SvB-Blog

Die Freiheit der Meinung setzt voraus, daß man eine hat (Heinrich Heine)

Samstag 26. April 2008

 

Marcus Licinius Crassus

Marcus Licinius Crassus

Ovid sagt in seinen Metamorphosen:

copia nulla famem relevat; sitis arida guttur
urit, et inviso meritus torquetur ab auro
ad caelumque manus et splendida bracchia tollens
‚da veniam, Lenaee pater! peccavimus‘ inquit,
’sed miserere, precor, speciosoque eripe damno!‘

Das heißt auf Deutsch:

Mitten in Fülle bleibt sein Hunger; es brennt in der Kehle
Trockener Durst, und das leidige Gold ist verdienete Plage.
Da zum Himmel erhebt er die Händ‘ und die strahlenden Arme:
„Vater Lenaios, verzeih huldvoll! Wir frevelten“, sprach er,
„Aber erbarme dich mein und entreiß mich dem glänzenden Elend!“

Und wir sind mitten im Thema. Online liest man nämlich auf den Seiten der Tagesschau zur Debatte über Vorstandsgehälter und ­-ab­findungen:

SPD will Grenzen für Managergehälter

Die SPD will die Höhe von Managergehältern und -abfindungen durch Änderungen des Steuer-, Aktien- und Handelsrechts begrenzen. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte in der ARD: „Es geht darum Auswüchse zu bekämpfen, die wir erlebt haben bei Managergehältern.“ Dazu brauche man mehr Transparenz, steuerrechtliche Regelungen die die Absetzbarkeit von Abfindungen begrenzten und entsprechende Regelungen im Handelsrecht. Am Montag sollen dem SPD-Präsidium konkrete Vorschläge einer eigens eingesetzten Arbeitsgruppe zum Beschluss vorgelegt werden.

Säbelgerassel. Die Höhe von Managergehältern ist ein Thema, das sich eignet, Mehrheiten zu organisieren, Wähler wieder einzufangen. Das ganze ist allerdings nicht trivial. Man kann nicht einfach ein Gesetz machen „Niemand darf mehr verdienen als das n-fache des deutschen Durchschnittes“. Und dieses „n“ dann in einer Verordnung regeln. Oder „Niemand darf mehr als das 100fache seines eigenen schlechtestbezahlten Mitarbeiters verdienen“. Oder „Niemand darf mehr verdienen als 1 Million im Jahr. Alles andere ist abzuliefern.“

Die Hebel sind laut Tagesschau-Meldung bereits ausgemacht: Aktienrecht, Handelsrecht, Steuerrecht. Sagt die SPD, klingt aber nicht glaubwürdig. Handelsrecht? Läßt sich durch simples Umstrukturieren jederzeit leicht umgehen. Aktienrecht? Soll den Aktionären verboten werden, beliebig hohe Gehälter zu bezahlen? Mit welchem Argument – es ist ja deren Geld? Oder soll nur den Aktionären ermöglicht werden, Einfluß zu nehmen auf die Gehälter, die in ihrem Unternehmen gezahlt werden? Das wäre zwar per se zu begrüßen, aber es wird nicht zu einer deutlichen Senkung der Managementgehälter führen. Zum einen gibt es bereits Änderungen, die teilweise schwer erträgliche Einschnitte in die Persönlichkeitsrechte der Manager darstellen (vor allem die Veröffentlichung des Einkommens), aber gebracht hat es wenig bis nichts und andererseits ist bekannt, dass deutsche Konzerne ihre Manager ohnehin nicht so reichlich ausstatten wie amerikanische. Trotz der schwindelerregenden Summen, die hier schon bezahlt werden.

