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Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

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Mittwoch 18. Juni 2008

Europa ist ein Staat, der aus mehreren Provinzen besteht.
Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu

 

Die Rettung Europas

EU-FlaggeEuropa ist unbestritten eine bewegende An­ge­le­gen­heit. Die Ge­ne­ra­ti­onen in Deutsch­­land, die zwischen 1930 und 1950 geboren wurden, haben ein besonderes Verhältnis zur EU. Sie waren er­schüt­tert durch die unverschuldete Kriegs- und Nach­kriegs­erfahrung. Sie waren ent­­täuscht und ent­­setzt vom Deutschen Reich und der Idee der Nation. So über­rascht es nicht, dass auch und vielleicht besonders Deutsche als Motor für die immer engere Ver­schmelzung der Länder in Europa aktiv waren. Hinter­grund war vor allem der Gedanke an ein nicht nur wirt­schaft­­lich, sondern auch politisch vereintes Europa, in dem qua constructione auch keine Kriege mehr möglich sein würden.

Wie geschichtslos, kleinlich und uninformiert sind dagegen Menschen, die sich diesem Wunsch nicht anschließen wollen! Haben wir gestern also zu Unrecht den Iren Respekt versprochen für ihre Entscheidung? Ursprünglich hätte heute an dieser Stelle eine kritische Beleuchtung der Europa­gegner stehen sollen. Ihre Demagogie zu entlarven, ihre selbstsüchtigen Argumente bloß­zu­stellen. Es ist so einfach, mit Gurken und Bananen die grossen Errungen­schaften der EU ins Lächerliche zu ziehen. Aber dann dieses Desaster: Die EU „schafft die Glühbirnen ab“. Europaweit.

Green GimmickEs soll hier nicht um die Sache gehen. Natürlich kann man überlegen, ob es ökologisch tatsächlich besser ist, queck­sil­ber­haltige Spar­lampen vor­zu­schrei­ben, die nur im Sonder­müll entsorgt werden dürfen. Natürlich ist es frag­würdig, das über Ab­gaben zu regeln – Glüh­birnen kosten in Zukunft also wohl Steuern. Grenz­wertig ist es auch, in diesem Zu­sam­men­hang an­zu­regen, den Kamin­­kehrern europa­weit Über­wachungs­auf­gaben und die dazu passenden Befugnisse zu übertragen, wenn schon nicht für die Glüh­birnen, so doch darauf, ob jeder Haus­besitzer zwischen Estoril und Dorpat auch ja energie­sparende Heizungen einsetzt.

Selbstverständlich könnte man einwenden, dass man bereits viel einsparen könnte, wenn man aufhören würde, nachts Gebäude anzustrahlen. Man könnte auch die Flutlichtanlagen beim Fussball einsparen – die Leute sollen tags kicken, da ist es kostenlos hell. Schneekanonen? Laubbläser? Standby-Knöpfe an Elektrogeräten? Es gibt viel zu tun. Aber, und diese Frage drängt sich inzwischen täglich auf, warum muss das gleich wieder für alle Europäer identisch geregelt werden? Um den Glüh­birnen­her­stellern das Leben leichter zu machen? Um zu verhindern, dass deutsche Energie­spar­lampen­ver­weigerer sich im be­nach­barten Aus­land eindecken? Die EU sind nicht die einzigen Vereinigten Staaten der Welt. Der europäische Staaten­bund ist aber sicher erheblich lockerer als der der USA. Und doch schaffen die Amerikaner es, solche Dinge den Bundes­staaten zu überlassen. Kalifornien legt mehr Wert auf Umwelt als andere. Arizona hat liberalere Waffen­gesetze als New York. Alles reine Länder­sache, selbst die Todes­strafe, das vielleicht krasseste Beispiel.

Vielleicht ist es das schon. Europa sollte sich einfach mal Nachhilfe in Föderalismus gönnen. Wenn es dann konkreter wird, würde ich allerdings

auf deutsche Berater verzichten…

(Bildquelle: www.netzheimer.de)

 

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