglichen Tag überhaupt in einer Bank gewesen sei, aber wenn sie es sagten, werde es vermutlich stimmen.

Die Beamten zogen die Daumenschrauben etwas fester, fragten, ob ich nicht etwas zu verheimlichen hätte, dass ich mir nicht die Mühe geben müsse, meinen Bekannten(?!?) zu decken und dass ich mich ansonsten längst in Widersprüche verwickelt hätte und achtgeben müsse, mich nicht noch tiefer reinzureiten. Und das alles nur, weil ich direkt nach jemandem Geld abgehoben hatte, der selbst wiederum offensichtlich die Neugierde der Polizei geweckt hatte.

Als ich nach sechs Jahren wieder freikam – nein. Kleiner Scherz. Natürlich endete die Zeugenbefragung irgendwann, die Kriminalpolizisten waren gegen Ende auch wieder richtig höflich. Ich war um eine Erfahrung reicher, etwa 3 Stunden (inkl. Anfahrt) meines Lebens waren verstrichen. Unangenehme Erfahrung. Und nur, weil ich Geld abgehoben hatte? Ich beruhigte mich mit stochastischen Überlegungen. Wie wahrscheinlich ist es, dass einem das einmal oder gar zweimal im Leben passiert? Und da ich ja unbescholten bin und nichts zu verbergen habe….

Im Internet hat man nicht einen Menschen in einer Schlange vor sich. Es gibt keine Schlange. Gut möglich, dass man genau dieselben Seiten besucht wie ein bekannter Al-Qaida-Kämpfer. Und das muss man dann den Beamten erklären. „Wieso haben Sie in einer Stunde 160 mal dieselbe Adresse angeklickt wie ein observierter Verdächtiger? Das macht Sie auch zum Verdächtigen“. Das können Sie nicht erklären? Ich kann es vielleicht. Ein Kunde von uns hatte auffällig viel Kontakt zu Netznutzern, gegen die ermittelt wird. Die Polizei fragt seine Adresse sehr regelmäßig ab, jedes mal eine neue Dienststelle, versteht sich. Irgendwann geht das schief, irgendwann stürmen vielleicht bewaffnete Truppen seine Firma. Dabei liefert er seine Internet­pakete in Millionenauflage innerhalb kürzester Zeit an zigtausende von Benutzern. Bis jetzt wurden Maßnahmen gegen diese Firma immer noch rechtzeitig eingestellt. Ach, es handelt sich um

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