Bleiben also die Steuern. Das würde auch zur derzeitigen Koalition passen. Steuern gegen Minderheiten, die nicht auf Mitleid hoffen dürfen, werden vom Wähler sicher belohnt, schaden jedenfalls keinesfalls bei der nächsten Wahl. Lesen wir weiter:

SPD-Vizechefin Andrea Nahles sagte dem „Tagesspiegel am Sonntag“, Unternehmen sollten nach dem Willen ihrer Partei, Gehälter nicht mehr als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen können. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte unter Berufung auf ein SPD-internes Papier berichtet, bis zu einer Höhe von einer Million Euro sollten Gehälter und Abfindungen weiter komplett beim Finanzamt geltend gemacht werden können – höhere Summen nur zur Hälfte. Die SPD will die Pläne noch in diesem Jahr umsetzen. Dem Bericht zufolge ist aber unklar, ob die Union mitzieht.

Das also ist herausgekommen. Nicht die Höhe der Gehälter wird begrenzt, sondern einfach die Steuern erhöht. Sagt Frau Nahles, aber man kann sich des Gefühls nicht erwehren, das ist nicht nur so dahergeredet. Da stecken bereits Pläne dahinter, Machbarkeitsüberlegungen.

Man kann sich sicher sein: So etwas kommt bei der Mehrzahl der Wähler an. Die Unternehmen und ihre Manager, mit anderen Worten: Das Böse™ muss also mehr Steuern bezahlen. Ist natürlich Unsinn. Die Unternehmen bezahlen also weniger an die Manager und müssen die Gewinne thesaurieren oder ausschütten. D.h., Unternehmenssteuern und Quellensteuern anstelle der viel höheren Einkommenssteuer. Wir verlieren Einnahmen.

Oder sie bezahlen dasselbe wie heute oder gar mehr, dann dürfen sie dies nicht mehr als Betriebsausgabe geltend machen? D.h., sie müssen vorher die Unternehmenssteuern bezahlen. Die Manager versteuern das Geld theoretisch noch einmal. Falls es überhaupt möglich ist, das verfassungsfest in ein Gesetz zu gießen, so sind die Auswirkungen wieder katastrophal: Dann geht die ganze Zentrale des Unternehmens ins Ausland. Die operativen Gesellschaftsteile können ja hierbleiben. Aber die komplette Steuereinnahme ist damit weg.

Also heiße Luft? Die erste saure Gurke des Jahres? Nur Populismus, der dann an „Sachzwängen“ scheitern wird oder an einem bockigen Bundesverfassungsgericht oder einem Bundespräsidenten, der liest, was er unterschreibt?

Natürlich sind die immer wieder als Beispiele angeführten Manager überbezahlt. Fußballer übrigens auch, zumindest die bei Bayern München. Tennis. Golf und Formel 1? Alles überbezahlt. ARD- und ZDF-Intendanten natürlich auch. Wieso beschränken wir uns nur auf die Manager? Und, wenn man sauber recherchiert, auch nur auf die DAX-Vorstände, cum grano salis?

Schützen müsste man alle vor der Gier, wir denken unwillkürlich an Marcus Licinius Crassus. Dieser hatte es zu sagenhaftem Reichtum gebracht, insbesondere mit der Erfindung der hauptberuflichen Feuerwehr. Ein Vermögen hat er sich damit jedenfalls verschafft, Freunde eher weniger. Seine Geschäftsidee war, dass die Preisverhandlungen für Löscharbeiten immer individuell geführt wurden. Man stelle sich vor, die Hütte brennt und vor der Tür steht die Feuerwehr und diskutiert über die Kosten. Genial. Das erklärt auch, wieso sein grausamer Tod so genüßlich immer wieder berichtet wurde, auch wenn es Zweifel an dieser Darstellung gibt. Nach der verlorenen Schlacht bei Carrhae fiel Crassus jedenfalls den feindlichen Parthern in die Hände. Da diese seine sprichwörtliche Gier kannten, richteten sie ihn hin, indem sie ihm flüssiges Gold in den Mund gossen, damit er einmal den Hals vollkriege. Das scheint bereits eine parthische Redensart gewesen zu sein und Frau Nahles von der SPD versucht ja nur, die Manager vor diesem grausigen Schicksal zu bewahren, wer auch immer heute die Parther sind.

Aber es gibt da schon einen Riesenunterschied: Crassus mag kein Sympath gewesen sein. Aber er war auch sicher kein Manager, sondern Unternehmer.

Und dieser Unterschied ist mir wichtig!

 

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